Interview mit Markus Ridder und Gewinnspiel

Nachdem ich vor kurzem das Buch „Der Lethe Code“ gelesen habe, wollte ich unbedingt ein Interview mit Markus Ridder führen. Freundlicherweise hat er sich dazu bereit erklärt.

Kunterbunte Bücherreisen (KB): Hallo Markus, vielen Dank, dass Du Dich für ein Interview auf meinem Blog zur Verfügung stellst.

Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie Du auf Deine Plots kommst. Die Sache mit dem Gedächtnisverlust fand ich direkt total spannend. Wie bist Du darauf gekommen bzw. wie kommst Du generell auf Deine Ideen für neue Bücher?

Markus Ridder (MR): Wo die Ideen herkommen, bleibt ein Mysterium. Ich kann nur sagen, welche Ideen ich suche: Das sind immer Situationen oder Ereignisse, die ein Geheimnis umgibt, wo man also erstmal sagen würde: Das kann nicht sein! Das gibt’s nicht! Und meine Leistung als Erzähler sehe ich dann darin, den Leser davon zu überzeugen, dass es eben doch sein kann. Meine Bücher sind also gewissermaßen Plädoyers für die Möglichkeit des Unmöglichen.

Im Fall von „Der Lethe-Code“ stand die Idee am Anfang, dass irgendein Typ ohne Erinnerung erwacht. Man sagt ihm, er habe aus eigenem Antrieb ein Medikament eingenommen, das sein Gedächtnis gelöscht hat. Er sieht sich sogar ein Video an, auf dem er selbst zu sehen ist und in dem er beteuert, dass er dieses Medikament aus freien Stücken einnehmen wird. Und das kann ja wohl nicht sein: Ein solches Medikament gibt es nicht! Und wieso sollte es jemand freiwillig schlucken? Unsinn! Wo kommen wir dahin?! Und mit dem Buch sage ich: Hey, warte einen Moment, könnte es nicht doch sein? Könnte es sich nicht so und so zugetragen haben …

KB: Paula aus „Der Lethe Code“ ist ja eine ziemlich kaputte Person. Wie bist Du darauf gekommen gerade sie zu erschaffen? Sie hätte ihre Rolle sicher auch weniger psychisch geschädigt ausfüllen können.

MR: Man muss Paulas schwierige Familiengeschichte berücksichtigen: Ihr Vater ist gar nicht ihr leiblicher Vater. Ihr echter Vater ist verschollen, als sie ein kleines Mädchen war. Zudem denkt Paula ständig, ihre Eltern verheimlichten ihr etwas. Sie hat das Gefühl, sie passt nicht in diese Familie, deren Werte sie nicht teilt. Das bleibt nicht ohne Folge für ihre Entwicklung und hat im Leben der jetzt jungen Erwachsenen toxische Spuren hinterlassen. Natürlich spiegelt sich all das in der Dramatik der Geschichte: Der Leser bzw. die Leserin kann ja nicht ausschließen, dass es gar kein Komplott rund um Paula gibt. Vielleicht bildet sie sich alles nur ein? Im Grunde sucht Paula zeitlebens nach ihrer Identität, das verbindet sie mit den meisten Figuren der Geschichte. Denn wer sein Gedächtnis verloren hat, stellt sich ja vor allem diese Frage: Wer bin ich?

KB: Als Leser:in hat man ja sehr oft Charaktere, die man besonders gern mag. Zumindest ist es bei mir so. Kannst Du das auch als Autor sagen und wenn ja, welche Figur aus „Der Lethe Code“  ist Dir am meisten ans Herz gewachsen und warum? Gibt es jemanden, den Du nicht so gerne magst?

MR: Paula ist schon eine Person, der ich beim Schreiben gerne gefolgt bin. Sie ist ja eine sehr moderne Frau, folgt ihrem eigenen Kompass. Sie macht, was sie für richtig hält, egal, was andere von ihr halten. Und sie kämpft ja nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch gegen ihre inneren Dämonen. Dass sie das alles letztlich schafft, nötigt mir schon Respekt ab.

KB: Du hast ja nun schon einige Bücher geschrieben. Gibt es eins Deiner Bücher, das für Dich der geheime Favorit ist? Kannst Du uns etwas mehr darüber erzählen, warum das so ist?

MR: Das ist schwer, weil natürlich das letzte Buch immer dasjenige ist, in das man aktuell so viel Herzblut reingesteckt hat. Für „Der Lethe-Code“ habe ich ja auch viel recherchiert: Zu Gedächtnis-Themen, zu verschiedenen Orten und Hintergründen in Thailand, zu Paulas psychischen Problemen. Dann ist Paula ja auch noch Tierpflegerin, kümmert sich um Schimpansen – dazu musste ich mir auch einiges draufschaufeln. Das Schreiben war insgesamt echt eine intensive Reise, deshalb ist es auch so ein wichtiges Buch für mich. Ansonsten hat natürlich mein erstes Buch einen hohen Stellenwert für mich: „Die Krabbe“. Und auch das Buch, mit dem ich bisher am erfolgreichsten war: „Das Messias-Projekt“.

KB: Mich hat schon immer mal interessiert, wie man als Autor die Namen der Figuren festlegt. Meine Vorstellung ist, dass man mit bestimmten Namen bestimmte Charaktereigenschaften verbindet und diese dann den Charakteren gibt. Wie ist das bei Dir?

MR: Ja, wahrscheinlich ist das so. Paula ist für mich beispielsweise ein Name, den eine freche, aufgeweckte, nonkonformistische Person hat. Wieso das so ist, weiß ich nicht. Ich kenne gar keine Paula. Ich grübele aber ganz viel über Namen nach und ich ändere sie im Nachhinein nur sehr ungern. Bei Tarek, einem der Protagonisten aus „Der Lethe-Code“, musste ich das tun, weil es da eine real existierende Person gibt, an den sich der Charakter anlehnt.

