Wintermeer und Dünenzauber – Tanja Janz

Ich hatte mir dieses Jahr fest vorgenommen früh mit der Einstimmung auf Weihnachten anzufangen. Als ich das Cover von „Wintermeer und Dünenzauber“ sah, wusste ich, dass es mir damit auf jeden Fall gelingen wird.

Jana hat mehrere Jahre auf Gran Canaria gelebt und war dort eigentlich auch gar nicht unglücklich. Nachdem ihre Beziehung zu Bruch gegangen ist, kehrt sie nach St. Peter Ording zurück und eröffnet mit ihrer Freundin Pütti einen eigenes Geschäft „für schöne Dinge“. Plötzlich tritt ihre ehemals große Liebe Ayk Truels wieder in ihr Leben. Alles andere könnt ihr euch sicher denken.  

Das Buch hat genau das erfüllt, was ich erwartet habe. Eine locker leichte Liebesgeschichte, die mit ein paar leicht zu handhabenden Problemen gespickt ist. Also genau das Richtige für einen entspannten Sonntag auf der Couch mit Tee und Lebkuchen. Was mich allerdings mit Wehmut erfüllt hat: Ich wollte mich auf der Stelle dick einpacken, ans Meer gehen, den Wind in den Haaren spüren und das „MeerGlück“, also den Laden von Jana und Pütti, besuchen. Die Autorin scheint da bei mir einen Nerv getroffen zu haben.

„Wintermeer und Dünenzauber“ ist ein absolutes Wohlfühlbuch, das Lust auf Schnee, Weihnachtsbeleuchtung und kitschigen Weihnachtsschmuck macht.

Heike von Frau Goehte liest hat das Buch ebenfalls gelesen und fand ebenfalls, dass es ein Buch ist, das dem Leser/der Leserin eine behagliche Weihnachtsstimmung bereitet.

Die Leseprobe findet ihr auf der Seite des Verlages.

Verlag: Harper Collins

Erscheinungsdatum: 22. September 2020

Seiten: 320

Die Wahrheit über Metting – Tom Liehr 

Seit einigen Jahren lese ich die Liehr-Bücher direkt nach dem Erscheinen. Auf dieses Buch musste ich dank Corona etwas länger warten als ursprünglich gedacht, aber das Warten hat sich gelohnt.  

Tomás, genannt Tom, wächst Ende der 70er Jahre im fiktiven Ort Metting in Niedersachsen auf. Seinen Eltern gehört das Pflegeheim Horizont. Mit ihnen wohnt er dort und kann nicht glauben, dass es Menschen gibt, die jünger und gesünder sind als die Bewohner des Heims. Man muss sich einfach mal vorstellen, dass Tom als kleiner Junge im Pflegeheim gespielt hat, dort aufgewachsen ist und die Bewohner als seine Freunde ansieht.  Eines Tages zieht die in meinen Augen außerordentlich coole, allerdings bereits 82 Jahre alte Marieluise Benedickt ins Horizont. Tom und Marieluise verbringen sehr viel Zeit miteinander, sie wird sogar seine Vertraute in allen Belangen. Als Marieluise stirbt verliert Tom den Boden unter den Füssen.  

Nach 30 Jahren erinnert sich Tom immer noch gerne an seine Zeit mit Marieluise zurück, nicht so gerne allerdings an seine Zeit in Metting. Nicht nur, weil seine Eltern Geheimnisse haben und weil sie seine gesamte Kindheit über immer ziemlich lieblos mit ihm und miteinander umgegangen sind, sondern auch weil Metting das ist was es ist.  

Ich sage das bei jeder Liehr-Neuerscheinung: Das Buch ist das beste! Ihr müsst mir nachsehen, wenn ich das nicht objektiv beurteilen kann, aber ich bin seinem Schreibstil verfallen. Dabei kann ich nicht mal so genau sagen, woran das liegt. Ich mag den Humor, die Ernsthaftigkeit, die trotz allem immer in seinen Büchern steckt, seine Wortschöpfungen und natürlich auch die Charaktere, die er erschaffen hat. Meist ist irgendetwas im Buch oder an den Figuren skurril und genau das macht die Bücher meiner Meinung nach so liebenswert. “Die Wahrheit über Metting” lässt den Leser/die Leserin darüber hinaus auch noch über das eigene Verhalten nachdenken. Zumindest ist es mir so ergangen.  

Wirklich viel Spannendes passiert in dem Buch nicht, dafür wird man von den einem selbst bekannten Wirrungen des Lebens großartig unterhalten. Ich war bei manch einer Ungerechtigkeit wirklich erzürnt und hätte gerne mal der einen oder anderen Figur die Meinung gegeigt. Meiner Meinung nach ist das Buch für absolut jeden was. Probiert es mal aus oder lest fürs Erste die Leseprobe, falls meine Lobrede euch nicht überzeugt hat.  

