Interview und Kurzlesung: Ulf Schiewe – Die Mission des Kreuzritters

Im April habe ich dir „Die Mission des Kreuzritters“ von Ulf Schiewe bereits im Rahmen der Blogtour zur Nominierung für den HOMER Literaturpreis vorgestellt.

Nun freue ich mich sehr, dir mein Interview mit ihm zeigen zu dürfen. Ich war, wie man direkt am Anfang bemerkt, total aufgeregt. Das hat sich aber im Laufe des Interviews gelegt, weil Ulf ein sehr interessanter und entspannter Gesprächspartner ist. Wir haben nicht nur über das nominierte Buch gesprochen, sondern über die gesamte Montalban-Reihe und auch ein wenig Privates über Ulf besprochen.

Interview mit Ulf Schiewe

Patricia von nichtohnebuch hat heute ein Interview mit Ana Pawlik zu ihrem Debütroman „In den Klauen der Macht“ für dich. Sieh dich gerne mal auf ihrem Blog um.

Außerdem kannst du auch noch beiden Autoren bei einer Kurzlesung aus ihren nominierten Büchern lauschen. Die Videos werden entprechend hier aufgelisteten Reihenfolge heute um 15 Uhr und um 15:30 Uhr bei YouTube frei geschaltet.

Kurzlesung Ulf Schiewe aus „Die Mission des Kreuzritters“

Kurzlesung Ana Pawlik aus „In den Klauen der Macht“

Weitere Kurzlesungen der für den HOMER Literaturpreis nominierten Autoren findest du ebenfalls bei YouTube. Es lohnt sich auf jeden Fall, dort mal rein zu gucken.

Neuer Podcast: Goethes Bücherreisen

Ab heute geht ein neuer Podcast an den Start. 🙂

Wir – das sind Heike von Frau Goethe liest und ich – sprechen in 24 Folgen wir über buchrelevante Themen. Jeweils am 1. und am 15. jeden Monats erfährst du bei uns alles, was du übers Buchbloggen und als Leser wissen willst.

In der ersten Folge geht es um die Beschaffung von Lesestoff.



Ich habe dir unsere Tipps hier noch mal verlinkt:






Folge 2 erscheint am 15. September 2022. Das Thema lautet: Rezensionsexemplare.


Gnadenlose AIDA von Krinke Rehberg

“Gnadenlose Aida” ist der erste Teil der Kreuzfahrtkrimi-Reihe von Krinke Rehberg. Mich hat das Buch positiv überrascht, obwohl ich zu den Figuren keinerlei Beziehung aufbauen konnte.  

Frieda Olsen, auch Miss Marple Olson genannt, ist eine jung gebliebene Rentnerin, die ihre Zeit damit verbringt mit ihrem Sohn, dem Kapitän Klaas Olsen auf Kreuzfahrtschiffen die Weltmeere zu um schippern. Auf der Reise auf der AIDAbella von Mallorca nach Dubai geschieht ein Mord an einem jungen Mann, Clemens Witt. Frieda kann sich zum Ärger des arabischen Kommissars Abdel Rahman nicht aus den Ermittlungen heraushalten.  

Frieda ist ein komischer Kauz. Als ihr Mann noch lebte, hat sie die Strafakten studiert, die ihr mittlerweile verstorbener Mann ihr zum Lesen gegeben hat. Sie hat dadurch ein außerordentliches Talent dafür entwickelt, Motive zu verstehen, das Verhalten von Menschen zu entschlüsseln und weitere Schritte zu schlussfolgern. Mir hat gut gefallen, wie sie an Dinge herangeht und wie durchsetzungsfähig sie ist. Frieda ist zudem ausgebildete Mediatorin und kommt daher besonders gut mit der mürrischen Art des zweiten Hauptprotagonisten Abdel Rahman klar.  

