Mord unter dem Eis

Haie unter dem Eis – Kira Lunds erste Reportage (Kira Lund 1): Ein Nord-Ostsee Krimi von H. Dieter Neumann

„Haie unter dem Eis“ hat schon viel zu lange auf meinem SuB gelegen. Als das Buch im Mai 2021 erschienen ist,  litt ich an einer akuten Krimi-Übermüdung. Das hat sich mittlerweile gelegt, also habe ich es endlich gelesen.

Kira Lund, eine junge Videojournalistin, wird in die Ermittlungen bezüglich des Todes ihrer besten Freundin Carola verwickelt. Carola wurde nämlich während eines Eistauchgangs, den sie mit ihrem Mann durchgeführt hat, ermordet. Nachdem Carolas Ehemann Jesper unter Verdacht geraten ist, mischt sich Kira in den Fall ein und recherchiert mit den ihr als Journalistin zur Verfügung stehenden Mitteln auf eigene Faust. Sie kann einfach nicht glauben, dass Jesper seine Frau auf dem Gewissen hat.

Ich habe mich sehr gefreut, Helene Christ, die in der Vorgängerreihe des Autors die Hauptrolle besetzt, wieder zu treffen. Natürlich ist auch Frau Sörensen, ihre kleine Hündin, mit dabei. Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist Helene nicht sehr glücklich darüber, dass Kira nicht nur neugierige Fragen stellt, sondern sich auch noch in große Gefahr begibt indem sie Orte aufsucht, die direkt mit dem Verbrechen in Zusammenhang stehen. Ich finde, dass eine Ermittlung aus Journalistensicht mal etwas anderes ist als aus Sicht der Kommissare, die in den meisten Krimis ermitteln, die ich bisher kennen gelernt habe.

Kira erforscht das Geschehne fast auf sich allein gestellt und gegen den Willen der ermittelnden Behörden, weil diese glauben, dass Kira einfach nur eine große Story wittert und damit groß raus kommen will. Auch im Privatleben ist Kira in der Zeit, in der der Roman spielt, auf sich allein gestellt. Ihr Freund Lukas befindet sich in der Antarktis auf Forschungsreise und um die Gesundheit ihres Vaters ist es nicht gut bestellt. Dieses unfreiwillige allein sein kam in meinen Augen hier besonders zur Geltung. Ich konnte regelrecht fühlen, dass Kira zeitweise verzweifelt war.

In den Romanen, die ich bisher von H. Dieter Neumann gelesen habe, wird an Wirtschaftsthemen nicht gespart. Das ist auch hier so. Allerdings sollte dies kein Hindernis für dich sein, denn die Zusammenhänge sind so gut aufbereitet, dass sie jeder verstehen kann. Es handelt sich hier auch nicht um einen blutrünstigen Krimi, so dass selbst zarte Gemüter das Buch bedenkenlos lesen können.

Wenn dich bereits die Helene-Christ-Reihe begeistert hat, solltest du unbesorgt zuschlagen. Mir hat die Kira-Lund-Reihe sogar noch ein wenig besser gefallen. Der zweite Teil der Kira-Lund-Reihe „Todeslied“ erscheint am 28. April 2022. Der dritte Teil „Stumme Gräber“ ist für das Jahr 2024 angekündigt.

„Dunkles Wasser“ Lesung im Speicherstadtmuseum am 30. August 2019 (Gewinner des Nord Mord Award 2018)

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Seiten: 344

Herausgeber: Piper Spannungsvoll

ISBN: 978-3492504942

Preis: 11,00 € (Taschenbuch), 5,99 € (E-Book)

*Links*

H. Dieter Neumann

Piper Verlag

„Drakon – Tod unter Segeln“ von H. Dieter Neumann

*Der Autor (Quelle: Piper Verlag)*

H. Dieter Neumann, Jahrgang 1949, war Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr. Nach seinem Ausscheiden als Oberstleutnant d. R. wurde der Diplom-Finanzökonom (BI) Vertriebsleiter und Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens und schließlich Vorstand einer Dienstleistungsgenossenschaft. Danach erfüllte er sich seinen Lebenstraum, indem er einige Semester Neuere Deutsche Literatur studierte und sich ganz aufs Schreiben verlegte. Neumann hat sich der Spannungsliteratur verschrieben. Neben seinen Thrillern und Kriminalromanen hat er jedoch auch vier Sachbücher über Redewendungen veröffentlicht. Im Jahr 2018 wurde er mit dem Jurypreis des NordMordAward ausgezeichnet. Als passionierter Segler ist Neumann oft und gern auf dem Wasser. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsende Töchter und lebt in der Nähe von Flensburg auf dem Land.

