Das Gleichgewicht von Licht und Dunkel

Die Tore von Aistriu – Teil 1: Von Tod und Teufeln von Timo Mallok

Es war mal wieder Zeit für etwas Fantasy. Das Genre ist auf meinem Blog von Beginn an zu kurz gekommen. Da kam mir der Aufruf von Timo Mallok (oder auch dem Weltenschreiner) wie gerufen. Nachdem ich die Leseprobe inklusive mitgeliefertem Kopfkino gelesen hatte, war das Rezensionsexemplar mein. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Cey erwacht in einer Welt, die er nicht versteht und in der er sich erst mal zurecht finden muss. Nachdem er erst mal orientierungslos herum irrt, trifft er auf den Lorko Doleklein und die Loup Garou Anawelle, von denen er erfährt, dass die Zwischenwelt Aistriu in Gefahr ist. Also machen die drei sich auf den Weg um Aistriu vor den dunklen Mächten zu retten.

Wenn du Fantasy mit allen möglichen Fantasiewesen nicht magst, solltest du die Finger von dem Buch lassen. Solltest du aber ein Faible für Dark Fantasy haben, bist du mit „Von Tod und Teufeln“ sehr gut beraten. Man könnte es Klischee nennen, dass der Autor alle Fantasiewesen, die ihm eingefallen sind, ein das Buch aufgenommen hat, ich nenne es Einfallsreichtum. Zum Einfallsreichtum passt, dass die Eigenheiten der Wesen und auch die Erklärung rund um die Figuren und die Welt sehr detailliert dargestellt sind. Als Leser:in lernt man zusammen mit Cey was es mit dieser Welt auf sich hat. Das ist meiner Meinung nach sehr gut gelöst. Immer wieder tauchen Horrorelemente auf, die ich aber nicht besonders gruselig fand, eher passend zum Titel und auch zur Intention des Buches.

Die ersten Seiten habe ich mich ein wenig über die Dialoge gewundert, bis ich verstanden habe, dass Cey aus unserer Welt stammt. Ab und an haben sich kleine Fehler eingeschlichen, die weder bezüglich der Anzahl noch bezüglich der Schwere gestört haben. Insgesamt hat das Buch in mir Kopfkino hervor gerufen und ich konnte mit den Figuren mitfühlen, obwohl mir manch eine Wendung dann doch etwas zu schnell kam.

Auf der Seite des Autors habe ich gesehen, dass „Die Tore von Aistriu“ als Mehrteiler angelegt worden ist, allerdings ist bisher nur der erste Teil erschienen.  Diesen Teil solltest du auf jeden Fall schon mal lesen.

Wenn du mehr über den Autor und über das Buch erfahren möchtest, sieh dich mal auf seiner Homepage um. Ich habe sie dir obn bereits verlinkt.

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Seiten: 447

Herausgeber: BoD – Books on Demand

Erscheinungsdatum: 19. Dezember 2019

ISBN: ‎ 978-3749432349

Preis: 12,99 € (Taschenbuch)

Zeit der Dunkelheit

Zeit der Dunkelheit von Mark Stichler (Mandelbaum-Reihe 2)

Der Inhalt des Buches ist laut Klappentext genau mein Beuteschema, Deutschland, um 1900, der Antisemitismus kommt langsam in Fahrt und es gibt Rebellen, die etwas dagegen tun wollen. Aber: Es war gar nicht meins.

Anfangs dachte ich, dass es daran lag, dass ich den ersten Teil der Mandelbaum-Reihe nicht gelesen habe, aber diese Annahme hat sich relativ schnell zerschlagen. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch nur aus Rückblicken besteht, die in kleine Häppchen aktuelle Handlung eingewoben wurden. Ich kann nicht beurteilen, ob der gesamte Inhalt des ersten Teils mit in die Rückblicke aufgenommen wurde, es kam mir aber so vor. Zudem hat mir der rote Faden gefehlt, so dass ich auf eine Art orientierungslos durch das Buch geirrt bin.

Manchmal war ich mir gar nicht sicher, wo ich mich gerade befinde, also ob es die aktuelle Handlung ist oder ein Rückblick. Es war schon eine Menge Konzentration notwendig um dies auseinander zu bekommen. Dazu kommt noch, dass das Buch in meinen Augen nicht mit der Art an Gefühlen geschrieben ist, die ich erwartet hätte. Es gibt zum Beispiel ein ehemaliges Liebespaar, das sich wieder trifft, bei mir kamen beim Wiedersehen nach einigen Jahren keinerlei Emotionen auf. Auch vom pulsierenden Leben in Frankfurt, das im Klappentext angepriesen wurde, habe ich nicht viel mitbekommen. Das ist ganz und gar untypisch für mich, denn normalerweise verliebe ich mich direkt in einen Charakter, hasse irgendwen leidenschaftlich oder was auch immer.

