Brown Babies

Ich bin völlig unvoreingenommen an „Stay away from Gretchen“ von Susanne Abel gegangen und war völlig überwältigt, weil das Buch in mir so viele Gefühle ausgelöst hat. Es geht hier nicht nur um eine Lovestory, die einem das Herz zerreißt, sondern um einiges mehr.

Greta und ihr Sohn Tom leben in Köln, Tom ist Nachrichtenmoderator und hat eigentlich gar nicht viel Zeit für seine 84jährige Mutter. Doch eines Tages wird ihm klar: Seine Mam hat Demenz. Anfangs äußert es sich gar nicht so offensichtlich, aber nach und nach kommt zutage, was in Gretas Kopf so los ist. Tom merkt, dass Greta ihm seine Halbschwester Marie verschwiegen hat.

Susanne Abel ist da ein ganz tolles Buch gelungen. Zu Beginn des Buches, in der Zeit, die wir Deutschen lieber vergessen möchten, befindet sich Deutschland im Nazirausch. Greta ist total dabei und ruft Parolen, marschiert mit und wünscht sich nichts lieber als den Führer kennen zu lernen und ihm zu dienen. Das hat mich schon mal völlig umgehauen. Ich habe zwar schon viele Bücher, die in der Zeit spielen, gelesen, aber noch nie wirklich diesen Enthusiasmus transportiert bekommen. Als Greta den GI Bobby kennen lernt, wird das Buch von Liebe durchflutet, anders kann ich es nicht beschreiben. Es war einfach so liebevoll geschrieben, dass ich auch ein wenig in Bobby verliebt war und jede einzelne Sekunde mitgefühlt habe. Alle weiteren Begebenheiten haben ich weinen, fluchen oder auch grinsen lassen.

Die zwei Zeitebenen nehmen ungefähr gleich viel Raum ein, wobei mir die Vergangenheit ein wenig besser gefallen hat. Ich fand Tom anfangs ziemlich oberflächlich und egoistisch, aber auch er hat sich, wie alle anderen Charaktere, im Laufe des Buches weiter entwickelt.

Eins der für mich wichtigsten Inhalte des Buches ist der Brown Baby Plan. Die Journalistin Mabel Grammer hat diesen Plan ins Leben gerufen um die „Brown Babies“ in die USA zu bringen und dort von afroamerikanischen Familien adoptieren zu lassen. Dieses Thema fand ich sehr interessant, weil ich bisher noch nie Berührung damit hatte, wie diese Kinder und auch deren Mütter im Nachkriegsdeutschland behandelt wurden. Wenn ihr euch für dieses Thema interessiert, könnt ihr euch diesen Artikel der NY Times durchlesen (auf englisch).

Mich hat das Buch sehr berührt, nicht nur wegen der Lovestory, sondern vor allem aufgrund der anderen Themen, die mir zum Teil unbekannt waren. Ich hoffe sehr, dass das Buch sehr viele Leser/innen findet und dass Susanne Abel noch weitere Bücher schreibt.

Eine Leseprobe findet ihr auf der Seite des dtv Verlages. Das Buch wurde mir vom Verlag und Netgalley zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Infos über das Buch *Werbung*

Seiten: 528

Herausgeber: dtv Verlagsgesellschaft

Erscheinungsdatum: 18. März 2021

ISBN: 978-3423282598

Preis: 20 € (Hardcover), 16,99 € (E-Book)

Briefe an Kafka

Als ich 2010 das erste Mal in Prag und damit auch im Kafka-Museum war, hat mich die gesamte Ausstellung total fasziniert. Aus diesem Grund musste ich unbedingt „Milena und die Briefe der Liebe“ von Stephanie Schuster lesen. Nun bin ich nicht nur fasziniert von Franz Kafka, sondern auch noch von Milena Jesenská.