Foto: © privat / Piper Verlag

Ein Fall für Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim

„Der Donnerstagsmordclub“ (Die Mordclub-Reihe # 1) von Richard Osman

Das Buch hat eindeutig zu lange auf meinem SuB gelegen! Ich habe mich auf den ersten Seiten in die vier Senioren verliebt, die eigentlich nur Cold Cases versuchen aufzuklären.

Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron leben in Coopers Chase, einer Seniorensiedlung, die sich für mich recht wohnlich anhört. Sie treffen sich immer donnerstags im Puzzle-Stübchen um alte Kriminalfälle aufzuklären. Bis Tony Curran, der Bauunternehmer, der für den Inhaber von Coopers Chase arbeitet, ermordet wird. Elizabeth, die eine findige Detektivin, die Kontakt mit nicht näher erläuterten Informationsquellen hat, trommelt die drei Mitglieder des Donnerstagsmordclubs zusammen und mischt mit ihnen bei den Ermittlungen mit.

Die Geschichte um die Morde (ja, es geschehen mehrere Mordfälle) wird in regelmäßigen Abständen von Joyces Tagebucheinträgen gewürzt. Joyce schreibt, wie ihr der Sinn steht, manchmal etwas wirr, aber genau das lockert das Buch auf. Nicht, dass es das gebraucht hätte, denn die Senioren und auch die anderen Charaktere wie DCI Chris Hudson und PC Donna De Freitas, die mit dem Fall offiziell betraut sind, haben durchaus Humor. Dieser Humor äußert sich nicht in Schenkelklopfern, sondern eher aus der Situation heraus.

Die Geschehnisse sind in der Gegenwartsform geschrieben, was mich zwischendurch immer wieder irritiert hat. Der Autor hat es außerdem gut verstanden, die Figuren so aufzubauen, dass man sie als Leser:in ins Herz schließen muss. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil, der bereits bereit liegt. Er heißt „Der Mann, der zweimal starb“.

Du magst Cozy Crimes? Du hast Humor und magst Bücher, in denen nicht nur Kommissare ermitteln, sondern auch jung gebliebene Rentner? Dann liegst du bei „Der Donnerstagsmordclub“ genau richtig. Es ist das  perfekte Buch um die Seele baumeln zu lassen, sich zurückzulehnen und sich wohl zu fühlen.

Richard Osman über „Der Donnerstagsmordclub“ (englisch)

Wenn du mehr über den Autor erfahren möchtest, kannst du dich auf der Seite des Ullstein Verlages umsehen.

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Seiten: 464

Herausgeber: List Hardcover

Erscheinungstermin: 3. Mai 2021

ISBN: 978-3471360149

Preis: 15,99 € (Paperback), 12,99 € (E-Book)

Über den Autor:

Richard Osman ist ein englischer Fernsehmoderator, Produzent und seit Neuestem auch Autor. Die Idee für seinen Krimi kam ihm, als er eine Verwandte in einer luxuriösen Seniorenresidenz besucht hat und ihm das Schlimmste zugestoßen ist, was einem modernen Menschen widerfahren kann: Er hatte keinen Handyempfang. Wer denkt da nicht sofort an Mord und Totschlag? »Der Donnerstagsmordclub« ist sein erster und bisher bester Roman.

© Penguin Books UK

Die Königin der Herzen

Diana – Königin der Herzen von Julie Heiland (Hörbuch)

Schon seit frühester Kindheit habe ich das Leben von Diana im englischen Königshaus mit verfolgt. Ich war bei meiner Oma und habe all die Klatschzeitungen gelesen, die ältere Leute so lesen. Die Diana, die hier im Buch beschrieben wird, habe ich zum größten Teil wiedererkannt.  

Diana ist schon seit sie ein junges Mädchen ist in den 13 Jahre älteren Prince of Wales verliebt. Erst war es nur Schwärmerei, aber als sie ihm persönlich vorgestellt wird, reift im Königshaus der Plan sie mit Charles zu verheiraten. Er benötigt dringend eine blütenweiße und unschuldige Ehefrau und sie sieht ihren lang gehegten Traum erfüllt. Leider kommt alles anders als man es sich erhofft hat. Diana wird in der Königsfamilie nicht akzeptiert und auch Charles wendet sich lieber anderen Dingen und Menschen zu als seiner Ehefrau.

