Raum der Angst – Marc Meller

Verlag: Ullstein

Erscheinungsdatum: 31. August 2020

Seiten: 384

ISBN: 9783548063805

Der Autor (Verlag):

Marc Meller ist das Pseudonym eines erfolgreichen Roman- und Drehbuchautors. Am liebsten schreibt er Thriller, in denen das Thema „Angst“ in all seinen Ausformungen eine zentrale Rolle spielt. Marc Meller lebt in Köln und Hannover.

Klappentext (Verlag):

Ein Escape-Room-Thriller

Der Thriller für alle Fans von Escape und Exit Games

Ein geheimes Experiment. Acht Teilnehmer. Sieben verschlossene Räume. Und ein Killer in Spiellaune

Er nennt sich Janus. Nach dem römischen Gott der Ein- und Ausgänge. Und er kommt in der Nacht. Still, heimlich. In dein Zuhause. Er betäubt dich, nimmt dich mit und schließt dich ein, in einen kalten, dunklen Raum. Um mit dir ein Spiel zu spielen. Sein Spiel. Ein Spiel voller Rätsel. Du hast nur eine Chance diesem Albtraum lebend zu entkommen: Du musst Janus‘ Spiel spielen – und gewinnen. Zum Glück bist du nicht allein. Du hast Mitspieler. Noch denkst du, dass das ein Vorteil wäre. Bis du begreifst: Dieses Spiel erlaubt nur einen Sieger, nicht mehrere, und die Verlierer werden sterben.

Meine Meinung:

Wow! Damit hatte ich nicht gerechnet. Am Sonntag Morgen habe ich das Buch begonnen und hatte eigentlich den Plan es nicht am Stück weg zu lesen, aber das war gar nicht möglich.

Die Studentin Hannah wird erst mit K.O.-Tropfen betäubt und dann entführt. Sie wacht in einem Raum auf, der offensichtlich keinen Ausgang hat. Kurze Zeit später stehen plötzlich sieben weitere Personen neben ihr, die behaupten an einem Experiment eines bekannten Professors teilzunehmen. Nach und nach stellt sich heraus, dass die acht völlig unterschiedlichen Personen in einem Live-Escape-Room gefangen sind. Allerdings ist dies kein Spiel oder ein Experiment, sondern blutiger Ernst.

Als Leser/Leserin ist man direkt mitten drin. Erst spült man noch mit Hannah zusammen den Tresen in der mexikanischen Bar ab und schon ist man mitten drin im schrecklichsten Alptraum, den man sich vorstellen kann. Der Autor hat sich Räume einfallen lassen, die ich niemals hätte lösen können, vor allem nicht, wenn sie Realität wären. Er hat sich aber auch überlegt, dass  es Tote geben muss, damit es richtig spannend wird. Ähnlich wie bei „Game of Thrones“ ist man niemals sicher, dass die Figur, die man gerade mag, überlebt. Alles ist möglich. Das Ganze ist nicht blutrünstig und in allen Einzelheiten beschrieben, aber schon ziemlich deutlich beschrieben. Besonders gut fand ich hier die kurzen Kapitel, die mich dazu verleitet haben, immer noch ein Kapitel dran zu hängen.

Die beiden Ermittler, die erst seit kurzem zusammen arbeiten, werden nicht übermäßig viel erwähnt, allerdings so viel, dass ihre Ermittlungen ausreichend beschrieben werden. Der Focus liegt hier auf den Räumen und dem, was sich dort ereignet. Für meinen Geschmack kam die Auflösung bezüglich des Täters recht früh, was aber der Spannung trotz allem nicht geschadet hat. Ich gehöre zu der Sorte Leser, die lieber bis zum Ende raten und überlegen, wer es sein könnte, daher war ich zu dem Zeitpunkt sehr überrascht darüber.

Mir haben die psychologischen Spielereien sehr gut gefallen. Genau dieses Eingreifen in das Leben der Opfer macht für mich einen richtig guten Thriller aus. Die Gründe für die Tat waren für mich ausreichend erklärt, so dass keine Fragen offen blieben.

Wenn ihr Psychothriller mögt, die euch ununterbrochen an den Fingernägeln kauen lassen, solltet ihr auf keinen Fall einen Bogen um „Raum der Angst“ machen. Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung.

