Verschwörung im Berlin der 1920er

Der Tod ist ein Tänzer (Die Schwarze Venus 1) Die Josephine-Baker-Verschwörung von Veronika Rusch

Als ich mich für die Leserunde bei der Büchereule angemeldet habe, kannte ich nur den Inhalt laut Klappentext. Von der Autorin hatte ich bis dahin noch nie gehört und von der Tänzerin, um die es in dem Buch geht,  kannte ich nur den Namen gehört, sonst nichts. Nach der Lektüre habe ich beschlossen, dass ich auf jeden Fall eine Biografie von Josephine Baker lesen muss und das obwohl ich eigentlich gar keine Biografien-Leserin bin.

Josephine ist Tänzerin und wirbelt mit ihrer Art zu tanzen und ihrem Wesen, das immer wieder durch ihre Tanzeinlagen durch schimmert, die Welt in den 1920ern durcheinander. Im Jahr 1925 macht sie mit ihrer Truppe in Berlin halt und lernt Tristan Nowak kennen, der für ihre Sicherheit zuständig sein soll. Warum dies so ist, ist ihr schleirhaft, denn sie hatte noch nie jemanden, der ihre Sicherheit überwacht. Im Laufe des Buches wird zumindest dem Leser/der Leserin klar, dass dies bitter nötig ist.

Ziemlich schnell ist mir klar geworden, dass sie Autorin sich eingehend mit der Person Josephine Baker auseinander gesetzt haben muss, denn sie wurde so lebensecht dargestellt, dass ich mich spontan in diese Frau schockverliebt habe und bei jeder neuen Szene total lebendige  Bilder vor Augen hatte. Mir passiert das ganz selten, dass ich nach einem Buch die weibliche Hauptperson faszinierend finde, aber hier hat die Autorin ganze Arbeit geleistet. Daher bin ich auch froh, dass es noch zwei weitere Teile geben wird.

Stellenweise wirkte die Geschichte ein wenig wie „Bodyguard“ (ihr wisst schon, der Film aus den 90ern mit Kevin Costner), was aber gar nicht gestört oder irritiert hat, weil es perfekt zur Story gepasst hat. Manchmal hätte ich sowohl Tristan als auch Josephine packen und schütteln können, denn sie haben sich manches Mal wirklich dämlich verhalten, nicht nur dem anderen gegenüber, auch sich selber gegenüber.

Mit Veronika Rusch habe ich nun eine neue Lieblingsautorin gefunden. Von den bereits erschienen Büchern reizen mich nicht alle, aber das ein oder andere werde ich mit Sicherheit noch lesen. Vor allem natürlich den zweiten und den dritten Teil der „Josephine Baker-Verschwörung“: 


„Die Spur der Grausamkeit“ – erschienen am 31. Mai 2021

„Die Dunkelheit der Welt“ – erscheint am 29. Juli 2021

Weitere Informationen über Veronika Rusch und ihre Bücher könnt ihr auf ihrer Homepage finden.

Ich danke dem Piper Verlag für die Bereitstellung des Buches. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Seiten: 496

Herausgeber: Piper Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 1. April 2021

ISBN: 978-3492062411

Preis: 12,99 € (Taschenbuch) / 9,99 € (E-Book)

Lebenstraum Buchhandlung

Ich habe „Die Buchhändlerin“ von Ines Thorn im Rahmen einer Leserunde bei der Büchereule gelesen. Es war mein erstes Buch von Ines Thorn und ich kann es euch guten Gewissens weiter empfehlen. Ich gehe sowieso davon aus, dass die meisten bereits Bücher von ihr kennen.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg möchte Christa nichts anderes als Germanistik zu studieren. Leider ist es aber so, dass Frauen an der Uni nicht anerkannt werden und außerdem ihr Vater aufgrund des Krieges verschwunden ist und ihr Onkel Martin im Gefängnis sitzt, weil er von der Nachbarin denunziert wurde. Ihr Onkel hat lange Zeit eine Buchhandlung geführt, die im Krieg enteignet wurde. Christa baut diese wieder auf und erschafft einen Wohlfühlort für bibliophile Menschen wie mich.