Das ganze Buch über hatte ich das Gefühl, dass Diana gar nicht so recht wusste, was von ihr verlangt wurde. Einiges ging ihr mit Sicherheit gegen den Strich, aber sie hat einfach keinen Sinn darin gesehen das Protokoll zu befolgen. Ich konnte sie nur bedingt verstehen. Dass  man in eine Königsfamilie einheiratet und trotzdem alles wie bisher läuft ist nun einfach ein Trugschluss. Ich glaube, dass Charles dachte, Diana wäre leichter zu beeinflussen. Ich glaube, wenn die beiden mehr miteinander geredet hätten, hätte aus dieser Ehe eine sehr vertrauensvolle Beziehung werden können, denn Charles war im Grunde auch total unzufrieden damit, dass er nicht er selbst sein konnte. Ich weiß immer noch genau wie erschüttert ich war, als ich von Dianas Tod hörte. Sie war für mich zwar nicht die Königin der Herzen, aber ich finde, man hat schon bemerkt, dass sie rundum unzufrieden und unglücklich mit ihrem Leben war. Ein wenig genervt hat mich Dianas Art sich immer als Opfer zu sehen. Ob sie wirklich so war, mag ich nicht beurteilen. Ich fand es jedenfalls sehr befremdlich, da sie immer erst nach einem Stups von irgendwem festgestellt hat, dass sie ihren Traum lebt. Ich denke, dass ein wenig Anpassung, natürlich ohne sich selber zu verleugnen, ihr auch mehr Akzeptanz in der Königsfamilie eingebracht hätte.

Die Sprecherin, Christiane Marx, hat ihre Sache sehr gut gemacht. Ich war die ganze Zeit über mitten im Geschehen und habe auch ab und an mal ein Tränchen vergossen, wenn Diana enttäuscht wurde oder aus andern Gründen traurig war. Sie hat einfach so viel Gefühl in ihren Vortrag gelegt, dass ich mitgerissen wurde.

Von mir gibt es eine unbedingte Lese-/Hörempfehlung für Menschen, die ein Faible für das britische Königshaus haben und dazu noch mit Prinzessin Diana etwas anfangen können.

Ich habe das Buch von Netgalley zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank dafür!

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Spieldauer: 14 Stunden, 47 Minuten

Erscheinungsdatum: 29.11.2021

Verlag: Hörbuch Hamburg

ASIN: B09LHYKF9K

Preis: 23,23 €

Weiterführende Links:

Autorinnenseite

Ullstein Verlag incl. Leseprobe

Hörbuch Hamburg incl. Hörprobe

Zypern, ein Feigenbaum und die große Liebe

Das Flüstern der Feigenbäume von Elif Shafak

Bisher habe nur zwei Bücher von Elif Shafak gelesen und da ich beide in sehr guter Erinnerung hatte, habe ich mich total gefreut, dass Netgalley mir „Das Flüstern der Feigenbäume“ als Hörbuch bereit gestellt hat.

Im Jahr 1974 wird der Norden der Insel Zypern von türkischen Streitkräften besetzt. Es herrscht ein nicht vorstellbarer Ausnahmezustand. Es ist auch genau die Zeit, in der Kostas und Defne sich kennen- und lieben lernen. „Das Flüstern der Feigenbäume“ erzählt die Geschichte der beiden.

Mir fällt es gar nicht so leicht meine Begeisterung für das Buch in Worte zu transportieren, denn es ist auf viele Arten besonders. Nicht nur, weil eine der Erzählstimmen der weibliche Feigenbaum aus der Taverne „Zur glücklichen Feige“ ist, in der Kostas und Defne sich heimlich getroffen haben, sondern auch, weil diese Feige so liebevoll von der Natur spricht und sie dem den Leser:innen des Buches näher bringt. Aus den Worten der Feige ist fast alles, was sie sagt eine Liebeserklärung an die Natur. Ich habe mich während des Hörens öfter gefragt, ob die Autorin sich das Wissen nur für das Buch angeeignet hat oder ob sie grundsätzlich ein Mensch ist, der die Natur liebt. Ich tendiere zum zweiten.