Eigentlich finde ich es schade, dass ich keinen Zugang zum Buch gefunden habe, denn ich finde, dass die Geschichte, die erzählt werden wollte, sicher mitreißend und interessant ist. Es war auch nicht unangenehm zu lesen, es war meiner Meinung nach nur nicht so umgesetzt, dass es mich mitgerissen hat. Ich habe dann letztendlich nach 300 Seiten, also nach mehr als der Hälfte, abgebrochen.

Wenn du Bücher magst, die zu dieser Zeit spielen und die das oben erwähnte Thema beinhalten, dann versuche es trotzdem mit der Leseprobe. Es kann ja gut sein, dass es genau das richtige für dich ist. Weiter unten habe ich dir die Trailer zu beiden Büchern bereit gestellt, so dass du dir mal ansehen kannst worum es eigentlich geht.

Wenn du mehr über „Zeit der Dunkelheit“ erfahren möchtest, kannst du auf der Seite vom MAXIMUM Verlag weitere Infos bekommen.    

Ich habe das Buch vom MAXIMUM Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Trailer „Aufbruch in die Dunkelheit“ von Mark Stichler
Lesung aus Teil 1
Trailer „Zeit der Dunkelheit“ von Mark Stichler

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Seiten: 576

Herausgeber: MAXIMUM Verlag

Erscheinungstermin: 6. Dezember 2021

ISBN: ‎ 978-3948346331

Preis: 15 € (Taschenbuch), 4,99 € (E-Book)

Ein Buch über Tote

Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch (DIe Totengräber-Serie # 1)

Ich habe vor vielen Jahren die Henker-Reihe von Oliver Pötzsch angefangen zu lesen, diese aber dann wieder aus den Augen verloren. Nun wurde ich auf „Das Buch des Totengräbers“ hingewiesen und siehe da, der Klappentext hat mir total gut gefallen.

Leopold von Herzfeldt kommt als junger Inspektor nach Berlin und führt sich schon vor seinem ersten Mordfall ziemlich überheblich und besserwisserisch auf. Man kann sich ja schon vorstellen, dass er an seinem Arbeitsort dadurch keinen guten Start hat. Er ermittelt in mehreren Fällen, in denen junge Frauen ermordet und mit Pfählen aufgespießt werden und lernt bei den Ermittlungen den Totenträber Augustin Rothmayer kennen, der sich für Leos Begriffe zu viel in die Ermittlungen einmischt.

Was für ein großartiger erster Fall! Meine unumstrittene Lieblingsfigur war der Totengräber. Pötzsch stellt ihn mit einem österreichischen Akzent und etwas bollerig dar. Allerdings kommt Rothmeyer nur ein wenig einfältig rüber, denn eigentlich schreibt er an einem fiktiven Almanach über den biologischen Ablauf von Verwesung als Folge von verschiedenen Todesarten. Leo hingegen wurde zwar auf eine Art arrogant dargestellt, aber als Leser:in wusste man, dass er nicht arrogant ist. Er ist einfach einer von der schnellen und korrekten Sorte.

Der Fall an sich war nicht so besonders spektakulär und auch nicht ausufernd blutig dargestellt. Es wurde zwar erwähnt, wie die Leichen ausgesehen haben, aber nicht effektheischend wie man es von Thrillern beispielsweise kennt. Ich würde „Das Buch des Totengräbers“ als unblutigen Krimi bezeichnen. Allerdings beschreibt der Almanach Verwesungsvorgänge etwas genauer. Ich fand es aber nicht besonders eklig, sondern eher neutral beschrieben.

Wer  gerne Reihen Krimis mit skurrilen Charakteren liest, kann „Das Buch des Totengräbers“ Buch schon mal auf seinen Wunschzettel schreiben. Der zweite Teil „Das Mädchen und der Totengräber“ erscheint am 31.03.2022 beim Ullstein Verlag.  

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, seht euch auf der Seite des Ullstein Verlages oder direkt bei Oliver Pötzsch um.