© Oliver Jung

KB: Wie bist Du denn eigentlich zum Schreiben gekommen? Bei mir ist es ja immer so, dass ich zwar Geschichten im Kopf habe, aber nicht in der Lage bin, sie aufzuschreiben. Ich bewundere jeden, der dazu in der Lage ist.

MR: Ich habe während des Studiums mal ein Praktikum bei der „Süddeutschen Zeitung“ gemacht und dabei festgestellt, dass mir das Recherchieren und Schreiben einigermaßen leichtfällt. Also habe ich mich nach dem Studium für den Journalismus entschieden. Dann ist Schreiben schon mal der Brotberuf. Aber ich wollte immer auch längere Texte verfassen und mir auch eigene Geschichten ausdenken. Also habe ich es dann einfach mal gemacht. Man muss sich Zeit nehmen für so ein Projekt, sonst klappt es nicht.

KB: Wie sieht Dein Schreiballtag aus? Und gehst Du eher strukturiert vor oder schreibst Du einfach erst mal drauf los?

MR: Ich versuche so eine Mischung aus Struktur und Spontaneität. Allerdings muss ich mich immer wieder dazu ermahnen, mehr an Struktur zu denken. Von meinem Wesen her bin ich nicht so der Typ, bei dem alles an seinem Platz liegt und so. Ich tue mich auch schwer mit festen Abläufen und beherrsche lieber das Chaos. Aber wenn man am Anfang einer Geschichte keine Lust aufs Plotten hat, muss man am Ende immer viel umschreiben – das mache ich auch nicht so gern.

KB: Liest Du privat auch nur Thriller oder auch andere Genres? Hast Du ein (oder mehrere) Lieblingsbücher, die Du uns empfehlen kannst?

MR: Ich lese privat auch Thriller, aber eigentlich so quer durch den Garten. Wenn man selber Thriller schreibt, kann man leider nicht mehr so gut darin versinken. Man fragt sich immer: Wie hat der Autor oder die Autorin das jetzt wieder gemacht? Was kann ich davon lernen? In letzter Zeit habe ich auch viele Sachbücher gelesen, gerade auch für das neue Buch. Gerne empfehle ich einige davon: Wer sich zum Beispiel für Schimpansen interessiert, dem seien die Bücher von Frans de Waal empfohlen, etwa „Der Affe in uns“. Man lernt auch sehr viel über die Menschen, wenn man sich mit Schimpansen oder Bonobos beschäftigt. Wer sich mit Hirnforschung auseinandersetzen will, gerne mit Jonah Lehrers Buch „Prousts Madeleine“ oder mit James Kingslands „Die Hirnforschung auf Buddhas Spuren“. Und wer ein Faible für durchgeknallte Frauen mit psychischen Problemen hat, sollte natürlich „Girl on the Train“ lesen, aber das kennen die meisten sicher.

KB: Wahrscheinlich hast Du auch schon wieder eine verrückte Idee für ein neues Buch. Möchtest Du schon mal irgendwas darüber verraten? Wird es überhaupt ein nächstes Buch geben?

MR: Ja, ich hoffe schon, dass es ein nächstes Buch geben wird. Meine Grundidee dazu ist gerade: Ein Typ verlässt vor zehn Jahren ganz plötzlich seine Wohnung und kommt jetzt ebenso plötzlich wieder in diese zurück. Weil er damals Knall auf Fall weggegangen ist, stehen noch die Teller und die Sachen vom letzten Frühstück auf dem Tisch. Natürlich ist mittlerweile alles verrottet, die Wohnung ist voll mit Käferleichen und ausgetrockneten Schmeißfliegen. Was zum Teufel hat der Typ vor? Warum ist er damals abgehauen? Und von wem fühlt er sich verfolgt?

KB: Hast Du schon mal darüber nachgedacht eine Serie zu schreiben? Ich bin ja bekennender Bücherreihenfreund und finde es immer schade, wenn man die Charaktere nach einem Buch wieder gehen lassen muss.

MR: Ja, habe ich. Es gibt sogar zwei Bücher von mir, die quasi eine Serie sind: „Der Blütenstaubmörder“ und „Das Eisenzimmer“. Vielleicht mache ich damit irgendwann nochmal weiter, aber ich habe jetzt halt gerade mal wieder andere Ideen.

Markus hat mir ein Buch zur Verlosung zur Verfügung gestellt. Der/die Gewinner:in darf sich aussuchen, ob es ein Papierbuch (auf Wunsch mit Widmung) sein soll oder ein E-Book.

So nimmst du am Gewinnspiel teil:

Um am Gewinnspiel teilnehmen zu können, musst du eine Frage über das Kontakformular auf dem Blog beantworten. Die dort angegebene Mailadresse nutze ich um dich im Falle des Gewinnes zu benachrichtigen. Die Daten werden nur für das Gewinnspiel genutzt und nicht Dritte weiter gegeben. Es ist nur ein Kommentar pro Person erlaubt.

Die Frage lautet: Welches Land spielt eine große Rolle in „Der Lethe-Code“?

Das Gewinnspiel läuft bis zum 1. August 2021 um 0:00 Uhr. Der/die Gewinner:in wird von mir per Mail benachrichtigt.

Unter allen Einsendungen werde ich anschließend per Random.org den/die Gewinner:in ermitteln. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Leseprobe findet ihr hier und ihr könnt euch natürlch auch gerne auf der Homepage des Autors umsehen.

2 Kommentare zu „Interview mit Markus Ridder und Gewinnspiel“

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