Verschwörung im Berlin der 1920er

Der Tod ist ein Tänzer (Die Schwarze Venus 1) Die Josephine-Baker-Verschwörung von Veronika Rusch

Als ich mich für die Leserunde bei der Büchereule angemeldet habe, kannte ich nur den Inhalt laut Klappentext. Von der Autorin hatte ich bis dahin noch nie gehört und von der Tänzerin, um die es in dem Buch geht,  kannte ich nur den Namen gehört, sonst nichts. Nach der Lektüre habe ich beschlossen, dass ich auf jeden Fall eine Biografie von Josephine Baker lesen muss und das obwohl ich eigentlich gar keine Biografien-Leserin bin.

Josephine ist Tänzerin und wirbelt mit ihrer Art zu tanzen und ihrem Wesen, das immer wieder durch ihre Tanzeinlagen durch schimmert, die Welt in den 1920ern durcheinander. Im Jahr 1925 macht sie mit ihrer Truppe in Berlin halt und lernt Tristan Nowak kennen, der für ihre Sicherheit zuständig sein soll. Warum dies so ist, ist ihr schleirhaft, denn sie hatte noch nie jemanden, der ihre Sicherheit überwacht. Im Laufe des Buches wird zumindest dem Leser/der Leserin klar, dass dies bitter nötig ist.

Ziemlich schnell ist mir klar geworden, dass sie Autorin sich eingehend mit der Person Josephine Baker auseinander gesetzt haben muss, denn sie wurde so lebensecht dargestellt, dass ich mich spontan in diese Frau schockverliebt habe und bei jeder neuen Szene total lebendige  Bilder vor Augen hatte. Mir passiert das ganz selten, dass ich nach einem Buch die weibliche Hauptperson faszinierend finde, aber hier hat die Autorin ganze Arbeit geleistet. Daher bin ich auch froh, dass es noch zwei weitere Teile geben wird.

Stellenweise wirkte die Geschichte ein wenig wie „Bodyguard“ (ihr wisst schon, der Film aus den 90ern mit Kevin Costner), was aber gar nicht gestört oder irritiert hat, weil es perfekt zur Story gepasst hat. Manchmal hätte ich sowohl Tristan als auch Josephine packen und schütteln können, denn sie haben sich manches Mal wirklich dämlich verhalten, nicht nur dem anderen gegenüber, auch sich selber gegenüber.

Mit Veronika Rusch habe ich nun eine neue Lieblingsautorin gefunden. Von den bereits erschienen Büchern reizen mich nicht alle, aber das ein oder andere werde ich mit Sicherheit noch lesen. Vor allem natürlich den zweiten und den dritten Teil der „Josephine Baker-Verschwörung“: 


„Die Spur der Grausamkeit“ – erschienen am 31. Mai 2021

„Die Dunkelheit der Welt“ – erscheint am 29. Juli 2021

Weitere Informationen über Veronika Rusch und ihre Bücher könnt ihr auf ihrer Homepage finden.

Ich danke dem Piper Verlag für die Bereitstellung des Buches. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Seiten: 496

Herausgeber: Piper Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 1. April 2021

ISBN: 978-3492062411

Preis: 12,99 € (Taschenbuch) / 9,99 € (E-Book)

Lebenstraum Buchhandlung

Ich habe „Die Buchhändlerin“ von Ines Thorn im Rahmen einer Leserunde bei der Büchereule gelesen. Es war mein erstes Buch von Ines Thorn und ich kann es euch guten Gewissens weiter empfehlen. Ich gehe sowieso davon aus, dass die meisten bereits Bücher von ihr kennen.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg möchte Christa nichts anderes als Germanistik zu studieren. Leider ist es aber so, dass Frauen an der Uni nicht anerkannt werden und außerdem ihr Vater aufgrund des Krieges verschwunden ist und ihr Onkel Martin im Gefängnis sitzt, weil er von der Nachbarin denunziert wurde. Ihr Onkel hat lange Zeit eine Buchhandlung geführt, die im Krieg enteignet wurde. Christa baut diese wieder auf und erschafft einen Wohlfühlort für bibliophile Menschen wie mich.

Die Leserin/der Leser wird zu Beginn direkt in die Handlung geworfen und bis zum Ende nicht mehr los gelassen. Ich habe jede einzelne Seite genossen und mit Christa und ihrer Familie mitgelitten und mich mit gefreut. Die Zustände im Krieg und auch in der Nachkriegszeit erschüttern mich immer wieder aufs Neue. Vor allem, dass es einfach so möglich war, dass Waisenkinder einfach so auf der Straße leben, so wie es bei Heinzchen der Fall war. Nicht nur das, auch die Entbehrungen, die die Menschen erleiden mussten und die Ängste, die sie auch nach Kriegsende noch durchleben mussten. Ines Thorn hat all das so lebendig rüber gebracht, dass ich das ein oder andere Tränchen vergossen habe.  

Den Aufbau des Bücherladens und die Ideen, die Christa dort hinein gesteckt hat, haben mir die ganze Zeit Gänsehaut geschaffen.  Nicht nur, dass es ein Wohlfühlort für Buchliebhaber ist, man trifft hier auch noch regelmäßig Gleichgesinnte. Büchereule im Real Life sozusagen. Ein kleines Extra waren hier für mich einige kleine Details über Verlage, die ich bisher noch nicht wusste.

Wenn ihr ein Buch lesen möchtet, das von Anfang bis Ende total realistisch erzählt ist und den Sog entwickelt nicht mehr aufhören zu können, seid ihr mit „ Die Buchhändlerin“ sehr gut beraten. Ihr solltet auch die Nachkriegszeit als Schauplatz mögen. Der zweite Teil „Die Buchhändlerin: Die Macht der Worte“ erscheint am 15. Februar 2022.