Weiter Infos über das Buch und eine Leseprobe findet ihr auf der Seite des Verlages.

Das Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Follow Friday 25. September 2020

Nachdem ich mich erst mal wieder im Büro einleben musste, hat es mit dem Lesen im Alltag trotzdem ganz gut geklappt. Das ist ja immer mein kleines Problem: Sobald ich wieder arbeite und Alltagsaktivitäten wie Sport und Treffen mit Freunden mache, komme ich nicht zum lesen bzw. habe ich abends keine Lust mehr mir ein Buch zu nehmen und daddel statt dessen am Handy rum. Schrecklich ist das und ich bin Schritt für Schritt dabei das zu ändern.

Mein Goodreads-Account hat mir kürzlich verraten, dass ich dieses Jahr mein gestecktes Ziel von 50 Büchern schon überschritten habe und sogar ein neues Ziel angeben konnte. Wie jedes Jahr sind da auch Hörbücher inbegriffen. Das mag daran liegen, dass ich mehr Bücher unter 500-800 Seiten und kürzere Hörbücher als 30-40 Stunden gehört habe, aber auch an dem großen Plus an Lesezeit, das ich durch Corona bekommen habe. Ich finde das gut und werde das auch so beibehalten.

Nun möchte ich mal die Frage vom vergangenen Freitag auf Ein Anfang und kein Ende beantworten:

Lest ihr gerne vor? Bekommt ihr gerne vorgelesen?

Nein, ich lese gar nicht gerne vor. Ich habe an mich selber den Anspruch, dass ich so lesen muss wie ein geschulter Schauspieler/Hörbuchsprecher. Das ist natürlich Unsinn, aber ich kann das nicht abstellen. Das ist auch so bei Kinderbüchern.

Aber: Ich liebe Hörbücher. Ohne kann ich mir ein Leben gar nicht mehr vorstellen. Seit vielen Jahren habe ich mir immer vorgenommen beim Laufen oder beim Haushalt mal Musik zu hören, aber dann siegt fast immer das Hörbuch. Und beim Autofahren sowieso. Ich habe seit April 2009 ein Audible-Abo und habe mittlerweile so viele Bücher gehört, dass ich die gar nicht mehr zählen kann. Was ich allerdings nicht unbedingt toll finde ist, wenn mir nicht geschulte Menschen vorlesen, da lese ich doch lieber selber. Bei mir gibt es trotzdem immer Lesebücher, die ich gar nicht hören will und Hörbücher, die ich nicht lesen möchte.

Wie ist es bei Euch? Es soll ja tatsächlich Leute geben, die total gerne vorlesen. Gehört ihr dazu? Oder seid ihr auch Hörbuchjunkies so wie ich?

Für weitere Antworten guckt gerne mal auf den folgenden Blogs vorbei:

Ein Anfang und kein Ende
Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie
Rina
Nordlicht liest
Giselas Lesehimmel
Buch und Co
Lesekasten
Wortverloren
Lesen und mehr
Bücher, ebooks und mehr
Gila`s Bücherstube

Die unglaubliche Reise der Großmutter Maru auf ihrem himmelblauen Fahrrad – Gabri Ródenas

„Eins mit sich selbst zu sein bedeutet, sich seine wahre Natur in Erinnerung zu rufen.“

Originaltitel: La abuela que cruzó el mundo en una bicicleta

Übersetzerin: Anja Rüdiger

Verlag: Thiele & Randstätter Verlag GmbH

Erscheinungsdatum: 3. August 2020

Seiten: 192 Seiten

ISBN:  978-3851794557

Der Autor (Verlag):

GABRI RÓDENAS geboren 1976 in Murcia, ist ein spanischer Autor und Philosophieprofessor, dessen Romane sich durch ihre Mischung aus Originalität, Einfühlungsvermögen, Humor und philosophischer Weisheit auszeichnen. Er kombiniert seine Arbeit als Schriftsteller mit seiner Lehrtätigkeit an der Universität von Murcia. Sein Roman über die lebenskluge Großmutter Maru und ihre ungewöhnliche Reise wurde in zahlreiche Länder verkauft und eroberte die Herzen unzähliger Leserinnen und Leser. 