Falls ihr seine anderen Bücher noch nicht kennt, kann ich euch auf jeden Fall “Sommerhit” und “Pauschaltourist” empfehlen.                                                                              

Verlag: rororo 

Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2020 

Seiten: 368 

Insel der verlorenen Erinnerung – Yoko Ogawa

Das Buch wurde beim Papierstau-Podcast so hoch gelobt und auch der Inhalt klingt richtig gut. Mich hat es leider gar nicht überzeugt. Es hat das gewisse Etwas gefehlt.  

Die namenlose Erzählerin lebt auf einer Insel auf der in Abständen, die niemand vorhersehen kann, Dinge oder auch Lebewesen verschwinden. Aber sie verschwinden nicht nur, sie existieren auch nicht mehr in den Köpfen der Menschen, zumindest in den meisten nicht mehr. Ihre Mutter hatte eine geheime Schublade, in der sie Erinnerungen an diese verschwundenen Dinge gesammelt hat. Ab und zu hat sie ihrer Tochter diese Dinge gezeigt und wirkte dabei immer sehr traurig, denn dieses Aufbewahren von Dingen ist verboten. Die Erinnerungspolizei überprüft, ob Menschen nicht vielleicht verschwundene Dinge horten oder die Erinnerung anders aufrechterhalten. Diejenigen, die gegen dieses Gesetz verstoßen, müssen sich verstecken und hoffen, dass sie nicht erwischt werden, denn die Strafen sind hoch. Zum Zeitpunkt dieser Geschichte wächst in der Protagonistin die Idee, dass sie ihren Lektor verstecken muss, denn er gehört zu jenen Menschen, die sich an alles erinnern das eigentlich schon lange verschwunden ist.            

Soviel zu der Story. Das klingt für mich nach Spannung und nach Heimlichkeiten, die man mit dem Protagonisten erlebt und vor allem nach einer Geschichte, die ich gerne lesen wollte. Aber der Schreibstil kam für mich auf eine Art langweilig herüber. Ich mag es zwar gern, wenn Geschichten langsam und ausführlich erzählt werden, aber hier war es mir einfach zu langweilig. Ich habe nach ungefähr der Hälfte abgebrochen, weil mich das Ende der Geschichte einfach nicht interessiert hat.  

Da ich von der Autorin kein weiteres Buch kenne, kann ich allerdings auch keinen Vergleich zu einem anderen Buch von ihr ziehen. Allerdings möchte ich auch nicht generell von dem Buch abraten. Vielleicht lest ihr mal die Leseprobe und entscheidet selber, ob euch der Schreibstil liegt.  

*Leseprobe*

Originaltitel: Hisoyaka na kessho

Übersetzerin: Sabine Mangold

Verlag: Liebeskind

Erscheinungsdatum: 7. September 2019

Seiten: 352 Seiten

Herzfaden – Thomas Hettche (Hörbuch)

Als Kind haben wir uns doch fast alle von Jim Knopf oder von Urmel aus dem Eis verzaubern lassen. Habt ihr euch jemals überlegt, wie die Augsburger Puppenkiste entstanden ist? Nein? Ich auch nicht. Aber dafür haben wir ja jetzt Herrn Hettche, der uns diese Geschichte so zauberhaft vermittelt.  

„Der Herzfaden ist der wichtigste Faden einer Marionette. Er macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“ 

In “Herzfaden” geht es vor allem um Hatü, wie Hannelore Marschall-Oehmichen, die Mitbegründerin der Augsburger Puppenkiste, genannt wird. Sie und ihre Familie erleben den zweiten Weltkrieg und vor allem seine Auswirkungen mit und der Vater, Walter Oehmichen, hat den großen Traum ein Puppentheater aufzubauen. Anfangs ziehen sie noch mit einer Kiste, dem Puppenschrein durch die Lande, später wird die Puppenkiste nicht nur sesshaft, sondern auch fürs Fernsehen verfilmt. Obwohl es hier um eine der dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte geht und dies auch oft Thema ist, wirkt das Buch nie traurig oder düster. Die Rahmengeschichte über das Mädchen, das sich auf dem Dachboden des Theaters verläuft und sowohl die junge Hatü als auch ihre Marionetten trifft, hätte ich persönlich nicht zwingend gebraucht, aber es hat der ganzen Geschichte etwas Märchenhaftes gegeben. Wahrscheinlich war das auch genau die Intention des Autors.  

Da ich mir bisher weder über die Augsburger Puppenkiste noch über Marionetten Gedanken gemacht habe, war es total interessant die Entstehung mitzuerleben. Thomas Hettches Interpretation von Hatüs Leben besteht aus der großen Liebe zu Marionetten. Diese Begeisterung, die Thomas Hettche ihr angedichtet hat, scheint tatsächlich vorhanden gewesen zu sein. Denn sie hat in ihrem Leben um die 6000 Puppen geschnitzt, die zum Teil heute noch auf der Bühne stehen.  