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Seitenzahl: 448

Herausgeber: Ullstein Paperback

Erscheinungsdatum: 31. Mai 2021

ISBN: 978-3864931666

Preis: 16,99 € (Paperback), 13,99 € (E-Book)

#obm2021: Ein seltsamer Todesfall in der Oberlausitz

Emmelie von Sylke Hörhold (Oberlausitzkrimi # 1)

Heute möchte ich dir ein Buch vorstellen, das ich wahrscheinlich ohne die #obm2021 nicht gefunden hätte. Da ich als Bloggerin dort teilnehme, habe ich eine Autorin, Sylke Hörhold, zugewiesen bekommen, deren ersten Teil ihrer Oberlausitz-Krimi-Reihe ich als Vorbereitung auf die Buchmesse gelesen habe. Ich kann dir sagen, dass mir das Buch so gut gefallen hat, dass ich alle anderen Teile auch noch lesen möchte.

Julia Eisler kehrt aus Boston zurück nach Hause, weil ein Unglücksfall ihre Ehe mit ihrem Ehemann Paul sehr belastet. Eigentlich möchte sie in die Anwaltskanzlei zurück, in der sie gearbeitet hat bevor sie in die USA gegangen ist, aber es kommt alles anders. Denn ihre Großmutter und deren Freundin haben als Überraschung ihr Umgebindehaus ausgebaut, so dass Julia sich in Finkendörfel, dem fiktiven Ort, in dem die Krimis spielen, selbständig machen kann. Ihr erster Fall kommt dann auch direkt am ersten Tag auf sie zu. Die Familie ihrer ehemaligen Schulfreundin Marina möchte mit Julias Hilfe herausfinden, warum Marinas siebenjährige Tochter Emmelie verstorben ist. Die offizielle Diagnose lautet Herzversagen, aber die Familienmitglieder beschuldigen sich gegenseitig und Julia soll Licht ins Dunkel bringen.

Ich finde die Idee, dass eine Anwältin ermittelt viel besser als immer nur Kommissare, Privatdetektive der ähnliches. Ob so eine Ermittlung zum Beruf des Anwalts gehört, kann ich gar nicht sagen, für mich klang aber alles rund. Der Schauplatz hat mir sehr gut gefallen. Nach den Schilderungen der Autorin hat sich bei mir direkt ein Wohlgefühl eingestellt, weil dieser Ort – Finkendörfel – einfach so familiär und heimelig beschrieben wurde. Ich hatte nach kurzer Zeit das Gefühl, die Figuren persönlich zu kennen und einige von ihnen habe ich sogar ziemlich lieb gewonnen. Da im Ort viele verschiedene Theorien herum gehen, wer das Kind getötet haben könnte bzw. ob es überhaupt getötet wurde, verbunden mit Begebenheiten aus der Vergangenheit, hatte ich als Leserin auch ständig eine neue Theorie. Die Auflösung des Falls war hinterher völlig logisch, aber mir haben die Irrwege dorthin total gut gefallen.  

Die Informationen, die die Autorin über den Hauptcharakter Julia Eisler gegeben hat, waren genau ausreichend um sich ein Bild zu machen über ihre Lage. Es wird auf jeden Fall noch ausreichend Potenzial da sein um in den weiteren Teilen mehr über Julia zu erfahren. Die Mischung aus Krimi, Dorfleben und Familienleben war genau richtig gewählt.

Mittlerweile gibt es vier Teile der Reihe, die ich dir wärmstens ans Herz legen kann. Wenn du es beschaulich magst und ohne Hetze, aber trotzdem mit viel Spannung durch ein Buch zu gehen, bist du mit der Oberlausitzreihe auf der sicheren Seite.

Reihenfolge:

Emmelie

Hexenbrennen

Recht wie Wasser

Was dir den Atem nimmt

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Seiten: 239

Erscheinungsdatum: 15. Juni 2021

ISBN: 978-3-946795-45-2

Preis: 14,90 € (Taschenbuch), 3,99 € (E-Book)

#obm2021: Vorstellung Oberlausitzkrimi-Reihe von Sylke Hörhold

Krimireihe: Oberlausitzkrimi von Sylke Hörhold in bisher 4 Teilen

Als Bloggerin durfte ich Sylke Hörhold bei der #obm2021 zur Seite stehen. In diesem Zuge habe ich zunächst erst mal den ersten Teil ihrer Krimireihe „Oberlausitzkrimi“ mit der Anwältin Julia Eisler als Protagonistin kennen gelernt. Die Rezension zum ersten Teil findet ihr am 4. November 2021 auf meinem Blog. Nun möchte ich euch alle vier Teile einmal vorstellen.

