Darf es eine Partie Schach sein?

Das Damengambit von Walter Tevis

„Das Damengambit“ ist mir seit Erscheinen der gleichnamigen Serie immer wieder über den Weg gelaufen. Da ich absolut keine Ahnung von Schach habe, habe ich mich lange dagegen gewehrt, es aber dann letztendlich als Hörbuch gehört. Das war eine gute Wahl, denn gelesen hätten mich wohl die vielen Schachpassagen gelangweilt.

Elisabeth Harmon wird mit sechs Jahren zur Vollwaise und kommt in ein Waisenhaus. Dort kommt sie zufällig im Keller des Gebäudes mit Mr. Scheibel und Schach in Berührung. Sie verliebt sich augenblicklich in das Spiel und kann von dem Moment an nicht mehr aufhören daran zu denken und vor allem es zu spielen.  Sie merkt, dass sie sich mit den Beruhigungspillen, die im Waisenhaus jedem Kind verabreicht werden, besser konzentrieren kann und zur Höchstform aufläuft. Ihr Konsum an den grünen Pillen gerät außer Kontrolle, so dass sie in einen Strudel von Sucht und Selbstzerstörung gerät.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe die ganze Zeit Amy Whinehouse vor Augen gehabt. Woher das kommt, weiß ich nicht, aber so habe ich sie mir immer vorgestellt. Nicht äußerlich, sondern ihr Wesen. Obwohl mir nicht bekannt ist, dass Amy Whinehouse hochbegabt oder autistisch veranlagt war, sie war ja eher ein Musik-Ausnahmetalent. Genauso sieht es auch bei Beth aus. Vom ersten Moment an begreift sie Schach und vertieft sich so in die Fachbücher und in Partien, die berühmte Schachspieler gespielt haben, dass sie in kürzester Zeit den Fachjargon drauf hat und haushoch gegen alle gewinnt, die gegen sie antreten.

Gleichzeitig ist sie total einsam, denn auch ihre Adoptivmutter Mrs. Weedly hat es eigentlich nur auf das Geld abgesehen, das Beth ihr durch den Erfolg bei Schachturnieren einbringt. Beth weiß nicht, wie sie Beziehungen zu Menschen aufbauen soll, denn sie hat dies nie gelernt. Nicht nur ihr Elternhaus war recht lieblos, auch im Waisenhaus erfährt sie kaum Liebe. Sie ist also eigentlich die ganze Zeit auf sich allein gestellt und versucht mit allen Mitteln die beste im Schach zu werden.

Die zahlreichen Schachpartien, die im Buch vorkommen waren auf eine Art spannend, weil Luise Helm, die das Buch spricht, es perfekt verstanden hat, mich auf das Finale des jeweiligen Spiels hin fiebern zu lassen. Mir kam es fast vor als wenn ich am Ende des Buches genau so eine Obsession zu Schach entwickelt hätte wie es bei Beth der Fall ist.

Das Buch ist nicht nur für Schachspieler geeignet, sondern auch für alle, die sich für Menschen interessieren, die ein wenig anders sind. Beth ist das beste Beispiel fürs Anders sein und zwar das ganze Buch über. Ich würde dir empfehlen auf jeden Fall mal rein zu hören.

Wenn du mehr über das Hörbuch erfahren möchtest, kannst du dir die Seite des Diogenes Verlages ansehen oder die englischsprachige Seite über den Autor besuchen.

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Länge: 10 Stunden, 41 Minuten

Autor: Walter Tevis

Sprecherin: Luise Helm

Erscheinungsdatum: 8. Juni 2021

Herausgeber: Diogenes Verlag

ASIN: B096SWL28C

Preis: 13,92 €

Über den Autor (Quelle: Diogenes Verlag):

Walter Tevis (1928–1984) war ein amerikanischer Schriftsteller. Nachdem er als junger Mann im Zweiten Weltkrieg im Pazifik gedient hatte, studierte er Literatur an der University of Kentucky und arbeitete lange Jahre als Lehrer und Universitätsdozent, ehe er freier Schriftsteller wurde. Von seinen Romanen wurden mehrere hochkarätig verfilmt (›Die Haie der Großstadt‹ mit Paul Newman, ›Die Farbe des Geldes‹ mit Tom Cruise, ›Der Mann, der vom Himmel fiel‹ mit David Bowie). Nach dem weltweiten Erfolg der Netflix-Serie ›Das Damengambit‹ mit Anya Taylor-Joy wird sein Werk wiederentdeckt.