Valery Tscheplanowa und Christian Brückner haben das Hörbuch zu einem wunderschönen Erlebnis gemacht. Christian Brückner erzählt die Geschichte des Mädchens aus dem Dachboden und Valery Tscheplanowa hat den Hauptteil des Buches übernommen. Beide haben für mich “Märchenstimmen”, die ich immer noch im Ohr habe und eigentlich auch gar nicht gehen lassen wollte. Von mir aus hätte das Buch gerne noch länger sein dürfen.

Sprecher: Valery Tscheplanowa, Christian Brückner 

Verlag: Argon Hörbuch   

Erscheinungsdatum: 10. September 2020 

Dauer: 7 Stunden 55 Minuten 

*Hörprobe*

*Leseprobe*

Die Stadt am Ende der Welt – Thomas Mullen

Originaltitel: The Last Town on Earth 

Übersetzerin: Gerlinde Schermer-Rauwolf, Robert A. Weiß 

Verlag: Dumont Buchverlag  

Erscheinungsdatum: 29. September 2020 

Seiten: 480 Seiten 

ISBN:  978-3-8321-8151-2 

Der Autor (Verlag):  

Thomas Mullen wurde 1974 in Rhode Island geboren. 2006 erschien sein Debütroman ›Die Stadt am Ende der Welt‹, der von der Zeitschrift USA Today als »Bester Debütroman des Jahres« und von der Zeitung Chicago Tribune als eines ihrer »Books of the Year« benannt wurde. Bei DuMont erscheint außerdem seine von Publikum und Presse gefeierte ›Darktown‹-Trilogie, die nach ›Darktown‹ (2018) und ›Weißes Feuer‹ (2019) mit ›Lange Nacht‹ (2020) ihren Abschluss findet. Thomas Mullen lebt mit seiner Familie in Atlanta. 

Klappentext (Verlag): 

Wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu schützen? 

Tief in den Wäldern des Staates Washington liegt die Holzfällerstadt Commonwealth. Charles Worthy hat sich mit der Gründung der Stadt und ihren gesellschaftlichen Idealen fernab von Ausbeutung und Unterdrückung einen Lebenstraum erfüllt. Doch sein Traum ist in Gefahr: Gerade als sich der Erste Weltkrieg seinem Ende zuneigt, bricht die todbringende Spanische Grippe aus. Die Bewohner von Commonwealth sind entschlossen, sich mit strenger Quarantäne zu schützen. Zügig werden Grenzposten gesetzt, Warnschilder ausgehängt und an der einzigen Zugangsstraße bewaffnete Wachen aufgestellt. Als Philip Worthy, der Adoptivsohn des Stadtgründers, mitansehen muss, wie ein halb verhungerter Soldat erschossen wird, um ihn am Betreten der Stadt zu hindern, ist er tief erschüttert. Wenig später vor die gleiche Situation gestellt, trifft er eine andere Entscheidung – und neben der Angst vor der Außenwelt wächst bald schon die Furcht vor dem Feind im Innern.  
Thomas Mullen erzählt in seinem hellsichtigen und mitreißenden Roman von Moral in Zeiten der Krise, von einer Gesellschaft, der die Solidarität abhanden zu kommen droht ? aber auch von Hilfsbereitschaft, Hoffnung und Mitgefühl. 

Meine Meinung:  

Ich muss ehrlich zugeben, dass mich das Buch sehr überrascht hat. Nicht nur, weil es unserer aktuellen Situation so ähnlich ist, sondern auch, weil ich nach der Lektüre komische Reaktionen an mir festgestellt habe. Ich zucke beispielsweise zusammen, wenn jemand länger anhaltend hustet und denke sofort an “Die Stadt am Ende der Welt”. Verrückt, ich weiß, aber das legt sich auch wieder.  

Der erste Weltkrieg hat die Menschheit fest im Griff, aber in der Kleinstadt Commonwealh, die Charles Worthy gegründet hat um für die Arbeiter seines Sägewerks bessere Bedingungen zu schaffen, bekommt man von all dem gar nicht so viel mit. Als in der Nachbarstadt Timber Falls und in den umliegenden Städten die spanische Grippe ausbricht, treffen die Bewohner von Commonwealth die Entscheidung den Ort abzuriegeln und mit Wachposten zu sichern. Wir hätten aber keine Geschichte, wenn die Isolation des Ortes gelungen wäre. Man kann sich also denken, dass die spanische Grippe auch in Commonwealth wütet.  

