#writingfriday [5. August 2022]

Schon länger folge ich Elizzy und ihrer „Writing Friday“ Aktion. Bisher habe ich mich allerdings noch nicht getraut mitzumachen. Da ich aber vor einigen Wochen mit einem Fernkurs für kreatives Schreiben begonnen habe, habe ich mir überlegt, dass ich jetzt auch mal öffentlich machen möchte, was in meinem Kopf so los ist.

Jeden Monat gibt Elizzy verschiedene Themen vor, aus denen man sich etwas heraus pickt und dann einfach schreibt, was einem in den Sinn kommt. Alles ist erlaubt. Falls du auch mit machen möchtest, findest du die Themen für August bei Read books and fall in love.

Kritik an meinen Texten ist übrigens ausdrücklich erlaubt und erwünscht, solange sie neutral ausgedrückt ist und berücksichtigt, dass ich gerade erst mit dem Schreiben anfange.


Das Thema lautet:

Eine uralte Weide berichtet über ein Geheimnis. Was hat die Weide gesehen? 

Immer, wenn ich dieses spezielle Geräusch höre, werde ich daran erinnert, was ich vor ungefähr sechzig Jahren beobachten konnte. Du glaubst gar nicht, was für eine Angst es mir bis heute einjagt. Wahrscheinlich spielen mir dann meine Gedanken wieder einen Streich, denn als Weide in einem Park ist man an dem Platz gefesselt, an dem man gepflanzt wurde. Das kann mitunter ziemlich langweilig werden, vor allem, wenn das Wetter die Menschen nicht zu einem Ausflug in den Park einlädt oder in der Nacht.

Ihr Menschen glaubt immer, dass Bäume nicht in der Lage sind zu sehen. Aber das ist ein Trugschluss. Wir sehen mit unseren Blättern, haben also die meiste Zeit des Jahres einen Rundumblick, was eigentlich ganz angenehm ist. Außer, wenn wir gefällt werden sollen und die Arbeiter mit schwerem Gerät auftauchen, denn wir können ja leider nicht fliehen. Sobald die ersten Blätter unsere Äste verlassen, sind die meisten von uns nahezu blind, aber das macht uns nichts aus. Wir kennen es nicht anders und haben uns mit dieser Tatsache gut arrangiert. Wir sind ja dann immer noch in der Lage zu hören und unter der Erde sind wir sowieso mit unseren Nachbarn verbunden und warnen uns gegenseitig bei Gefahren. Nicht, dass wir etwas ausrichten könnten damit, aber wenn man sich dauerhaft so nahe ist, steht man sich gegenseitig bei.  

Aber zurück zu meiner Beobachtung: Eines nachts, ich war kurz zuvor eingeschlafen, hörte ich ein seltsames Geräusch, das ich nicht einordnen konnte. Es war nicht nur gruselig, sondern auch auf eine Art eklig. Erst dachte ich, es wäre ein Kind, das sich unter meinen Ästen versteckt hätte und heimlich ein verbotenes Getränk mit einem Strohhalm aussaugt, aber das passte irgendwie nicht. Wo sollte denn ein Kind um die Uhrzeit herkommen und warum sollte es sich verstecken um etwas Verbotenes zu trinken? Aber es gab auch ein so gerade eben wahrnehmbares Nebengeräusch, das klang wie ein Schmatzen. Ich sah mich um, aber im kaum vorhandenen Licht des Mondes, vor den sich gerade ein paar Wolken schoben, konnte ich nichts erkennen. Unter meinen Ästen war es so dunkel, dass ich nur undurchdringliche Schwärze sah.

Nach einer Weile hörte ich ein dumpfes Stöhnen und jemand flüsterte etwas. Aufgrund meines hohen Alters höre ich nicht mehr so gut, so dass ich nur ein Wispern wahrnahm, aber keine Worte verstand.  