Klappentext (Verlag):

Doña Maru, eine rüstige alte Dame von neunzig Jahren, führt ein friedliches Leben am Radnd von Oaxaca, Mexiko. Wenn sie dem Waisenhaus einen Besuch abstattet, hat sie stets ihre unverwechselbaren Karamellkekse dabei und schenkt den elternlosen Kindern nicht nur diese Süßigkeiten, die für sie selbst einmal eine besondere Bedeutung hatten, sondern auch ihr Lächeln und das Licht der Hoffnung. Maru hat niemals lesen und schreiben gelernt, doch sie ist unendlich weise. Als sie eines Tages zu ihrer großen Überraschung erfährt, dass sie einen Enkel hat, der in Veracruz lebt, beschließt sie, auf ihr himmelblaues Fahrrad zu steigen – ihren wertvollsten Besitz – und den jungen Mann zu suchen. Die Fahrt von Oaxaca nach Veracruz ist für die alte Frau eine Weltreise. Doña Maru hat nur eine vage Ahnung, wo genau sie hinmuss, und macht sich nicht allzu viele Sorgen wegen möglicher Gefahren. Sie glaubt fest daran, dass sich immer ein Mensch mit einem guten Herzen findet, der einem weiterhilft. Und so beginnt eine abenteuerliche Reise von einer Küste Mexikos zur anderen, auf der Großmutter Maru vielen Menschen begegnet, die nicht nur ihre Karamellkekse gern entgegennehmen, sondern auch ihren Rat und ihren erhellenden Blick auf die Dinge …. 

Meine Meinung:

Zugegeben, der Titel des Buches ist ziemlich sperrig und das Cover ist auch nicht gerade innovativ, aber das ist auch das einzige, was ich an dem Buch auszusetzen habe. Allerdings war mir nicht so wirklich klar, worauf ich mich da eingelassen habe, als ich mich für das Buch entschieden habe.

Der Leser/die Leserin begleitet Doña Maru auf der Suche nach ihrem Enkel. Das ist eigentlich die einzige Handlung. Auf dem Weg trifft sie einige verirrte Seelen, denen sie kluge Ratschläge gibt.

Das Buch ist sehr philosophisch geschrieben, was aber nicht verwunderlich ist, denn Gabri Ródenas ist Philosophieprofessor und das ist auch in so gut wie jeder Zeile erkennbar. Würde ich Doña Maru im wahren Leben treffen, wäre ich wahrscheinlich total genervt, im Buch fand ich sie unglaublich niedlich, weil sie einfach auf die Menschen, die ihre Hilfe in Form von einem Rat benötigten, eingegangen ist und ihre Probleme auch direkt erkannt hat. Ich habe quasi das gesamte Buch markiert, weil ich so viele Sätze so klug fand, dass ich sie nie wieder vergessen möchte. Zum Beispiel dies: „Neugeborene und kleine Kinder verhalten sich, obwohl sie Menschen sind, wie die Tiere. Sie leben im Hier und Jetzt, ohne an die Vergangenheit oder die Zukunft zu denken… Weil sie sich dessen nicht bewusst sind.“

Der Autor erwähnt in der Einleitung, dass das Buch einen verändern wird. Wenn man das Buch mit Sinn und Verstand liest, ist das durchaus so, denn ich glaube, dass die meisten Menschen sich in den Leuten, denen Doña Maru einen Rat gibt, wiedererkennen. Ob es nun darum geht, dass man lebt um zu arbeiten oder sich nicht anerkannt fühlt oder sich gesellschaftlich selber ausgrenzt. Für jeden ist das ein oder andere dabei, zu dem der Autor einen einlädt drüber nachzudenken.

Das Buch ist ein Ratgeber für ein entspanntes Leben, es zeigt uns, wie man im Moment leben kann und wie man es schafft, sich weniger Sorgen zu machen und mehr bei sich selber zu sein, eingebettet in eine kleine herzerwärmende Geschichte. Für alle, die sich für dieses Thema interessieren, ist dieses Buch perfekt.  Diejenigen, die das alles für Quatsch halten, sollten das Buch auch nicht lesen.

Mehr über das Buch erfahrt ihr auf der Homepage des Verlages.

Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Thiele & Brandstätter Verlag GmbH zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Montagsfrage # 94 – Wie wichtig sind euch Book Awards?