Der vierte Teil ist als E-Book am 1. November 2021 erschienen und ist noch bis zum Ende der Messe, also bis zum 7. November 2021 für 2,99 € erhältlich. Danach kostet es 4,99 €. Das Taschenbuch erscheint erst ungefähr zu Weihnachten. Warum die beiden Termine so weit auseinander fallen und warum das E-Book als Selfpublishing-Produkt erschienen ist, erfahrt ihr am 6. November 2021, ebenfalls hier auf dem Blog.

Nun aber zur Vorstellung der vier Teile:

Teil 1: Emmelie

Zurückgekehrt in ihre Oberlausitzer Heimat eröffnet die Rechtsanwältin Julia Eisler im Umgebindehaus ihrer Großmutter eine Anwaltspraxis. Julias erster Fall betrifft die Familie ihrer einstigen Schulfreundin Marina. Deren Tochter Emmelie starb angeblich an Herzversagen. Die Familie verstrickt sich in Verdächtigungen und Anschuldigungen und bittet Julia, die Umstände von Emmelies Tod zu klären, da die Polizei die Ermittlungen eingestellt hat. Bei ihren Nachforschungen zu Emmelies letztem Tag stößt Julia auf manch gut gehütetes Geheimnis, bis sich ihr die Wahrheit um den Tod des Mädchens in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit erschließt. Julia kommt nicht umhin, sich dabei auch ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen.

Teil 2: Hexenbrennen

In Finkendörfel ist der Teufel los. Rituelle Katzenmorde versetzen das Dorf in Angst und Schrecken. Für die Rechtsanwältin Julia Eisler guter Grund, sich gemeinsam mit der Katzenfreundin Trude auf die Spur der mörderischen Tierquäler zu begeben. Bald ereignen sich unerklärliche Unfälle, Menschen verschwinden. Steckt eine satanische Sekte dahinter, wie man im Dorf munkelt? Julia muss so manchen Irrweg gehen, ehe sich im Flammenschein der traditionellen Hexenfeuer, die am 30. April in der Oberlausitz entzündet werden, die viele Puzzleteile zu einem schrecklichen Ganzen zusammenfügen.

Teil 3: Recht wie Wasser

Bei einer Flutkatastrophe gibt ein Erdrutsch am Kirchberg ein altes, längst stillgelegtes Grab zwei Wachsleichen frei. Ein Unrecht aus den letzten Kriegstagen tritt ans Licht, als sich herausstellt, dass eine davon gewaltsam ums Leben kam und nachträglich in das Grab gelegt wurde. Bei den nachfolgenden Ermittlungen verdichten sich die Erkenntnisse, dass nicht nur die Schwiegerfamilie des Arztes Dr. Paul Eisler und deren Freunde in diesen Todesfall verwickelt sein müssen, sondern die Leiche auch in Verbindung mit der Fabrikantenfamilie Böhme steht, die Paul und seine Frau, die Rechtsanwältin Julia, ein jeder auf seinem Fachgebiet, betreuen. Je näher Paul und Julia, gemeinsam mit ihrem Freund, dem Ortschronisten Charlie, der Lösung des Rätsels kommen, umso ärger werden die Widerstände in ihren Familien und im Dorf, bis sogar Pauls Ruf als Arzt auf dem Spiel steht. Er muss alles auf eine Karte setzen, um sich selbst und seine Familie zu retten

Teil 4: Was dir den Atem nimmt

Entgegen all ihrer Bedenken übernimmt die Anwältin Julia Eisler einen Auftrag für einen anonymen Mandanten. Sie soll nach Spuren einer seit Jahren vermissten Frau fahnden. Die verließ Ehemann und ihre beiden kleinen Töchter, um mit ihrem Liebhaber durchzubrennen. Seitdem fehlt jede Spur von ihr. Den Ermittlern blieb dieser Fall ein ungelöstes Rätsel. Julia stößt bei ihren Recherchen auf erbitterten Widerstand der Familie. Erst als sie sich bereit erklärt, in einem Stalking-Fall der jüngeren Tochter zu ermitteln, ohne die Polizei einzubeziehen, ist die Familie zur Kooperation bereit. Julias Nachforschungen im Dorf werden zunehmend schwierig, als einer ihrer befragten Zeitzeugen im Wald unter mysteriösen Umständen tödlich verunglückt. Bald spürt Julia, dass auch sie manipuliert wird und so mancher Schein trügt, bis sie in einem furiosen Finale der grausamen Wahrheit hinter allen Geheimnissen auf die Spur kommt.