Foto: © Mark Marraccini

Zypern, ein Feigenbaum und die große Liebe

Das Flüstern der Feigenbäume von Elif Shafak

Bisher habe nur zwei Bücher von Elif Shafak gelesen und da ich beide in sehr guter Erinnerung hatte, habe ich mich total gefreut, dass Netgalley mir „Das Flüstern der Feigenbäume“ als Hörbuch bereit gestellt hat.

Im Jahr 1974 wird der Norden der Insel Zypern von türkischen Streitkräften besetzt. Es herrscht ein nicht vorstellbarer Ausnahmezustand. Es ist auch genau die Zeit, in der Kostas und Defne sich kennen- und lieben lernen. „Das Flüstern der Feigenbäume“ erzählt die Geschichte der beiden.

Mir fällt es gar nicht so leicht meine Begeisterung für das Buch in Worte zu transportieren, denn es ist auf viele Arten besonders. Nicht nur, weil eine der Erzählstimmen der weibliche Feigenbaum aus der Taverne „Zur glücklichen Feige“ ist, in der Kostas und Defne sich heimlich getroffen haben, sondern auch, weil diese Feige so liebevoll von der Natur spricht und sie dem den Leser:innen des Buches näher bringt. Aus den Worten der Feige ist fast alles, was sie sagt eine Liebeserklärung an die Natur. Ich habe mich während des Hörens öfter gefragt, ob die Autorin sich das Wissen nur für das Buch angeeignet hat oder ob sie grundsätzlich ein Mensch ist, der die Natur liebt. Ich tendiere zum zweiten.

Das Buch spielt in mehreren Zeitebenen, einmal im Jahr 1974, dann Anfang der 2000er Jahre und Ende der 2010er Jahre. Sie haben alle ihre Daseinsberechtigung, denn ohne die eine Zeitebene versteht man die andere nicht. Obwohl die Figuren oftmals aus verschiedenen Gründen hoffnungslos waren, hat die Autorin es jederzeit geschafft, Hoffnung und Zuversicht bei mir aufkommen zu lassen.

Was es mit dem sprechenden Feigenbaum auf sich hat, erfährt man erst ganz am Ende. Daher solltest du auf jeden Fall das ganze Buch genießen.

Eva Mattes hat sehr viel Liebe in die Stimme des Feigenbaums gelegt und Joachim Schönfeld hat mich sehr oft an einem meiner Lieblingssprecher, Mattias Lühn, erinnert. Es war eine sehr große Freude dieses Hörbuch zu hören.

Das Hörbuch wurde mir von Netgalley zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Wenn du mehr über das Buch erfahren möchtest, kannst du einfach die Seite des Kein & Aber Verlages besuchen. Dort findest du auch eine Leseprobe. Auf der Homepage von Elif Shafak findest du mehr Infos über die Autorin und ihre Werke (auf Englisch).

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Seiten: 448

Herausgeber: Kein & Aber

Originaltitel: The Island of Missing Trees

Erscheinungstermin: 5. Oktober 2021

ISBN: 978-3036958637

Preis: 25,00 € (gebundenes Buch), 19,99 € (E-Book)

Die Suche nach dem Warum

Das Verschwinden der Stephanie Mailer von Joël Dicker

Seit „Der Fall Harry Quebert“ bin ich ein großer Fan von Joel Dicker, aber leider bin ich bis jetzt nicht dazu gekommen,  das vorletzte Buch „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ zu lesen.

Eigentlich handelt es sich gar nicht primär um die Ermittlung, wo Stephanie Mailer abgeblieben ist, sondern eher darum, warum sie verschwunden ist.  Stephanie wollte einen Mord  aus dem Jahr 1994 in der fiktiven Stadt Orphea aufklären, denn ihrer Meinung nach sind die falschen Täter gefasst worden.