Die Leserin/der Leser wird zu Beginn direkt in die Handlung geworfen und bis zum Ende nicht mehr los gelassen. Ich habe jede einzelne Seite genossen und mit Christa und ihrer Familie mitgelitten und mich mit gefreut. Die Zustände im Krieg und auch in der Nachkriegszeit erschüttern mich immer wieder aufs Neue. Vor allem, dass es einfach so möglich war, dass Waisenkinder einfach so auf der Straße leben, so wie es bei Heinzchen der Fall war. Nicht nur das, auch die Entbehrungen, die die Menschen erleiden mussten und die Ängste, die sie auch nach Kriegsende noch durchleben mussten. Ines Thorn hat all das so lebendig rüber gebracht, dass ich das ein oder andere Tränchen vergossen habe.  

Den Aufbau des Bücherladens und die Ideen, die Christa dort hinein gesteckt hat, haben mir die ganze Zeit Gänsehaut geschaffen.  Nicht nur, dass es ein Wohlfühlort für Buchliebhaber ist, man trifft hier auch noch regelmäßig Gleichgesinnte. Büchereule im Real Life sozusagen. Ein kleines Extra waren hier für mich einige kleine Details über Verlage, die ich bisher noch nicht wusste.

Wenn ihr ein Buch lesen möchtet, das von Anfang bis Ende total realistisch erzählt ist und den Sog entwickelt nicht mehr aufhören zu können, seid ihr mit „ Die Buchhändlerin“ sehr gut beraten. Ihr solltet auch die Nachkriegszeit als Schauplatz mögen. Der zweite Teil „Die Buchhändlerin: Die Macht der Worte“ erscheint am 15. Februar 2022.

Eine Leseprobe findet ihr auf der Seite Rowohlt Verlages.

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Seiten: 336

Herausgeber: Rowohlt Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 23. März 2021

ISBN: 978-3499005152

Kosten: 9,99 Euro (E-Book), 16,00 Euro (Taschenbuch)

Grenzüberschreitende Mordermittlungen

Auf den Auftakt der Grenzfall-Reihe von Anna Schneider bin ich durch eine Leserunde bei der Büchereule gekommen. Anfangs gefielen mir das Buch und vor allem die Handlung sehr gut, aber nach und nach sind mir einige Dinge aufgefallen, die mir nicht so gut gefallen haben.

Am Brauneck wird zunächst ein herrenloser Rucksack gefunden. Nachdem die Ermittler vor Ort in Lenggries nach einer vermissten Person suchen, finden sie eine leblose Frau, deren Unterkörper abgetrennt wurde. Der Unterkörper wird am Achensee in Österreich gefunden. Es kommt zum ersten grenzüberschreitenden Ermittlungsfall  von Alexa Jahn und Bernhard Krammer, der den Auftakt zur Serie „Jahn und Krammer ermitteln“ bildet.

Zunächst möchte ich sagen, dass mir die Story und auch der Schreibstil sehr gut gefallen haben. Es handelt sich hier um einen Krimi, der trotz auftauchender Leichenteile nicht besonders blutrünstig ist. Zu Beginn war ich auch ziemlich begeistert, bis ich ins Innenleben der beiden Ermittler sehen konnte. Alexa ist sehr unsicher, Bernhard total negativ eingestellt. Dieses Zusammenspiel fand ich nicht so gelungen, aber ich hätte damit noch ohne Probleme leben können, wenn nicht noch eine weitere Sache aufgetaucht wäre: Alexa erwartet von ihren Mitarbeitern Teamarbeit, sie selber hat aber das meiste im Alleingang durchgeführt. Im Buch kam es so rüber, als wären ihr die Dinge spontan eingefallen und der Gedanke an eine Mitteilung an den Partner in Österreich bzw. ihren Mitarbeitern wäre ihr einfach entfallen. Das finde ich sehr schade, denn nur durch Teamarbeit ist so eine Situation meiner Meinung nach zu meistern. An den Abläufen im Buch hätte das nicht viel geändert, aber ich hätte alles besser nachvollziehen können.

Die Lösung des Falls war mir dann am Ende irgendwie zu schnell hergeleitet und auch nicht so wirklich realistisch umgesetzt, da ich den Grund für den Mord nicht so recht nachvollziehen konnte. Außerdem erwartet die Leserin bzw. den Leser am Ende noch eine Überraschung, die auf der einen Seite interessante weitere Teile verspricht, auf der anderen Seite aber dann doch ziemlich plötzlich kam und meiner Meinung nach auch nicht so nebenbei abgehandelt werden sollte, wie es hier der Fall war.

