Vor Rehen wird gewarnt – Vicki Baum (Hörbuch)

»Ich kriege immer, was ich will«

Ich habe selten ein Buch erlebt, dessen Hauptcharakter (zumindest einer davon) mich so auf die Palme gebracht hat und gleichzeitig auf diese Art fasziniert hat wie es hier der Fall war. Das Buch ist auf der einen Seite unglaublich liebevoll geschrieben und auf der anderen Seite hat die Autorin es echt drauf, geringschätzig über die handelnden Personen zu erzählen, vor allem über Ann.

Ann, auch Angelina genannt, Ambros ist eine der zwei Hauptcharaktere des Buches und gleichzeitig der Hauptgrund für den Titel „ Vor Rehen wird gewarnt“. Sie ist in meinen Augen der personifizierte Teufel. Sie ist hinterlistig, berechnend und bekommt nach eigenen Aussagen immer ihren Willen, ganz egal mit welchen Mitteln. Dabei ist sie vordergründig immer sehr freundlich und liebevoll, als Leser/in bekommt man aber sehr viel von ihren niederträchtigen Gedanken mit.  „Vor Rehen wird gewarnt“ erzählt die Lebensgeschichte von Angelina, ihrer Schwester Maud, auf deren Ehemann sie es abgesehen hat und von ihrer Stieftochter Joy. Eigentlich sollte man meinen, dass diese Art Geschichte nicht spannend sein kann, denn wer möchte denn schon etwas über eine Intrigen spinnende ältere Frau lesen? Aber ich muss euch enttäuschen: Das Buch entwickelt in kürzester Zeit einen unglaublichen Sog, so dass ich es kaum geschafft habe, es nicht weiter zu hören.

Die Autorin hat alle Charaktere so dargestellt, wie sie im wahren Leben wohl auch wären, niemand ist dort schwarz oder weiß und man nimmt ihr alle Handlungen – vor allem Anns – ohne zu Zögern ab. Allerdings muss man sich ein wenig zusammenreißen beim Hören, denn während die einzelnen Personen aus verschiedenen Gründen ins Nachdenken vertieft sind, springen die Zeitebenen einfach mal so hin und her. So wie es uns im realen Leben auch geht, wenn wir in Gedanken versunken irgendwo sitzen und über Dinge nachdenken, die uns bewegen.

Die Sprecherin, Elisabeth Wicki-Endriss, liest das gesamte Buch meist ziemlich unaufgeregt, was auch perfekt zum Inhalt passt. Lediglich Anns Befindlichkeiten lässt sie schon mal etwas mehr heraus. Bisher kannte ich die Sprecherin nicht, aber ich werde zukünftig wohl gezielt nach Büchern, die sie liest, suchen.

Ich denke, dass ich unschwer verbergen kann, dass ich total angetan bin von diesem Buch. Jetzt bin ich ein wenig traurig, dass es vorbei ist und habe mir schon überlegt, dass ich irgendwann in der nächsten Zeit „Menschen im Hotel“ von Vicki Baum lesen oder hören möchte.

Mehr über dieses Hörbuch könnt ihr auf der Seite des Audio Verlages erfahren.

Die Pest – Albert Camus (Hörbuch)

Diesmal war es wohl ein Fehler das Hörbuch zu hören und nicht das Buch zu lesen. Laut meinem Hörbuchanbieter ist das Hörbuch zwar nicht gekürzt, aber es fühlt sich so an. Ich habe das Buch leider nicht im Deutschunterricht gelesen, (wie bestimmt so manch einer von Euch) daher kann ich nicht beurteilen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege.

Das Buch spielt im Jahr 1940 in einer Stadt mit dem Namen Oran in Algerien. Alles fängt an als der Hausmeister des Hauses, in dem der Arzt des Ortes  wohnt, eine verendende Ratte findet. Anfangs wird nicht ernst genommen,  dass immer mehr Ratten sterben und schließlich fällt auf, dass die Krankheit auch auf Menschen überspringt und eine Epidemie auslöst. Immer mehr Menschen sterben und man glaubt, die Pest niemals besiegen zu können.

Wie auch schon bei „Die Stadt am Ende der Welt“ bin ich fasziniert, wie recht die jeweiligen Autoren hatten, was die Verbreitung und auch der Umgang mit der Epidemie angeht. Wenn man sich mal unser aktuelles Geschehen seit Anfang des Jahres vor Augen hält, kann man so viele Parallelen finden. Wer also gerade sehr mit Corona hadert, sollte das Buch nicht lesen. Die Stimmung ist im Buch auch durchgehend düster bis hoffnungslos, also auch nichts für Menschen, die gerade nicht so gut drauf sind.

Ulrich Matthes hat großartig gelesen, so wie immer, aber ich finde, dass der Erzählstil nicht zum Gesamtbild passt. Ich gehe davon aus, dass das Hörbuch gekürzt war, denn gerade das Ende kam für mich sehr überraschend. Ich werde das Buch auf jeden Fall auf meine Leseliste nehmen, weil es mir richtig gut gefallen hat und ich daher gerne den vollständigen Text lesen würde. Der Autor hat einen Schreibstil, der mich sehr gefesselt hat. Einige Sätze hätte ich mir auch gerne angestrichen, denn es steckte so viel Wahres in ihnen.

Mein Fazit ist also: Lieber lesen als hören und sich nicht runter ziehen lassen. Es ist immer ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.  

Mehr Infos über das Hörbuch könnt ihr auf der Seite des Verlages finden und beim Rowohlt Verlag gibt es Infos über das Buch.