Jugend in den 80ern

Von „Hard Land“ war ich positiv überrascht. Ich mag es immer, wenn Bücher aus der Perspektive des Erzählenden geschrieben sind und das war hier so. Das Buch hat mich ein wenig in meine Kindheit zurück versetzt, denn ich ungefähr so alt wie der Protagonist.

Sam Turner ist 16 als sein ganzes Leben sich verändert. Er ist eher der Typ Außenseiter, dazu noch ängstlich und nicht gerade ein Kerl wie ein Baum. „Hard Land“ schildert, wie er eher zufällig in eine Clique gerät, von ihnen nach und nach akzeptiert und auf deren eigene Art geliebt wird. Sam wird nach einem Schicksalsschlag und nach diesem einen Sommer erwachsen und findet nach und nach raus wer er wirklich ist. 

Benedict Wells hat die Charaktere sehr liebevoll beschrieben, es war fast so als würde er sie persönlich kennen und hätte eine reale Vorlage vor Augen gehabt.  Anfangs hält Sam seine späteren Freunde für coole Kids, die keine Probleme haben und sich ihrer selber immer sicher sind. Nach und nach stellt sich heraus, dass es ganz und gar nicht so ist und dass er sogar recht gut in diese Gruppe passt. Jeder Freund aus Sams Clique hat eine andere Eigenart, die ich im Zusammenspiel mit dem Charakter total liebenswert fand. Es finden sich immer wieder liebevolle kleine Details im Buch, beispielsweise das Bruce-Mobil, das ist das Auto, in dem nur Songs von Bruce Springsteen gespielt werden dürfen.

Es war trotz einiger schwieriger  und auch trauriger Themen ein totales Wohlfühlbuch für mich. Was es mit dem Titel des Buches auf sich hat, erfährt man allerdings erst ganz am Ende und stellt dann fest, dass dieser Titel perfekt zum Buch passt. Ich mochte die warmherzige Art, in der Benedict Wells erzählt. Dabei hat er Sam immer wieder selbstironische Sätze in den Mund gelegt, so dass ich sehr oft  schmunzeln musste.

Für einen entspanntes Wochenende auf der Couch oder im Garten ist „Hard Land“ genau das richtige Buch. Eine Leseprobe findet ihr auf der Seite des Verlages.

Informationen zum Buch *Werbung*

Seiten: 352

Verlag: Diogenes

Erscheinungstermin: 24. Februar 2021

ISBN: 978-3257071481

Preis: 24,00 € (gebundenes Buch)

Mord im idyllischen St-Peter-Ording

Ich habe wirklich lange keinen Krimi mehr gelesen und als ich gefragt wurde, ob ich bei der Blogtour des ersten Buches von Svea Jensen mitmachen möchte, musste ich einfach zusagen. Schon der Klappentext hat mich total angesprochen. „Nordwesttod“ ist der erste Teil einer neuen Reihe. Der zweite Teil „Nordwestzorn“ erscheint schon im Mai 2021.

Hendrik Norberg hat sich nach St. Peter-Ording versetzen lassen, weil seine Frau verstorben ist und er sich mehr um seine beiden Jungs kümmern möchte. Er wird dort der neue Dienststellenleiter der Polizeistation und trifft auf Anna Wagner, die nach ihrer Scheidung nach St. Peter Ording versetzt wurde. Der erste Fall scheint erst mal gar kein erster Fall zu sein. Die junge Umweltaktivistin Nina Brechtmann ist nicht aus dem Urlaub zurück gekehrt und wird eigentlich nur von ihren Kollegen vermisst. Sie ist ein stiller und zurückhaltender Typ, der nichts aus dem Privatleben erzählt, daher sind die Ermittlungen nicht ganz so einfach für das neue Team.

Direkt mit dem Prolog steigt man auch in das Geschehen ein. Obwohl es in dem Buch mehrere Tote gibt, ist es nicht blutrünstig geschrieben, eher gemächlich und entspannt. Ich habe sogar zeitweise fast vergessen, dass es sich um einen Krimi handelt. Sowas gefällt mir wirklich gut, denn viele Krimis oder Thriller sind nur auf die Ermittlungen fokussiert, was auch Spaß machen kann, mich aber auf Dauer nicht glücklich macht. Hier wird einiges an Drumherum zu den Haupt- und Nebencharakteren erzählt, so dass man sie gut kennenlernen kann. Gleichzeitig ist diese Hintergrundinformation natürlich die perfekte Grundlage um eine mehrteilige Reihe aufzubauen. Obwohl viele Personen vorkommen, wird es nicht unübersichtlich, weil jeder von den Charakteren behutsam eingeführt wird und nicht zu viele Infos auf einmal erzählt werden, die dazu noch gut dosiert preis gegeben werden. Sehr oft geschieht dies in Rückblicken. Mir hat diese Vorgehensweise richtig gut gefallen. Liebevolle kleine Details machen das Buch zu einem herzerwärmenden Leseerlebnis, das man nicht so schnell beenden möchte. Um die Spannung zu erhalten, wurden kurze Kapitel gewählt, die immer wieder an verschiedenen Schauplätzen spielen.