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Was war das bloss für ein Wochenende! Ich habe Ende der letzten Woche total enthusiastisch mit „Kleine Feuer überall“ von Celeste Ng angefangen und es am Sonntag morgen dann kurz für „Raum der Angst“ von Marc Meller (alias Lorenz Stassen) unterbrochen. „Raum der Angst“ war soooo spannend, dass ich es gestern Abend noch beenden musste. Meine ausführliche Meinung dazu erfahrt ihr im Laufe der Woche.

Nun kommen wir zu der Montagsfrage, die Antonia auf Lauter & Leise stellt:

Wie wichtig sind euch Book Awards?

Mir sind Preise, egal welche, im Liteaturbereich völlig egal. Ich lese was mir gefällt und vor allem was mir (meistens über die Büchereule) empfohlen wird. Mir ist es einfach nicht wichtig, welche Preise der Autor/die Autorin abgeräumt hat bzw. das jeweilige Buch. Meistens ist es sogar so, dass ich prämierte Bücher gar nicht mag. Manchmal glaube ich sogar, ich wäre zu dumm die Herrlichkeit dieser Bücher zu verstehen, aber dann höre ich von überall her, dass man es auch nicht so überragend fand.

Andererseits freue ich mich für Autoren und Autorinnen mit, wenn sie einen Preis gewinnen, denn dafür haben sie schließlich hart gearbeitet.

Wie ist das denn bei euch?

Bai Antonia findet ihr noch mehr Antworten von andern Bloggern. Vielleicht habt ihr ja Lust mal dort vorbei zu gucken.

Review of the Month – August 2020

Etwas verspätet aus den bekannten Gründen möchte ich euch nun mein Rewiew des Monats vorstellen.

Und zwar ist es „Wie die Ruhe vor dem Sturm“, der erste Teil der Chances Reihe von Britainy C. Cherry. Der Titel und auch das Cover sind eigentlich gar nicht mein Ding, aber aus einem Grund, den ich immer noch nicht kenne, wollte ich es lesen. Dann habe ich es aber gehört, weil mir einfach die Zeit gefehlt hat und ich war überwältigt. So viele Gefühle in einem Buch habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Vor allem waren die Sprecher überragend. Beide kannte ich vorher noch nicht.

Den nächsten Teil werde ich auf jeden Fall auch hören.

Besucht doch mal The Art of Reading, dort werden noch mehr Highlights aus August vorgestellt.

Montagsfrage # 93 – Nehmt ihr dieses Jahr an der Frankfurter Buchmesse teil?

Ich gebe zu, ich habe bei der Montagsfrage etwas geschludert, aber erst war ich urlaubsreif, im Urlaub zu faul irgendwas zu machen und dann hat mich der Alltag im Job überholt. Aber jetzt bin ich wieder einsatzbereit 🙂

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Aktuell lese ich „Kleine Feuer überall“ von Celeste Ng. Das Buch wollte ich schon sehr lange lesen, eigentlich schon seit Erscheinen in Deutschland im April 2018, aber ihr wisst ja, wie das ist. Da mittlerweile eine Serie dazu erschienen ist, die ich sehen möchte, hab ich mich endlich mal dran gesetzt. Bisher gefällt es mir ganz gut.

Morgen fängt bei der Büchereule die Leserunde zu „Raum der Angst“ von Marc Meller an. Darauf bin ich sehr gespannt. Ich liebe Escape-Rooms, allerdings fand ich den letzten Escape-Room-Thriller, den ich gelesen habe, ziemlich blöd. Ich habe sogar Titel und Autor vergessen. Danach werde ich wahrscheinlich „Wenn das Licht gefriert“ von Roman Klementovic lesen.

Auf den Ohren habe ich den zweiten Teil der Luc-Verlain-Reihe von Alexander Oetker („Chateau Mort“) und werde den dritten Teil „Winteraustern“ direkt anschließen. Die Reihe gefällt mir wirklich gut, weil es eigentlich mehr Roman mit Krimi-Elementen ist und in mir irgendwie ein Warme-Decken-Gefühl auslöst.

Diesmal hat Antonia von Lauter & Leise folgende Frage gestellt:

Nehmt ihr dieses Jahr an der Frankfurter Buchmesse teil?