Eine Leseprobe findet ihr auf der Seite Rowohlt Verlages.

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Seiten: 336

Herausgeber: Rowohlt Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 23. März 2021

ISBN: 978-3499005152

Kosten: 9,99 Euro (E-Book), 16,00 Euro (Taschenbuch)

42!

„Per Anhalter durch die Galaxis“ ist der erste Teil der fünfbändigen intergalaktischen Trilogie um Arthur Dent und seinen Freund Ford Prefect. Ich habe das Hörbuch schon mal vor über 15 Jahren gehört und anschließend den Film gesehen. Dieses Jahr jährt sich die Veröffentlichung das 42ste Mal, selbstverständlich wollte ich aus diesem Grund einen Beitrag über das Buch schreiben. Was es mit der Zahl 42 auf sich hat, werdet ihr erfahren, wenn ihr den ersten Teil lest.

Arthur Dent hat ein Problem: Er hat viel zu spät mitbekommen, dass sein Haus abgerissen werden soll, denn dort soll eine Umgehungsstraße entstehen. Aber im Vergleich zu dem, was die Erde nur wenige Minuten später erwartet, ist dies nur eine Kleinigkeit. Denn die Welt soll von den Vogonen, einer äußerst unfreundlichen Art Allbewohner, zugunsten einer galaktischen Hyperraum-Expressroute zerstört werden.  Ford Prefect, der Freund von Arthur, kennt sich mit derlei Dingen aus, denn er arbeitet aktuell an einem galaktischen Nachschlagewerk und kennt sich mit Reisen im Weltall, wie die beiden sie im weiteren Verlauf des Buches erleben, sehr gut aus.

„Dieser Planet hat – oder besser gesagt, hatte – ein Problem: Die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.“

„Per Anhalter durch die Galaxis“ ist eindeutig nicht für jeden etwas. Man muss nicht nur Science Fiction mögen, sondern auch damit klar kommen, dass Douglas Adams sich allerlei skurrile Dinge ausgedacht hat. Zum Beispiel den Unendlichen-Unwahrscheinlichkeits-Antrieb, der dafür sorgt, dass Arthur und Ford auf eine höchst unwahrscheinliche Weise auf Zaphod Beeblebrox und Trillian stoßen. Die Geschehnisse sind nicht nur zum größten Teil völlig absurd, sondern auch noch unglaublich komisch geschrieben. Ich bin zeitweise aus dem Lachen nicht mehr ausgekommen. Ganz besonders habe ich Marvin, den „depressiven suizidalen“ Roboter, in mein Herz geschlossen. Ich kann euch wirklich nur empfehlen, euch mal die Hörprobe anzuhören. Ich habe mich schon bei der Einleitung total amüsiert.

„Es ist eine bedeutende und allgemein verbreitete Tatsache, dass die Dinge nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Zum Beispiel waren die Menschen auf dem Planeten Erde immer der Meinung, sie seien die intelligenteste Spezies dort und nicht die drittintelligenteste. Die zweitintelligentesten Wesen waren natürlich die Delphine, die komischerweise schon lange vorher von der drohenden Zerstörung der Erde wussten. Sie haben viele Versuche unternommen die Menschheit auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, doch wurden die meisten ihrer Botschaften als amüsante Versuche missdeutet, einen Fußball mit dem Kopf zu treffen oder nach Leckereien zu pfeifen, so dass sie es schließlich auf gaben und die Erde ihrem Schicksal überließen. Die letzte Botschaft der Delphine wurde als der kunstfertige Versuch missverstanden, einen doppelten Salto durch einen Reifen zu vollführen und dabei „Heil dir im Siegerkranz“ zu flöten. In Wirklichkeit aber hieß die Botschaft: Macht´s gut und danke für den vielen Fisch.“

Christian Ulmen liest das Buch durchweg mit einer Ironie in der Stimme, die man von ihm aus diversen Filmen/Serien bereits kennt. Er ist für mich die ideale Besetzung für das Hörbuch. Allerdings fand ich es manchmal etwas schwer zu folgen, wenn er lange Schachtelsätze sehr schnell gelesen hat, daher werde ich die weiteren Bücher wahrscheinlich selber lesen. Ich habe das Glück, dass der Sammelband mit allen Teilen hier im Regal steht.

Die Reihe besteht aus fünf Romanen: *Werbung*

Per Anhalter durch die Galaxis – ISBN 978-3036959542

Das Restaurant am Ende des Universums -ISBN 978-3036959566

Das Leben, das Universum und der ganze Rest – ISBN 978-3036959559

Mach´s gut, und danke für den Fisch ISBN 978-3453146068

Einmal Rupert und zurück – ISBN 978-3036959580

Die Bücher sind leider nur noch gebraucht als Sammelausgabe zu finden.

Heike von Frau Goethe liest hat das Buch auch gelesen. Ihre Meinung findet ihr, wenn ihr diesem Link folgt: Was Heike über den Anhalter sagt.

Das ganz normale Dorfleben

Ich habe das Hörbuch „Über Menschen“  von Juli Zeh über MDR Kultur gehört. Gelesen wird es von Anna Schudt. Ich habe mich zuvor an einigen Romanen von Juli Zeh versucht, aber nie so richtig Zugang zu ihren Büchern gefunden. Vielleicht hat sich das ja jetzt geändert.