Aufgrund der Beschreibungen der verschiedenen Orte hatte ich leider ich das ganze Buch über Meerweh, das auch noch eine ganze Weile angehalten hat. St. Peter-Ording kenne ich nicht, aber ich glaube, dass ich es demnächst kennen lernen möchte, denn es klingt nach Ruhe, Erholung und ursprünglicher Natur.  

Wenn ihr es mögt, nicht durch ein Buch zu jagen, sondern gemächlich hindurch zu gehen und zu genießen, kann ich euch das Buch sehr ans Herz legen. Eine Leseprobe findet ihr hier. Das Buch wurde auch als Hörbuch mit Julia Nachtmann als Sprecherin vertont.  

Sonnenuntergang am Wattenmeer in St. Peter-Ording
Bild von Poochy auf Pixabay

Ein wichtiges Thema des Buches ist das Thema Umweltschutz, denn Nina Brechtmann ist nicht nur Umweltaktivistin, sondern auch die Tochter einer Hoteliersfamilie. Wie man sich vorstellen kann, ist dies keine einfache Situation für alle Beteiligten.

In St. Peter-Ording gibt es eine Organisation mit dem Namen „Schutzstation Wattenmeer“. Diese Organisation betreut den Nationalpark Wattenmeer, kümmert sich unter anderem um die Dünen und um weitere Forschungs- und Naturschutzaufgaben. Die Nationalparks Wattenmeer, die unter anderem auch in Niedersachsen und Hamburg bestehen, schützen die Natur vor menschlicher Nutzung und ermöglichen Naturerlebnisse für die Besucher.

In St. Peter-Ording kommt ein Großteil des Umsatzes aus dem Tourismus, das bedeutet, dass ein stabiles Gleichgewicht zwischen Umweltschutz und Tourismus geschaffen werden muss. Um dies zu gewährleisten, wurde bereits im Jahr 1999 ein „Bescheid zur Sondernutzung des Meeresstrandes“ zwischen der Nationalparkverwaltung und der Gemeinde St. Peter-Ording abgeschlossen. Dieser wurde im Oktober 2020 erneuert und regelt beispielsweise das Befahren des Strandes mit Autos, das Parken oder Bohlenwege für Fahrräder, da dies sowohl durch das Nationalparkgesetz als auch durch das Landesnaturschutzgesetz ausgeschlossen wird. Aus diesem Grund wurden diese Sonderregelungen als Kompromiss getroffen.

Grundsätzlich können die Touristen auch ihren Beitrag zum Umweltschutz in St. Peter-Ording leisten, indem sie sich nachhaltig innerhalb des Ortes fortbewegen, beispielsweise per ÖPNV, per Rad oder zu Fuß und nach nachhaltigen Hotelangeboten Ausschau halten. Dies ist vielleicht etwas teurer, aber es erhält St. Peter-Ording als lebenswerten Ort für die Anwohner und als liebenswerten Ort für Touristen.  Jeder kann seinen Teil dazu beitragen.

Autorenfoto von Svea Jensen
Svea Jensen ©Maya Meiners fotografie

Informationen zum Buch *Werbung*

Seiten: 416 Seiten

Verlag: HarperCollins

Erscheinungsdatum: 16. Februar 2021

ISBN: 978-3749900039

Preis: 12,00 € (Taschenbuch)

Die Blogtour hat folgende Stationen:

16.02.2021 Frau Goethe liest

17.02.2021 Lesenswertes aus dem Bücherhaus

18.02.2021 Janakas Buchblog

19.02.2021 Krimi und Keks

20.02.2021 Kunterbunte Bücherreisen

21.02.2021 Susannes Bücherwelt

22.02.2021 Eulenmatz liest

Briefe an Kafka

Als ich 2010 das erste Mal in Prag und damit auch im Kafka-Museum war, hat mich die gesamte Ausstellung total fasziniert. Aus diesem Grund musste ich unbedingt „Milena und die Briefe der Liebe“ von Stephanie Schuster lesen. Nun bin ich nicht nur fasziniert von Franz Kafka, sondern auch noch von Milena Jesenská.