Auch dieses Buch hat mir wieder richtig gut gefallen. In der gewohnten Dicker-Art sind die Charaktere und ihre Beweggründe wieder sehr ausführlich geschrieben, so dass ich eigentlich die ganze Zeit das Gefühl hatte, die Personen tatsächlich kennen zu lernen. Am Ende des Buches hatte ich dann auch ein kleines Verlustgefühl, denn das Buch steht ja für sich alleine und ist nicht Teil einer Reihe.  Aufgrund der vielen Zeit- und Personensprünge musste ich gut aufpassen, wo und vor allem bei wessen Erzählung ich mich gerade befinde. Aber genau das hat das Buch für mich so interessant gemacht, weil ich nicht nur die Begebenheiten in 2014 bzw. 1994 erfahren habe, sondern auch Dinge aus der Kindheit, Jugend bzw. dem ganzen Leben der einzelnen Personen. Sowas mag ich immer besonders gern. Die Informationen wurden dabei nur ganz langsam entblättert und so im Buch verteilt, dass es durchweg spannend war. Während des Hörens habe ich mich ununterbrochen gefragt, wie die Erzählstränge am Ende zusammen passen sollen, aber es hat sich alles perfekt zusammen gefügt. Lediglich einen Erzählstrang fand ich für die Geschichte unwichtig und glaube, dass sie als Ablenkung gedacht war.

Torben Kessler, den ich in „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara lieben gelernt habe, hat auch dieses Buch wieder ganz großartig gesprochen. Seine Stimme ist schuld daran, dass ich es gehört und ich nicht gelesen habe.

Wenn du schon mal etwas von Joel Dicker gelesen hast und ausführliche Beschreibungen von Geschehnissen und Personen magst, ist „ Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ auf jeden Fall etwas für dich. Ich werde demnächst „Das Geheimnis von Zimmer 622“ vom Audible-SuB befreien. Es wird übrigens ebenfalls von Torben Kessler gelesen.

Eine Hörprobe findest du auf der Seite des Hörbuch Hamburg Verlages. Auf der Homepage von Joël Dicker (auf französisch) findest du weitere Infos zu seinen Büchern.

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Seitenzahl: 672

Herausgeber: Piper

Erscheinungstermin: 2. April 2019

ISBN: ‎ 978-3492059398

Preis: 24,95 € (gebundenes Buch), 9,99 € (E-Book)

Katenbüll für immer

Sörensen am Ende der Welt (Sörensen ermittelt # 3) von Sven Stricker [Hörbuch]

Das war er nun, der vorerst letzte Teil der „Sörensen ermittelt“-Reihe. Ich bin wirklich traurig, dass ich diesen großartigen und sich dauernd widersprechenden Charakter nicht mehr begleiten darf. Es soll einen vierten Teil geben, aber erst irgendwann in 2023. Das dauert mir viel zu lange.

Sörensen hat beschlossen, dass er nun endgültig und komplett nach Katenbüll zieht. Während er seine Wohnung in Hamburg übergibt, geschieht schon wieder ein Mord in Katenbüll.  Ein Mann wird im Koog gefunden, ermordet durch einen Stich mit einem Schraubenzieher mitten ins Herz. Verdächtig ist auf einmal Ole Kellinghusen, den man schon aus den ersten beiden Bänden kennt und der eine wichtige Rolle in der gesamten Geschichte spielt. Doch Ole ist verschwunden. Ihr erratet es schon: Sörensen ermittelt also wieder.

Vor einigen Tagen war ich auf der Lesung von Sven Stricker und Bjarne Mädel zu „Sörensen am Ende der Welt“ im Rahmen der lit.RUHR.  Sven Stricker hat uns dort verraten, dass Sörensens Vorname wohl für immer geheim bleiben wird, ausgehandelt wäre, dass er ihn als letztes Wort im letzten Roman der Reihe verrät. Der Name ist so geheim, dass er sich diesen aufschreiben musste um ihn selber nicht zu vergessen. Eigentlich schade, ich hätte gerne gewusst, wofür sich Sörensen so schämt.

