Zeit der Dunkelheit

Zeit der Dunkelheit von Mark Stichler (Mandelbaum-Reihe 2)

Der Inhalt des Buches ist laut Klappentext genau mein Beuteschema, Deutschland, um 1900, der Antisemitismus kommt langsam in Fahrt und es gibt Rebellen, die etwas dagegen tun wollen. Aber: Es war gar nicht meins.

Anfangs dachte ich, dass es daran lag, dass ich den ersten Teil der Mandelbaum-Reihe nicht gelesen habe, aber diese Annahme hat sich relativ schnell zerschlagen. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch nur aus Rückblicken besteht, die in kleine Häppchen aktuelle Handlung eingewoben wurden. Ich kann nicht beurteilen, ob der gesamte Inhalt des ersten Teils mit in die Rückblicke aufgenommen wurde, es kam mir aber so vor. Zudem hat mir der rote Faden gefehlt, so dass ich auf eine Art orientierungslos durch das Buch geirrt bin.

Manchmal war ich mir gar nicht sicher, wo ich mich gerade befinde, also ob es die aktuelle Handlung ist oder ein Rückblick. Es war schon eine Menge Konzentration notwendig um dies auseinander zu bekommen. Dazu kommt noch, dass das Buch in meinen Augen nicht mit der Art an Gefühlen geschrieben ist, die ich erwartet hätte. Es gibt zum Beispiel ein ehemaliges Liebespaar, das sich wieder trifft, bei mir kamen beim Wiedersehen nach einigen Jahren keinerlei Emotionen auf. Auch vom pulsierenden Leben in Frankfurt, das im Klappentext angepriesen wurde, habe ich nicht viel mitbekommen. Das ist ganz und gar untypisch für mich, denn normalerweise verliebe ich mich direkt in einen Charakter, hasse irgendwen leidenschaftlich oder was auch immer.

Eigentlich finde ich es schade, dass ich keinen Zugang zum Buch gefunden habe, denn ich finde, dass die Geschichte, die erzählt werden wollte, sicher mitreißend und interessant ist. Es war auch nicht unangenehm zu lesen, es war meiner Meinung nach nur nicht so umgesetzt, dass es mich mitgerissen hat. Ich habe dann letztendlich nach 300 Seiten, also nach mehr als der Hälfte, abgebrochen.

Wenn du Bücher magst, die zu dieser Zeit spielen und die das oben erwähnte Thema beinhalten, dann versuche es trotzdem mit der Leseprobe. Es kann ja gut sein, dass es genau das richtige für dich ist. Weiter unten habe ich dir die Trailer zu beiden Büchern bereit gestellt, so dass du dir mal ansehen kannst worum es eigentlich geht.

Wenn du mehr über „Zeit der Dunkelheit“ erfahren möchtest, kannst du auf der Seite vom MAXIMUM Verlag weitere Infos bekommen.    

Ich habe das Buch vom MAXIMUM Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Trailer „Aufbruch in die Dunkelheit“ von Mark Stichler
Lesung aus Teil 1
Trailer „Zeit der Dunkelheit“ von Mark Stichler

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Seiten: 576

Herausgeber: MAXIMUM Verlag

Erscheinungstermin: 6. Dezember 2021

ISBN: ‎ 978-3948346331

Preis: 15 € (Taschenbuch), 4,99 € (E-Book)

Blogtour „Die Klänge der Freiheit“ von Tara Haigh

„Die Klänge der Freiheit“ ist das erste Buch, das ich von Tara Heigh gelesen habe und auch das erste Buch, das ich über den zweiten Weltkrieg gelesen habe, das aus Sicht einer Krankenschwester an der Front berichtet.

Inges größter Wunsch ist es als DRK Schwester an der Front den Soldaten zu helfen. Sie macht also ihre Prüfung und kommt zunächst nach Charkow, in Russland, wo sie die Härte des Krieges mit voller Wucht trifft. Aber sie macht ihre Sache gut und zieht zudem die Aufmerksamkeit des Oberleutnants Heinrich Preuss auf sich, der sie mit nach Italien nimmt.