Das Buch beginnt im Jahr 1916 als Milena ihren zukünftigen Ehemann Ernst Pollak, einen österreichischen Literaturkritiker und -agent im Staatstheater kennen lernt. Sie verlieben sich ineinander, dürfen aber nicht zusammen sein. Gleichzeitig lernt Milena Schriftsteller wie Max Brod oder eben jenen Franz Kafka kennen, als sie zusammen mit Ernst im Café Arco über Literatur sinniert. Nachdem Ernst sie, eher aus Vernuftsgründen als aus Liebe, heiratet, ziehen sie zusammen nach Wien. Dort beginnt auch die Brieffreundschaft zwischen Milena und Franz,  die sich später zu einer seltsamen Art Liebe entwickelt.

Ich hatte keine Sekunde das Gefühl mit den Personen oder mit dem Buch zu fremdeln. Obwohl ich mich nicht wirklich mit Kafka oder den Leuten um ihn herum beschäftigt habe, fühlte ich mich direkt mitten drin und als würde ich sie alle beschriebenen Personen persönlich kennen. Kafkas Lebensgeschichte kennen die meisten Menschen zumindest ansatzweise, daher finde ich es umso besser, dass nun ein Buch als leicht zugängliche Geschichte geschrieben wurde, das Milena gerecht wird. Ich hätte sehr gerne ein ausführlicheres Buch über sie gelesen. Obwohl aus den Briefen von Kafka an Milena nur Bruchstücke im Buch enthalten sind, hat die Autorin es ausgezeichnet verstanden, Milenas Gefühle für Franz darzustellen. Nicht nur die schönen Gefühle, wie man meinen sollte, wenn man den Klappentext liest, auch das genervt sein, weil er mal wieder etwas verkomplizierte oder wenn er wegen etwas unentschlossen war.

Milena Jesenská war nicht nur Journalistin, sondern auch eine Kämpferin für Demokratie und für Menschenrechte. Sie starb im Jahr 1944 im KZ Ravensbrück. Nach ihrem Tod wurde ihr der Tomás-Garrigue-Masaryk-Orden verliehen. Sie ist außerdem diejenige, die es ermöglichte, dass Kafkas unveröffentlichte Geschichten und seine Tagebücher heute noch öffentlich bekannt sind, denn entgegen seinem letzten Willen unveröffentlichte Dinge zu vernichten, übergab sie alles Max Brod, der diese dann veröffentlichte.  

Bild von Denis Poltoradnev auf Pixabay

„Milena und die Briefe der Liebe“ ist Teil 3 der Reihe „Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe“ vom Aufbau Verlag. Dies sind die Teile in der richtigen Reihenfolge:

1. George Sand und die Sprache der Liebe – Beate Rygiert (Frédéric Chopin)

2. Die Pianistin: Clara Schumann und die Musik der Liebe – Beate Rygiert (Robert Schumann)

3. Milena und die Briefe der Liebe – Stephanie Schuster (Franz Kafka)

4. Die Rebellin – Thérèse Lambert (Rainer Maria Rilke)

5. Die Bildhauerin – Pia Rosenberger (Auguste Rodin) – erscheint am 12. April 2021

6. Frau von Goethe – Beate Rygiert (Johann Wolfgang von Goethe) – erscheint am 16. August 2021

Über das Buch *Werbung*

Seiten: 368

Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag

Erscheinungsdatum: 10. November 2020

ISBN: 978-3746635934

Preis: 12,99 € (E-Book: 9,99 €)

Das Ende der Stummfilm Ära

Der zweite Teil der Gereon-Rath-Reihe hat mir sogar noch besser gefallen als der erste Teil. Endlich habe ich eine neue Reihe gefunden, die ich mit Vergnügen höre. Und das Beste daran: Ich habe noch sechs Teile vor mir.

In „Der stumme Tod“ hat es Gereon Rath mit einer ermordeten Stummfilmschauspielerin zu tun. Während der Dreharbeiten wird die Schauspielerin Betty Winter von einem herabfallenden Scheinwerfer getötet. Während Gereon noch weitere Baustellen hat, sterben weitere Schauspielerinnen. Allen werden die Stimmbänder entnommen, was schon relativ früh auf einen Täter hinweist, der den neuartigen Tonfilm nicht gutheißt. Gereons Vater zwingt ihm zeitgleich als Gefälligkeit für den späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer auf, einen Erpressungsfall aufdecken, der dem damaligen Oberbürgermeister von Köln sehr schaden würde, wenn er nicht unterbunden werden würde.