Wie auch in den beiden vorherigen Teilen war der Fall irgendwann vorhersehbar, obwohl der Autor versucht hat einige Verwirrungen einzubauen. Aber das ist für mich nicht das Wichtigste in dieser Buchreihe. Ich könnte auch gut einen Roman lesen, in dem Sörensen einfach ganz entspannt (in seinem Fall ja eher unentspannt) vor sich hin lebt und nicht ermitteln muss. Seine Begegnungen mit anderen Menschen bzw. seine Reaktionen darauf sind einfach so großartig, dass für mich der Mordfall immer zweitranging ist.

Viel mehr als in den vorherigen Teilen über Sörensens Privatleben hat man nicht erfahren, denn der Autor gibt dies immer ein in Bruchstücken preis. Das passt genau so perfekt in die Geschichte. Allerdings sind mir jetzt einige Fragen eingefallen, die hoffentlich im vierten Teil entweder beantwortet werden oder die Antwort in die Wege leiten. Ich bin sehr gespannt drauf.

Nachdem ich Sven Stricker jetzt live erleben durfte, war seine Lesung als Hörbuch noch mal doppelt so schön anzuhören. Wie auch in den ersten zwei Teilen hat er seine Figuren perfekt sprachlich umgesetzt.

Reihenfolge:

Sörensen hat Angst

Sörensen fängt Feuer

Sörensen am Ende der Welt

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren möchtet, seht euch auf der Seite des Audio-To-Go Verlages an. Dort gibt es auch eine Hörprobe.

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Erscheinungsdatum: 17. August 2021

Spieldauer: 13 Stunden 43 Minuten

ASIN: B0995Z41GV

Preis: 22,95 €

Schon wieder ein Verbrechen in Katenbüll

Sörensen fängt Feuer (Sörensen ermittelt # 2) von Sven Stricker [Hörbuch]

Jetzt hat er mich, der Sven Stricker! Ich bin ja nach dem ersten Teil „Sörensen hat Angst“ schon hochgradig sörensensüchtig geworden, nach Teil 2 ist das aber noch schlimmer geworden.

Anfangs scheint es ein ganz einfacher Fall zu sein. Jette, eine blinde junge Frau, läuft Ole Kellinghusen, den man schon aus dem ersten Teil kennt, vors Auto. Ihr passiert nichts, aber Ole wird nach und nach klar, dass mit Jette irgendwas nicht stimmt, denn sie verhält sich ziemlich seltsam. Schnell wird klar, dass Jette ihr Leben lang im Keller gefangen gehalten wurde. Warum? Das versuchen Sörensen, Jenny und Malte nun herauszufinden.

Wie schon im ersten Teil liebe ich Sörensens Art zu denken. Er denkt nämlich nicht gradlinig, sondern kommt gedanklich von Höckschen auf Stöckschen. Am Ende kommt meistens etwas mürrisches dabei heraus. Aber genau das macht ihn für mich so liebenswert, weil er zwar ein Meckerkopp ist, aber trotz allem die Nöte und Ängste seiner Mitmenschen erkennt und danach handelt. Zumindest meistens.

Bei mir hat ab der ersten Minute wieder das absolute Wohfühlgefühl eingesetzt. Nicht nur, weil ich mich wahrscheinlich im stillen Katenbüll sehr wohl fühlen würde, sondern auch, weil ich die Figuren, die Sven Stricker erfunden hat, wirklich gerne mag.

Mittlerweile habe ich mich auch so sehr an die Stimme des Autors gewöhnt, dass ich mich auch aus diesem Grund im Buch heimisch fühle. Es ist einfach rundum gelungen! Aktuell höre ich Teil 3: „Sörensen am Ende der Welt“ und bin schon sehr traurig, dass es vorerst der letzte Teil ist.

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren möchtet, guckt euch einfach auf der Seite des Audio-To-Go Verlages um. Hier findet ihr auch die Hörproben zu allen drei Teilen.

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Spieldauer: 13 Stunden 37 Minuten

Erscheinungsdatum: 14. Mai 2021

ASIN: B09417QNGQ

Preis: 22,95 €

Kurze Geschichten in japanischem Stil

Erste Person Singular von Haruki Murakami

Obwohl mich eigentlich die Kultur und Lebensweise Japans gar nicht so recht interessiert, habe ich ein Faible für Haruki Murakami. Ich mag seine Art zu denken und sich auszudrücken. Begonnen hat es mit „Naokos Lächeln“ und „Kafka am Strand“. Daher durfte auch seine Kurzgeschichtensammlung (ich mag eigentlich gar keine Kurzgeschichten!) nicht fehlen.