Das Buch beginnt im Jahr 1916 als Milena ihren zukünftigen Ehemann Ernst Pollak, einen österreichischen Literaturkritiker und -agent im Staatstheater kennen lernt. Sie verlieben sich ineinander, dürfen aber nicht zusammen sein. Gleichzeitig lernt Milena Schriftsteller wie Max Brod oder eben jenen Franz Kafka kennen, als sie zusammen mit Ernst im Café Arco über Literatur sinniert. Nachdem Ernst sie, eher aus Vernuftsgründen als aus Liebe, heiratet, ziehen sie zusammen nach Wien. Dort beginnt auch die Brieffreundschaft zwischen Milena und Franz,  die sich später zu einer seltsamen Art Liebe entwickelt.

Ich hatte keine Sekunde das Gefühl mit den Personen oder mit dem Buch zu fremdeln. Obwohl ich mich nicht wirklich mit Kafka oder den Leuten um ihn herum beschäftigt habe, fühlte ich mich direkt mitten drin und als würde ich sie alle beschriebenen Personen persönlich kennen. Kafkas Lebensgeschichte kennen die meisten Menschen zumindest ansatzweise, daher finde ich es umso besser, dass nun ein Buch als leicht zugängliche Geschichte geschrieben wurde, das Milena gerecht wird. Ich hätte sehr gerne ein ausführlicheres Buch über sie gelesen. Obwohl aus den Briefen von Kafka an Milena nur Bruchstücke im Buch enthalten sind, hat die Autorin es ausgezeichnet verstanden, Milenas Gefühle für Franz darzustellen. Nicht nur die schönen Gefühle, wie man meinen sollte, wenn man den Klappentext liest, auch das genervt sein, weil er mal wieder etwas verkomplizierte oder wenn er wegen etwas unentschlossen war.

Milena Jesenská war nicht nur Journalistin, sondern auch eine Kämpferin für Demokratie und für Menschenrechte. Sie starb im Jahr 1944 im KZ Ravensbrück. Nach ihrem Tod wurde ihr der Tomás-Garrigue-Masaryk-Orden verliehen. Sie ist außerdem diejenige, die es ermöglichte, dass Kafkas unveröffentlichte Geschichten und seine Tagebücher heute noch öffentlich bekannt sind, denn entgegen seinem letzten Willen unveröffentlichte Dinge zu vernichten, übergab sie alles Max Brod, der diese dann veröffentlichte.  

Bild von Denis Poltoradnev auf Pixabay

„Milena und die Briefe der Liebe“ ist Teil 3 der Reihe „Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe“ vom Aufbau Verlag. Dies sind die Teile in der richtigen Reihenfolge:

1. George Sand und die Sprache der Liebe – Beate Rygiert (Frédéric Chopin)

2. Die Pianistin: Clara Schumann und die Musik der Liebe – Beate Rygiert (Robert Schumann)

3. Milena und die Briefe der Liebe – Stephanie Schuster (Franz Kafka)

4. Die Rebellin – Thérèse Lambert (Rainer Maria Rilke)

5. Die Bildhauerin – Pia Rosenberger (Auguste Rodin) – erscheint am 12. April 2021

6. Frau von Goethe – Beate Rygiert (Johann Wolfgang von Goethe) – erscheint am 16. August 2021

Über das Buch *Werbung*

Seiten: 368

Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag

Erscheinungsdatum: 10. November 2020

ISBN: 978-3746635934

Preis: 12,99 € (E-Book: 9,99 €)

Das Haus der Verlassenen – Emily Gunnis

„Bitte, mein Liebster. ich flehe dich an, bitte hol mich schnell von hier weg.“

Das Buch hat mich völlig überrascht. Der Inhalt klingt nicht so dramatisch, wie es sich liest. Teilweise habe ich gemerkt, dass ich vor Spannung die Luft angehalten habe.