Meine Äste zitterten und ich spürte, dass dieser jemand unter ihnen hervorkam. Es war ein großer und mit einer unglaublichen Ausstrahlung ausgestatteter Mann, der sich seiner düsteren Wirkung durchaus bewusst war. Er trug einen schwarzen Anzug, schwarze Schuhe und ein weißes Hemd. Seine tiefschwarzen Haare, die ihm bis zur Mitte seines Rückens reichten, hatte er zu einem Zopf zusammengebunden. Die Augen schienen schwarz zu sein, aber aufgrund der Dunkelheit war es nicht abwegig, dass sie dunkelbraun waren. Am meisten irritierte mich sein Gebiss. Er hatte oben und unten Fangzähne, die deutlich zu sehen waren, als die Wolken wegzogen und der Mond etwas Helligkeit auf meine heimatliche Wiese fallen ließ. Auf den Armen trug er eine junge Frau, die sich scheinbar mit all ihrer noch verbliebenen Kraft an seinem Nacken festklammerte. Ihr Mund war blutverschmiert und ihre Augen gaben einen seltsamen goldenen Glanz ab.

“Jetzt werden wir für immer zusammen sein, mein Engel!” sagte er mit einem seltsamen Unterton in der Stimme, nicht wissend, dass eine uralte Weide wie ich die Zeugin seines Tuns geworden war. Auch für Vampire, die viel mehr Eigenheiten der Tier- und Pflanzenwelt kennen als ihr Menschen, sind wir Bäume blind und vor allem taub. Nun, in meinem Fall lag er, zumindest was das Zweite anging, nicht so ganz falsch.

Später fand ich heraus, dass die junge Frau seit mehreren Monaten vermisst wurde. Sie war von einem abendlichen Spaziergang im Park nicht zurückgekehrt. Die Menschen hatten monatelang versucht sie zu finden, hatten aber keinen Erfolg. Nathalie macht nun jede Nacht auf der Suche nach Nahrung die Gegend um den Park, in dem ich schon so lange lebe, unsicher. Ihr Gefährte, Nicolas, lässt sie kaum jemals aus den Augen. Man sieht, dass er immer noch in sie verliebt ist, auch noch nach all den Jahren. Aber sie zeigt ihm die kalte Schulter und ich würde fast wetten, dass sie ihr Leben als Unsterbliche hasst, denn die Menschen, die sie liebte, haben sie niemals wieder gesehen und auch nie mehr etwas von ihr gehört.

Wenn Nathalie Nicolas entwischen kann, schüttet sie mir ihr Herz aus. Sie scheint zu ahnen, dass ich nicht nur ein Stück Holz bin, denn sie spricht mich immer direkt an. Manchmal glaube ich, dass sie mich als ihren Freund ansieht, denn sie setzt sich immer an meinen Stamm, wenn sie mit mir redet. Sie erzählte mir, dass sie niemals eine Vampirin werden wollte und dass sie vor ihrer Verwandlung mit Mark verlobt war. Die Hochzeit stand kurz bevor als Nicolas sie zu seiner Gefährtin machte. Sie hatte den großen Fehler gemacht und Nicolas blind vertraut. Er hatte sich als angeblich bester Freund von Mark in ihr Herz geschlichen, platonisch natürlich nur, und er hat dies schamlos ausgenutzt. Bei Marks Beerdigung vor einigen Wochen konnte sie leider nicht dabei sein, jeder weiß ja, dass Vampire kein Sonnenlicht vertragen. Ihre Fähigkeit, Erinnerungen im Schlaf zu rauben, hat sie nach Marks Tod ausnahmsweise und mit sehr schlechtem Gewissen ausgenutzt. Sie stahl seinen Enkeln einige Erinnerungen an Mark um ihm noch ein letztes Mal nahe zu sein.


Relativ spontan habe ich beschlossen Geschriebenes und Gelesenes zu trennen. Du findest die Beiträge zum Writing Friday ab sofort bei Nadines Schreibwerkstatt.

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