Haruki Murakami erzählt in „Erste Person Singular“ aus seinem Leben. Aber er erzählt nicht einfach so, wie es bei andern Autoren der Fall ist, nein, Murakami lässt viel von seinen skurrilen Ideen einfließen. Beispielsweise erzählt er von einem schönen Abend mit Bier und Crackern mit einem sprechenden Affen. Manch einer mag seine Geschichten abgehoben und sperrig finden, aber ich liebe sie einfach. Inwieweit die Geschichten Wahres über ihn enthalten, kann man nur raten, aber genau das macht das Buch für mich aus. Murakami erzählt bei jeder einzelnen Kurzgeschichte sehr respektvoll und freundlich über die Personen, die darin vorkommen, auch wenn sie ihm vielleicht nicht gerade wohlgesonnen waren.

Der Sprecher, Frank Arnold, den ich durch die Luc-Verlain-Bücher lieben gelernt habe, bringt die Kurzgeschichten einfach perfekt rüber. Ich liebe seine Stimme und zeitweise hatte ich das Gefühl, Murakami selbst liest mir vor, so viel Gefühl lag darin.

Wer Murakami kennt und mag, weiß worauf er sich da einlässt und denjenigen kann ich das Buch wärmstens empfehlen, sehr gerne als Hörbuch, denn ich glaube, die Vertonung hat dem Buch gut getan. Wer Murakami noch nicht kennt, sollte erst mal in die Leseprobe schauen.

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren wollt, guckt doch mal auf der Seite vom Hörbuchverlag Hamburg vorbei. Dort gibt es auch eine Hörprobe.

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Spieldauer: 4 Stunden 49 Minuten

Erscheinungsdatum: 26. Januar 2021

ASIN: B08R6BR1F8

Kosten: 18,95 €

Mord im idyllischen Katenbüll

Sörensen hat Angst (Sörensen ermittelt # 1) von Sven Stricker (Hörbuch)

Tjaaaaaa, ich bin verliebt. Verliebt in diese Art zu erzählen, in diesen einmaligen Typen Sörensen und in diese Art Humor. Und wer ist schuld? Der Gatte. Er erzählte mir, dass er „Sörensen hat Angst“ mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle angesehen hat und dass es eine Buchverfilmung ist. Ich kann euch nur so viel verraten: Die Rolle des Sörensen wurde Bjarne Mädel auf den Leib geschrieben. Ohne den Film zu kennen hatte ich die ganze Zeit während des Hörens ihn vor Augen.

Sörensen, dessen Vornamen man bis zum Schluss nicht erfährt, zieht nach Katenbüll in Nordfriesland um dort sein Leben nach der Trennung von seiner Frau neu zu sortieren. Er hat sein Leben als Kriminalhauptkommissar in Hamburg zurück gelassen und hofft, in der neuen Heimat besser klar zu kommen, denn seine Angststörung macht es ihm nicht leicht den Alltag zu überstehen.  In Katenbüll passiert eigentlich nichts, zumindest nichts, was aufregend wäre. Aber just als Sörensen dort aufschlägt, wird der Oberbürgermeister Hinrichs erschossen. Sörensen muss also mit seinem Team die Ermittlungen aufnehmen.

Ich könnte euch jetzt seitenweise von dem Buch vorschwärmen, aber das wird wahrscheinlich niemand lesen wollen. Ich bin einfach hin und weg von dieser Art Humor. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man die Figur Sörensen im Film richtig verstehen soll, denn seine Gedanken, die er das ganze Buch über im Kopf hat, machen einen Großteil seines Charakters aus.  Die Aufklärung des Falls war keine große Überraschung und war zudem schon früh im Buch klar, was aber  nicht viel ausgemacht, denn meiner Meinung nach liegt hier der Fokus eher auf der Geschichte und auf den Charakteren statt auf einem spektakulären Fall.  Gut gefallen hat mir außerdem, dass am Ende nicht alles auf die große Auflösung und den Showdown hinausläuft, sondern das Buch ziemlich leise ausklingt. Das passt irgendwie zu Sörensen und auch zu Katenbüll.