„Das Haus der Verlassenen“ spielt in mehreren Zeitebenen: 1956, als Ivy Jenkins schwanger im Mutter-Kind-Heim ist und sich in herzzerreisenden Briefen an den Vater ihres ungeborenen Kindes wendet. Sie bittet um Hilfe, denn im St. Margaret´s Heim werden die Mädchen zur knochenharten Arbeit gezwungen, verprügelt und gequält, egal ob sie kurz vor der Entbindung stehen oder ob sie gerade eben ihr Baby bekommen haben.

Im Jahr 2007 findet die Journalistin Sam zufällig Ivys Briefe und ermittelt, weil sie aufdecken möchte, wie im St. Margaret´s Heim mit den jungen Frauen umgegangen wurde. Sie ahnt nicht, dass diese Briefe mehr mit ihr und ihrer Familie zu tun haben als sie zu Beginn dachte.

Mir war nicht klar, dass das Buch so spannend ist. Ich dachte an eine lauschige Familiengeschichte zum runter kommen und entspannt auf der Couch liegen, aber so ist es nicht.. Fast von Beginn an musste ich wie getrieben lesen, weil das Buch einfach so unglaublich spannend geschrieben ist. Die kurzen Kapitel wechseln sehr oft die Zeitlinie und wenn man nicht ganz genau aufpasst, verpasst man den Punkt, in dem irgendwer in Rückblicken denkt. Ich musste manchmal einige Sätze noch mal lesen, weil ich plötzlich den Faden verloren hatte, weil die Autorin die aktuellen Gedanken mit früheren Erinnerungen verwebt. Das fand ich total gut umgesetzt, denn genauso ist es ja auch, wenn wir über etwas sinnieren. Die Szenen, die in der Vergangenheit und gleichzeitig im Mutter-Kind-Heim gespielt haben, waren für mich sehr oft gruselig, weil die Stimmung einfach so düster und hoffnungslos war. Ein wenig ist das schon zu erahnen, wenn man sich das Cover genau ansieht.

Die Autorin weist im Nachwort darauf hin, dass es tatsächlich Mutter-Kind-Heime gegeben hat, die genau wie in diesem Buch existiert haben. Es gibt auch Quellenangaben zu Reportagen und ähnlichem. Ich hatte erst überlegt, ob ich mir die genannten Reportagen ansehen möchte, aber ich habe mich dagegen entschieden. Gelesen fand ich schon schlimm genug, was den Mädchen bzw. jungen Frauen und auch den Kindern, die „anders“ waren, angetan wurde.

„Das Haus der Verlassenen“ ist der Debütroman von Emily Gunns. Ein weiteres Buch („Die verlorene Frau“ ) ist bereits erschienen und steht schon auf meiner Leseliste. Trotz des schockierenden Themas (bisher habe ich nur am Rande davon gehört) hat mir das Buch außerordentlich gut gefallen, weil es so gut und spannend umgesetzt wurde. Ich habe meine Top 5 für 2020 schon vergeben, daher habe ich jetzt eine Top 6 😉  

*Werbung*

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, könnt ihr euch auf der Seite des Verlages umsehen. Dort gibt es auch eine Lesprobe.

Der Moment zwischen den Zeiten – Marta Oriols

„Der Moment zwischen den Zeiten“ war für mich ein ganz besonderes Buch. Ich wollte eigentlich nichts lesen, was mich traurig macht zwischen den Feiertagen, aber dann hat es mich doch irgendwie angezogen. Ich habe es nicht bereut. Es gehört auf den letzten Drücker noch zu den Jahreshighlights in 2020.

In Paulas und Mauros Beziehung läuft es schon länger nicht mehr so richtig rund. Dann beichtet er ihr, dass er sie für eine Jüngere verlässt, doch am gleichen Tag stirbt er bei einem Verkehrsunfall. Paula muss nun ihr Leben mit dem Wissen, dass sie wohl doch nicht die richtige Frau für ihn war und dem Wissen, dass sie sich nicht liebevoll nach ihrem letzten Treffen verabschiedet haben, weiterleben. Dies wirft natürlich nicht nur Schuldgefühle auf, sondern auch Wut und Verzweiflung.