Wie schon im ersten Teil hat mir der Charakter von Gereon Rath richtig gut gefallen. Er ist aufbrausend, direkt und hat das Talent sich immer in scheinbar aussichtslose Situationen zu manövrieren. Manchmal hätte ich ihn schütteln können, weil es absehbar war, dass es einfach nicht gutgehen kann, was er gerade plant. Mir gefällt das gemächliche Tempo, in dem Volker Kutscher erzählt, richtig gut. Ich mag es, wenn nicht immer hin und her gehetzt wird und man viel über die Protagonisten erfährt. Hier erfährt man in kleinen Häppchen immer mehr über die Beziehung zwischen Gereon und seinen Eltern. Außerdem kommen einige historische Personen im Buch vor, unter anderem der weiter oben erwähnte Konrad Adenauer, Ernst Gennat (Beamter der Berliner Kriminalpolizei in Preußen) oder der Berliner Polizeipräsident Karl Friedrich Zörgiebel. Die Spielorte wie die Rote Burg (das Polizeipräsidium am Alexanderplatz) oder das Aschinger (Restaurant) sind ebenfalls reale Orte.

In den späten 1920er Jahren löste der Stummfilm den Tonfilm ab. Stummfilme zeichnen sich dadurch aus, dass einzelne erklärende Sätze zwischen den einzelnen Szenen eingeblendet werden und der gesamte Film mit manchmal eigens dafür komponierter Musik hinterlegt ist. Wenn man sich mal so einen Film ansieht, merkt man schnell, dass diese Filme genauso ausdrucksstark sind wie die heutigen Tonfilme, nur auf eine andere Art und Weise. Habt ihr schon mal einen Stummfilm gesehen? Ich habe mal im Rahmen einer Ausstellung einen Stummfilm gesehen und war beeindruckt, wie man sich damals ohne Sprache ausdrücken konnte.

Über den Sprecher, David Nathan, brauche ich vermutlich nicht mehr viel zu sagen. Ich bin seit dem ersten Hörbuch, das er mir vorgelesen hat, großer David Nathan Fan und finde, dass er hier wieder ausgezeichnete Qualität abgeliefert hat.

Dieser Teil ist ebenfalls als die Serie „Babylon Berlin“ verfilmt worden, allerdings nicht als Staffel 2, sondern als Staffel 3, wobei hier laut Wikipedia nur der Kerninhalt mit dem Buch übereinstimmt. Ich habe nur einen Teil der ersten Staffel gesehen und finde, dass die Bücher um einiges besser sind als die Serienverfilmung.  

Wenn Euch das Hörbuch interessiert, könnt ihr euch beim Argon Verlag die Hörprobe anhören.  Meine Meinung bezieht sich auf die ungekürzte Hörbuchausgabe. Die gekürzte Ausgabe wird von Reiner Schöne gelesen und hat eine Laufzeit von 6 Stunden und 38 Minuten.

Die Gereon Rath Reihe umfasst bisher insgesamt acht Teile:

1. Der nasse Fisch

2. Der stumme Tod

3. Goldstein

4. Die Akte Vaterland

5. Märzgefallene

6. Lunapark

7. Marlow

8. Olympia

Infos zum Hörbuch *Werbung*

Länge: 17 Stunden 30 Minuten

Verlag: Argon Verlag

Preis: 29,95 €

Veröffentlichung: 13. Dezember 2019

ISBN: 978-3-7324-5397-9

Ein meerverliebtes Herz

Ich bin wahrlich kein Fan von Meerestieren, aber als im virtuellen Wohnzimmer für die Querbeet-Leserunden für 2021 „Rendezvous mit einem Oktopus“ vorgeschlagen wurde und ich die Leseprobe in Windeseile inhaliert hatte, war mir klar: Ich muss das Buch dringend lesen. Ich habe es mir dann direkt zu Weihnachten schenken lassen und bin total beeindruckt von diesen unglaublich klugen Meeresbewohnern.