Abdel Rahman hat den Ruf einer der besten Kommissare seines Landes zu sein. Leider hat der Tod seines Sohnes Jamal ihn innerlich kalt und gleichgültig werden lassen. Obwohl er, wie sein Großvater es ihm beim Fischen beigebracht hat, seine fünf Sinne nutzt, ist er auf Rache aus, denn der Mörder seines Sohnes scheint etwas mit dem Mordfall auf dem Schiff zu tun zu haben.  

Als Leser: in erfährt man immer wieder Details zum Mörder ohne zu wissen, wer es genau ist. Die Tatsache, dass derjenige nicht vom Schiff verschwinden kann, macht die Ermittlung in diesem Buch unglaublich spannend. Ich hätte mir gewünscht, dass die Figuren etwas ausführlicher beschrieben wären, denn wie oben schon erwähnt, konnte ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Im Endeffekt war das nicht so schlimm, weil der Rest des Inhalts passte. Da es sich aber um eine mittlerweile vierteilige Reihe handelt, denke ich, dass die Charaktere im Laufe der Bände noch weiter ausgebaut werden.  

Wer sich mit kunsthistorischen Artefakten nicht auskennt, wird hier ein wenig in dieses Thema eingeweiht. Allerdings nie so viel, dass es langweilig wird. Für mich war die Mischung aus Spannung und Information genau richtig.  

Wenn du Krimis magst, deren Fälle zwar von älteren Damen aufgeklärt werden, aber mit Cozy Crime nichts zu tun haben, bist du mit der Kreuzfahrtkrimi-Reihe genau richtig.  

Das Buch wurde mir von Nova MD zur Verfügung gestellt. Dafür bedanke ich mich herzlich.


Folgende Teile sind bisher erschienen: 

  1. Gnadenlose AIDA 
  1. Mörderische AIDA 
  1. Tödliche AIDA 
  1. Eiskalte AIDA 

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Seiten: 304 

Herausgeber: Kampenwand Verlag 

Erscheinungstermin: 14. Juni 2022 

ISBN: 978-3986600631 




Über die Autorin (Quelle: Amazon): 

KRINKE REHBERG ist das Pseudonym einer bekannten Person des öffentlichen Lebens aus dem Bereich Fernsehunterhaltung. Die Affinität zu Meer und Küste sind in den Krimis deutlich wiederzukennen. Beheimatet im nördlichsten Bundesland Deutschlands bestimmen die Familie, vier Hunde und die Schreiberei den Alltag. 

Buch Snack # 4: „Miesegrimm: Der Spielverderber“ von Martina Türschmann

Im Juni hatte ich Martina Türschmann zu Gast in meinem Podcast. Sie hat heute für dich einen Buch Snack von ihrem Buch „Miesegrimm: Der Spielverderber“ eingelesen.


Ich verlinke dir auch noch mal die Podcastfolge, falls du sie noch nicht gehört haben solltest:


Cover "Miesegrimm: Der Spielverderber" von Martina Türschmann
Cover „Miesegrimm: Der Spielverderber“ von Martina Türschmann

Klappentext (Quelle: Kelebek Verlag):

Felix und sein großer Bruder Sebastian verstehen die Welt nicht mehr. Seitdem ihr Vater, der Förster, nur noch grantig ist, können sie ihm nichts mehr rechtmachen. Wie eine dunkle Wolke hängt die üble Laune über der Familie. Als die Brüder einem geheimnisvollen Pfad in den Wald folgen, gelangen sie unverhofft ins Reich der Kobolde. Sie staunen nicht schlecht, als sie erfahren, dass viele Waldbewohner mit schlechter Laune und Verdruss zu kämpfen haben. Die Spur führt zu Miesegrimm, dem Geist eines alten Raubritters.

Gemeinsam mit ihren neuen Freunden wollen Felix und Sebastian dem Spuk ein Ende bereiten. Keiner von ihnen ahnt, was sie in der Burgruine erwartet.