Dora zieht nach Bracken in Brandenburg, weil ihre Beziehung mit ihrem Freund Robert nicht mehr so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hat. Sie hat in Bracken ein kleines Gutsverwalterhäuschen gekauft und kommt dort mit allerlei Vorurteilen bezüglich der Menschen und der Gegend an. Direkt zu Anfang lernt sie Gote, ihren Nachbarn und „Dorf-Nazi“ kennen und sieht sich in ihrer Meinung über die Menschen auf dem Land bestätigt. Doch wie sich alles weiter entwickelt, konnte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Dora ist anfangs sehr grüblerisch und auch als Leser*in hat man das Gefühl nicht an sie heran zu kommen. Als sie die ersten Menschen in Bracken kennen lernt, merkt sie, dass das Leben nicht nur schwarz und weiß ist, sondern auch ganz viele Grautöne hat. Plötzlich ist der rechtsradikale Asoziale von Nebenan ein lieber Nachbar, der ihr einfach aus Freundlichkeit Möbel schenkt und seine Hilfe anbietet. Die Leute, denen sie im Laufe des Buches begegnet, gehören bestimmten Gruppen an, aber sie verhalten sich meist überhaupt nicht so wie sie es voraus gesehen hat. Wir kennen das ja sicher alle, dass wir uns ein bestimmtes Bild von einer Personengruppe machen und dann völlig überrascht sind, wenn diese Leute völlig anders sind als wir erwartet haben. So ging es Dora auch und zwar fast das ganze Buch über. Juli Zeh spielt hier natürlich mit der vollen Breitseite der Vorurteile, die man überall mitbekommt und die in den meisten Köpfen bewusst oder unbewusst bestehen.

Das Buch spielt fast in der Jetzt-Zeit, nämlich zu Beginn der Pandemie. Doras Noch-Freund Robert gehört zu denen, die die Pandemie zu übertrieben sehen und eigentlich schon den Weltuntergang vor Augen haben. Gleichzeitig ist er glühender Greta Thunberg-Verehrer und verhält sich sehr überzogen und übergriffig Dora gegenüber.  Er hat sein ganzes Leben extrem in diese Richtung ausgerichtet. Für ihn gibt es ebenfalls kein grau, sondern nur schwarz und weiß.

Dora und auch ich als Hörerin haben durch das Buch gelernt, dass man den Mensch als Ganzes sehen sollte. Nicht nur, wie diese*rber sich verhält und welche Definition  oder Bezeichnung  er oder sie von anderen Leuten  bekommen hat, sondern dass man sich auch die Mühe macht auch seine Geschichte und die Gründe für das jeweilige Verhalten heraus zu finden. Ich habe schon oft gehört, dass Juli Zehs Romane genau diesen Effekt haben und daher werde ich es wohl doch noch mal mit weiteren Büchern versuchen.

Ein wenig traurig war ich schon, als ich Abschied von Dora, ihrem Hund Jochen, der Rochen und von Gote nehmen musste, aber ich glaube, ich werde in der nächsten Zeit noch mehr versuchen hinter Fassaden von Menschen  zu sehen.

Anna Schudt hat das Hörbuch ganz hervorragend gelesen. Ich finde ihre Stimme sehr angenehm und habe nun auch eine neue Lieblingssprecherin.

Eine Lesprobe könnt ihr auf der Seite des Luchterhand Literaturverlages finden.

*Werbung*

Seiten: 416

Herausgeber: Luchterhand Literaturverlag

Erscheinungsdatum: 22. März 2021

ISBN: 978-3630876672

Preis: 22,00 € (gebundene Ausgabe), 17,99 € (E-Book)

Grenzüberschreitende Mordermittlungen

Auf den Auftakt der Grenzfall-Reihe von Anna Schneider bin ich durch eine Leserunde bei der Büchereule gekommen. Anfangs gefielen mir das Buch und vor allem die Handlung sehr gut, aber nach und nach sind mir einige Dinge aufgefallen, die mir nicht so gut gefallen haben.

Am Brauneck wird zunächst ein herrenloser Rucksack gefunden. Nachdem die Ermittler vor Ort in Lenggries nach einer vermissten Person suchen, finden sie eine leblose Frau, deren Unterkörper abgetrennt wurde. Der Unterkörper wird am Achensee in Österreich gefunden. Es kommt zum ersten grenzüberschreitenden Ermittlungsfall  von Alexa Jahn und Bernhard Krammer, der den Auftakt zur Serie „Jahn und Krammer ermitteln“ bildet.

Zunächst möchte ich sagen, dass mir die Story und auch der Schreibstil sehr gut gefallen haben. Es handelt sich hier um einen Krimi, der trotz auftauchender Leichenteile nicht besonders blutrünstig ist. Zu Beginn war ich auch ziemlich begeistert, bis ich ins Innenleben der beiden Ermittler sehen konnte. Alexa ist sehr unsicher, Bernhard total negativ eingestellt. Dieses Zusammenspiel fand ich nicht so gelungen, aber ich hätte damit noch ohne Probleme leben können, wenn nicht noch eine weitere Sache aufgetaucht wäre: Alexa erwartet von ihren Mitarbeitern Teamarbeit, sie selber hat aber das meiste im Alleingang durchgeführt. Im Buch kam es so rüber, als wären ihr die Dinge spontan eingefallen und der Gedanke an eine Mitteilung an den Partner in Österreich bzw. ihren Mitarbeitern wäre ihr einfach entfallen. Das finde ich sehr schade, denn nur durch Teamarbeit ist so eine Situation meiner Meinung nach zu meistern. An den Abläufen im Buch hätte das nicht viel geändert, aber ich hätte alles besser nachvollziehen können.