„Der Moment zwischen den Zeiten“ passt meiner Meinung nach perfekt zum Buch, denn Mauro befand sich zum Zeitpunkt seines Todes zwischen der Beendigung seiner alten Beziehung und dem offiziellen Beginn seiner neuen Beziehung. Für Paula ist es die Zeit zwischen der langjährigen Lebensgefährtin und der verlassenen Frau. Alles in dem Buch dreht sich um „vorher“ und „danach“, was meiner Meinung nach total gelungen umgesetzt wurde, denn Paula erzählt immer von der Gegenwart um dann in die Vergangenheit abzudriften und dem Leser bzw. der Leserin von ihrem Leben zu erzählen. Dadurch kam bei mir total Verständnis dafür auf, dass Paula handelt wie sie handelt, obwohl ich ihr manchmal sehr gerne ins Gewissen geredet hätte.  In manchen Kapiteln redet sie direkt mit Mauro und man spürt, dass sie hin und her gerissen ist zwischen Schuldgefühlen, Verzweiflung, Wut und Trauer. Dabei ist das Buch niemals kitschig, denn die Gedanken Paulas sind nie oberflächlich. Die Autorin wirft den Leser/die Leserin einfach so in das Gefühlschaos, in dem Paula sich befindet und das ist auch genau richtig, denn es macht das Buch sehr authentisch. Das Ende hat mir besonders gut gefallen, weil es Hoffnung gibt.

Ich würde mir sehr wünschen mehr von Marta Orriols zu lesen. „Der Moment zwischen den Zeiten“ ist ihr erster Roman. Wenn dem noch mehr solcher gefühlvollen Bücher folgen, werde ich mit Sicherheit ein sehr großer Fan von ihr werden.

*Werbung*

Lest unbeding mal in die Leseprobe, die ihr auf der Homepage des dtv Verlages finden könnt.

Ich danke Netgalley und dem Verlag für die zur Verfügungstellung des Leseexemplars. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Wunder einer Winternacht – Marko Leino

„Je weniger die Menschen wissen, desto mehr können sie glauben. Und je mehr die Menschen glauben, desto weniger zweifeln sie.“

Genau so müssen Weihnachtsgeschichten sein. Noch dazu spielt „Wunder einer Winternacht“ in Finnland, eines der Länder, die ich schon längst einmal besuchen wollte. Und habt ihr das wunderschöne Cover gesehen? Ich bin einfach verliebt in das Buch.

„Wunder einer Winternacht“ erzählt Euch einen Teil einer meiner liebsten Weihnachtsgeschichten. Und zwar die vom Weihnachtsmann, der am Korvantunturi in Lappland lebt und dort jedes Jahr am Weihnachtstag Geschenke an alle Kinder verteilt. Hier erfahrt ihr wie es dazu kam und wer der Weihnachtsmann überhaupt ist.

Die Erzählweise ist märchenhaft, aber stellenweise sehr traurig, trotz allem hoffnungsvoll und manchmal einfach nur total ergreifend. Ich fand es einfach so schön, wie der Autor all die Namen verarbeitet hat, die man kennt, wenn man sich ein wenig für Finnland interessiert. Oulu Pukki nennt sich Nikolas irgendwann, er zieht zum Korvantunturi und später wird noch das Weihnachtsdorf erwähnt, das das ganze Jahr geöffnet hat und eine Attraktion in Lappland ist und jedes Jahr sehr viele Besucher aus der ganzen Welt anzieht.