Sy Montgomery macht eigentlich nichts anderes als ihre Erfahrungen mit diversen Oktopoden zu erzählen. Dies tut sie so liebevoll und anschaulich, dass ich schon nach sehr wenigen Seiten total verzaubert war. Gerade wünsche ich mir nichts anderes als einen Oktopus zu erforschen und zwar nicht nur durch die Scheibe eines Aquariums, sondern ohne Scheibe – direkt und ungeschönt. Ich hoffe, das geht wieder vorbei 😉

Im New England Aquarium lernt sie nicht nur die kleine Oktopusdame Kali kennen und lieben, sondern erzählt dem Leser/der Leserin auch von ihren Wegbegleitern im Giant Ocean Tank und den vielen anderen Meerestieren, die sich dort tummeln, so dass man unweigerlich das Gefühl hat, als wäre man bei jeder Begegnung mit einem der Tiere dabei gewesen. Dabei ist besonders auffallend, dass alle Mitarbeiter ihren Job dort leben. Sie sind immer und bedingungslos für die  – für mich -seltsamsten Tiere da und lieben sie wie ein eigenes Haustier. Da Oktopoden nicht allzu lange leben, verbrachte die Autorin nicht nur regelmäßig Zeit mit Kali, sondern auch mit Athena und Octavia, die sie ebenfalls sehr schnell in ihr Herz geschlossen hatte. Alle drei hatten völlig unterschiedliche Charaktere, die durch das Verhalten, das sie den Menschen gegenüber an den Tag gelegt haben, greifbar wurden.

All die Einzelheiten zum Verhalten der Oktopoden kann ich hier leider gar nicht wieder geben. Ich bin einfach nur total positiv überrascht, dass sie komplett auf den Menschen eingehen können und uns nach Meinung der Forscher genauso beobachten und analysieren können wie wir sie. Im ersten Drittel war ich von all den Erzählungen über die Fähigkeiten dieser Tiere total überwältigt und musste jedem um mich herum erzählen wie großartig Oktopoden sind. Ich habe schon angekündigt, dass ich, sobald es wieder möglich ist, den Aquazoo besuchen möchte. Es gibt aber noch einen weiteren seltsamen Nebeneffekt: Ich habe bisher jedem, der es wissen wollte (oder auch nicht wissen wollte), erzählt, dass ich Fische hässlich und eklig finde. Nachdem Sy Montomery aber über so gut wie alle Meeresbewohner total liebevoll und ehrfürchtig geschrieben hat, habe ich all die Tiere gegoogelt (ich habe noch nie so oft Fische gegoogelt) um zu sehen, was an den einzelnen Arten so zauberhaft sein soll. Ich glaube, ich kann behaupten, dass ich Meerestiere jetzt gar nicht mehr so eklig finde wie vor der Lektüre.

Der Originaltitel lautet übrigens „The soul of an octopus“ und passt meiner Meinung nach viel besser zum Inhalt als der deutsche Titel. In meiner Ausgabe ist noch ein kurzes Nachwort von Donna Leon enthalten, das ich nicht zwingend hätte lesen müssen.

Ich bin mir sehr sicher, dass viele von euch ebenfalls fasziniert von dieser Gattung Tiere sein werden. Daher lege ich euch die Leseprobe – zu finden beim Mare Verlag – ans Herz. Und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir zurück melden würdet, was ihr von der Leseprobe oder sogar von dem Buch haltet. Ich werde es jedenfalls bestimmt noch mal lesen, weil ich all die enthaltenen Fakten gar nicht behalten konnte.

Informationen zum Buch *Werbung*

Verlag: mare Verlag

Seiten: 336

ISBN: 978-3866482654

Preis: 28,00 € (gebundenes Buch) und 13,99 € (E-Book)

Vor Rehen wird gewarnt – Vicki Baum (Hörbuch)

»Ich kriege immer, was ich will«

Ich habe selten ein Buch erlebt, dessen Hauptcharakter (zumindest einer davon) mich so auf die Palme gebracht hat und gleichzeitig auf diese Art fasziniert hat wie es hier der Fall war. Das Buch ist auf der einen Seite unglaublich liebevoll geschrieben und auf der anderen Seite hat die Autorin es echt drauf, geringschätzig über die handelnden Personen zu erzählen, vor allem über Ann.

Ann, auch Angelina genannt, Ambros ist eine der zwei Hauptcharaktere des Buches und gleichzeitig der Hauptgrund für den Titel „ Vor Rehen wird gewarnt“. Sie ist in meinen Augen der personifizierte Teufel. Sie ist hinterlistig, berechnend und bekommt nach eigenen Aussagen immer ihren Willen, ganz egal mit welchen Mitteln. Dabei ist sie vordergründig immer sehr freundlich und liebevoll, als Leser/in bekommt man aber sehr viel von ihren niederträchtigen Gedanken mit.  „Vor Rehen wird gewarnt“ erzählt die Lebensgeschichte von Angelina, ihrer Schwester Maud, auf deren Ehemann sie es abgesehen hat und von ihrer Stieftochter Joy. Eigentlich sollte man meinen, dass diese Art Geschichte nicht spannend sein kann, denn wer möchte denn schon etwas über eine Intrigen spinnende ältere Frau lesen? Aber ich muss euch enttäuschen: Das Buch entwickelt in kürzester Zeit einen unglaublichen Sog, so dass ich es kaum geschafft habe, es nicht weiter zu hören.