Die Lösung des Falls war mir dann am Ende irgendwie zu schnell hergeleitet und auch nicht so wirklich realistisch umgesetzt, da ich den Grund für den Mord nicht so recht nachvollziehen konnte. Außerdem erwartet die Leserin bzw. den Leser am Ende noch eine Überraschung, die auf der einen Seite interessante weitere Teile verspricht, auf der anderen Seite aber dann doch ziemlich plötzlich kam und meiner Meinung nach auch nicht so nebenbei abgehandelt werden sollte, wie es hier der Fall war.

Alles in allem habe ich das Buch gern gelesen, aber ich hätte mir gewünscht, dass  die Charaktere nicht so verworren und planlos agiert hätten und dass das Ende ein wenig mehr aufgebaut worden wäre. Einen Tag nachdem ich das Buch beendet habe, überlege ich noch, ob ich den zweiten Teil lesen möchte. Ein wenig Zeit um darüber nachzudenken habe ich noch, denn er erscheint erst am 26. Januar 2022 und heißt „Grenzfall – Ihr Schrei in der Nacht“.

Wenn ihr mehr über das Buch wissen wollt, oder auch die Leseprobe lesen möchtet, findet ihr diese auf der Seite des Fischer Verlages.

*Werbung* Infos über das Buch:

Seiten: 432

Herausgeber: FISCHER Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 27. Januar 2021

ISBN: 978-3596700509

Feiertag fürs Buch – DIY

Ich zeige Dir, wie Du Deine individuelle Buchhülle nähst. © Pattydoo

Wie ihr vielleicht wisst, ist heute der Welttag des Buches, also unser Feiertag! Da trifft es sich gut, dass dieser Tag auf einen Freitag fällt, denn ich habe heute etwas besonderes für Euch: Wir werden zusammen eine Buchhülle nähen, die Ihr Euch ganz individuell gestalten könnt. Das Schnittmuster bekommt Ihr bei Pattydoo. Die Erklärung wie es geht, findet Ihr hier:

mit freundlicher Genehmigung von Pattydoo.de

Dieses DIY ist aber nicht die einzige Überraschung heute, denn Heike von Frau Goethe liest und Manuela von Lesenswertes aus dem Bücherhaus haben sich im Rahmen von #2Blogs1Buch noch mehr ausgedacht. Am besten geht Ihr direkt mal in der Facebook Gruppe gucken oder Ihr besucht einen der beiden Blogs oder sogar beide.

Der Welttag des Buches heißt eigentlich „Welttag des Buches und des Urheberrechts“ und wurde von der UNESCO im Jahr 1995 das erste Mal eingerichtet. Er findet immer am 23. April statt und gilt als Aktionstag fürs Lesen, für Bücher, für Kultur des geschriebenen Wortes und für die Rechte ihrer Autoren.

Zum Welttag des Buches kommt jährlich ein Titel im Rahmen der Initiative „Ich schenk dir eine Geschichte“ heraus, den Lesebegeisterte sich als Geschenkbuch mit entsprechendem Gutschein bei teilnehmenden Buchhandlungen abholen können. Ziel ist es, Kinder zum Lesen zu begeistern und ihre Lesekompetenz zu stärken.

Ich wünsche Euch jetzt viel Spaß beim Nähen und würde mich freuen, Eure Werke zu sehen.

Programm für den 23. April 2021:

13.00 Uhr – Podcast Buchgeplauder mit Heike und Manuela

14.30 Uhr – DIY Buchhülle mit Nadine

16.00 Uhr – Buchvorstellung Verlorene Engel

19.30 Uhr – Krimidinner Mord in Richman Hall

Was war los im März 2021?

Hallo ihr Lieben,

ich bin gerade dabei mir einige Dinge für den Blog einfallen zu lassen. Dabei fiel mir ein, dass es vielleicht ganz hilfreich wäre eine Minizusammenfassung der Beiträge eines Monats zu sehen. Also habe ich einfach mal etwas rumprobiert und bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Wahrscheinlich werde ich noch das ein oder andere verändern, aber für den ersten Versuch bin ich ganz zufrieden.

Was meint ihr?

Ihr könnt natürlich auch jederzeit im Wegweiser nachsehen, welche Beiträge ich seit Beginn des Blogs veröffentlicht habe.

Ich wünsche Euch noch einen entspannten Ostermontag 🙂

Nadine

Die Auswirkungen von Abweisung

„Unter ihren Augen“ von Dorit David ist, wenn man es genau betrachtet, eigentlich gar kein Buch für mich. Ich habe es in einer Leserunde bei der Büchereule gelesen und es hat mir, obwohl ich die Charaktere nicht besonders sympathisch fand, wirklich gut gefallen.

Lieselotte (oder Lotte, wie sie von ihren Freunden genannt wird) ist Schülerin der Gymnastikschule Habenicht und stellt irgendwann fest, dass sie in ihre Lehrerin Berta Habenicht, die auch die Inhaberin der Schule ist, verliebt ist. Als sie ihr ihre Liebe gesteht, weist Berta Lotte ab und das Drama beginnt, denn es wird ein immer währender Kampf, den Lotte und Berta gegeneinander führen.

Drama deswegen, weil ich eigentlich diese Art von Verhalten gar nicht nachvollziehen kann und auch gar nicht mag. Interessant zu wissen ist hier, dass der Inhalt auf einer wahren Begebenheit beruht. Das Buch ist gespickt von Intrigen, Neid, Hass (ich glaube, so kann man es nennen) und vor allem vom Nicht-Miteinander-Reden. Die Figuren überlegen sich, was das Gegenüber vielleicht denken könnte und handeln dann dementsprechend, wie es im realen Leben auch sehr oft ist. Das macht das Buch sehr authentisch und auch spannend zu lesen, denn man weiß nie, was als nächstes passiert. Ich muss zugeben, dass ich oft weder Lotte noch Berta in ihren Handlungen so recht verstanden habe.