Buch Snack # 3 „Der Prinz im Labyrinth“ von Charlotte Fondraz

Heute habe ich einen Buch Snack für dich, der vor 3.600 Jahren spielt und die griechische Minotaurus-Sage erzählt.

Vielen Dank an Charlotte Fondraz für die großartige Vorbereitung der Folge.



Klappentext (Quelle: Amazon):

Die griechische Minotaurus-Sage als Krimi modern erzählt Vor 3600 Jahren regiert eine Königin über Kreta. Eines Morgens liegt ihr junger Sohn tot in seinem Gemach. Am Vorabend hatte er sich mit Theseus, Sohn des Königs von Athen, gestritten. Nun hat Theseus offenbar in aller Eile die Insel verlassen. Daidalos, der Berater der Königin, soll den Mord aufklären. Doch kaum spürt er seiner ersten Fährte nach, da gerät er selbst unter Verdacht. Ein spannender Krimi für alle, die griechische Heldensagen aus einem modernen Blickwinkel kennenlernen möchten. Finde mit Daidalos heraus, wer den kretischen Prinzen getötet hat, der heute noch als Minotaurus bekannt ist! Charlotte Fondraz schreibt spannend, man spürt ihre wissenschaftlich fundierten Kenntnisse über die Zeit, die Geschichte und den Mythos. http://www.renas-wortwelt.de Textprobe: Ein Scheppern hallte durch den Saal, Daidalos zuckte zusammen. Theseus‘ Becher lag zerbrochen auf dem Boden, aber anstatt die Augen auf die Scherben zu senken, starrte er Prinz Asterion direkt an. So ein Dummkopf. Asterion stand breitbeinig da, mit erhobenem Becher. Offenbar hatte er von seiner Ernennung zum Hafenmeister gewusst, denn überrascht sah er nicht aus. „Was ist?“, fragte er Theseus. „Schmeckt dir unser Wein nicht, dass du ihn wegschüttest? Oder hast du über die Maßen davon genossen?“ „Weder noch.“ Theseus‘ prompte Antwort klang überraschend kühl und selbstsicher. Daidalos verkniff sich ein Grinsen. Gewänder raschelten. Irgendwo klirrte ein Armband. Die beiden Prinzen standen sich gegenüber wie zwei Kater, die sich lange aus dem Weg gegangen waren und nun an einer Straßenecke unerwartet aufeinandertrafen. „Weder noch?“ Asterion reckte sich, die gelben Federn seiner Krone flatterten auf. „Rede keinen Unsinn. Du solltest mir lieber gratulieren, Athener. Als Sohn eines mittelmäßigen Herrschers …“ Königin Pasiphaë fasste ihn brüsk am Arm, und er brach ab. Sie funkelte ihn an. Selbst sie erkannte, dass Asterion hier zu weit ging. „Sohn eines mittelmäßigen Herrschers?“ Theseus schlug sich mit der Faust auf die Brust, sein Pektoral klirrte. „Wenigstens kann ich getrost behaupten, dass es mein leiblicher Vater ist, der auf dem Königsthron von Athen sitzt.“

Cover "Der Prinz im Labyrinth" von Charlotte Fondraz
Cover „Der Prinz im Labyrinth“ von Charlotte Fondraz

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Seiten: 232

Herausgeber: BoD- Books on Demand

Erscheinungstermin: 27. Oktober 2021

ISBN: 978-3754395721




Buchsnack # 2: „Ein Nordlicht auf Sizilien“ von Jennifer Summer

In der letzten Woche habe ich für meinen Podacst ein Interview mit Jennifer Summer geführt, in dem es nicht nur um ihr Buch „Ein Nordlicht auf Sizilien“ ging, sondern unter anderem auch über Reiseziele.

Sie hat sich für den Buch Snack eine Stelle ausgesucht, die im Bijagós-Archipel spielt.