Das Buch beginnt zunächst wie so viele Bücher, die in dieser Zeit spielen: Inge glaubt an den Führer, will ihn unterstützen und findet es seltsam, dass ihr Vater das nicht gutheißt. Schließlich denkt ja jeder so und man will ihn ja auch beim Endsieg unterstützen. Was sie nicht ahnt und direkt nach der ersten Schicht als Krankenschwester merkt: Nichts ist wie es scheint. Nach und nach beginnt Inge selber zu denken und ihre eigene Meinung zu entwickeln und danach zu handeln.

Tara Heigh hat es ganz hervorragend verstanden den Leser/die Leserin mit an die Front zu nehmen und die Verzweiflung, die die Schwestern und auch die Soldaten in Schach gehalten hat, zu transportieren. Wobei das Buch nicht nur traurig und melancholisch ist, sondern auch hoffnungsvoll und lebensfroh. Es war einfach die perfekte Mischung und so umgesetzt, wie ich mir ein Leben im Krieg vorstelle.

Die Liebesgeschichte, die in diesem Buch steckt, mag vielleicht gewöhnlich sein. Sie wird nicht als Liebe auf den ersten Blick erzählt, sondern als sich langsam entwickelnde Liebe, die aus Sympathie entsteht und damit war sie für mich sehr realistisch dargestellt. Der Anteil der Lovestory überwiegt in meinen Augen auch nicht, daher können das Buch auch Menschen lesen, die nicht gerne Liebesgeschichten lesen.

Im Rahmen der Blogtour möchte ich euch nun ein paar wichtige Charaktere des Buches vorstellen:

Hauptcharaktere:

Inge Gerner ist gerade fertig mit ihrer Schwesternschule und voller Ideale. Sie ist während der Nazizeit aufgewachsen und hinterfragt zunächst nicht, ob das, was in Deutschland passiert so richtig ist. Als sie das erste Mal direkt an der Front ist, merkt sie, dass all die Informationen, die das Volk von öffentlichen Stellen bekommt, gar nicht so richtig sein können. Inge ist warmherzig, musikalisch und blitzgescheit. Mit ihrer Violine erfreut sie die Verletzten im Lazarett und merkt, wie gut ihr das spielen tut. Sie setzt sich für andere ein und riskiert dafür ihr Leben.

Der Oberleutnant Heinrich Preuss ist voller Widersprüche. Ich muss zugeben, dass ich ihn, also seinen Charakter, bis zum Ende nicht verstanden habe. Das war laut Klappentext auch das Ziel der Autorin. Er ist Nationalsozialist und nach außen hin lebt er genau so, wie es ein guter Nazi tut. Im Stillen macht er einige Dinge anders, die mich manchmal etwas verwirrt haben. Er ist launisch und kann auch jähzornig werden. Seine Schwäche für Inge rettet ihr sogar das Leben.

Lorenzo ist ein waschechter Italiener und obendrein noch Partisan. Er lebt mit seiner Mutter auf einem Hof und bewirtschaftet diesen mit ihr. Sein Onkel Don Fontana ist Abt in Montecassino, der Abtei im Ort. Lorenzo hat ebenfalls Ideale für die er sein Leben geben würde. Er ist ebenfalls warmherzig und sehr belesen, da er seinen Onkel öfter in Montecassino besucht und dort die Bücher liest, die  der Allgemeinheit zum Studieren zur Verfügung gestellt werden.

Nebencharaktere:

Erna ist die gute Seele in Inges Elternhaus. Sie ist fast wie eine Ersatzmutter, die Inge und ihren Vater verwöhnt so gut es möglich ist, aber auch mal klare Worte sagt. Sie ist eigentlich die Nachbarin, aber auch die Zugehfrau der Gerners. Zudem ist sie eine sehr gute Freundin von inges Vater.   

Inges Vater Gustav glaubt nicht an den Krieg und hat seine eigene Einstellung zu dem Geschehen und auch zum Führer. Er zeigt Inge sehr deutlich, dass er ihre Entscheidung zum DRK zu gehen und sich für den Dienst an der Front zu melden, missbilligt. Er hat ein Bekleidungsgeschäft und liebt es sehr sich wöchentlich um die Dekoration seines Schaufensters zu kümmern. Außerdem hat er ein Geheimnis, das Inges Leben auch anders hätte beeinflussen können.