Ein wichtiges Thema ist für mich in dem Zusammenhang die Homosexualität. Ich habe bisher noch nie ein Buch gelesen, in dem Frauen Frauen lieben bzw. Männer Männer lieben. Es hat sich einfach nicht ergeben. Da das Buch Anfang der 1920er Jahre spielt, ist es hier natürlich ein sehr heikles Thema, über das Lotte gar nicht gern spricht und es sogar als Krankheit ansieht. Berta dagegen lebt mehr oder weniger heimlich mit ihrer Freundin zusammen. Für mich war es interessant zu erfahren, wie die Frauen damals mit ihrer Neigung umgegangen sind und welche Möglichkeiten es trotz der Umstände gab.

Gymnastik und Tanzen sind nicht gerade meine Steckenpferde, aber die Autorin hat es sehr gut verstanden, die einzelnen Unterrichtsstunden anschaulich zu beschreiben, so dass sogar ich es mir richtig gut gefallen hat. Besonders gern mochte ich den Improvisationstanz, den Lotte später auch unterrichtet.

Wenn euch die Rumzickerei und die Intrigen im Buch nicht stören, kann ich euch das Buch wärmstens ans Herz legen. Mir hat es als Gesamtbild sehr gut gefallen, vor allem der Schreibstil der Autorin.

Eine Leseprobe könnt ihr auf der Seite des Querverlags finden.

Infos zum Buch *Werbung*

Seiten: 416

Herausgeber: Querverlag

Erscheinungsdatum: 11. März 2020

ISBN: 978-3896562852

Preis: 18,00 € (Taschenbuch), 9,99 € (E-Book)

Aberglaube im Italien der 1960er

Fluch der Saline von Anna Castronovo

Ich habe das Buch bei einer Verlosung gewonnen und war total gespannt, weil ich die Autorin noch nicht kannte und mir der Klappentext gut gefallen hat.

Totò ist 11 Jahre alt als sein Vater eine Saline kauft. Es ist das Jahr 1965 und die Menschen in der Stadt Trapani sind nicht nur sehr gläubig, sondern auch abergläubisch. Sie glauben, dass die Saline verflucht ist. Es deutet auch alles drauf hin, als erst Totòs Mutter stirbt und dann der Vater eine seltsame Art Wahnsinn an den Tag legt. „Der Fluch der Saline“ von Anna Castronovo erzählt von jenen Tagen, in denen Totò das wahre Ausmaß dieses Fluches erlebt.

Ich bin sehr schwer in die Geschichte rein gekommen, was aber vermutlich daran liegt, dass ich nicht besonders viele Berührungspunkte mit Italien habe und es mich auch nicht besonders anzieht. Die Autorin streut einige italienische Begriffe und Redewendungen ein, die mich zwar nach Italien versetzt haben, aber mir nicht das Gefühl gegeben haben, richtig in der der Geschichte zu sein. Ich weiß nicht, ob die Menschen im Jahr 1968 noch so abergläubisch waren, wie es im Buch dargestellt wurde. Für mich klingt es eher mittelalterlich, aber ich habe mich auch mit dem Italien in dieser Zeit noch nie auseinander gesetzt. Insgesamt fand ich, dass die Geschichte zu oberflächlich erzählt wurde. Das Buch umfasst gut 250 Seiten und ich denke, dass etwas mehr Tiefe dem Buch gut getan hätte. Ich war nicht richtig am Geschehen dran. Das finde ich eigentlich sehr schade, denn die Handlung fand ich richtig gut.

Die Verstrickungen im Buch waren logisch und nachvollziehbar, aber nicht besonders überraschend. Gut gefallen hat mir der Schreibstil. Wäre dieser noch – wie weiter oben erwähnt – auf ein paar mehr Details eingegangen, vielleicht auf welche, die einem als Autor nicht erwähnenswert vorkommen, hätte es mir mit Sicherheit noch besser gefallen. Es hat mir ein Drumherumgespinne um die Personen gefehlt, etwas, das das typische der Person ausmacht und den Leser denjenigen lieb gewinnen lässt.

Leider kann ich das Buch nur bedingt weiter empfehlen. Wenn euch die von mir genannten Kritikpunkte nicht stören, wird es ein schönes Leseerlebnis für euch sein.

Infos über das Buch *Werbung*

Seiten: 252

Herausgeber: BoD – Books on Demand

Erscheinungsdatum: 26. September 2020

ISBN: 978-3751938235

Preis: 10,99 € (Taschenbuch), 4,99 € (E-Book)

Eine Leseprobe und weitere Infos über das Buch könnt ihr auf der Homepage der Autorin finden.

Bookblogger support locals – Interview mit dem Inhaber der Buchhandlung Musial in Recklinghausen

Karin von Lesestrickeule hat eine tolle Aktion ins Leben gerufen und zwar „Bookblogger support locals“. Wie der Name schon sagt, wollen wir die Buchhändler vor Ort stärken und ein wenig Werbung machen, damit wieder mehr Leute statt beim bösen A*** lieber beim kleinen Buchhändler nebenan einkaufen. Da ich überwiegend E-Books lese, habe ich meinen favorisierten Buchhändler erst vor kurzem gefunden. Er hat sich bereit erklärt mir einige Fragen zu beantworten.

