Das Haus der Verlassenen – Emily Gunnis

„Bitte, mein Liebster. ich flehe dich an, bitte hol mich schnell von hier weg.“

Das Buch hat mich völlig überrascht. Der Inhalt klingt nicht so dramatisch, wie es sich liest. Teilweise habe ich gemerkt, dass ich vor Spannung die Luft angehalten habe.

„Das Haus der Verlassenen“ spielt in mehreren Zeitebenen: 1956, als Ivy Jenkins schwanger im Mutter-Kind-Heim ist und sich in herzzerreisenden Briefen an den Vater ihres ungeborenen Kindes wendet. Sie bittet um Hilfe, denn im St. Margaret´s Heim werden die Mädchen zur knochenharten Arbeit gezwungen, verprügelt und gequält, egal ob sie kurz vor der Entbindung stehen oder ob sie gerade eben ihr Baby bekommen haben.

Im Jahr 2007 findet die Journalistin Sam zufällig Ivys Briefe und ermittelt, weil sie aufdecken möchte, wie im St. Margaret´s Heim mit den jungen Frauen umgegangen wurde. Sie ahnt nicht, dass diese Briefe mehr mit ihr und ihrer Familie zu tun haben als sie zu Beginn dachte.

Mir war nicht klar, dass das Buch so spannend ist. Ich dachte an eine lauschige Familiengeschichte zum runter kommen und entspannt auf der Couch liegen, aber so ist es nicht.. Fast von Beginn an musste ich wie getrieben lesen, weil das Buch einfach so unglaublich spannend geschrieben ist. Die kurzen Kapitel wechseln sehr oft die Zeitlinie und wenn man nicht ganz genau aufpasst, verpasst man den Punkt, in dem irgendwer in Rückblicken denkt. Ich musste manchmal einige Sätze noch mal lesen, weil ich plötzlich den Faden verloren hatte, weil die Autorin die aktuellen Gedanken mit früheren Erinnerungen verwebt. Das fand ich total gut umgesetzt, denn genauso ist es ja auch, wenn wir über etwas sinnieren. Die Szenen, die in der Vergangenheit und gleichzeitig im Mutter-Kind-Heim gespielt haben, waren für mich sehr oft gruselig, weil die Stimmung einfach so düster und hoffnungslos war. Ein wenig ist das schon zu erahnen, wenn man sich das Cover genau ansieht.

Die Autorin weist im Nachwort darauf hin, dass es tatsächlich Mutter-Kind-Heime gegeben hat, die genau wie in diesem Buch existiert haben. Es gibt auch Quellenangaben zu Reportagen und ähnlichem. Ich hatte erst überlegt, ob ich mir die genannten Reportagen ansehen möchte, aber ich habe mich dagegen entschieden. Gelesen fand ich schon schlimm genug, was den Mädchen bzw. jungen Frauen und auch den Kindern, die „anders“ waren, angetan wurde.

„Das Haus der Verlassenen“ ist der Debütroman von Emily Gunns. Ein weiteres Buch („Die verlorene Frau“ ) ist bereits erschienen und steht schon auf meiner Leseliste. Trotz des schockierenden Themas (bisher habe ich nur am Rande davon gehört) hat mir das Buch außerordentlich gut gefallen, weil es so gut und spannend umgesetzt wurde. Ich habe meine Top 5 für 2020 schon vergeben, daher habe ich jetzt eine Top 6 😉  

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Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, könnt ihr euch auf der Seite des Verlages umsehen. Dort gibt es auch eine Lesprobe.

5 Kommentare zu „Das Haus der Verlassenen – Emily Gunnis“

  1. Ich habe gerade von Ellen Sandberg „Die Schweigende“ gelesen – ein Roman, der sich mit den Vorkommnissen in deutschen Kinderheimen in der Nachkriegszeit befasst. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Schockierend und doch toll verpackt.

    Dein Buch werde ich mir mal merken, solche Themen interessieren mich immer sehr.

    LG Babsi und alles Gute für 2021!

    Gefällt 1 Person

  2. Oh, das klingt gut. Also für meine Mutter, die versuche ich so laaaangsam an Spannungsliteratur heranzuführen. Von daher hau ich es mal auf meine Merkliste!
    (murmel… vllt les ich es auch noch vorher XD)

    Gefällt 1 Person

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