Annemarie ist Inges langjährigste Freundin und ebenfalls frisch gebackene DRK-Schwester. Sie ist lebenslustig, nimmt nichts so wirklich ernst und  hofft, dass sie während des Dienstes an der Front einen schnittigen Soldaten kennen lernt, der sie mit nach Paris nimmt, damit sie dort in Ruhe und im Luxus leben können. Schnell wird klar, dass sie nicht für den Dienst an der Front gemacht ist und leidet sehr darunter leidet.

Julia lernt Inge kennen als sie mit dem Zug in Richtung Chakow fährt. Julia ist auch eine DRK-Schwester und hat diese Ausbildung eigentlich nur gemacht, weil sie zu ihrem Ehemann möchte, der als Soldat in Charkow stationiert ist. Julia ist eher still und besonnen und man bekommt von ihr im Gegensatz zu Annemarie kaum etwas mit. Sie verrichtet still ihren Dienst und ist meistens unauffällig.

Kunterbunte Bücherreisen ist die letzte Station der Blogtour. Wenn ihr die vorherigen Beiträge ebenfalls genießen möchtet, folgt einfach den Links:

22. November: Lena von liebe-lache-lies – Rezension

23. November: Sandra von Denkzeiten – Interview

24. November: Heike von Frau Goehte liest – ausführliches Interview

25. November: Teresa von Te´s Bücherblog – Gesundheitswesen

26. November: Carmen von spiegelseelen

27. November: Nadine von Kunterbunte Bücherreisen – Vorstellung Charaktere

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, guckt doch mal auf der Seite der Autorin vorbei.

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Seitenanzahl: 528

Herausgeber: Tinte & Feder

Erscheinungsdatum: 9. November 2021

ISBN: 978-2496709803

Preis: 2,49 € (E-Book), 7,99 € (Taschenbuch)

Ein Buch über Tote

Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch (DIe Totengräber-Serie # 1)

Ich habe vor vielen Jahren die Henker-Reihe von Oliver Pötzsch angefangen zu lesen, diese aber dann wieder aus den Augen verloren. Nun wurde ich auf „Das Buch des Totengräbers“ hingewiesen und siehe da, der Klappentext hat mir total gut gefallen.

Leopold von Herzfeldt kommt als junger Inspektor nach Berlin und führt sich schon vor seinem ersten Mordfall ziemlich überheblich und besserwisserisch auf. Man kann sich ja schon vorstellen, dass er an seinem Arbeitsort dadurch keinen guten Start hat. Er ermittelt in mehreren Fällen, in denen junge Frauen ermordet und mit Pfählen aufgespießt werden und lernt bei den Ermittlungen den Totenträber Augustin Rothmayer kennen, der sich für Leos Begriffe zu viel in die Ermittlungen einmischt.

Was für ein großartiger erster Fall! Meine unumstrittene Lieblingsfigur war der Totengräber. Pötzsch stellt ihn mit einem österreichischen Akzent und etwas bollerig dar. Allerdings kommt Rothmeyer nur ein wenig einfältig rüber, denn eigentlich schreibt er an einem fiktiven Almanach über den biologischen Ablauf von Verwesung als Folge von verschiedenen Todesarten. Leo hingegen wurde zwar auf eine Art arrogant dargestellt, aber als Leser:in wusste man, dass er nicht arrogant ist. Er ist einfach einer von der schnellen und korrekten Sorte.

Der Fall an sich war nicht so besonders spektakulär und auch nicht ausufernd blutig dargestellt. Es wurde zwar erwähnt, wie die Leichen ausgesehen haben, aber nicht effektheischend wie man es von Thrillern beispielsweise kennt. Ich würde „Das Buch des Totengräbers“ als unblutigen Krimi bezeichnen. Allerdings beschreibt der Almanach Verwesungsvorgänge etwas genauer. Ich fand es aber nicht besonders eklig, sondern eher neutral beschrieben.

Wer  gerne Reihen Krimis mit skurrilen Charakteren liest, kann „Das Buch des Totengräbers“ Buch schon mal auf seinen Wunschzettel schreiben. Der zweite Teil „Das Mädchen und der Totengräber“ erscheint am 31.03.2022 beim Ullstein Verlag.  

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, seht euch auf der Seite des Ullstein Verlages oder direkt bei Oliver Pötzsch um.