Die Buchhandlung Musial gibt es bereits seit 1990 und wurde von der Mutter des aktuellen Inhabers eröffnet. Sie befindet sich in der Heilige-Geist-Str. 3, also mitten in der Innenstadt von Recklinghausen. Ich mag nicht nur gerne, dass hier auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz geachtet wird (den ersten umweltfreundlichen Kassenbon habe ich tatsächlich hier erhalten), sondern auch, dass man Bücher per Mail bestellen kann und meistens am nächsten Tag im Laden abholen kann oder sogar geliefert bekommt, natürlich mit dem Rad.

Buchhandlung Musial

Kunterbunte Bücherreisen (KB): Hallo Herr Musial. Erst einmal vielen Dank, dass Sie sich für das Interview zur Verfügung stellen.

Im letzten Frühjahr hat uns alle Corona ziemlich überrascht. Konnten Sie feststellen, dass wieder mehr Menschen Bücher lesen oder hat sich das bei Ihnen nicht wirklich bemerkbar gemacht? Ich hoffe ja sehr, dass wieder mehr Menschen zum besten Hobby der Welt finden.

Patrick Musial (PM): Zunächst einmal vielen Dank für die lobenden Worte, es freut mich, dass auch unser Bestreben für Nachhaltigkeit nicht nur im privaten, sondern auch im geschäftlichen Bereich wahrgenommen wird.

Ja, wir haben schon deutlich gespürt, dass für die Menschen viele andere Freizeitaktivitäten und Kulturangebote weggefallen sind. Diese Lücken konnten dann unter anderem mit dem Lesen gefüllt werden. Besonders deutlich war das bei Kindern und Jugendlichen zu spüren. Für diejenigen, die eh schon viel und gern gelesen haben, war das eine Gelegenheit, noch mehr Zeit mit Büchern zu verbringen, andere haben das Lesen wieder- oder neuentdeckt, auch Erwachsene. Ein besonderes Phänomen war die Nachfrage nach Klassikern – wer immer schon mal „Krieg und Frieden“ oder „Moby Dick“ lesen wollte, hatte nun Zeit dafür. Andere hatten und haben das Bedürfnis, durch das Eintauchen in Geschichten für eine Zeit den teilweise belastenden Alltag eine Weile ausklammern zu können. Auch das ist ja mit Büchern möglich, zur Ruhe zu kommen und sich auch einmal mit anderen Themen zu beschäftigen, als mit denen, die uns in den letzten zwölf Monaten unentwegt beschäftigt haben.

KB: Ich selber lese meist E-Books, weil ich auch unterwegs die Möglichkeit haben möchte ohne große Schlepperei zu lesen. Dazu kommt, dass ich sehr oft dicke Bücher lese, die man nicht einfach so im Handtäschchen mit sich rum tragen kann. Haben Sie bei Ihrer Kundschaft bemerkt, ob im Laufe der Zeit vermehrt E-Books gelesen werden oder kaufen Ihre Kunden nachwievor lieber Papierbücher?

PM:  Tatsächlich lese auch ich sehr gern E-Books, eben weil es unterwegs praktisch ist und ich zudem die Schriftgröße verändern kann, zudem erhalten wir viele Vorab-Exemplare (Leseexemplare) vor dem Erscheinen in elektronischer Form. Vor fünfzehn Jahren gab es Prognosen, dass im Jahr 2020 etwa 50% der Bücher als E-Books gelesen werden würden. Das ist so nicht eingetroffen, der Marktanteil betrug auch 2020 – in diesem besonderen Jahr – nur ca. 5,9%. Es ist nicht gelungen, durch E-Reader neue Leserinnen und Leser zu gewinnen – der Reader wird eher von Viel-Leserinnen und Viel-Lesern genutzt. Viele Bücher werden als Präsent erworben und E-Books lassen sich nicht gut verschenken. Und ein wirklich schönes, gut gestaltetes gedrucktes Buch in der Hand zu halten ist ja auch ein haptisches Vergnügen. Die in Deutschland angebotenen Bücher zeichnen sich durchweg durch eine hervorragende Herstellungsqualität aus – hier hat das E-Book einen positiven Effekt, denn in der Konkurrenz muss sich das physische Buch behaupten können.  Viele Entscheidungen für ein bestimmtes Buch finden tatsächlich auch spontan in der Buchhandlung statt, da lässt man sich gern inspirieren, nimmt ein Buch in die Hand, fühlt vielleicht die Prägung auf dem Einband, liest ein paar Seiten, empfindet das Schriftbild als angenehm – all das lässt sich in elektronischer Form so nicht erleben. Daher bin ich nicht bang vor dem E-Book – das ist eine tolle Ergänzung, wird aber das gedruckte Buch so schnell nicht verdrängen.

KB: Gerade bei einer kleinen Buchhandlung wie Ihrer muss man ja genau auswählen, welche Bücher man als Verkaufsware auslegt. Wie entscheiden sie denn, welche Bücher im Laden liegen dürfen?

PM: Man nennt unsere Art des Handels mit Büchern auch den „Sortimentsbuchhandel“, da steckt das Wort „sortieren“ drin. Wir wählen also aus der Vielzahl an Neuerscheinungen aus und stellen ein Sortiment zusammen.  Das ist ein langer und sehr sorgfältiger Prozess, in dem wir die Verlagsprogramme sichten, das im Team diskutieren, unsere Erfahrungen nach dem Lesen der Lese-Exemplare austauschen und natürlich auch im Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern ausgesuchter Verlage stehen, die die Buchhandlung lange kennen und uns wertvolle Hinweise geben. Die raten auch durchaus mal ab von einem Titel. Eines meiner Kriterien ist: Fällt mir für dieses oder jenes Buch sofort jemand ein, der oder dem ich es empfehlen kann? Wir kennen viele der Menschen, die zu uns kommen, schon sehr lang und wissen, welches Buch zu wem passt. Hat man beim Lesen sofort eine Idee dazu, dann ist das ein gutes Zeichen. Und dann reagieren wir natürlich auch kurzfristig, manchmal gerät etwas in den Fokus, das wir nicht im Blick hatten – bei etwa 90.000 Neuerscheinungen ist das ja auch nicht zu 100% möglich. Dank der tollen Logistik im Buchhandel können wir da aber schnell handeln. Und wir lassen uns auch gern von Kundinnen und Kunden etwas empfehlen.