Die Autorin hat alle Charaktere so dargestellt, wie sie im wahren Leben wohl auch wären, niemand ist dort schwarz oder weiß und man nimmt ihr alle Handlungen – vor allem Anns – ohne zu Zögern ab. Allerdings muss man sich ein wenig zusammenreißen beim Hören, denn während die einzelnen Personen aus verschiedenen Gründen ins Nachdenken vertieft sind, springen die Zeitebenen einfach mal so hin und her. So wie es uns im realen Leben auch geht, wenn wir in Gedanken versunken irgendwo sitzen und über Dinge nachdenken, die uns bewegen.

Die Sprecherin, Elisabeth Wicki-Endriss, liest das gesamte Buch meist ziemlich unaufgeregt, was auch perfekt zum Inhalt passt. Lediglich Anns Befindlichkeiten lässt sie schon mal etwas mehr heraus. Bisher kannte ich die Sprecherin nicht, aber ich werde zukünftig wohl gezielt nach Büchern, die sie liest, suchen.

Ich denke, dass ich unschwer verbergen kann, dass ich total angetan bin von diesem Buch. Jetzt bin ich ein wenig traurig, dass es vorbei ist und habe mir schon überlegt, dass ich irgendwann in der nächsten Zeit „Menschen im Hotel“ von Vicki Baum lesen oder hören möchte.

Mehr über dieses Hörbuch könnt ihr auf der Seite des Audio Verlages erfahren.

Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende – Kathrin Tordasi

Warum hat das Buch eigentlich so lange auf meinem virtuellen SuB gelegen? Kaum hatte ich den Prolog gelesen, war ich auch schon mittendrin in der Geschichte,  inklusive wunderbarem Kopfkino.

Die Geschichte beginnt in Wales, wo Portia ihre Ferien bei ihrer Tante und deren Lebensgefährtin verbringt. Eines Tages kommt ein seltsamer Fuchs ins Arbeitszimmer der Tante und scheint etwas zu suchen. Portia folgt ihm und gelangt in das Feenreich. Allerdings hat sie mit der Öffnung der Tür auch den Grauen König geweckt, der im Niemandsland zwischen der Menschenwelt und dem Feenreich sein Unwesen treibt. Als ihre Tante Rose ihr folgt und auch noch Ben, einen Jungen aus dem Ort, im Gepäck hat, verschlägt es sie alle drei in eine zauberhafte und waghalsige Rettungsaktion, denn der Graue König muss aus dem Verkehr gezogen werden, damit er nicht großes Unheil über die Menschenwelt und das Feenreich bringt.

Dieses Buch beinhaltet alles, was man sich von einem Jugendroman, der in einer Fantasiewelt spielt, erhofft. Nicht nur Bösewichte, die kinder- und jugendgerecht böse gestaltet sind, sondern auch total bezaubernde Wesen wie Gestaltwandler, Feen und sonstige Fantasiewesen. Die Figuren, die mit Portia und Ben unterwegs sind, haben sofort mein Herz gewonnen. Die Geschichte spielt in Conwy und die Beschreibung der Umgebung hat in mir sofort Fernweh ausgelöst.

Die Geschichte ist gut durchdacht, aber auch relativ leicht zu durchschauen. Das hat das Buch für mich aber nicht weniger lesenswert gemacht, denn es war ja von Beginn an klar, dass es sich um ein Kinder- bzw. Jugendbuch handelt.

Für alle, die gerne mal in ganz fremde und zauberhafte Welten abtauchen möchten und sich in einer Geschichte wohl fühlen möchten, ist „Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende“ genau das richtige. Es ist im Übrigen der Debütroman der Autorin. Ich hoffe, dass noch mehr schöne Bücher von ihr folgen.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, guckt euch mal auf der Seite des Verlages um. Dort gibt es auch eine Leseprobe.

Das Buch wurde mir von Netgalley und den Fischer Verlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Das Haus der Verlassenen – Emily Gunnis

„Bitte, mein Liebster. ich flehe dich an, bitte hol mich schnell von hier weg.“

Das Buch hat mich völlig überrascht. Der Inhalt klingt nicht so dramatisch, wie es sich liest. Teilweise habe ich gemerkt, dass ich vor Spannung die Luft angehalten habe.