Die Figuren sind allesamt auf eine Weise skurril ohne ins Lächerliche abzugleiten. Der Autor hat es ganz hervorragend verstanden  trotz diverser Stereotypen, die so in vielen Romanen vorkommen, keinen Allerweltsroman zu schreiben.  Abgerundet wird das Ganze von der Autorenlesung. Zunächst musste ich mich ein wenig einhören, dann hat mir aber Sven Strickers Art zu lesen richtig gut gefallen.

Direkt im Anschluss habe ich Teil 2 „Sörensen fängt Feuer“ begonnen und finde diesen Teil sogar bisher noch besser.  Es gibt sogar noch einen dritten Teil „Sörensen am Ende der Welt“. Ich bin jetzt schon traurig, wenn ich daran denke, dass das erst mal der letzte Teil ist.

Wenn ihr mehr über die Reihe erfahren wollt, seht euch auf der Seite des Audio-To-Go Verlages um. Hier gibt es auch Hörproben aller drei Teile.

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Dauer: 11 Stunden, 37 Minuten

Sprecher: Sven Stricker

Erscheinungsdatum: 9. April 2021

Verlag: Audio-To-Go

ASIN: B08YNWKPQN

Preis: 19,95 €

Ein Leben nach deinen Wünschen

Was für ein großartiges Hörbuch! Ich wusste nicht so recht, was mich erwartet, als ich damit begonnen habe, aber es hat mich ziemlich schnell in seinen Bann gezogen.

Nora möchte nicht mehr leben, weil in ihren Augen alles an ihrem Leben schlecht ist. Sie bereut viele Entscheidungen und glaubt, dass andere Menschen alles besser gemacht haben. Sie ist mit ihrem Bruder verstritten, hat den Kontakt zu ihrer besten und einzigen Freundin verloren und weiß nicht weiter. Nachdem sie ihr Leben beendet hat, landet sie plötzlich in der Mitternachtsbibiliothek, mit der sie erst mal nicht viel anfangen kann. Es handelt sich hier um eine Art Knoten zu den alternativen Leben, die sie in anderen Universen gelebt hat, in denen sie andere Entscheidungen getroffen hat. Nora bekommt die Möglichkeit sich auszusuchen, welche Entscheidung sie anders trifft und sich ihr Leben mit dieser Entscheidung anzusehen. Nach und nach bemerkt sie, dass sie eigentlich gar nicht so viel zu bereuen hat.

Nora springt von Leben zu Leben. Das war schon ganz amüsant, manchmal auch traurig zu hören. Matt Haig hat sich eine Vielzahl von oberflächlich betrachtet tollen Leben überlegt. Als Leser*in bzw. Hörer*in ist das recht kurzweilig. Es sind aber sehr viele wichtige Botschaften in dem Buch enthalten, z. B. dass Geld und Ruhm nicht wichtig sind und Ähnliches. Niemand doziert hier mit erhobenem Zeigefinger, denn Nora findet das alles selber heraus. Es ist auf eine Art ein Buch über Selbstfindung.

Annette Frier hat das Buch sehr angenehm gelesen und mich dazu animiert immer weiter zu hören. Sie hat eine angenehme Stimme und bringt auch die Figuren glaubhaft herüber.

Das Hörbuch wurde mir von Netgalley und dem Argon Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren möchtet oder in die Hörprobe hören wollt, könnt ihr euch auf der Seite Argon Hörbuch umsehen.

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Dauer: 8 Stunden, 21 Minuten

Sprecherin: Annette Frier

Erscheinungsdatum: 1. Februar 2021

Verlag: Argon Verlag

ASIN: B08RYXNK2S

Preis: 14,85 € (oder im Audble-Abo)

42!

„Per Anhalter durch die Galaxis“ ist der erste Teil der fünfbändigen intergalaktischen Trilogie um Arthur Dent und seinen Freund Ford Prefect. Ich habe das Hörbuch schon mal vor über 15 Jahren gehört und anschließend den Film gesehen. Dieses Jahr jährt sich die Veröffentlichung das 42ste Mal, selbstverständlich wollte ich aus diesem Grund einen Beitrag über das Buch schreiben. Was es mit der Zahl 42 auf sich hat, werdet ihr erfahren, wenn ihr den ersten Teil lest.