KB: Als ich das erste Mal bei Ihnen ein Buch vorbestellt habe, hat es mich total beeindruckt, dass sie gerne eine meiner Lieblingsautorinnen lesen und den Aufkleber vom Buch geknibbelt haben, denn Aufkleber auf Büchern kann ich überhaupt nicht leiden. Dass Sie Ulrike Renk mögen, habe ich also schon heraus gefunden. Welche Genres mögen Sie denn noch? Und welche Autoren können Sie empfehlen? Können Sie ein Buch als absoluten Geheimtipp empfehlen?

PM: Ulrike Renk hat uns tatsächlich eine Leserin empfohlen. Ich gebe gern zu, dass mich da die Cover nicht so ansprechen – und dann kam jemand und sagte: „Probieren Sie das mal, ist wirklich gut!“. Und beim Lesen der ersten Seiten von „Jahr der Schwalben“ hat es mich sofort in die Geschichte gezogen. Das ist sehr gut erzählte Unterhaltungsliteratur, und ich meine „Unterhaltungsliteratur“ in keiner Weise abwertend, was spricht dagegen? Das kann ich guten Gewissens empfehlen. Tatsächlich bin ich, was Genres angeht, nicht festgelegt. Ich schaue auch bei Vorabexemplaren nie auf den Klappentext, sondern beginne zu lesen und schaue, was da passiert. Das können Romane sein, auch solche, die durchaus konzentriertes Lesen erfordern, oder auch tolle Sachbücher, selbst zu Themen, zu denen ich sonst wenig Bezug habe. Ein Geheimtipp sind für mich die Kriminalromane von Thomas Mullen, die im Atlanta der 1950er Jahre spielen, Autorinnen und Autoren von denen ich alles lese, sind Alex Capus, Annie Ernaux und Iris Wolff. Ein toller Tipp, den ich von Antje Deistler bekommen habe, war „Marzahn mon Amour“ von Katja Oskamp. Die Entdeckung des letzten Jahres war für mich „Offene See“ von Benjamin Myers – aus meiner Sicht ein perfekter Roman, auch dank der guten Übersetzung. Hach, ich könnte jetzt noch sehr, sehr viele Titel nennen, es ist wirklich ein großes Glück, von so vielen tollen Büchern umgeben zu sein.

Verkaufsraum Buchhandlung Musial

KB: Während des Lockdowns gehörten Sie ja zu den Läden, die nicht öffnen durften. Ich fand es toll, dass Sie sich relativ schnell Alternativen überlegt haben um trotz allem für Ihre Kunden da zu sein. Nicht nur die Auslieferung nach Hause fällt mir da ein, sondern auch noch Idee mit der Stöbertasche. Möchten Sie uns erzählen, was die Idee dahinter ist und wie es abläuft? Wird die Aktion trotz Öffnung weiter laufen?

PM: Wir hatten die ganze Zeit durchgängig geöffnet, wenn auch phasenweise hinter geschlossenen Türen. Wir haben seit Anfang Februar 2020 das Infektionsgeschehen im Blick behalten und schon sehr früh vor dem ersten Lockdown intensiv kommuniziert, dass wir weiter aktiv bleiben und selbstverständlich auch nach Hause liefern, mit unserem Transport-E-Bike, mit dem wir bis zu 100 Kilo Bücher bewegen können.

Patrick Musial mit seinem E-Bike
Patrick Musial © André Chrost

Da wir ja unabhängig sind, sind wir flexibel und können auch mal spontan eine Idee umsetzen, wie die Stöbertasche. Die Menschen haben es während des langen Lockdowns sehr vermisst, bei uns im Laden zu stöbern und auch mal ein Buch in die Hand zu nehmen und zu blättern. Wir haben uns wiederum sehr konsequent an alle Regeln gehalten und den Wunsch, den Laden zu betreten, nicht erfüllen können und zugleich war es uns unangenehm, Menschen an der Tür „abweisen“ zu müssen.

So entstand dann spontan die Idee der Stöbertasche. Wir haben Bücher ausgewählt, diese in eine Stofftasche gepackt, welche dann kontaktlos bei uns abgeholt werden konnte. Die Leserinnen und Leser konnten sich dann bei gutem Wetter irgendwo in unserer sehr schönen Altstadt einen sonnigen Ort suchen und dort in Ruhe die Bücher in Augenschein nehmen und auch mal ein paar Seiten lesen. Die Rückgabe erfolgte ebenfalls kontaktlos, minus der eventuell ausgesuchten Bücher, für die wir dann eine Rechnung per Mail geschickt haben. Das war ein pandemiekonformer Weg, das Stöbern möglich zu machen und ist gut angekommen.

Wir behalten dies auch jetzt bei geöffneten Türen bei, zumal wir die Idee erweitern werden und prominente Buchmenschen eingeladen haben, eine solche Stöbertasche zu kuratieren. Jo Lendle, der Verleger des Hanser Verlages, ist der erste, dessen persönliche Empfehlungen wir auf diese Art präsentieren.