Die ersten drei Teile sind beim Oberlausitzer-Verlag als Printausgabe erhältlich. Die E-Books, incl. dem vierten Teil, kann man überall dort erwerben, wo es E-Books gibt.

Eine nicht so erstrebenswerte Zukunft

Every von Dave Eggers

Ich merke immer wieder, dass ich Bücher, die in einer nahen Zukunft spielen wirklich gerne lese. Ein wenig holt mich das dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und zeigt mir, dass all der Fortschritt zwar richtig und gut ist, aber dass damit auch viel Missbrauch getrieben werden kann. Wie in dem Fall von Every.

Zitat:

„Vorbemerkung: Diese Geschichte spielt in der nahen Zukunft. Versuchen sie nicht herauszufinden, wann. Eventuelle zeitliche oder physikalische Anachronismen sind gewollt. Alle Fehler in Bezug auf Technologie, Chronologie oder Urteilsvermögen sind Absicht und in Ihrem Interesse.“

Schon die Vorbemerkung hat es in sich und trifft genau das, was das Buch ausmacht. Delaney Wells hat nur ein Lebensziel: Every vernichten. Aber was ist Every? Every ist ein Unternehmen, das aus dem Circle (das ist Teil 1 der Reihe) entstanden ist und das mittlerweile so viel Macht über die Menschheit hat, dass einem als Leser Angst und Bange wird. Es herrscht die totale Überwachung (natürlich nur zum Wohle der Gesellschaft) und es gibt keine Nachrichten mehr, denn alles verbreitet sich über Social Media – um nur mal einen winzigen Teil dieser erdachten und nicht erstrebenswerten Zukunft zu nennen. Every ist aber nicht nur schlecht, gleichzeitig ist es aber ein Sinnbild für Teile der heutigen Menschheit, die alles Gute oder Dinge, die gut gemeint sind, gnadenlos auf die Spitze treibt: Die Mitarbeiter müssen zu bestimmten Zeitpunkten am Schreibtisch Sportübungen machen, auf dem Campus sind nur ethisch vertretbare Waren erlaubt und so weiter. Delaney versucht also sich bei Every einzuschleusen und durch allerlei Tricks das Unternehmen mit den eigenen Mitteln zu zerschlagen.

Besonders schwer im Magen lag mir, dass Every den Menschen absolut gar nichts mehr zutraut. Niemand muss mehr selber denken und diverse Nachrichtenverläufe, die der Autor erdacht hat, erinnerten sehr stark an so manche abstruse Facebook-Diskussion, die es auch jetzt schon gibt. Dadurch, dass allen das Denken abgenommen wird, werden sie träge, haben eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne und können einfache Dinge, wie zum Beispiel ein Buch lesen oder ihre eigenen Befindlichkeiten feststellen, nicht mehr. Dieses Zukunftsszenario hat Dave Eggers zum Teil humorvoll, zum Teil mit sehr harten Aussagen hervorragend umgesetzt. Ab und an habe ich mich auch selber erwischt, dass ich manches mache, was ich im Roman nicht passend fand. Das Buch lebt von den Übertreibungen, die der Autor auf die Spitze getrieben hat und die einem zunächst total absurd vorkamen. Nach einiger Zeit des Nachdenkens ist mir aber klar geworden, dass wir uns bereits auf den Weg dorthin befinden und zudem in einer Zeit der Meckerer und Nörgler, die sich über jeden kleinen Mist beschweren und die zum Teil hinter ihrem Bildschirm pseudobetroffen sind. Im Buch sind diese Leute überall zu finden.

Während des Lesens war mir klar, dass ich niemals in einer Welt wie sie im Buch beschrieben wird, leben möchte. Zum Teil erinnerten mich einige Ideen des Autors an eine Mischung aus der Serie „Black Mirror“ und dem Buch „1984“, die ich beide genauso faszinierend fand wie „Every“. Ich kann ausnahmslos jedem das Buch ans Herz legen, auch wenn du „The Circle“ noch nicht gelesen hast, so wie es bei mir der Fall war. Die Vorgeschichte wird in diesem zweiten Teil ausreichend erklärt, so dass ich keine Verständnisprobleme hatte.

Wenn du mehr über das Buch erfahren möchtest, sieh dich auf der Seite des KiWi-Verlages um. Hier gibt es auch eine Leseprobe.