Das Buch spielt in mehreren Zeitebenen, einmal im Jahr 1974, dann Anfang der 2000er Jahre und Ende der 2010er Jahre. Sie haben alle ihre Daseinsberechtigung, denn ohne die eine Zeitebene versteht man die andere nicht. Obwohl die Figuren oftmals aus verschiedenen Gründen hoffnungslos waren, hat die Autorin es jederzeit geschafft, Hoffnung und Zuversicht bei mir aufkommen zu lassen.

Was es mit dem sprechenden Feigenbaum auf sich hat, erfährt man erst ganz am Ende. Daher solltest du auf jeden Fall das ganze Buch genießen.

Eva Mattes hat sehr viel Liebe in die Stimme des Feigenbaums gelegt und Joachim Schönfeld hat mich sehr oft an einem meiner Lieblingssprecher, Mattias Lühn, erinnert. Es war eine sehr große Freude dieses Hörbuch zu hören.

Das Hörbuch wurde mir von Netgalley zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Wenn du mehr über das Buch erfahren möchtest, kannst du einfach die Seite des Kein & Aber Verlages besuchen. Dort findest du auch eine Leseprobe. Auf der Homepage von Elif Shafak findest du mehr Infos über die Autorin und ihre Werke (auf Englisch).

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Seiten: 448

Herausgeber: Kein & Aber

Originaltitel: The Island of Missing Trees

Erscheinungstermin: 5. Oktober 2021

ISBN: 978-3036958637

Preis: 25,00 € (gebundenes Buch), 19,99 € (E-Book)

Ein Buch über Tote

Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch (DIe Totengräber-Serie # 1)

Ich habe vor vielen Jahren die Henker-Reihe von Oliver Pötzsch angefangen zu lesen, diese aber dann wieder aus den Augen verloren. Nun wurde ich auf „Das Buch des Totengräbers“ hingewiesen und siehe da, der Klappentext hat mir total gut gefallen.

Leopold von Herzfeldt kommt als junger Inspektor nach Berlin und führt sich schon vor seinem ersten Mordfall ziemlich überheblich und besserwisserisch auf. Man kann sich ja schon vorstellen, dass er an seinem Arbeitsort dadurch keinen guten Start hat. Er ermittelt in mehreren Fällen, in denen junge Frauen ermordet und mit Pfählen aufgespießt werden und lernt bei den Ermittlungen den Totenträber Augustin Rothmayer kennen, der sich für Leos Begriffe zu viel in die Ermittlungen einmischt.

Was für ein großartiger erster Fall! Meine unumstrittene Lieblingsfigur war der Totengräber. Pötzsch stellt ihn mit einem österreichischen Akzent und etwas bollerig dar. Allerdings kommt Rothmeyer nur ein wenig einfältig rüber, denn eigentlich schreibt er an einem fiktiven Almanach über den biologischen Ablauf von Verwesung als Folge von verschiedenen Todesarten. Leo hingegen wurde zwar auf eine Art arrogant dargestellt, aber als Leser:in wusste man, dass er nicht arrogant ist. Er ist einfach einer von der schnellen und korrekten Sorte.

Der Fall an sich war nicht so besonders spektakulär und auch nicht ausufernd blutig dargestellt. Es wurde zwar erwähnt, wie die Leichen ausgesehen haben, aber nicht effektheischend wie man es von Thrillern beispielsweise kennt. Ich würde „Das Buch des Totengräbers“ als unblutigen Krimi bezeichnen. Allerdings beschreibt der Almanach Verwesungsvorgänge etwas genauer. Ich fand es aber nicht besonders eklig, sondern eher neutral beschrieben.

Wer  gerne Reihen Krimis mit skurrilen Charakteren liest, kann „Das Buch des Totengräbers“ Buch schon mal auf seinen Wunschzettel schreiben. Der zweite Teil „Das Mädchen und der Totengräber“ erscheint am 31.03.2022 beim Ullstein Verlag.  

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, seht euch auf der Seite des Ullstein Verlages oder direkt bei Oliver Pötzsch um.

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Seitenzahl: 448

Herausgeber: Ullstein Paperback

Erscheinungsdatum: 31. Mai 2021

ISBN: 978-3864931666

Preis: 16,99 € (Paperback), 13,99 € (E-Book)

Kurze Geschichten in japanischem Stil

Erste Person Singular von Haruki Murakami

Obwohl mich eigentlich die Kultur und Lebensweise Japans gar nicht so recht interessiert, habe ich ein Faible für Haruki Murakami. Ich mag seine Art zu denken und sich auszudrücken. Begonnen hat es mit „Naokos Lächeln“ und „Kafka am Strand“. Daher durfte auch seine Kurzgeschichtensammlung (ich mag eigentlich gar keine Kurzgeschichten!) nicht fehlen.