„Das Haus der Verlassenen“ spielt in mehreren Zeitebenen: 1956, als Ivy Jenkins schwanger im Mutter-Kind-Heim ist und sich in herzzerreisenden Briefen an den Vater ihres ungeborenen Kindes wendet. Sie bittet um Hilfe, denn im St. Margaret´s Heim werden die Mädchen zur knochenharten Arbeit gezwungen, verprügelt und gequält, egal ob sie kurz vor der Entbindung stehen oder ob sie gerade eben ihr Baby bekommen haben.

Im Jahr 2007 findet die Journalistin Sam zufällig Ivys Briefe und ermittelt, weil sie aufdecken möchte, wie im St. Margaret´s Heim mit den jungen Frauen umgegangen wurde. Sie ahnt nicht, dass diese Briefe mehr mit ihr und ihrer Familie zu tun haben als sie zu Beginn dachte.

Mir war nicht klar, dass das Buch so spannend ist. Ich dachte an eine lauschige Familiengeschichte zum runter kommen und entspannt auf der Couch liegen, aber so ist es nicht.. Fast von Beginn an musste ich wie getrieben lesen, weil das Buch einfach so unglaublich spannend geschrieben ist. Die kurzen Kapitel wechseln sehr oft die Zeitlinie und wenn man nicht ganz genau aufpasst, verpasst man den Punkt, in dem irgendwer in Rückblicken denkt. Ich musste manchmal einige Sätze noch mal lesen, weil ich plötzlich den Faden verloren hatte, weil die Autorin die aktuellen Gedanken mit früheren Erinnerungen verwebt. Das fand ich total gut umgesetzt, denn genauso ist es ja auch, wenn wir über etwas sinnieren. Die Szenen, die in der Vergangenheit und gleichzeitig im Mutter-Kind-Heim gespielt haben, waren für mich sehr oft gruselig, weil die Stimmung einfach so düster und hoffnungslos war. Ein wenig ist das schon zu erahnen, wenn man sich das Cover genau ansieht.

Die Autorin weist im Nachwort darauf hin, dass es tatsächlich Mutter-Kind-Heime gegeben hat, die genau wie in diesem Buch existiert haben. Es gibt auch Quellenangaben zu Reportagen und ähnlichem. Ich hatte erst überlegt, ob ich mir die genannten Reportagen ansehen möchte, aber ich habe mich dagegen entschieden. Gelesen fand ich schon schlimm genug, was den Mädchen bzw. jungen Frauen und auch den Kindern, die „anders“ waren, angetan wurde.

„Das Haus der Verlassenen“ ist der Debütroman von Emily Gunns. Ein weiteres Buch („Die verlorene Frau“ ) ist bereits erschienen und steht schon auf meiner Leseliste. Trotz des schockierenden Themas (bisher habe ich nur am Rande davon gehört) hat mir das Buch außerordentlich gut gefallen, weil es so gut und spannend umgesetzt wurde. Ich habe meine Top 5 für 2020 schon vergeben, daher habe ich jetzt eine Top 6 😉  

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Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, könnt ihr euch auf der Seite des Verlages umsehen. Dort gibt es auch eine Lesprobe.

Der Moment zwischen den Zeiten – Marta Oriols

„Der Moment zwischen den Zeiten“ war für mich ein ganz besonderes Buch. Ich wollte eigentlich nichts lesen, was mich traurig macht zwischen den Feiertagen, aber dann hat es mich doch irgendwie angezogen. Ich habe es nicht bereut. Es gehört auf den letzten Drücker noch zu den Jahreshighlights in 2020.

In Paulas und Mauros Beziehung läuft es schon länger nicht mehr so richtig rund. Dann beichtet er ihr, dass er sie für eine Jüngere verlässt, doch am gleichen Tag stirbt er bei einem Verkehrsunfall. Paula muss nun ihr Leben mit dem Wissen, dass sie wohl doch nicht die richtige Frau für ihn war und dem Wissen, dass sie sich nicht liebevoll nach ihrem letzten Treffen verabschiedet haben, weiterleben. Dies wirft natürlich nicht nur Schuldgefühle auf, sondern auch Wut und Verzweiflung.