Vom ersten Moment an sprang das Kopfkino bei mir an, so dass ich aufgrund des Wetters, das die ganze Zeit im Buch vorherrscht, dauernd gefroren habe. Das Buch spielt nämlich zum größten Teil im Winter. Wie sollte es auch bei einem Weihnachtsbuch anders sein? Ich habe alle Figuren vor mir gesehen und total mitgelitten, mich mitgefreut und sonst auch alle anderen Emotionen miterlebt. Die Figuren sind auch einfach alle so herzlich, dass man gar nicht anders kann als sie heiß und innig zu lieben, sogar den garstigen Iisakki.

Im Nachwort steht, dass erst das Drehbuch, dann das Buch zum Film entstanden ist. Also werde ich mir den Film entgegen meiner Gewohnheiten ebenfalls ansehen. Und im nächsten Jahr werde ich mir das Hörbuch anhören, das von Heikko Deutschmann gelesen wird. „Wunder einer Winternacht“ ist in zwei Tagen zu einem meiner Lieblingsbücher geworden.

Eine Besonderheit hat das Buch noch: Es eignet sich gut als literarischer Adventskalender, weil jedes Kapitel ein Türchen ist. Ich habe es aber an einem Stück gelesen.

Was erzähle ich euch denn hier eigentlich alles? Kauft es und lest es noch schnell bevor Weihnachten schon wieder vorbei ist 😉

Werbung

Wenn ihr mehr über das Weihnachtsdorf in Rovaniemi erfahren wollt, geht es hier entlang.

Für mehr Informationen über das Buch könnt ihr auf der Seite des Rowohlt Verlages nachsehen.

Ich danke meinen Eltern für das tolle Überraschungsgeschenk kurz vor Weihnachten. Ihr habt genau das richtige Buch für mich ausgesucht <3.

Die Pest – Albert Camus (Hörbuch)

Diesmal war es wohl ein Fehler das Hörbuch zu hören und nicht das Buch zu lesen. Laut meinem Hörbuchanbieter ist das Hörbuch zwar nicht gekürzt, aber es fühlt sich so an. Ich habe das Buch leider nicht im Deutschunterricht gelesen, (wie bestimmt so manch einer von Euch) daher kann ich nicht beurteilen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege.

Das Buch spielt im Jahr 1940 in einer Stadt mit dem Namen Oran in Algerien. Alles fängt an als der Hausmeister des Hauses, in dem der Arzt des Ortes  wohnt, eine verendende Ratte findet. Anfangs wird nicht ernst genommen,  dass immer mehr Ratten sterben und schließlich fällt auf, dass die Krankheit auch auf Menschen überspringt und eine Epidemie auslöst. Immer mehr Menschen sterben und man glaubt, die Pest niemals besiegen zu können.

Wie auch schon bei „Die Stadt am Ende der Welt“ bin ich fasziniert, wie recht die jeweiligen Autoren hatten, was die Verbreitung und auch der Umgang mit der Epidemie angeht. Wenn man sich mal unser aktuelles Geschehen seit Anfang des Jahres vor Augen hält, kann man so viele Parallelen finden. Wer also gerade sehr mit Corona hadert, sollte das Buch nicht lesen. Die Stimmung ist im Buch auch durchgehend düster bis hoffnungslos, also auch nichts für Menschen, die gerade nicht so gut drauf sind.

Ulrich Matthes hat großartig gelesen, so wie immer, aber ich finde, dass der Erzählstil nicht zum Gesamtbild passt. Ich gehe davon aus, dass das Hörbuch gekürzt war, denn gerade das Ende kam für mich sehr überraschend. Ich werde das Buch auf jeden Fall auf meine Leseliste nehmen, weil es mir richtig gut gefallen hat und ich daher gerne den vollständigen Text lesen würde. Der Autor hat einen Schreibstil, der mich sehr gefesselt hat. Einige Sätze hätte ich mir auch gerne angestrichen, denn es steckte so viel Wahres in ihnen.

Mein Fazit ist also: Lieber lesen als hören und sich nicht runter ziehen lassen. Es ist immer ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.  