Haruki Murakami erzählt in „Erste Person Singular“ aus seinem Leben. Aber er erzählt nicht einfach so, wie es bei andern Autoren der Fall ist, nein, Murakami lässt viel von seinen skurrilen Ideen einfließen. Beispielsweise erzählt er von einem schönen Abend mit Bier und Crackern mit einem sprechenden Affen. Manch einer mag seine Geschichten abgehoben und sperrig finden, aber ich liebe sie einfach. Inwieweit die Geschichten Wahres über ihn enthalten, kann man nur raten, aber genau das macht das Buch für mich aus. Murakami erzählt bei jeder einzelnen Kurzgeschichte sehr respektvoll und freundlich über die Personen, die darin vorkommen, auch wenn sie ihm vielleicht nicht gerade wohlgesonnen waren.

Der Sprecher, Frank Arnold, den ich durch die Luc-Verlain-Bücher lieben gelernt habe, bringt die Kurzgeschichten einfach perfekt rüber. Ich liebe seine Stimme und zeitweise hatte ich das Gefühl, Murakami selbst liest mir vor, so viel Gefühl lag darin.

Wer Murakami kennt und mag, weiß worauf er sich da einlässt und denjenigen kann ich das Buch wärmstens empfehlen, sehr gerne als Hörbuch, denn ich glaube, die Vertonung hat dem Buch gut getan. Wer Murakami noch nicht kennt, sollte erst mal in die Leseprobe schauen.

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren wollt, guckt doch mal auf der Seite vom Hörbuchverlag Hamburg vorbei. Dort gibt es auch eine Hörprobe.

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Spieldauer: 4 Stunden 49 Minuten

Erscheinungsdatum: 26. Januar 2021

ASIN: B08R6BR1F8

Kosten: 18,95 €

Ein Leben nach deinen Wünschen

Was für ein großartiges Hörbuch! Ich wusste nicht so recht, was mich erwartet, als ich damit begonnen habe, aber es hat mich ziemlich schnell in seinen Bann gezogen.

Nora möchte nicht mehr leben, weil in ihren Augen alles an ihrem Leben schlecht ist. Sie bereut viele Entscheidungen und glaubt, dass andere Menschen alles besser gemacht haben. Sie ist mit ihrem Bruder verstritten, hat den Kontakt zu ihrer besten und einzigen Freundin verloren und weiß nicht weiter. Nachdem sie ihr Leben beendet hat, landet sie plötzlich in der Mitternachtsbibiliothek, mit der sie erst mal nicht viel anfangen kann. Es handelt sich hier um eine Art Knoten zu den alternativen Leben, die sie in anderen Universen gelebt hat, in denen sie andere Entscheidungen getroffen hat. Nora bekommt die Möglichkeit sich auszusuchen, welche Entscheidung sie anders trifft und sich ihr Leben mit dieser Entscheidung anzusehen. Nach und nach bemerkt sie, dass sie eigentlich gar nicht so viel zu bereuen hat.

Nora springt von Leben zu Leben. Das war schon ganz amüsant, manchmal auch traurig zu hören. Matt Haig hat sich eine Vielzahl von oberflächlich betrachtet tollen Leben überlegt. Als Leser*in bzw. Hörer*in ist das recht kurzweilig. Es sind aber sehr viele wichtige Botschaften in dem Buch enthalten, z. B. dass Geld und Ruhm nicht wichtig sind und Ähnliches. Niemand doziert hier mit erhobenem Zeigefinger, denn Nora findet das alles selber heraus. Es ist auf eine Art ein Buch über Selbstfindung.

Annette Frier hat das Buch sehr angenehm gelesen und mich dazu animiert immer weiter zu hören. Sie hat eine angenehme Stimme und bringt auch die Figuren glaubhaft herüber.

Das Hörbuch wurde mir von Netgalley und dem Argon Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren möchtet oder in die Hörprobe hören wollt, könnt ihr euch auf der Seite Argon Hörbuch umsehen.