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Seitenzahl: 448

Herausgeber: Ullstein Paperback

Erscheinungsdatum: 31. Mai 2021

ISBN: 978-3864931666

Preis: 16,99 € (Paperback), 13,99 € (E-Book)

Verschwörung im Berlin der 1920er

Der Tod ist ein Tänzer (Die Schwarze Venus 1) Die Josephine-Baker-Verschwörung von Veronika Rusch

Als ich mich für die Leserunde bei der Büchereule angemeldet habe, kannte ich nur den Inhalt laut Klappentext. Von der Autorin hatte ich bis dahin noch nie gehört und von der Tänzerin, um die es in dem Buch geht,  kannte ich nur den Namen gehört, sonst nichts. Nach der Lektüre habe ich beschlossen, dass ich auf jeden Fall eine Biografie von Josephine Baker lesen muss und das obwohl ich eigentlich gar keine Biografien-Leserin bin.

Josephine ist Tänzerin und wirbelt mit ihrer Art zu tanzen und ihrem Wesen, das immer wieder durch ihre Tanzeinlagen durch schimmert, die Welt in den 1920ern durcheinander. Im Jahr 1925 macht sie mit ihrer Truppe in Berlin halt und lernt Tristan Nowak kennen, der für ihre Sicherheit zuständig sein soll. Warum dies so ist, ist ihr schleirhaft, denn sie hatte noch nie jemanden, der ihre Sicherheit überwacht. Im Laufe des Buches wird zumindest dem Leser/der Leserin klar, dass dies bitter nötig ist.

Ziemlich schnell ist mir klar geworden, dass sie Autorin sich eingehend mit der Person Josephine Baker auseinander gesetzt haben muss, denn sie wurde so lebensecht dargestellt, dass ich mich spontan in diese Frau schockverliebt habe und bei jeder neuen Szene total lebendige  Bilder vor Augen hatte. Mir passiert das ganz selten, dass ich nach einem Buch die weibliche Hauptperson faszinierend finde, aber hier hat die Autorin ganze Arbeit geleistet. Daher bin ich auch froh, dass es noch zwei weitere Teile geben wird.

Stellenweise wirkte die Geschichte ein wenig wie „Bodyguard“ (ihr wisst schon, der Film aus den 90ern mit Kevin Costner), was aber gar nicht gestört oder irritiert hat, weil es perfekt zur Story gepasst hat. Manchmal hätte ich sowohl Tristan als auch Josephine packen und schütteln können, denn sie haben sich manches Mal wirklich dämlich verhalten, nicht nur dem anderen gegenüber, auch sich selber gegenüber.

Mit Veronika Rusch habe ich nun eine neue Lieblingsautorin gefunden. Von den bereits erschienen Büchern reizen mich nicht alle, aber das ein oder andere werde ich mit Sicherheit noch lesen. Vor allem natürlich den zweiten und den dritten Teil der „Josephine Baker-Verschwörung“: 


„Die Spur der Grausamkeit“ – erschienen am 31. Mai 2021

„Die Dunkelheit der Welt“ – erscheint am 29. Juli 2021

Weitere Informationen über Veronika Rusch und ihre Bücher könnt ihr auf ihrer Homepage finden.

Ich danke dem Piper Verlag für die Bereitstellung des Buches. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Seiten: 496

Herausgeber: Piper Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 1. April 2021

ISBN: 978-3492062411

Preis: 12,99 € (Taschenbuch) / 9,99 € (E-Book)

Die Auswirkungen von Abweisung

„Unter ihren Augen“ von Dorit David ist, wenn man es genau betrachtet, eigentlich gar kein Buch für mich. Ich habe es in einer Leserunde bei der Büchereule gelesen und es hat mir, obwohl ich die Charaktere nicht besonders sympathisch fand, wirklich gut gefallen.

Lieselotte (oder Lotte, wie sie von ihren Freunden genannt wird) ist Schülerin der Gymnastikschule Habenicht und stellt irgendwann fest, dass sie in ihre Lehrerin Berta Habenicht, die auch die Inhaberin der Schule ist, verliebt ist. Als sie ihr ihre Liebe gesteht, weist Berta Lotte ab und das Drama beginnt, denn es wird ein immer währender Kampf, den Lotte und Berta gegeneinander führen.