Zufällig bin ich genau heute auf die Idee gekommen mal zu gucken, ob die Messe vielleicht dieses Jahr virtuell stattfindet, denn ich hatte gar keinen aktuellen Stand im Kopf. Eigentlich kümmere ich mich gar nicht so sehr um Büchermessen und war auch erst zwei Mal in Frankfurt, aber ich habe irgendwie Lust gehabt mal wieder eine Messe zu besuchen. Natürlich erst irgendwann im nächsten Jahr (hoffe ich zumindest). Ich habe mir sowohl die Frankfurter als auch die Leipziger Buchmesse heute als festen Termin im Kalender eingetragen und werde mir auch einige Events ansehen. Ich habe mich sogar zur LitLove angemeldet, obwohl ich damit bisher noch gar nichts am Hut hatte. Corona hat schon seltsame Auswirkungen.

Wie ist es bei Euch? Nehmt ihr an der Frankfurter Buchmesse teil?

Guckt auch mal bei Antonia vorbei, dort haben noch mehr nette Buchblogger mitgeteilt, ob sie teilnehmen oder nicht.

Hamster im hinteren Stromgebiet (Alle Toten fliegen hoch # 5) – Joachim Meyerhoff

„Zeit ist Hirn.“

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 10. September 2020

Seiten: 320

ISBN: 978-3-462-00024-5

Der Autor (Verlag):

Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar, aufgewachsen in Schleswig, war vierzehn Jahre lang Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In seinem sechsteiligen Zyklus »Alle Toten fliegen hoch« trat er als Erzähler auf die Bühne und wurde zum Theatertreffen 2009 eingeladen. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt. Für seinen Debütroman wurde er 2011 mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis und 2012 mit dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Im September 2016 erhielt er den Nicolas-Born-Debütpreis, den Euregio-Schüler-Literaturpreis, im Januar 2017 die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz. Im Mai 2017 wurde Joachim Meyerhoff in der Sektion Darstellende Kunst in die Akademie der Künste aufgenommen und von der Fachzeitschrift Theater heute zum Schauspieler des Jahres 2017 gewählt. 2018 erhielt er für sein Prosawerk den Jonathan-Swift-Preis für Satire und Humor. Seit 2019 ist Joachim Meyerhoff Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne.

Klappentext (Verlag):

Zeit ist Hirn.

Was passiert, wenn man durch einen gesundheitlichen Einbruch auf einen Schlag aus dem prallen Leben gerissen wird? Kann das Erzählen von Geschichten zur Rettung beitragen? Und kann Komik heilen? Nachdem der Erzähler Joachim Meyerhoff aus so unterschiedlichen Lebenswelten berichtet hat wie einem Schüleraustausch in Laramie, Amerika, dem Aufwachsen auf einem Psychiatriegelände, der Schauspielschule und den liebesverwirrten Jahren in der Provinz, gerät der inzwischen Fünfzigjährige in ein Drama unerwarteter Art. Er wird als Notfall auf eine Intensivstation eingeliefert. Er, der sich immer durch körperliche Verausgabung zum Glühen brachte, die »blonde Bombe«, für die Selbstdetonationen ein Lebenselixier waren, liegt jählings an Apparaturen angeschlossen in einem Krankenhausbett in der Wiener Peripherie. Doch so existenziell die Situation auch sein mag, sie ist zugleich auch voller absurder Begebenheiten und Begegnungen. Der Krankenhausaufenthalt wird zu einer Zeit voller Geschichten und zu einer Zeit mit den Menschen, die dem Erzähler am nächsten stehen. Er begegnet außerdem so bedauernswerten wie gewöhnungsbedürftigen Mitpatienten, einer beeindruckenden Neurologin und sogar wilden Hamstern. Als er das Krankenhaus wieder verlassen kann, ist nichts mehr, wie es einmal war. Joachim Meyerhoff zieht alle literarischen Register und erzählt mit unvergleichlicher Tragikomik gegen die Unwägbarkeiten der Existenz an.

Meine Meinung:

Um ehrlich zu sein, habe ich die Teile 3 (Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke) und Teil 4 (Die Zweisamkeit der Einzelgänger) der Reihe noch gar nicht gelesen. Da ich aber weiß, dass die Bücher von Herrn Meyerhoff immer gut sind, habe ich ausnahmsweise mal nicht nach der Reihenfolge gelesen.