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Dauer: 8 Stunden, 21 Minuten

Sprecherin: Annette Frier

Erscheinungsdatum: 1. Februar 2021

Verlag: Argon Verlag

ASIN: B08RYXNK2S

Preis: 14,85 € (oder im Audble-Abo)

Brown Babies

Ich bin völlig unvoreingenommen an „Stay away from Gretchen“ von Susanne Abel gegangen und war völlig überwältigt, weil das Buch in mir so viele Gefühle ausgelöst hat. Es geht hier nicht nur um eine Lovestory, die einem das Herz zerreißt, sondern um einiges mehr.

Greta und ihr Sohn Tom leben in Köln, Tom ist Nachrichtenmoderator und hat eigentlich gar nicht viel Zeit für seine 84jährige Mutter. Doch eines Tages wird ihm klar: Seine Mam hat Demenz. Anfangs äußert es sich gar nicht so offensichtlich, aber nach und nach kommt zutage, was in Gretas Kopf so los ist. Tom merkt, dass Greta ihm seine Halbschwester Marie verschwiegen hat.

Susanne Abel ist da ein ganz tolles Buch gelungen. Zu Beginn des Buches, in der Zeit, die wir Deutschen lieber vergessen möchten, befindet sich Deutschland im Nazirausch. Greta ist total dabei und ruft Parolen, marschiert mit und wünscht sich nichts lieber als den Führer kennen zu lernen und ihm zu dienen. Das hat mich schon mal völlig umgehauen. Ich habe zwar schon viele Bücher, die in der Zeit spielen, gelesen, aber noch nie wirklich diesen Enthusiasmus transportiert bekommen. Als Greta den GI Bobby kennen lernt, wird das Buch von Liebe durchflutet, anders kann ich es nicht beschreiben. Es war einfach so liebevoll geschrieben, dass ich auch ein wenig in Bobby verliebt war und jede einzelne Sekunde mitgefühlt habe. Alle weiteren Begebenheiten haben ich weinen, fluchen oder auch grinsen lassen.

Die zwei Zeitebenen nehmen ungefähr gleich viel Raum ein, wobei mir die Vergangenheit ein wenig besser gefallen hat. Ich fand Tom anfangs ziemlich oberflächlich und egoistisch, aber auch er hat sich, wie alle anderen Charaktere, im Laufe des Buches weiter entwickelt.

Eins der für mich wichtigsten Inhalte des Buches ist der Brown Baby Plan. Die Journalistin Mabel Grammer hat diesen Plan ins Leben gerufen um die „Brown Babies“ in die USA zu bringen und dort von afroamerikanischen Familien adoptieren zu lassen. Dieses Thema fand ich sehr interessant, weil ich bisher noch nie Berührung damit hatte, wie diese Kinder und auch deren Mütter im Nachkriegsdeutschland behandelt wurden. Wenn ihr euch für dieses Thema interessiert, könnt ihr euch diesen Artikel der NY Times durchlesen (auf englisch).

Mich hat das Buch sehr berührt, nicht nur wegen der Lovestory, sondern vor allem aufgrund der anderen Themen, die mir zum Teil unbekannt waren. Ich hoffe sehr, dass das Buch sehr viele Leser/innen findet und dass Susanne Abel noch weitere Bücher schreibt.

Eine Leseprobe findet ihr auf der Seite des dtv Verlages. Das Buch wurde mir vom Verlag und Netgalley zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Infos über das Buch *Werbung*

Seiten: 528

Herausgeber: dtv Verlagsgesellschaft

Erscheinungsdatum: 18. März 2021

ISBN: 978-3423282598

Preis: 20 € (Hardcover), 16,99 € (E-Book)

Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende – Kathrin Tordasi

Warum hat das Buch eigentlich so lange auf meinem virtuellen SuB gelegen? Kaum hatte ich den Prolog gelesen, war ich auch schon mittendrin in der Geschichte,  inklusive wunderbarem Kopfkino.

Die Geschichte beginnt in Wales, wo Portia ihre Ferien bei ihrer Tante und deren Lebensgefährtin verbringt. Eines Tages kommt ein seltsamer Fuchs ins Arbeitszimmer der Tante und scheint etwas zu suchen. Portia folgt ihm und gelangt in das Feenreich. Allerdings hat sie mit der Öffnung der Tür auch den Grauen König geweckt, der im Niemandsland zwischen der Menschenwelt und dem Feenreich sein Unwesen treibt. Als ihre Tante Rose ihr folgt und auch noch Ben, einen Jungen aus dem Ort, im Gepäck hat, verschlägt es sie alle drei in eine zauberhafte und waghalsige Rettungsaktion, denn der Graue König muss aus dem Verkehr gezogen werden, damit er nicht großes Unheil über die Menschenwelt und das Feenreich bringt.