Drama deswegen, weil ich eigentlich diese Art von Verhalten gar nicht nachvollziehen kann und auch gar nicht mag. Interessant zu wissen ist hier, dass der Inhalt auf einer wahren Begebenheit beruht. Das Buch ist gespickt von Intrigen, Neid, Hass (ich glaube, so kann man es nennen) und vor allem vom Nicht-Miteinander-Reden. Die Figuren überlegen sich, was das Gegenüber vielleicht denken könnte und handeln dann dementsprechend, wie es im realen Leben auch sehr oft ist. Das macht das Buch sehr authentisch und auch spannend zu lesen, denn man weiß nie, was als nächstes passiert. Ich muss zugeben, dass ich oft weder Lotte noch Berta in ihren Handlungen so recht verstanden habe.

Ein wichtiges Thema ist für mich in dem Zusammenhang die Homosexualität. Ich habe bisher noch nie ein Buch gelesen, in dem Frauen Frauen lieben bzw. Männer Männer lieben. Es hat sich einfach nicht ergeben. Da das Buch Anfang der 1920er Jahre spielt, ist es hier natürlich ein sehr heikles Thema, über das Lotte gar nicht gern spricht und es sogar als Krankheit ansieht. Berta dagegen lebt mehr oder weniger heimlich mit ihrer Freundin zusammen. Für mich war es interessant zu erfahren, wie die Frauen damals mit ihrer Neigung umgegangen sind und welche Möglichkeiten es trotz der Umstände gab.

Gymnastik und Tanzen sind nicht gerade meine Steckenpferde, aber die Autorin hat es sehr gut verstanden, die einzelnen Unterrichtsstunden anschaulich zu beschreiben, so dass sogar ich es mir richtig gut gefallen hat. Besonders gern mochte ich den Improvisationstanz, den Lotte später auch unterrichtet.

Wenn euch die Rumzickerei und die Intrigen im Buch nicht stören, kann ich euch das Buch wärmstens ans Herz legen. Mir hat es als Gesamtbild sehr gut gefallen, vor allem der Schreibstil der Autorin.

Eine Leseprobe könnt ihr auf der Seite des Querverlags finden.

Infos zum Buch *Werbung*

Seiten: 416

Herausgeber: Querverlag

Erscheinungsdatum: 11. März 2020

ISBN: 978-3896562852

Preis: 18,00 € (Taschenbuch), 9,99 € (E-Book)

Aberglaube im Italien der 1960er

Fluch der Saline von Anna Castronovo

Ich habe das Buch bei einer Verlosung gewonnen und war total gespannt, weil ich die Autorin noch nicht kannte und mir der Klappentext gut gefallen hat.

Totò ist 11 Jahre alt als sein Vater eine Saline kauft. Es ist das Jahr 1965 und die Menschen in der Stadt Trapani sind nicht nur sehr gläubig, sondern auch abergläubisch. Sie glauben, dass die Saline verflucht ist. Es deutet auch alles drauf hin, als erst Totòs Mutter stirbt und dann der Vater eine seltsame Art Wahnsinn an den Tag legt. „Der Fluch der Saline“ von Anna Castronovo erzählt von jenen Tagen, in denen Totò das wahre Ausmaß dieses Fluches erlebt.

Ich bin sehr schwer in die Geschichte rein gekommen, was aber vermutlich daran liegt, dass ich nicht besonders viele Berührungspunkte mit Italien habe und es mich auch nicht besonders anzieht. Die Autorin streut einige italienische Begriffe und Redewendungen ein, die mich zwar nach Italien versetzt haben, aber mir nicht das Gefühl gegeben haben, richtig in der der Geschichte zu sein. Ich weiß nicht, ob die Menschen im Jahr 1968 noch so abergläubisch waren, wie es im Buch dargestellt wurde. Für mich klingt es eher mittelalterlich, aber ich habe mich auch mit dem Italien in dieser Zeit noch nie auseinander gesetzt. Insgesamt fand ich, dass die Geschichte zu oberflächlich erzählt wurde. Das Buch umfasst gut 250 Seiten und ich denke, dass etwas mehr Tiefe dem Buch gut getan hätte. Ich war nicht richtig am Geschehen dran. Das finde ich eigentlich sehr schade, denn die Handlung fand ich richtig gut.