Arthur Dent hat ein Problem: Er hat viel zu spät mitbekommen, dass sein Haus abgerissen werden soll, denn dort soll eine Umgehungsstraße entstehen. Aber im Vergleich zu dem, was die Erde nur wenige Minuten später erwartet, ist dies nur eine Kleinigkeit. Denn die Welt soll von den Vogonen, einer äußerst unfreundlichen Art Allbewohner, zugunsten einer galaktischen Hyperraum-Expressroute zerstört werden.  Ford Prefect, der Freund von Arthur, kennt sich mit derlei Dingen aus, denn er arbeitet aktuell an einem galaktischen Nachschlagewerk und kennt sich mit Reisen im Weltall, wie die beiden sie im weiteren Verlauf des Buches erleben, sehr gut aus.

„Dieser Planet hat – oder besser gesagt, hatte – ein Problem: Die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.“

„Per Anhalter durch die Galaxis“ ist eindeutig nicht für jeden etwas. Man muss nicht nur Science Fiction mögen, sondern auch damit klar kommen, dass Douglas Adams sich allerlei skurrile Dinge ausgedacht hat. Zum Beispiel den Unendlichen-Unwahrscheinlichkeits-Antrieb, der dafür sorgt, dass Arthur und Ford auf eine höchst unwahrscheinliche Weise auf Zaphod Beeblebrox und Trillian stoßen. Die Geschehnisse sind nicht nur zum größten Teil völlig absurd, sondern auch noch unglaublich komisch geschrieben. Ich bin zeitweise aus dem Lachen nicht mehr ausgekommen. Ganz besonders habe ich Marvin, den „depressiven suizidalen“ Roboter, in mein Herz geschlossen. Ich kann euch wirklich nur empfehlen, euch mal die Hörprobe anzuhören. Ich habe mich schon bei der Einleitung total amüsiert.

„Es ist eine bedeutende und allgemein verbreitete Tatsache, dass die Dinge nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Zum Beispiel waren die Menschen auf dem Planeten Erde immer der Meinung, sie seien die intelligenteste Spezies dort und nicht die drittintelligenteste. Die zweitintelligentesten Wesen waren natürlich die Delphine, die komischerweise schon lange vorher von der drohenden Zerstörung der Erde wussten. Sie haben viele Versuche unternommen die Menschheit auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, doch wurden die meisten ihrer Botschaften als amüsante Versuche missdeutet, einen Fußball mit dem Kopf zu treffen oder nach Leckereien zu pfeifen, so dass sie es schließlich auf gaben und die Erde ihrem Schicksal überließen. Die letzte Botschaft der Delphine wurde als der kunstfertige Versuch missverstanden, einen doppelten Salto durch einen Reifen zu vollführen und dabei „Heil dir im Siegerkranz“ zu flöten. In Wirklichkeit aber hieß die Botschaft: Macht´s gut und danke für den vielen Fisch.“

Christian Ulmen liest das Buch durchweg mit einer Ironie in der Stimme, die man von ihm aus diversen Filmen/Serien bereits kennt. Er ist für mich die ideale Besetzung für das Hörbuch. Allerdings fand ich es manchmal etwas schwer zu folgen, wenn er lange Schachtelsätze sehr schnell gelesen hat, daher werde ich die weiteren Bücher wahrscheinlich selber lesen. Ich habe das Glück, dass der Sammelband mit allen Teilen hier im Regal steht.

Die Reihe besteht aus fünf Romanen: *Werbung*

Per Anhalter durch die Galaxis – ISBN 978-3036959542

Das Restaurant am Ende des Universums -ISBN 978-3036959566

Das Leben, das Universum und der ganze Rest – ISBN 978-3036959559

Mach´s gut, und danke für den Fisch ISBN 978-3453146068

Einmal Rupert und zurück – ISBN 978-3036959580

Die Bücher sind leider nur noch gebraucht als Sammelausgabe zu finden.