Mehr Infos über das Hörbuch könnt ihr auf der Seite des Verlages finden und beim Rowohlt Verlag gibt es Infos über das Buch.

24 gute Taten – Jenny Fagerlund

Und wieder habe ich mit diesem Buch genau das bekommen, was ich erwartet habe. Es war einfach heimelig, etwas romantisch und sehr weihnachtlich.

Emmas Lebensgefährte ist zum Zeitpunkt dieser Geschichte seit zwei Jahren tot. Seitdem schafft sie es kaum ihr tägliches Leben und vor allem ihren eigenen Laden, in dem sie Einrichtungskrimskrams verkauft,  aufrecht zu erhalten. Irgendwann beschließt sie, dass sie ab sofort an jedem Dezembertag bis zum Heiligen Abend eine gute Tat vollbringt. Wie man es erwartet, ändert sich ihr Leben dadurch grundlegend.

Das Buch ist total vorhersehbar, was es aber nicht unbedingt schlecht macht. Ich fand  die Idee der 24 guten Taten total gut und habe tatsächlich überlegt, ob ich das auch dieses Jahr praktizieren möchte. Ich habe schon öfter gehört, dass sich das Leben und auch die Einstellung zum Leben dadurch ändert, so wie es ja auch bei Emma der Fall war. Einen Versuch wäre es wert. Allerdings denke ich, dass es ähnlich wie bei Emma gar nicht so einfach ist täglich etwas Geeignetes zu finden.

Der Schreibstil war recht einfach gehalten, aber auch das habe ich erwartet. Immerhin wollte ich unterhalten werden und dabei nicht allzu viel denken müssen. Eine Liebesgeschichte kommt natürlich auch vor. Obwohl das Buch mir gut gefallen hat, konnte ich kaum eine Beziehung zu den Charakteren aufbauen.

Wenn ihr einfach mit einer schönen Tasse Tee und leckeren Keksen bei Weihnachtsmusik auf dem Couch ein Buch lesen wollt, seid ihr mit „24 guten Taten“ gut beraten.

Im Land der Weihnachtssterne (Die Weihnachtsstern-Saga 1) – Lea Thannbach

Was für ein wundervolles Buch. Allerdings hatte ich aufgrund des Titels mit einem Weihnachtsbuch gerechnet. Bekommen habe ich ein halbes Weihnachtsbuch, was aber gar nicht schlimm war.

Das Buch spielt in zwei Zeitebenen. Einmal 1910 in der Zeit von Feli und Philipp und einmal in der aktuellen Zeit, bei Stella. In Stellas Zeit ist Weihnachten und sie besucht gerade ihre Familie in den USA, die die Nachkommen von Feli und Philipp sind. Stellas Oma Lizzy erzählt Stella und den Lesern die Geschichte um die Poinsettias, die Weihnachtssterne. Noch nie zuvor habe ich mir so viele Gedanken um diese Pflanze gemacht wie bei der Lektüre dieses Buches. Der Inhalt ist fiktiv, aber an die wahre Begebenheit der Entdeckung und Verbreitung der Pflanze angelehnt.

Es war mein erstes Buch von Lea Thannbach und ich habe schon nach wenigen Seiten gemerkt, wie liebevoll das Buch geschrieben ist. Die Hauptcharaktere sind allesamt sehr liebenswürdig, daher fühlte sich das Buch für mich direkt wie ein Wohlfühlbuch an. Es bleiben noch einige Fragen bezüglich Stellas Familie offen, die wahrscheinlich im zweiten Teil („Wiedersehen im Land der Weihnachtssterne“ – erschienen am 02.11.2020) geklärt werden. 

Für mich passte alles perfekt zusammen: Das schöne Cover, der Inhalt und die Erzählweise. Ihr könnt euch also zurücklehnen, euch einen Tee einschenken und die Geschichte um die wohl weihnachtlichste Pflanze, die man kennt, lesen.