In „Hamster im hinteren Stromgebiet“ erzählt Joachim Meyerhoff von seinem Schlaganfall und die Tage, die danach folgten. Wie man es auch schon aus den andern Teilen der Reihe kennt, erzählt er nicht nur den aktuellen Erzählstrang, sondern auch viel von seiner Vergangenheit. Hier berichtet er, wie er sich durch Anekdoten, die er sich selber ins Gedächtnis gerufen hat, die Nächte schlaflos gestalten konnte, weil er Angst hatte im Schlaf zu sterben bzw. einen erneuten Schlaganfall zu bekomen. Dabei ist immer der für ihn typische Humor dabei. Manchmal musste ich trotz des fiesen Themas laut auflachen.

Das Buch kann man auch sehr gut lesen ohne vorher die vier anderen Teile zu kennen. Eigentlich lese ich Reihen nicht gerne durcheinander, aber das Buch hat mich einfach viel zu sehr gereizt. Und am Ende habe ich es an einem Sonntag durchgelesen, weil es mich so sehr gefesselt hat. Wie der Autor das macht, ist mir bis jetzt ein Rätsel, aber es funktioniert. Ich höre ihm einfach gerne zu, eher gesagt lese ich gerne, was und vor allem wie er erzählt.

Wer Joachim Meyerhoff noch nicht als Autor kennt, sollte sich schleunigst eins seiner Bücher besorgen und einfach mal losleegen. Es lohnt sich!

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren möchtet, guckt mal auf der Seite des  Verlages vorbei.

Das Buch wurde mir von Netgalley und Kiepenheuer & Witsch zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Sterben im Sommer – Zsuzsa Bánk

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsdatum: 26. August 2020

Seiten: 320

ISBN: 978-3103970395

Die Autorin (Verlag):

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für »Unter Hunden« aus ihrem Erzählungsband »Heißester Sommer« erhielt sie den Bettina-von-Arnim-Preis. Auch ihre Romane »Die hellen Tage« und »Schlafen werden wir später« wurden große Erfolge. Zuletzt erschien »Sterben im Sommer«.

Klappentext (Verlag):

Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In »Sterben im Sommer« erzählt Zsuzsa Bánk davon.

Meine Meinung:

Ich war mir nach den ersten Seiten gar nicht sicher, ob ich das Buch überhaupt weiter lesen möchte, weil es einfach so traurig und vor allem so persönlich ist. Ich habe mich dann dafür entschieden und bin froh darum.

Zsuzsa Bánks erzählt in „Sterben im Sommer“ nicht nur die Geschichte des Todes ihres Vaters, sondern auch ganz viel Familiengeschichte. Von der Flucht der Eltern 1956, von der dementen Tante, von Familienorten und –stücken in Ungarn, die nach dem Tod des Vaters noch wichtiger geworden sind. Viele Erinnerungen an ihren Vater und an verschiedene Situationen gehören ebenso dazu wie all die schrecklichen Momente, in denen sie und ihre Familie Hoffnung hatten, Angst oder Sorgen. Der Leser bzw. die Leserin begleitet die Autorin bis zum ersten Jahr nach dem Tod des Vaters und erlebt auch die große Trauer und Fassungslosigkeit mit.

Das Buch liest sich fast wie ein Tagebuch, allerdings in ausformulierter und romantauglicher Form. Ihre Gedanken springen immer mal wieder zurück in die Vergangenheit und auch dahin, was in der Zukunft sein könnte, wenn der Vater nicht mehr da ist.

Mich hat beim Lesen etwas verwirrt, dass es keine Kapitel in dem Sinne gab, die man sich so vorstellt. Allerdings kann es auch an der E-Book-Version liegen. Dies hat mir noch mehr das Gefühl gegeben, dass ich das Buch in einem weg lesen muss und nicht mittendrin stoppen darf.

Alles in allem ist das Buch unglaublich traurig, aber durch die schönen Sätze, die Zsuzsa Bánks verwendet hat, etwas ganz besonderes. Zitat: „Mein Vater war ein Bahnhofskind gewesen, ein Kind der Abfahrten und Ankünfte, der Signale und Trillerpfeifen, die Züge und Waggons waren seine Spielgefährten, sein Kumpane und Wegbegleiter. Seine frühen Jahre rankten sich über Bahnhöfe, waren um Schienen gebaut, um sie herum geflochten, ohne sie undenkbar.“ Die große Liebe zu ihrer Familie, zu Ungarn und auch zu ihren Freunden kann man aus jeder Zeile herauslesen. Trotz des so schrecklichen Themas empfand ich das Buch als wunderschön, aber es macht einem auch bewusst, dass man selber und seine Lieben nicht ewig leben werden.  