Obwohl das Buch schon 2006 veröffentlicht wurde, ist es nun aktueller denn je. Der Autor hat sehr gut recherchiert und zusätzlich seine Fantasie spielen lassen. Für mich las sich das Buch wie eine Spiegelung unserer aktuellen Situation seit März. Nicht nur, dass man erst glaubte, dass die Grippe schon nicht in die Heimat kommt, sondern auch der Umgang mit dem Virus von Seiten der REgierung und auch der Einwohner. Thomas Mullen hat nicht nur den ortsansässigen Arzt zu Beginn der Pandemie bis zur Erschöpfung durch das Dorf laufen lassen, er hat auch all die Bewohner auf verschiedene, heute auch überall zu findende Art und Weisen,  porträtiert. Das war wirklich spannend zu sehen, wie die einzelnen Phasen der Pandemie im Roman ablaufen und einen Vergleich mit heute zu ziehen.  

Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen, allerdings habe ich auch auf keine Art ein richtiges Problem mit Corona bisher gehabt, weder Krankheitsfälle im direkten Umkreis noch größere finanzielle Probleme, nur das übliche, was einen ab und an mal nervt. Wer auf das Thema nicht gut zu sprechen ist, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen. Allen anderen kann ich es empfehlen, einfach um mal zu sehen, dass das Verhalten einiger Menschen in der heuteigen Zeit wohl doch normal ist.  

Das Buch wurde mir von Netgalley und vom Dumont Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.  

Wenn ihr weitere Infos über das Buch benötigt oder erst die Leseprobe lesen wollt, guckt euch mal auf der Seite Dumont Verlages um.  

Wenn du mich heute wieder fragen würdest – Mary Beth Keane

  • Originaltitel: Ask Again, Yes
  • Übersetzer: Wibke Kuhn
  • Verlag: Eisele
  • Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2020
  • Seiten: 464
  • ISBN: 9783961610969 (Hardcover mit Schutzumschlag)
  • ASIN: B087D437YY (e-book)

Die Autorin (Verlag):

Mary Beth Keane machte ihren Master of Fine Arts an der University of Virginia. Von der National Book Foundation wurde sie zu den „5 besten Schriftstellerinnen unter 35“ gewählt und erhielt ein Guggenheim Stipendium. Mit ihrem Mann und den gemeinsamen zwei Söhnen lebt sie in Pearl River, New York. Wenn du mich heute wieder fragen würdest ist ihr dritter Roman und hielt sich acht Wochen am Stück auf den vorderen Plätzen der New York Times Bestsellerliste. Die Auslandsrechte zu dem Roman wurden bisher in 16 Länder verkauft, die Produzenten von American Beauty arbeiten derzeit an einer Umsetzung des Stoffs als TV-Serie.

Klappentext (Verlag):

Als die Gleesons und die Stanhopes in dieselbe Nachbarschaft ziehen, scheinen die Weichen für ein freundschaftliches Miteinander gestellt, sind die beiden Familienväter zudem Kollegen bei der New Yorker Polizei. Lena Gleeson fühlt sich in der neuen Gegend ein wenig einsam und versucht mit Anne Stanhope Freundschaft zu schließen. Doch deren kühle, distanzierte Art verhindert jeden Kontakt. Erst ihre Kinder bringen die Gleesons und die Stanhopes wieder miteinander in Verbindung. Lenas jüngste Tochter Kate und Annes einziger Sohn Peter sind von Anfang an unzertrennlich. Aber ihre aufkeimende Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als eine Tragödie beide Familien für lange Zeit auseinanderreißt.

Meine Meinung:

Zugegeben, den Titel fand ich äußerst merkwürdig, aber der Klappentext hat mich angesprochen. Also habe ich es mit „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ versucht. Wenn man den Inhalt des Buches kennt, macht der Titel durchaus Sinn.

Das Cover fand ich vor der Lektüre nicht so wirklich ansprechend und vor allem nicht aussagekräftig. Nach dem Lesen des Buches hat sich der Eindruck aber verflüchtigt. Gerade weil es hier um zwei Familien geht, die zu Beginn der Geschichte in einem kleinen Ort leben, wo jeder jeden kennt, passt es ziemlich gut.  