Die Verstrickungen im Buch waren logisch und nachvollziehbar, aber nicht besonders überraschend. Gut gefallen hat mir der Schreibstil. Wäre dieser noch – wie weiter oben erwähnt – auf ein paar mehr Details eingegangen, vielleicht auf welche, die einem als Autor nicht erwähnenswert vorkommen, hätte es mir mit Sicherheit noch besser gefallen. Es hat mir ein Drumherumgespinne um die Personen gefehlt, etwas, das das typische der Person ausmacht und den Leser denjenigen lieb gewinnen lässt.

Leider kann ich das Buch nur bedingt weiter empfehlen. Wenn euch die von mir genannten Kritikpunkte nicht stören, wird es ein schönes Leseerlebnis für euch sein.

Infos über das Buch *Werbung*

Seiten: 252

Herausgeber: BoD – Books on Demand

Erscheinungsdatum: 26. September 2020

ISBN: 978-3751938235

Preis: 10,99 € (Taschenbuch), 4,99 € (E-Book)

Eine Leseprobe und weitere Infos über das Buch könnt ihr auf der Homepage der Autorin finden.

Magie oder Mord?

Man mag es kaum glauben, aber ich habe noch nie ein Buch von Susanne Goga gelesen. Nach der Lektüre von „Das Geheimnis der Themse“ werde ich das aber auf jeden Fall nachholen, denn das Buch hat mir außerordentlich gut gefallen.

Charlotte und Tom sind seit zwei Jahren verheiratet und immer noch kinderlos. Ein wenig Ablenkung von diesem Thema verschafft ihnen die Recherche zu einem Buch, das Tom für sich „magischen Atlas“ nennt, einem Buch über magische Orte in London. Als der Strandsucher Alfie eine tote Frau findet, recherchieren Charlotte und Tom, denn die Polizei sieht den Tod der jungen Frau als Unfall an und hat die Ermittlungen eingestellt.

Ich lese ungern Bücher, die sich aufeinander beziehen in der falschen Reihenfolge, aber diesmal ging es leider nicht anders. Bei der Büchereule fand die Leserunde mit Autorin statt und da ich den Vorgänger nicht gelesen habe, musste ich wohl einfach da durch. Ich kann euch aber versichern, dass man als Nicht-Kenner trotzdem alle Zusammenhänge gut verstehen kann. Mir hat zumindest nichts gefehlt, allerdings wäre es etwas schöner gewesen, wenn ich die Figuren schon gekannt hatte, daher würde ich euch empfehlen erst mal „Der verbotene Fluss“ zu lesen.

Die Charaktere waren sehr liebevoll gestaltet, so dass ich in der Lage war jederzeit mitzufühlen, wie es ihnen gerade geht. Der Anteil an der Geschichte von Charlotte und Tom bzw. dem Krimianteil haben sich ungefähr die Waage gehalten, was ich sehr angenehm fand. Ich hatte das Gefühl, als würde ich tatsächlich mit den beiden recherchieren und nicht irgendwas vorgesetzt bekommen. Das Tempo ist  gemächlich, was ich ebenfalls schätze, trotzdem war es spannend, da die verschiedenen Handlungsstränge sich immer wieder abwechseln.

Mir wurde während der Leserunde die Leo-Wechsler-Reihe empfohlen, die ich mit Sicherheit auch bald lesen werde.

Ihr mögt Bücher mit sympathischen Charakteren, die im Alleingang ermitteln? Dann seid ihr bei Charlotte und Tom genau richtig. Eine Leseprobe findet ihr auf der Seite des Diana Verlages.

Infos zum Buch *Werbung*

Seiten: 448

Herausgeber: Diana Verlag

Erscheinungsdatum: 8. Februar 2021

ISBN: 978-3453360716

Preis: 10,99 € (Taschenbuch), 9,99 € (E-Book)

Briefe an Kafka

Als ich 2010 das erste Mal in Prag und damit auch im Kafka-Museum war, hat mich die gesamte Ausstellung total fasziniert. Aus diesem Grund musste ich unbedingt „Milena und die Briefe der Liebe“ von Stephanie Schuster lesen. Nun bin ich nicht nur fasziniert von Franz Kafka, sondern auch noch von Milena Jesenská.