Wenn ihr mit dem Thema Tod nicht umgehen könnt, würde ich von dem Buch abraten. Ansonsten bekommt es von mir eine klare Leseempfehlung.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren möchtet, guckt mal auf der Seite des  Verlages vorbei.

Das Buch wurde mir von Netgalley und den S. Fischer Verlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Zugvögel – Charlotte McConaghy

„Meine Seeschwalbe erhebt sich als Erste. Inzwischen nenne ich sie nur noch „meine“, denn sie hat sich in mich hineingebohrt und ihr Nest in meinem Brustkorb gebaut.“

Originaltitel: Migrations

Übersetzerin: Tanja Handels

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsdatum: 26. August 2020

Seiten: 400 Seiten

ISBN:  978-3103974706

Die Autorin (Verlag):

Charlotte McConaghy, Jahrgang 1988, hat irische Wurzeln und wuchs in Australien auf. Ihre Passion für die Natur und Tierwelt und ihre Erschütterung über die Auswirkungen des Klimawandels inspirierten sie zu »Zugvögel«, ihrem literarischen Debütroman, mit dem sie den internationalen Durchbruch erreichte. Sie hat einen Abschluss als Drehbuchautorin der Australian Film Television and Radio School. McConaghy lebt heute in Sydney.

Klappentext (Verlag):

Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel beginnen zu verschwinden, beschließt die junge Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den rauen Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer. 

Meine Meinung:

Wow, dieses Buch ist so vielschichtig, dass ich gar nicht genau weiß, ob ich alles, was den Inhalt ausmacht, überhaupt in einem Leseeindruck erfassen kann. Vorab kann ich schon sagen, dass mich das Buch total gefesselt hat. Der Autorin ist da ein ganz großer Wurf gelungen.

Franny hat Wanderfüße, das heißt sie gehört zu den Leuten, die niemals an einem Ort sein bleiben können. Außerdem liebt sie das Meer, Vögel und ihren Mann Niall. Sie hat eine bewegende Vergangenheit hinter sich und mit der Suche nach den letzten verbliebenden Küstenseeschwalben findet sie sich und ihr Leben wieder. Das alles hört sich nicht wahnsinnig spannend an, finde ich. Aber das ist es, sehr sogar.

Das Buch spielt in verschiedenen Zeitebenen und –orten. Der Leser lernt Franny kennen, ihre Familie und den verrückten Beginn ihrer Ehe mit Niall. Franny ist nicht gerade ein Musterbeispiel an guter Laune und da das Buch aus ihrer Perspektive geschrieben ist, ist die Stimmung sehr oft negativ, was aber trotz allem angenehm zu lesen war und mich nicht in den seelischen Abgrund gestürzt hat. Man merkt deutlich, dass die Autorin sich um die Umwelt sorgt, denn das Buch spielt zum größten Teil in einer nicht näher benannten Zukunft, in der fast alle Tiere ausgestorben sind. Obwohl dies immer mal wieder Thema ist und auch deutliche Worte gesprochen werden, kommt es niemals aufdringlich herüber. Im Laufe des Buches habe ich Franny sehr in mein Herz geschlossen, auch wenn immer mal wieder große und kleine Überraschungen auftauchten, die mich an ihrer Ehrlichkeit und ihrem Charakter haben zweifeln lassen. Nach und nach hat sich Frannys gesamte Lebensgeschichte offenbart. Das und ihre Reise, die nicht so verläuft, wie sie sich das anfangs vorgestellt hat, hat das Buch so spannend gemacht.

Ich bin wirklich froh, „Zugvögel“ gelesen zu haben. Der Klappentext gibt zwar den Inhalt des Buches wieder, aber das Herz des Buches kann der Leser nur selber finden, indem er es liest. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen, obwohl manches ein wenig skurril ist und man sich dafür etwas öffnen muss.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren möchtet, guckt doch mal auf der Seite des Verlages vorbei.