Der Leser begleitet Kate und Peter durch den größten Teil ihrer Lebensgeschichte. Das Buch beginnt in den 70ern, als Kates und Peters Eltern Nachbarn werden. Die Väter kannten sich zuvor schon, weil beide zeitgleich den Polizeidienst angetreten sind. Der Leser lernt sie ganz kurz schon als frisch gebackene Kollegen kennen. Anne, Peters Mutter, weigert sich aus einem für den Leser zu dem Zeitpunkt nicht zu erahnenden Grund eine Freundschaft mit Lena, Kates Mutter,  einzugehen. Die Tragödie, die im Klappentext angesprochen wird, hat mir den Boden unter den Füssen weg gezogen und ihre Auswirkungen sind das ganze Buch über Thema. Die Geschichte des Buches endet 2017, also im mittleren Alter von Kate und Peter.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, in das Buch hinein zu kommen. Woran das lag, kann ich nicht mal genau sagen. Nach einigen Seiten und nachdem die ersten Personen soweit vorgestellt wurden, fluppte es aber plötzlich. Mir hat besonders gefallen, dass das Buch alle möglichen Emotionen, die auch im wahren Leben vorkommen, enthalten hat. Für mich hat es sich wie ein Tagebuch aus Sicht von verschiedenen Personen gelesen, allerdings ohne die Ich-Erzählung. Die Lebensgeschichten der Gleesons und der Stanhopes sind von Beginn des Buches bis nach Ende der Geschichte so sehr miteinander verwoben, dass sie niemals hätten aufgelöst werden können. Das macht das Buch meiner Meinung nach auch so authentisch. Mary Beth Keane weiß, wovon sie spricht, denn das Buch ist angelehnt an ihre persönliche Familiengeschichte.

Der Schreibstil gefiel mir ebenfalls sehr gut. Einmal eingetaucht in die Geschichte und damit warm geworden, wollte ich eigentlich gar nicht mehr aufhören. Die Liebesgeschichte von Kate und Peter war nicht kitschig, sondern eher tragisch. Der Romeo-und-Julia-Vergleich passt meiner Meinung also perfekt zum Inhalt. Ich habe das Buch gern gelesen und kann es jedem empfehlen, der gerne tragische Geschichten liest, die Menschen durch verschiedene Arten von Liebe miteinander verbindet.

Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Eisele Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Kleine Feuer überall – Celeste Ng

Originaltitel: Little Fires Everywhere

Übersetzerin: Brigitte Jakobeit

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Erscheinungsdatum: 23. August 2019

Seiten: 384 Seiten

ISBN:  978-3423147231

Die Autorin (Verlag):

Celeste Ng (sprich: Ing) wuchs auf in Pittsburgh, Pennsylvania und in Shaker Heights, Ohio. Ng studierte in Harvard und machte ihren Master an der University of Michigan. Sie schrieb Erzählungen und Essays, die in verschiedenen literarischen Magazinen erschienen und mit dem Hopwood Award und dem Pushcart Prize ausgezeichnet wurden. ‚Was ich euch nicht erzählte‘, ihr erster Roman, war ein New York Times-Bestseller, der, vielfach prämiert, in 20 Sprachen übersetzt wurde und auch verfilmt wird.

Klappentext (Verlag):

Vom Außenanstrich der Häuser bis zum Alltag ihrer Bewohner: Alles in Shaker Heights, einem beschaulichen Vorort von Cleveland, ist passgenau durchgeplant. Keiner verkörpert diesen Geist mehr als Elena Richardson mit ihrer Familie wie aus dem Bilderbuch. Sie hat ein gutes Herz, deshalb nimmt sie die alleinerziehende Künstlerin Mia Warren als Mieterin auf und behandelt deren Tochter Pearl auch sofort, als wäre sie ihr eigenes Kind. Sie überlässt nichts dem Zufall, darum gräbt sie heimlich in Mias mysteriöser Vergangenheit. Woher nur kommt diese magische Anziehung, die das Mutter-Tochter-Gespann auf alle Richardsons ausübt? Über das Gewicht von Geheimnissen und den verheerenden Glauben, das bloße Befolgen von Regeln könne Katastrophen verhindern.

Meine Meinung:

Ich wollte „Kleine Feuer überall“ eigentlich schon zum Zeitpunkt des Erscheinens lesen, aber es kam mir immer wieder irgendein anderes Buch dazwischen. Nun habe ich es gelesen und bin total begeistert. Ich freue mich jetzt sehr, bald die Serie anzusehen.

Das Buch beginnt mit dem Brand des Hauses der Richardsons. Die Familie Richardson lebt in Shaker Heights, einem Ort, der für mich wie die Klischeewohnsiedlung in den USA klingt, eben so, wie man es in diversen amerikanischen Serien sieht. Mama Richardson ist total durchorganisiert und führt das Haus mit harten Regeln, die niemals gebrochen werden dürfen. Sie hat aber die Rechnung ohne ihre Tochter Izzy gemacht. Izzy rebelliert quasi von Geburt an und auch als Leser/Leserin hat man das Gefühl, Izzy gehört gar nicht in diese Familie. Als  Mia mit ihrer Tochter Pearl in eine Mietwohnung der Richardsons einzieht, verweben sich die Leben der Familienmitglieder immer mehr.