„Der Moment zwischen den Zeiten“ passt meiner Meinung nach perfekt zum Buch, denn Mauro befand sich zum Zeitpunkt seines Todes zwischen der Beendigung seiner alten Beziehung und dem offiziellen Beginn seiner neuen Beziehung. Für Paula ist es die Zeit zwischen der langjährigen Lebensgefährtin und der verlassenen Frau. Alles in dem Buch dreht sich um „vorher“ und „danach“, was meiner Meinung nach total gelungen umgesetzt wurde, denn Paula erzählt immer von der Gegenwart um dann in die Vergangenheit abzudriften und dem Leser bzw. der Leserin von ihrem Leben zu erzählen. Dadurch kam bei mir total Verständnis dafür auf, dass Paula handelt wie sie handelt, obwohl ich ihr manchmal sehr gerne ins Gewissen geredet hätte.  In manchen Kapiteln redet sie direkt mit Mauro und man spürt, dass sie hin und her gerissen ist zwischen Schuldgefühlen, Verzweiflung, Wut und Trauer. Dabei ist das Buch niemals kitschig, denn die Gedanken Paulas sind nie oberflächlich. Die Autorin wirft den Leser/die Leserin einfach so in das Gefühlschaos, in dem Paula sich befindet und das ist auch genau richtig, denn es macht das Buch sehr authentisch. Das Ende hat mir besonders gut gefallen, weil es Hoffnung gibt.

Ich würde mir sehr wünschen mehr von Marta Orriols zu lesen. „Der Moment zwischen den Zeiten“ ist ihr erster Roman. Wenn dem noch mehr solcher gefühlvollen Bücher folgen, werde ich mit Sicherheit ein sehr großer Fan von ihr werden.

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Lest unbeding mal in die Leseprobe, die ihr auf der Homepage des dtv Verlages finden könnt.

Ich danke Netgalley und dem Verlag für die zur Verfügungstellung des Leseexemplars. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Träume aus Samt – Ulrike Renk (Die große Seidenstadt-Saga # 4)

„Die Menschen hinter meinen Figuren existierten wirklich. Sie sollen nie vergessen werden!“ Ulrike Renk

Ich hatte eine waschechte Leseflaute! Wie kann das nach diesem grandiosen Lesejahr 2020 sein? Mir helfen dann immer Bücher meiner Lieblingsautoren. Da ich die ersten drei Teile der großen Seidenstadt-Saga bereits verschlungen habe, habe ich es einfach versucht und hatte Erfolg. Ich habe die fast 600 Seiten in zwei Tagen gelesen.

Es ist 1940 und Ruth und ihre Familie sind unterwegs in die USA um dort ein neues Leben anzufangen. In Deutschland wurden sie von den Nazis vertrieben und konnten nur so gerade eben entkommen. In England kam der Krieg ihnen viel zu nahe, so dass sie wieder flüchten mussten, diesmal in die USA. Aber auch hier greift der Krieg um sich. Ihr Leben in Chicago ist zudem völlig anders als sie es ich vorher ausgemalt hatten.

Bei jeder Reihe, die ich von Ulrike Renk beginne, denke ich vorher: „Ja, das ist wieder eine Familiengeschichte, was kann daran so spannend sein?“ Drei Seiten weiter komme ich nicht mehr vom Buch weg bis mir die Augen zufallen oder ich irgendwelchen lästigen Verpflichtungen nachkommen muss. Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber ihr Schreibstil fesselt mich einfach. Die Bücher fühlen sich an, als wäre die Autorin persönlich bei allen Ereignissen dabei gewesen, was wohl daran liegt, dass sie von der Familie Tagebucheinträge, Briefe und andere Dokumente aus dieser Zeit bekommen hat und daraus diese wundervollen und trotz der oft sehr traurigen Themen sehr heimelige Romane strickt. Es sind die Figuren, von der die Bücher ausschließlich leben und die mich emotional total ansprechen. Sie und ihre Geschichten, die nicht immer angenehm zu lesen sind.

Viele Themen haben mich speziell in dieser Reihe sehr berührt. Die Judenverfolgung, die Deportierungen und die Angst, in der diese armen Menschen leben mussten, ließen mich nach der Lektüre auch Tage später nicht mehr los. Genauso wie die Ängste, die durch den Krieg geblieben sind und jeden einzelnen der handelnden Personen auf die ein oder andere Art prägen. Es ist aber nicht alles traurig und hoffnungslos, denn es gibt hier auch eine sehr berührende Liebesgeschichte, die mein Herz hat schmelzen lassen.

Jedem, der noch kein Buch von Ulrike Renk gelesen hat, empfehle ich natürlich „Die große Seidenstadt-Saga“, „Die Ostpreußen-Saga“ und auch „Die Australien-Saga“. Alle drei Reihen beruhen auf wahren Begebenheiten und haben mein Herz gewonnen, so dass ich sie uneingeschränkt empfehlen kann. Ich kaufe mittlerweile alle ihre Romane ohne auf den Klappentext zu achten.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, seht euch auf der Seite des Aufbau Verlages um.