Das Buch beginnt im Jahr 1916 als Milena ihren zukünftigen Ehemann Ernst Pollak, einen österreichischen Literaturkritiker und -agent im Staatstheater kennen lernt. Sie verlieben sich ineinander, dürfen aber nicht zusammen sein. Gleichzeitig lernt Milena Schriftsteller wie Max Brod oder eben jenen Franz Kafka kennen, als sie zusammen mit Ernst im Café Arco über Literatur sinniert. Nachdem Ernst sie, eher aus Vernuftsgründen als aus Liebe, heiratet, ziehen sie zusammen nach Wien. Dort beginnt auch die Brieffreundschaft zwischen Milena und Franz,  die sich später zu einer seltsamen Art Liebe entwickelt.

Ich hatte keine Sekunde das Gefühl mit den Personen oder mit dem Buch zu fremdeln. Obwohl ich mich nicht wirklich mit Kafka oder den Leuten um ihn herum beschäftigt habe, fühlte ich mich direkt mitten drin und als würde ich sie alle beschriebenen Personen persönlich kennen. Kafkas Lebensgeschichte kennen die meisten Menschen zumindest ansatzweise, daher finde ich es umso besser, dass nun ein Buch als leicht zugängliche Geschichte geschrieben wurde, das Milena gerecht wird. Ich hätte sehr gerne ein ausführlicheres Buch über sie gelesen. Obwohl aus den Briefen von Kafka an Milena nur Bruchstücke im Buch enthalten sind, hat die Autorin es ausgezeichnet verstanden, Milenas Gefühle für Franz darzustellen. Nicht nur die schönen Gefühle, wie man meinen sollte, wenn man den Klappentext liest, auch das genervt sein, weil er mal wieder etwas verkomplizierte oder wenn er wegen etwas unentschlossen war.

Milena Jesenská war nicht nur Journalistin, sondern auch eine Kämpferin für Demokratie und für Menschenrechte. Sie starb im Jahr 1944 im KZ Ravensbrück. Nach ihrem Tod wurde ihr der Tomás-Garrigue-Masaryk-Orden verliehen. Sie ist außerdem diejenige, die es ermöglichte, dass Kafkas unveröffentlichte Geschichten und seine Tagebücher heute noch öffentlich bekannt sind, denn entgegen seinem letzten Willen unveröffentlichte Dinge zu vernichten, übergab sie alles Max Brod, der diese dann veröffentlichte.  

Bild von Denis Poltoradnev auf Pixabay

„Milena und die Briefe der Liebe“ ist Teil 3 der Reihe „Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe“ vom Aufbau Verlag. Dies sind die Teile in der richtigen Reihenfolge:

1. George Sand und die Sprache der Liebe – Beate Rygiert (Frédéric Chopin)

2. Die Pianistin: Clara Schumann und die Musik der Liebe – Beate Rygiert (Robert Schumann)

3. Milena und die Briefe der Liebe – Stephanie Schuster (Franz Kafka)

4. Die Rebellin – Thérèse Lambert (Rainer Maria Rilke)

5. Die Bildhauerin – Pia Rosenberger (Auguste Rodin) – erscheint am 12. April 2021

6. Frau von Goethe – Beate Rygiert (Johann Wolfgang von Goethe) – erscheint am 16. August 2021

Über das Buch *Werbung*

Seiten: 368

Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag

Erscheinungsdatum: 10. November 2020

ISBN: 978-3746635934

Preis: 12,99 € (E-Book: 9,99 €)

Träume aus Samt – Ulrike Renk (Die große Seidenstadt-Saga # 4)

„Die Menschen hinter meinen Figuren existierten wirklich. Sie sollen nie vergessen werden!“ Ulrike Renk

Ich hatte eine waschechte Leseflaute! Wie kann das nach diesem grandiosen Lesejahr 2020 sein? Mir helfen dann immer Bücher meiner Lieblingsautoren. Da ich die ersten drei Teile der großen Seidenstadt-Saga bereits verschlungen habe, habe ich es einfach versucht und hatte Erfolg. Ich habe die fast 600 Seiten in zwei Tagen gelesen.

Es ist 1940 und Ruth und ihre Familie sind unterwegs in die USA um dort ein neues Leben anzufangen. In Deutschland wurden sie von den Nazis vertrieben und konnten nur so gerade eben entkommen. In England kam der Krieg ihnen viel zu nahe, so dass sie wieder flüchten mussten, diesmal in die USA. Aber auch hier greift der Krieg um sich. Ihr Leben in Chicago ist zudem völlig anders als sie es ich vorher ausgemalt hatten.