Mia, die Mutter von Peal, habe ich vom ersten Moment an in mein Herz geschlossen. Sie hat zwar ein Geheimnis, das sie seit vielen Jahren nicht nur vor Pearl geheim hält, aber ihr ganzes Handeln und ihre Persönlichkeit fand ich einfach so warmherzig und liebevoll. Für mich ist sie die Hauptprotagonistin des ganzen Romans. Die andern Figuren mochte ich zum größten Teil auch sehr gern. Cheleste Ng schafft es auf den knapp 400 Seiten einen bei allen Begebenheiten mitfiebern zu lassen. Ich habe die ganze Zeit am Buch geklebt, weil ich wissen musste, wie es weiter geht, obwohl die Geschichte gar nicht so sonderlich spektakulär ist.

Ich werde mir in der nächsten Zeit die Serie ansehen und bis sehr gespannt, wie sie umgesetzt wurde. „Kleine Feuer überall“ kann ich jedenfalls wärmstens empfehlen.

Für eine Leseprobe könnt ihr euch auf der Seite des Verlages umsehen.

Die unglaubliche Reise der Großmutter Maru auf ihrem himmelblauen Fahrrad – Gabri Ródenas

„Eins mit sich selbst zu sein bedeutet, sich seine wahre Natur in Erinnerung zu rufen.“

Originaltitel: La abuela que cruzó el mundo en una bicicleta

Übersetzerin: Anja Rüdiger

Verlag: Thiele & Randstätter Verlag GmbH

Erscheinungsdatum: 3. August 2020

Seiten: 192 Seiten

ISBN:  978-3851794557

Der Autor (Verlag):

GABRI RÓDENAS geboren 1976 in Murcia, ist ein spanischer Autor und Philosophieprofessor, dessen Romane sich durch ihre Mischung aus Originalität, Einfühlungsvermögen, Humor und philosophischer Weisheit auszeichnen. Er kombiniert seine Arbeit als Schriftsteller mit seiner Lehrtätigkeit an der Universität von Murcia. Sein Roman über die lebenskluge Großmutter Maru und ihre ungewöhnliche Reise wurde in zahlreiche Länder verkauft und eroberte die Herzen unzähliger Leserinnen und Leser. 

Klappentext (Verlag):

Doña Maru, eine rüstige alte Dame von neunzig Jahren, führt ein friedliches Leben am Radnd von Oaxaca, Mexiko. Wenn sie dem Waisenhaus einen Besuch abstattet, hat sie stets ihre unverwechselbaren Karamellkekse dabei und schenkt den elternlosen Kindern nicht nur diese Süßigkeiten, die für sie selbst einmal eine besondere Bedeutung hatten, sondern auch ihr Lächeln und das Licht der Hoffnung. Maru hat niemals lesen und schreiben gelernt, doch sie ist unendlich weise. Als sie eines Tages zu ihrer großen Überraschung erfährt, dass sie einen Enkel hat, der in Veracruz lebt, beschließt sie, auf ihr himmelblaues Fahrrad zu steigen – ihren wertvollsten Besitz – und den jungen Mann zu suchen. Die Fahrt von Oaxaca nach Veracruz ist für die alte Frau eine Weltreise. Doña Maru hat nur eine vage Ahnung, wo genau sie hinmuss, und macht sich nicht allzu viele Sorgen wegen möglicher Gefahren. Sie glaubt fest daran, dass sich immer ein Mensch mit einem guten Herzen findet, der einem weiterhilft. Und so beginnt eine abenteuerliche Reise von einer Küste Mexikos zur anderen, auf der Großmutter Maru vielen Menschen begegnet, die nicht nur ihre Karamellkekse gern entgegennehmen, sondern auch ihren Rat und ihren erhellenden Blick auf die Dinge …. 

Meine Meinung:

Zugegeben, der Titel des Buches ist ziemlich sperrig und das Cover ist auch nicht gerade innovativ, aber das ist auch das einzige, was ich an dem Buch auszusetzen habe. Allerdings war mir nicht so wirklich klar, worauf ich mich da eingelassen habe, als ich mich für das Buch entschieden habe.

Der Leser/die Leserin begleitet Doña Maru auf der Suche nach ihrem Enkel. Das ist eigentlich die einzige Handlung. Auf dem Weg trifft sie einige verirrte Seelen, denen sie kluge Ratschläge gibt.

Das Buch ist sehr philosophisch geschrieben, was aber nicht verwunderlich ist, denn Gabri Ródenas ist Philosophieprofessor und das ist auch in so gut wie jeder Zeile erkennbar. Würde ich Doña Maru im wahren Leben treffen, wäre ich wahrscheinlich total genervt, im Buch fand ich sie unglaublich niedlich, weil sie einfach auf die Menschen, die ihre Hilfe in Form von einem Rat benötigten, eingegangen ist und ihre Probleme auch direkt erkannt hat. Ich habe quasi das gesamte Buch markiert, weil ich so viele Sätze so klug fand, dass ich sie nie wieder vergessen möchte. Zum Beispiel dies: „Neugeborene und kleine Kinder verhalten sich, obwohl sie Menschen sind, wie die Tiere. Sie leben im Hier und Jetzt, ohne an die Vergangenheit oder die Zukunft zu denken… Weil sie sich dessen nicht bewusst sind.“