KB: Sie bieten ja noch andere Aktionen an, sofern keine Corona-Einschränkungen bestehen. Ich habe selber eben erst entdeckt, dass es auch so etwas wie „Dinner in der Buchhandlung“ gibt und eine Stöberstunde. Bitten erzählen Sie uns doch mehr darüber.

PM: Auch die Idee des Dinners in der Buchhandlung entstand spontan. Im Gewölbekeller unter unserer Buchhandlung gibt es ein tolles Restaurant, die „17achtzig Foodbar“. Bei denen gab es 2018 eine Anfrage für eine Weihnachtsfeier von Menschen, die bei uns auch Bücher kaufen. Im Restaurant war der Termin nicht mehr frei, also hatten wir alle gemeinsam die Idee, dass die Weihnachtsfeier ja auch bei uns in der Buchhandlung stattfinden könnte. Und so wurde dann eine lange Tafel für über 20 Gäste eingerichtet. Seitdem gibt es die Möglichkeit, statt im Restaurant im Gewölbe auch eine Etage höher einen Tisch zu reservieren oder die Buchhandlung für eine private Feier zu buchen. In der Pandemie war das natürlich auch eine tolle Möglichkeit für das Restaurant, die Platzkapazitäten zu erweitern, da hatten wir fast jeden Abend Buchungen.

Selbstverständlich bieten wir auch die Möglichkeiten des „personal shopping“, wer mag kann vor oder nach Ladenöffnung die Buchhandlung für sich allein besuchen und in Ruhe schauen und auswählen. Wir halten uns dann im Hintergrund und verschwinden ins Büro, stehen aber natürlich auch gerne für eine Beratung zu Verfügung.

Auch kleine Gruppen haben bei uns die Möglichkeit zum „Buchgenuss nach Ladenschluss“.

Innenraum Buchhandlung Musial

KB: Mein Mann mag gerne ausgefallene Bücher, z. B. von H.P. Lovecraft, Clark Ashton Smith oder extreme Horrorliteratur, wie z. B. aus dem Festa-Verlag. Er hatte öfter das
Gefühl, dass der Buchhandel vor Ort nicht gewillt war  bestimmte ausgefallene Bücher (wenn auch Klassiker z. B. Marquis de Sade) oder aber Bücher von Aleister Crowley oder Anton LaVey zu bestellen. Ist dies eine subjektive Sicht oder zeigt Ihnen Ihre Erfahrung ebenfalls, dass dies bei anderen Buchhandlungen so ist?

PM: Wenn es in einer Buchhandlung eine Abwehrhaltung gegenüber bestimmten Genres gibt, so kann ich das nicht nachvollziehen. Das einzige, was bei uns nicht in die Papiertüte kommt, sind Bücher „rechts außerhalb des demokratischen Spektrums“.

Ein gewisses Verständnis habe ich, wenn es sich um Verlage handelt, die Ihre Konditionen so gestalten, dass wir mit das Buch nicht kostendeckend anbieten können. Aufgrund der Buchpreisbindung dürfen wir nur den vom Verlag festgesetzten Preis nehmen – und wenn Einkaufspreis plus Porto darüber liegen, ist das schon unangenehm. Ich kann aber versprechen, dass wir jeden Einzelfall anschauen und gern alles möglich machen, was möglich ist – mir macht es durchaus Spaß, auch „schwierige Fälle“ zu lösen, das sehe ich auch als unsere Aufgabe an.

KB: Noch eine letzte Frage: Sind Sie Buchmessengänger? Oder ist dies mehr oder weniger ein Muss für Buchhändler um sich auf dem Laufenden zu halten oder Kontakte zu knüpfen (oder um einfach Spaß zu haben ;-))?

PM: Oh ja, ich gehe gerne auf Buchmessen! Den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen der Branche empfinde ich immer als große Bereicherung – und die Messen sind da eine tolle Gelegenheit. Häufig bin ich dort auch selbst aktiv, in Gremien oder als Referent. Eine tolle Erfahrung war eine Podiumsdiskussion mit Buchhänderinnen aus den USA, Großbritannien und Frankreich, bei der ich den unabhängigen Buchhandel in Deutschland vertreten durfte.

Auch wenn wir auf der Messe nicht wirklich Einkaufsgespräche mit den Verlagen führen – sie sind ein guter Ort, um Neues zu entdecken und Inspiration zu finden.

Ich freue mich sehr darauf, wieder eine Messe zu besuchen. Und wir sind sehr glücklich, nun wieder Gäste in der Buchhandlung begrüßen zu dürfen. Dass Bücher nun zu den „Gütern des täglichen Bedarfs“ zählen und wir in NRW zumindest von weiteren Schließungen nicht mehr betroffen sein werden, ist ein Privileg, mit dem wir sehr verantwortungsvoll umgehen werden.

Diese Buchhandlung ist ein Ort der Begegnung, der nicht allein durch Bücher, sondern vor allem durch die Menschen, die zu uns kommen, lebendig wird.

Wenn ihr in Recklinghausen und Umgebung wohnt oder mal dort unterwegs seid, guckt auf jeden Fall mal bei der Buchhandlung Musial vorbei. Es ist nicht nur total gemütlich dort, sondern Personal und Inhaber sind sehr nett und hilfsbereit.

Hier noch mal alle wichtigen Infos:

Buchhandlung Musial

Heilige-Geist-Str. 3

45657 Recklinghausen

www.buchhandlung-recklinghausen.de

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10 bis 18 Uhr

Folgende Blogs haben ebenfalls an der Aktion teilgenommen:

Lesestrickeule

VeraLitera

LESEND_DURCHS_LEBEN

Daniela Schneiderheinze

Leipziger Mama

Frau Goehte liest

Recensio Online

Duchess of marvellous books

Lilis Lesemomente