Bei jeder Reihe, die ich von Ulrike Renk beginne, denke ich vorher: „Ja, das ist wieder eine Familiengeschichte, was kann daran so spannend sein?“ Drei Seiten weiter komme ich nicht mehr vom Buch weg bis mir die Augen zufallen oder ich irgendwelchen lästigen Verpflichtungen nachkommen muss. Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber ihr Schreibstil fesselt mich einfach. Die Bücher fühlen sich an, als wäre die Autorin persönlich bei allen Ereignissen dabei gewesen, was wohl daran liegt, dass sie von der Familie Tagebucheinträge, Briefe und andere Dokumente aus dieser Zeit bekommen hat und daraus diese wundervollen und trotz der oft sehr traurigen Themen sehr heimelige Romane strickt. Es sind die Figuren, von der die Bücher ausschließlich leben und die mich emotional total ansprechen. Sie und ihre Geschichten, die nicht immer angenehm zu lesen sind.

Viele Themen haben mich speziell in dieser Reihe sehr berührt. Die Judenverfolgung, die Deportierungen und die Angst, in der diese armen Menschen leben mussten, ließen mich nach der Lektüre auch Tage später nicht mehr los. Genauso wie die Ängste, die durch den Krieg geblieben sind und jeden einzelnen der handelnden Personen auf die ein oder andere Art prägen. Es ist aber nicht alles traurig und hoffnungslos, denn es gibt hier auch eine sehr berührende Liebesgeschichte, die mein Herz hat schmelzen lassen.

Jedem, der noch kein Buch von Ulrike Renk gelesen hat, empfehle ich natürlich „Die große Seidenstadt-Saga“, „Die Ostpreußen-Saga“ und auch „Die Australien-Saga“. Alle drei Reihen beruhen auf wahren Begebenheiten und haben mein Herz gewonnen, so dass ich sie uneingeschränkt empfehlen kann. Ich kaufe mittlerweile alle ihre Romane ohne auf den Klappentext zu achten.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, seht euch auf der Seite des Aufbau Verlages um.

Das Unrecht der Väter – Ellin Carsta

Leider konnte mich das Buch überhaupt nicht fesseln. Ich habe  ca. 60 % gelesen und es dann abgebrochen. Dabei klang der Klappentext so vielversprechend.

Das Buch spielt 1936, also zu der Zeit, in der Hitler seine Macht ausgebaut hat. Man merkt dies den Hauptpersonen und auch den Nebencharakteren an, denn alles dreht sich darum, dass man es dem Führer und damit auch der Allgemeinheit, die ihre Augen und Ohren überall hat, recht machen muss.

Die Brüder Heinrich und Wilhelm Lehmann haben sich nach dem ersten Weltkrieg in Bernried, bei ihrem Freund Paul-Friedrich niedergelassen und dort mit ihren jeweiligen Fabriken einigen Reichtum und Ansehen erlangt. Doch leider überschattet ein Ereignis, das ich nicht mehr herausgefunden habe, ihr Leben, denn die Tochter eines im Krieg verstorbenen Kameraden taucht plötzlich auf und möchte Einzelheiten zum Tod ihres Vaters erfahren, mit dem Heinrich, Wilhelm und Paul-Friedrich zu tun haben müssen.

Eigentlich ist das Buch sehr ansprechend aufgemacht. Vor jedem Kapitel kommt einer der Charaktere zu Wort. Die Ereignisse um diesen Charakter werden in dem Kapitel dann erzählt, so dass wir ab und an dieselbe Begebenheit von zwei Seiten kennen lernen. Allerdings hat mich die Handlung gar nicht gefesselt. Immer, wenn ich dachte, dass es jetzt was wird mit mir und „Das Unrecht der Väter“ habe ich wieder das Interesse verloren.

Ich würde euch dennoch raten, die Leseprobe zu lesen, denn grundsätzlich ist die Idee zu dem Auftakt der Falkenbach-Saga gar nicht übel. Vielleicht gefällt euch der Erzählstil ja.

Mehr Informationen zu dem Buch findet ihr auf der Seite der Autorin.

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