Der Autor erwähnt in der Einleitung, dass das Buch einen verändern wird. Wenn man das Buch mit Sinn und Verstand liest, ist das durchaus so, denn ich glaube, dass die meisten Menschen sich in den Leuten, denen Doña Maru einen Rat gibt, wiedererkennen. Ob es nun darum geht, dass man lebt um zu arbeiten oder sich nicht anerkannt fühlt oder sich gesellschaftlich selber ausgrenzt. Für jeden ist das ein oder andere dabei, zu dem der Autor einen einlädt drüber nachzudenken.

Das Buch ist ein Ratgeber für ein entspanntes Leben, es zeigt uns, wie man im Moment leben kann und wie man es schafft, sich weniger Sorgen zu machen und mehr bei sich selber zu sein, eingebettet in eine kleine herzerwärmende Geschichte. Für alle, die sich für dieses Thema interessieren, ist dieses Buch perfekt.  Diejenigen, die das alles für Quatsch halten, sollten das Buch auch nicht lesen.

Mehr über das Buch erfahrt ihr auf der Homepage des Verlages.

Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Thiele & Brandstätter Verlag GmbH zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Hamster im hinteren Stromgebiet (Alle Toten fliegen hoch # 5) – Joachim Meyerhoff

„Zeit ist Hirn.“

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 10. September 2020

Seiten: 320

ISBN: 978-3-462-00024-5

Der Autor (Verlag):

Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar, aufgewachsen in Schleswig, war vierzehn Jahre lang Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In seinem sechsteiligen Zyklus »Alle Toten fliegen hoch« trat er als Erzähler auf die Bühne und wurde zum Theatertreffen 2009 eingeladen. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt. Für seinen Debütroman wurde er 2011 mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis und 2012 mit dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Im September 2016 erhielt er den Nicolas-Born-Debütpreis, den Euregio-Schüler-Literaturpreis, im Januar 2017 die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz. Im Mai 2017 wurde Joachim Meyerhoff in der Sektion Darstellende Kunst in die Akademie der Künste aufgenommen und von der Fachzeitschrift Theater heute zum Schauspieler des Jahres 2017 gewählt. 2018 erhielt er für sein Prosawerk den Jonathan-Swift-Preis für Satire und Humor. Seit 2019 ist Joachim Meyerhoff Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne.

Klappentext (Verlag):

Zeit ist Hirn.

Was passiert, wenn man durch einen gesundheitlichen Einbruch auf einen Schlag aus dem prallen Leben gerissen wird? Kann das Erzählen von Geschichten zur Rettung beitragen? Und kann Komik heilen? Nachdem der Erzähler Joachim Meyerhoff aus so unterschiedlichen Lebenswelten berichtet hat wie einem Schüleraustausch in Laramie, Amerika, dem Aufwachsen auf einem Psychiatriegelände, der Schauspielschule und den liebesverwirrten Jahren in der Provinz, gerät der inzwischen Fünfzigjährige in ein Drama unerwarteter Art. Er wird als Notfall auf eine Intensivstation eingeliefert. Er, der sich immer durch körperliche Verausgabung zum Glühen brachte, die »blonde Bombe«, für die Selbstdetonationen ein Lebenselixier waren, liegt jählings an Apparaturen angeschlossen in einem Krankenhausbett in der Wiener Peripherie. Doch so existenziell die Situation auch sein mag, sie ist zugleich auch voller absurder Begebenheiten und Begegnungen. Der Krankenhausaufenthalt wird zu einer Zeit voller Geschichten und zu einer Zeit mit den Menschen, die dem Erzähler am nächsten stehen. Er begegnet außerdem so bedauernswerten wie gewöhnungsbedürftigen Mitpatienten, einer beeindruckenden Neurologin und sogar wilden Hamstern. Als er das Krankenhaus wieder verlassen kann, ist nichts mehr, wie es einmal war. Joachim Meyerhoff zieht alle literarischen Register und erzählt mit unvergleichlicher Tragikomik gegen die Unwägbarkeiten der Existenz an.

Meine Meinung:

Um ehrlich zu sein, habe ich die Teile 3 (Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke) und Teil 4 (Die Zweisamkeit der Einzelgänger) der Reihe noch gar nicht gelesen. Da ich aber weiß, dass die Bücher von Herrn Meyerhoff immer gut sind, habe ich ausnahmsweise mal nicht nach der Reihenfolge gelesen.