Alles weitere über das Buch erfahrt ihr auf der Seite des Ullstein Verlages.

Fräulein Gold. Schatten und Licht – Anne Stern (Hörbuch)

Kaum hatte ich das Buch auf meinem SuB, hatte ich gar keine Lust mehr es zu lesen. Also habe ich eine Weile gewartet und es dann als Hörbuch gehört. Das war eine weise Entscheidung.

Es ist das Jahr 1922, wir befinden uns in Berlin und erleben Hulda Gold in voller Pracht. Sie ist Hebamme und Single, allerdings ist sie unglücklich verliebt in ihren Freund aus Kindertagen. Als die Nachbarin einer ihrer Kundinnen unter seltsamen Umständen stirbt, schaltet sich Huldas kriminalistischer Verstand ein, so dass sie nicht anders kann als bei den Ermittlungen mitzumischen.

Anfangs war ich hin und her gerissen, weil ich Hulda für zu frech und unverschämt empfand und es kam mir auch ein wenig zu bemüht vor. Vielleicht lag das an der Stimme von Anna Thalbach, die sehr enthusiastisch Hildas Launen folgt. Nachdem ich mich eingehört hatte und die Charaktere kennen gelernt habe, fand ich sowohl die Stimme der Sprecherin als auch Huldas Art sehr passend. Eigentlich ist „Schatten und Licht“ eine Geschichte um Hulda Gold mit ein wenig Krimi, also genau das richtige für eine entspannte Lektüre bzw. Hörgenuss.

Bisher kannte ich noch keine Bücher von Anne Stern, aber ich werde ganz bestimmt sowohl den zweiten Teil der Reihe („Scheunenkinder“) als auch weitere Bücher von ihr lesen.

Auf der Seite des Argon Verlages könnt ihr mehr über das Hörbuch erfahren.

Das Unrecht der Väter – Ellin Carsta

Leider konnte mich das Buch überhaupt nicht fesseln. Ich habe  ca. 60 % gelesen und es dann abgebrochen. Dabei klang der Klappentext so vielversprechend.

Das Buch spielt 1936, also zu der Zeit, in der Hitler seine Macht ausgebaut hat. Man merkt dies den Hauptpersonen und auch den Nebencharakteren an, denn alles dreht sich darum, dass man es dem Führer und damit auch der Allgemeinheit, die ihre Augen und Ohren überall hat, recht machen muss.

Die Brüder Heinrich und Wilhelm Lehmann haben sich nach dem ersten Weltkrieg in Bernried, bei ihrem Freund Paul-Friedrich niedergelassen und dort mit ihren jeweiligen Fabriken einigen Reichtum und Ansehen erlangt. Doch leider überschattet ein Ereignis, das ich nicht mehr herausgefunden habe, ihr Leben, denn die Tochter eines im Krieg verstorbenen Kameraden taucht plötzlich auf und möchte Einzelheiten zum Tod ihres Vaters erfahren, mit dem Heinrich, Wilhelm und Paul-Friedrich zu tun haben müssen.

Eigentlich ist das Buch sehr ansprechend aufgemacht. Vor jedem Kapitel kommt einer der Charaktere zu Wort. Die Ereignisse um diesen Charakter werden in dem Kapitel dann erzählt, so dass wir ab und an dieselbe Begebenheit von zwei Seiten kennen lernen. Allerdings hat mich die Handlung gar nicht gefesselt. Immer, wenn ich dachte, dass es jetzt was wird mit mir und „Das Unrecht der Väter“ habe ich wieder das Interesse verloren.

Ich würde euch dennoch raten, die Leseprobe zu lesen, denn grundsätzlich ist die Idee zu dem Auftakt der Falkenbach-Saga gar nicht übel. Vielleicht gefällt euch der Erzählstil ja.

Mehr Informationen zu dem Buch findet ihr auf der Seite der Autorin.