Das Buch wurde mir von Netgalley und dem S. Fischer Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Retour – Luc Verlains erster Fall – Alexander Oetker (Hörbuch)

Sprecher: Frank Arnold

Verlag: Audiobuch Verlag OHG  

Erscheinungsdatum: 25. August 2020

Dauer: 7 Stunden 36 Minuten

ASIN: B08GG6WG6X

Der Autor (Verlag):

Alexander Oetker war langjähriger Frankreichkorrespondent für RTL und n-tv und ist profunder Kenner von Politik und Gesellschaft der Grande Nation. Geboren 1982 in Berlin, arbeitete er u.a. für die Berliner Zeitung, das Bayerische Fernsehen und den MDR. Seit 2012 ist er politischer Korrespondent für die Mediengruppe RTL Deutschland in Berlin, berichtet aber immer wieder aus Frankreich.

Klappentext (Verlag):

Luc Verlain liebt gutes Essen, Frauen und sein sorgenloses Leben in Paris. Doch als sein Vater schwer erkrankt, lässt Luc sich versetzen. Ausgerechnet nach Bordeaux in die Region Aquitaine, von wo er als junger Polizist geflohen war. Zurück in seiner Heimat muss Luc sich seinen Erinnerungen stellen. Und schon kurz nach seiner Ankunft erschüttert ein Mord die Gegend: Ein Mädchen liegt erschlagen am Strand von Lacanau-Océan. In dem kleinen Dorf kochen schnell die Spekulationen hoch. Das Opfer hat erst vor kurzem die Beziehung zu dem algerischen Nachbarsjungen beendet, der als dringend tatverdächtig gilt. Der Stiefvater des Mädchens will die Sache selbst in die Hand nehmen. Lucs Ermittlungen führen ihn an die Strände und in die Weinberge der Region und zurück nach Paris, immer an seiner Seite seine Kollegin Anouk, deren Charme er nur schwer widerstehen kann.

Meine Meinung:

Das Hörbuch habe ich zufällig entdeckt. Auch hier kannte ich weder den Autor noch den Sprecher. Am Ende hatte ich einen Lieblingsautoren mehr und habe den zweiten Teil der Reihe direkt angehangen.

Luc Verlain ist eigentlich in seine alte Heimat zurück gezogen, weil er bei seinem kranken Vater sein wollte. Er dachte, er könnte dort, in Bordaux, eine ruhige Kugel schieben und ganz entspannt, fern vom hektischen Paris, verweilen. Aber wir hätten ja kein großartiges (Hör-)Buch, wenn dies auch eingetroffen wäre. Direkt an seinem ersten Tag wird nach vielen Monaten voller kleiner Verbrechen eine ermordete junge Frau gefunden. Luc ermittelt also nun auf pariser Art mit seinen Kollegen aus dem Aquitaine.  

Der Autor lässt sehr viele französische Worte einfließen, die der Sprecher in meinen Augen ziemlich perfekt ausspricht. Das hat schon mal für Urlaubs- und Wohlgefühl gesorgt. Man merkt den vielen kleinen Details an, dass Alexander Oetker sich mit der französischen Art zu leben auskennt und noch wichtiger: Dass er sie liebt. Eigentlich bin ich schon immer eher Thriller- als Krimi-Fan gewesen, aber dieser Reihenauftakt hat mich vollkommen überzeugt. Sogar so sehr, dass ich den zweiten Teil direkt im Anschluss hören muss. Das ist ja, wie ihr sicher schon festgestellt habt, ganz selten bei mir.

Der Fall spielt eigentlich gar keine so große Rolle, eher Lucs Geschichte und wie er sich in seiner alten Heimat wieder einlebt. Der Leser bzw. Hörer erfährt sehr viel über Lucs Gefühle und Gedanken und genau das hat das Buch für mich so hörenswert gemacht. Es ist nicht so ein unpersönliches Buch wie manch andere, in denen nur dem aktuellen Fall nachgejagt wird. Die Lösung passiert sozusagen nebenbei.

Zwei weitere Teile sind bereits erschienen und zwar „Chateau Mort“ und „Winteraustern“. Der vierte Teil „Baskische Tragödie“ erscheint am 7. Oktober 2020.

Auf der Seite des Hörbuchverlages findet man leider nicht alle Hörbucher, aber vielleicht interessieren euch die dort gelisteten Hörbucher ja trotzdem.

Auf der Seite des Verlages findet man alle drei bereits erschienenen Bücher.