Alles in allem habe ich das Buch gern gelesen, aber ich hätte mir gewünscht, dass  die Charaktere nicht so verworren und planlos agiert hätten und dass das Ende ein wenig mehr aufgebaut worden wäre. Einen Tag nachdem ich das Buch beendet habe, überlege ich noch, ob ich den zweiten Teil lesen möchte. Ein wenig Zeit um darüber nachzudenken habe ich noch, denn er erscheint erst am 26. Januar 2022 und heißt „Grenzfall – Ihr Schrei in der Nacht“.

Wenn ihr mehr über das Buch wissen wollt, oder auch die Leseprobe lesen möchtet, findet ihr diese auf der Seite des Fischer Verlages.

*Werbung* Infos über das Buch:

Seiten: 432

Herausgeber: FISCHER Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 27. Januar 2021

ISBN: 978-3596700509

Die Auswirkungen von Abweisung

„Unter ihren Augen“ von Dorit David ist, wenn man es genau betrachtet, eigentlich gar kein Buch für mich. Ich habe es in einer Leserunde bei der Büchereule gelesen und es hat mir, obwohl ich die Charaktere nicht besonders sympathisch fand, wirklich gut gefallen.

Lieselotte (oder Lotte, wie sie von ihren Freunden genannt wird) ist Schülerin der Gymnastikschule Habenicht und stellt irgendwann fest, dass sie in ihre Lehrerin Berta Habenicht, die auch die Inhaberin der Schule ist, verliebt ist. Als sie ihr ihre Liebe gesteht, weist Berta Lotte ab und das Drama beginnt, denn es wird ein immer währender Kampf, den Lotte und Berta gegeneinander führen.

Drama deswegen, weil ich eigentlich diese Art von Verhalten gar nicht nachvollziehen kann und auch gar nicht mag. Interessant zu wissen ist hier, dass der Inhalt auf einer wahren Begebenheit beruht. Das Buch ist gespickt von Intrigen, Neid, Hass (ich glaube, so kann man es nennen) und vor allem vom Nicht-Miteinander-Reden. Die Figuren überlegen sich, was das Gegenüber vielleicht denken könnte und handeln dann dementsprechend, wie es im realen Leben auch sehr oft ist. Das macht das Buch sehr authentisch und auch spannend zu lesen, denn man weiß nie, was als nächstes passiert. Ich muss zugeben, dass ich oft weder Lotte noch Berta in ihren Handlungen so recht verstanden habe.

Ein wichtiges Thema ist für mich in dem Zusammenhang die Homosexualität. Ich habe bisher noch nie ein Buch gelesen, in dem Frauen Frauen lieben bzw. Männer Männer lieben. Es hat sich einfach nicht ergeben. Da das Buch Anfang der 1920er Jahre spielt, ist es hier natürlich ein sehr heikles Thema, über das Lotte gar nicht gern spricht und es sogar als Krankheit ansieht. Berta dagegen lebt mehr oder weniger heimlich mit ihrer Freundin zusammen. Für mich war es interessant zu erfahren, wie die Frauen damals mit ihrer Neigung umgegangen sind und welche Möglichkeiten es trotz der Umstände gab.

Gymnastik und Tanzen sind nicht gerade meine Steckenpferde, aber die Autorin hat es sehr gut verstanden, die einzelnen Unterrichtsstunden anschaulich zu beschreiben, so dass sogar ich es mir richtig gut gefallen hat. Besonders gern mochte ich den Improvisationstanz, den Lotte später auch unterrichtet.

Wenn euch die Rumzickerei und die Intrigen im Buch nicht stören, kann ich euch das Buch wärmstens ans Herz legen. Mir hat es als Gesamtbild sehr gut gefallen, vor allem der Schreibstil der Autorin.

Eine Leseprobe könnt ihr auf der Seite des Querverlags finden.

Infos zum Buch *Werbung*

Seiten: 416

Herausgeber: Querverlag

Erscheinungsdatum: 11. März 2020

ISBN: 978-3896562852

Preis: 18,00 € (Taschenbuch), 9,99 € (E-Book)