Dieses Buch beinhaltet alles, was man sich von einem Jugendroman, der in einer Fantasiewelt spielt, erhofft. Nicht nur Bösewichte, die kinder- und jugendgerecht böse gestaltet sind, sondern auch total bezaubernde Wesen wie Gestaltwandler, Feen und sonstige Fantasiewesen. Die Figuren, die mit Portia und Ben unterwegs sind, haben sofort mein Herz gewonnen. Die Geschichte spielt in Conwy und die Beschreibung der Umgebung hat in mir sofort Fernweh ausgelöst.

Die Geschichte ist gut durchdacht, aber auch relativ leicht zu durchschauen. Das hat das Buch für mich aber nicht weniger lesenswert gemacht, denn es war ja von Beginn an klar, dass es sich um ein Kinder- bzw. Jugendbuch handelt.

Für alle, die gerne mal in ganz fremde und zauberhafte Welten abtauchen möchten und sich in einer Geschichte wohl fühlen möchten, ist „Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende“ genau das richtige. Es ist im Übrigen der Debütroman der Autorin. Ich hoffe, dass noch mehr schöne Bücher von ihr folgen.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, guckt euch mal auf der Seite des Verlages um. Dort gibt es auch eine Leseprobe.

Das Buch wurde mir von Netgalley und den Fischer Verlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Der Moment zwischen den Zeiten – Marta Oriols

„Der Moment zwischen den Zeiten“ war für mich ein ganz besonderes Buch. Ich wollte eigentlich nichts lesen, was mich traurig macht zwischen den Feiertagen, aber dann hat es mich doch irgendwie angezogen. Ich habe es nicht bereut. Es gehört auf den letzten Drücker noch zu den Jahreshighlights in 2020.

In Paulas und Mauros Beziehung läuft es schon länger nicht mehr so richtig rund. Dann beichtet er ihr, dass er sie für eine Jüngere verlässt, doch am gleichen Tag stirbt er bei einem Verkehrsunfall. Paula muss nun ihr Leben mit dem Wissen, dass sie wohl doch nicht die richtige Frau für ihn war und dem Wissen, dass sie sich nicht liebevoll nach ihrem letzten Treffen verabschiedet haben, weiterleben. Dies wirft natürlich nicht nur Schuldgefühle auf, sondern auch Wut und Verzweiflung.

„Der Moment zwischen den Zeiten“ passt meiner Meinung nach perfekt zum Buch, denn Mauro befand sich zum Zeitpunkt seines Todes zwischen der Beendigung seiner alten Beziehung und dem offiziellen Beginn seiner neuen Beziehung. Für Paula ist es die Zeit zwischen der langjährigen Lebensgefährtin und der verlassenen Frau. Alles in dem Buch dreht sich um „vorher“ und „danach“, was meiner Meinung nach total gelungen umgesetzt wurde, denn Paula erzählt immer von der Gegenwart um dann in die Vergangenheit abzudriften und dem Leser bzw. der Leserin von ihrem Leben zu erzählen. Dadurch kam bei mir total Verständnis dafür auf, dass Paula handelt wie sie handelt, obwohl ich ihr manchmal sehr gerne ins Gewissen geredet hätte.  In manchen Kapiteln redet sie direkt mit Mauro und man spürt, dass sie hin und her gerissen ist zwischen Schuldgefühlen, Verzweiflung, Wut und Trauer. Dabei ist das Buch niemals kitschig, denn die Gedanken Paulas sind nie oberflächlich. Die Autorin wirft den Leser/die Leserin einfach so in das Gefühlschaos, in dem Paula sich befindet und das ist auch genau richtig, denn es macht das Buch sehr authentisch. Das Ende hat mir besonders gut gefallen, weil es Hoffnung gibt.

Ich würde mir sehr wünschen mehr von Marta Orriols zu lesen. „Der Moment zwischen den Zeiten“ ist ihr erster Roman. Wenn dem noch mehr solcher gefühlvollen Bücher folgen, werde ich mit Sicherheit ein sehr großer Fan von ihr werden.

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Lest unbeding mal in die Leseprobe, die ihr auf der Homepage des dtv Verlages finden könnt.

Ich danke Netgalley und dem Verlag für die zur Verfügungstellung des Leseexemplars. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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