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Seitenanzahl: 592

Herausgeber: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 7. Okober 2021

ISBN: 978-3462001129

Preis: 25,00 € (gebundenes Buch), 19,99 € (E-Book)

Nationaler Erzähl-eine-Geschichte-Tag

Am 27. Oktober 2021 ist der nationale Erzähl-eine-Geschichte-Tag. An diesem Tag sollen Geschichten erzählt werden, egal ob vorgelesen, selbst erlebt oder spontan erfunden.

Das habe ich zum Anlass genommen Dir schon mal Sylke Hörhold, also die Autorin vorzustellen, die ich als Patin bei der #obm2021 begleiten werde. Ich wünsche Dir ganz viel Spass mit ihrer Kurzgeschichte aus Finkendörfel. Das ist der Ort, in dem ihre Oberlausitzkrimis angesiedelt sind.

Passend zur OBM erscheint der vierte Teil der Oberlausitz-Reihe, allerdings vorerst als E-Book. Das Buch erscheint zum Ende des Jahres als Taschenbuch.

Reihenfolge:

Emmelie

Hexen brennen

Recht wie Wasser

Was dir den Atem nimmt

Auf der Homepage des Oberlausitzer Verlages könnt ihr mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren.

Katenbüll für immer

Sörensen am Ende der Welt (Sörensen ermittelt # 3) von Sven Stricker [Hörbuch]

Das war er nun, der vorerst letzte Teil der „Sörensen ermittelt“-Reihe. Ich bin wirklich traurig, dass ich diesen großartigen und sich dauernd widersprechenden Charakter nicht mehr begleiten darf. Es soll einen vierten Teil geben, aber erst irgendwann in 2023. Das dauert mir viel zu lange.

Sörensen hat beschlossen, dass er nun endgültig und komplett nach Katenbüll zieht. Während er seine Wohnung in Hamburg übergibt, geschieht schon wieder ein Mord in Katenbüll.  Ein Mann wird im Koog gefunden, ermordet durch einen Stich mit einem Schraubenzieher mitten ins Herz. Verdächtig ist auf einmal Ole Kellinghusen, den man schon aus den ersten beiden Bänden kennt und der eine wichtige Rolle in der gesamten Geschichte spielt. Doch Ole ist verschwunden. Ihr erratet es schon: Sörensen ermittelt also wieder.

Vor einigen Tagen war ich auf der Lesung von Sven Stricker und Bjarne Mädel zu „Sörensen am Ende der Welt“ im Rahmen der lit.RUHR.  Sven Stricker hat uns dort verraten, dass Sörensens Vorname wohl für immer geheim bleiben wird, ausgehandelt wäre, dass er ihn als letztes Wort im letzten Roman der Reihe verrät. Der Name ist so geheim, dass er sich diesen aufschreiben musste um ihn selber nicht zu vergessen. Eigentlich schade, ich hätte gerne gewusst, wofür sich Sörensen so schämt.

Wie auch in den beiden vorherigen Teilen war der Fall irgendwann vorhersehbar, obwohl der Autor versucht hat einige Verwirrungen einzubauen. Aber das ist für mich nicht das Wichtigste in dieser Buchreihe. Ich könnte auch gut einen Roman lesen, in dem Sörensen einfach ganz entspannt (in seinem Fall ja eher unentspannt) vor sich hin lebt und nicht ermitteln muss. Seine Begegnungen mit anderen Menschen bzw. seine Reaktionen darauf sind einfach so großartig, dass für mich der Mordfall immer zweitranging ist.

Viel mehr als in den vorherigen Teilen über Sörensens Privatleben hat man nicht erfahren, denn der Autor gibt dies immer ein in Bruchstücken preis. Das passt genau so perfekt in die Geschichte. Allerdings sind mir jetzt einige Fragen eingefallen, die hoffentlich im vierten Teil entweder beantwortet werden oder die Antwort in die Wege leiten. Ich bin sehr gespannt drauf.

Nachdem ich Sven Stricker jetzt live erleben durfte, war seine Lesung als Hörbuch noch mal doppelt so schön anzuhören. Wie auch in den ersten zwei Teilen hat er seine Figuren perfekt sprachlich umgesetzt.

Reihenfolge:

Sörensen hat Angst

Sörensen fängt Feuer

Sörensen am Ende der Welt

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren möchtet, seht euch auf der Seite des Audio-To-Go Verlages an. Dort gibt es auch eine Hörprobe.

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Erscheinungsdatum: 17. August 2021

Spieldauer: 13 Stunden 43 Minuten

ASIN: B0995Z41GV

Preis: 22,95 €

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