Heike von Frau Goethe liest hat das Buch auch gelesen. Ihre Meinung findet ihr, wenn ihr diesem Link folgt: Was Heike über den Anhalter sagt.

Das ganz normale Dorfleben

Ich habe das Hörbuch „Über Menschen“  von Juli Zeh über MDR Kultur gehört. Gelesen wird es von Anna Schudt. Ich habe mich zuvor an einigen Romanen von Juli Zeh versucht, aber nie so richtig Zugang zu ihren Büchern gefunden. Vielleicht hat sich das ja jetzt geändert.

Dora zieht nach Bracken in Brandenburg, weil ihre Beziehung mit ihrem Freund Robert nicht mehr so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hat. Sie hat in Bracken ein kleines Gutsverwalterhäuschen gekauft und kommt dort mit allerlei Vorurteilen bezüglich der Menschen und der Gegend an. Direkt zu Anfang lernt sie Gote, ihren Nachbarn und „Dorf-Nazi“ kennen und sieht sich in ihrer Meinung über die Menschen auf dem Land bestätigt. Doch wie sich alles weiter entwickelt, konnte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Dora ist anfangs sehr grüblerisch und auch als Leser*in hat man das Gefühl nicht an sie heran zu kommen. Als sie die ersten Menschen in Bracken kennen lernt, merkt sie, dass das Leben nicht nur schwarz und weiß ist, sondern auch ganz viele Grautöne hat. Plötzlich ist der rechtsradikale Asoziale von Nebenan ein lieber Nachbar, der ihr einfach aus Freundlichkeit Möbel schenkt und seine Hilfe anbietet. Die Leute, denen sie im Laufe des Buches begegnet, gehören bestimmten Gruppen an, aber sie verhalten sich meist überhaupt nicht so wie sie es voraus gesehen hat. Wir kennen das ja sicher alle, dass wir uns ein bestimmtes Bild von einer Personengruppe machen und dann völlig überrascht sind, wenn diese Leute völlig anders sind als wir erwartet haben. So ging es Dora auch und zwar fast das ganze Buch über. Juli Zeh spielt hier natürlich mit der vollen Breitseite der Vorurteile, die man überall mitbekommt und die in den meisten Köpfen bewusst oder unbewusst bestehen.

Das Buch spielt fast in der Jetzt-Zeit, nämlich zu Beginn der Pandemie. Doras Noch-Freund Robert gehört zu denen, die die Pandemie zu übertrieben sehen und eigentlich schon den Weltuntergang vor Augen haben. Gleichzeitig ist er glühender Greta Thunberg-Verehrer und verhält sich sehr überzogen und übergriffig Dora gegenüber.  Er hat sein ganzes Leben extrem in diese Richtung ausgerichtet. Für ihn gibt es ebenfalls kein grau, sondern nur schwarz und weiß.

Dora und auch ich als Hörerin haben durch das Buch gelernt, dass man den Mensch als Ganzes sehen sollte. Nicht nur, wie diese*rber sich verhält und welche Definition  oder Bezeichnung  er oder sie von anderen Leuten  bekommen hat, sondern dass man sich auch die Mühe macht auch seine Geschichte und die Gründe für das jeweilige Verhalten heraus zu finden. Ich habe schon oft gehört, dass Juli Zehs Romane genau diesen Effekt haben und daher werde ich es wohl doch noch mal mit weiteren Büchern versuchen.

Ein wenig traurig war ich schon, als ich Abschied von Dora, ihrem Hund Jochen, der Rochen und von Gote nehmen musste, aber ich glaube, ich werde in der nächsten Zeit noch mehr versuchen hinter Fassaden von Menschen  zu sehen.

Anna Schudt hat das Hörbuch ganz hervorragend gelesen. Ich finde ihre Stimme sehr angenehm und habe nun auch eine neue Lieblingssprecherin.

Eine Lesprobe könnt ihr auf der Seite des Luchterhand Literaturverlages finden.

*Werbung*

Seiten: 416

Herausgeber: Luchterhand Literaturverlag

Erscheinungsdatum: 22. März 2021

ISBN: 978-3630876672

Preis: 22,00 € (gebundene Ausgabe), 17,99 € (E-Book)

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