In „Hamster im hinteren Stromgebiet“ erzählt Joachim Meyerhoff von seinem Schlaganfall und die Tage, die danach folgten. Wie man es auch schon aus den andern Teilen der Reihe kennt, erzählt er nicht nur den aktuellen Erzählstrang, sondern auch viel von seiner Vergangenheit. Hier berichtet er, wie er sich durch Anekdoten, die er sich selber ins Gedächtnis gerufen hat, die Nächte schlaflos gestalten konnte, weil er Angst hatte im Schlaf zu sterben bzw. einen erneuten Schlaganfall zu bekomen. Dabei ist immer der für ihn typische Humor dabei. Manchmal musste ich trotz des fiesen Themas laut auflachen.

Das Buch kann man auch sehr gut lesen ohne vorher die vier anderen Teile zu kennen. Eigentlich lese ich Reihen nicht gerne durcheinander, aber das Buch hat mich einfach viel zu sehr gereizt. Und am Ende habe ich es an einem Sonntag durchgelesen, weil es mich so sehr gefesselt hat. Wie der Autor das macht, ist mir bis jetzt ein Rätsel, aber es funktioniert. Ich höre ihm einfach gerne zu, eher gesagt lese ich gerne, was und vor allem wie er erzählt.

Wer Joachim Meyerhoff noch nicht als Autor kennt, sollte sich schleunigst eins seiner Bücher besorgen und einfach mal losleegen. Es lohnt sich!

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren möchtet, guckt mal auf der Seite des  Verlages vorbei.

Das Buch wurde mir von Netgalley und Kiepenheuer & Witsch zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Sterben im Sommer – Zsuzsa Bánk

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsdatum: 26. August 2020

Seiten: 320

ISBN: 978-3103970395

Die Autorin (Verlag):

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für »Unter Hunden« aus ihrem Erzählungsband »Heißester Sommer« erhielt sie den Bettina-von-Arnim-Preis. Auch ihre Romane »Die hellen Tage« und »Schlafen werden wir später« wurden große Erfolge. Zuletzt erschien »Sterben im Sommer«.

Klappentext (Verlag):

Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In »Sterben im Sommer« erzählt Zsuzsa Bánk davon.

Meine Meinung:

Ich war mir nach den ersten Seiten gar nicht sicher, ob ich das Buch überhaupt weiter lesen möchte, weil es einfach so traurig und vor allem so persönlich ist. Ich habe mich dann dafür entschieden und bin froh darum.

Zsuzsa Bánks erzählt in „Sterben im Sommer“ nicht nur die Geschichte des Todes ihres Vaters, sondern auch ganz viel Familiengeschichte. Von der Flucht der Eltern 1956, von der dementen Tante, von Familienorten und –stücken in Ungarn, die nach dem Tod des Vaters noch wichtiger geworden sind. Viele Erinnerungen an ihren Vater und an verschiedene Situationen gehören ebenso dazu wie all die schrecklichen Momente, in denen sie und ihre Familie Hoffnung hatten, Angst oder Sorgen. Der Leser bzw. die Leserin begleitet die Autorin bis zum ersten Jahr nach dem Tod des Vaters und erlebt auch die große Trauer und Fassungslosigkeit mit.

Das Buch liest sich fast wie ein Tagebuch, allerdings in ausformulierter und romantauglicher Form. Ihre Gedanken springen immer mal wieder zurück in die Vergangenheit und auch dahin, was in der Zukunft sein könnte, wenn der Vater nicht mehr da ist.

Mich hat beim Lesen etwas verwirrt, dass es keine Kapitel in dem Sinne gab, die man sich so vorstellt. Allerdings kann es auch an der E-Book-Version liegen. Dies hat mir noch mehr das Gefühl gegeben, dass ich das Buch in einem weg lesen muss und nicht mittendrin stoppen darf.

Alles in allem ist das Buch unglaublich traurig, aber durch die schönen Sätze, die Zsuzsa Bánks verwendet hat, etwas ganz besonderes. Zitat: „Mein Vater war ein Bahnhofskind gewesen, ein Kind der Abfahrten und Ankünfte, der Signale und Trillerpfeifen, die Züge und Waggons waren seine Spielgefährten, sein Kumpane und Wegbegleiter. Seine frühen Jahre rankten sich über Bahnhöfe, waren um Schienen gebaut, um sie herum geflochten, ohne sie undenkbar.“ Die große Liebe zu ihrer Familie, zu Ungarn und auch zu ihren Freunden kann man aus jeder Zeile herauslesen. Trotz des so schrecklichen Themas empfand ich das Buch als wunderschön, aber es macht einem auch bewusst, dass man selber und seine Lieben nicht ewig leben werden.  

Wenn ihr mit dem Thema Tod nicht umgehen könnt, würde ich von dem Buch abraten. Ansonsten bekommt es von mir eine klare Leseempfehlung.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren möchtet, guckt mal auf der Seite des  Verlages vorbei.

Das Buch wurde mir von Netgalley und den S. Fischer Verlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.