Klappentext (Quelle: Amazon):

Katja liebt ihren Job als Reiseleiterin an Bord des Luxusliners GOLDEN CROWN: Sie entdeckt die Welt und genießt die Affäre mit Schiffsoffizier Antonio. Doch auf Heimaturlaub in Hamburg stellt sie plötzlich fest, dass sie schwanger von ihm ist. Obwohl sie nie eine feste Beziehung wollte, schleicht sich der charmante Sizilianer heimlich in ihr Herz. In Palermo sieht sie sich jedoch plötzlich mit seiner intriganten Mutter konfrontiert. Als es zum Eklat kommt, flieht Katja ins geheimnisvolle Bijagos-Archipel, um den Rat einer alten Seherin zu suchen. Wird sie bis rechtzeitig für sich und ihr Baby ein Zuhause finden?

Cover "Ein Nordlicht auf Sizilien" von Jennifer Summer
Cover „Ein Nordlicht auf Sizilien“ von Jennifer Summer

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Seiten: 184

Herausgeber: via tolino media

Erscheinungstermin: 3. Mai 2022

ISBN: 978-3754650233




Blogtour zu Findelmädchen von Lilly Bernstein & Interview

Schon lange wollte ich “Trümmermädchen” lesen, aber irgendwie habe ich es immer wieder aus den Augen verloren. Stattdessen habe ich jetzt “Findelmädchen” gelesen und es von der ersten Seite an geliebt.  

Claire und Albert haben die Geschwister Helga und Jürgen auf der Suche nach ihrem Sohn vor einem Bunker in Köln aufgesammelt und mit nach Frankreich genommen. Dort leben die beiden nun und wissen nicht, was im 2. Weltkrieg mit ihren Eltern geschehen ist. Nach 10 Jahren des Wartens und des Hoffens bekommen sie einen Brief, in dem ihnen mitgeteilt wird, dass der Vater der beiden gefunden wurde. Sie ziehen wieder zurück nach Köln und versuchen sich in der Nachkriegszeit im noch nicht komplett wieder aufgebauten Deutschland wieder zurecht zu finden. Helga möchte nichts anderes als schreiben, aber ihr Vater weigert sich, sie aufs Gymnasium gehen zu lassen. Er meldet sie bei der Haushaltungsschule an. Während eines Praktikums muss sie in einem Waisenhaus arbeiten. Dort erlebt sie, welche schrecklichen Dinge den Kindern dort angetan werden und versucht mit allen Mitteln etwas dagegen zu tun.  

Zunächst kann ich dir sagen, dass man “Findelmädchen” auch sehr gut lesen kann, wenn man den Vorgänger nicht kennt. Die Figuren, die in “Trümmermädchen” eine Rolle spielen, werden entweder komplett neu eingeführt oder nur am Rande erwähnt. Mir hat jedenfalls keine Information über die Figuren gefehlt und die Handlung konnte ich auch komplett nachvollziehen.  

Das Buch ist aus der Perspektive von Helga geschrieben, die zunächst vom für sie nicht so einfachen Leben in Frankreich berichtet, denn dort sind Helga und Jürgen die boches, die niemand haben will. Tante Claire und Onkel Albert dagegen lieben die beiden wie eigene Kinder. Das Leben in Köln ist auch nicht viel einfacher für Helga, weil sie zunächst die Haushaltungsschule besuchen muss und dann im Waisenhaus mit ansehen muss, wie die Kinder von den Nonnen misshandelt werden. Nicht selten war ich während der Lektüre des Buches genauso verzweifelt wie Helga. 

Eine der Charaktere, die ich am meisten in mein Herz geschlossen habe, Fanny, steht stellvertretend für viele Menschen aus der im Buch beschriebenen Zeit, die ca. 10 Jahre nach dem Krieg beginnt. Fanny hat alles verloren und nach dem Krieg hart gekämpft um sich ein neues Leben genau nach ihren Wünschen zu gestalten. Ihre “MIlchbar” hätte ich samt Musik gerne mal im wahren Leben erlebt.  

Wenn du Bücher magst, die in der Nachkriegszeit spielen, die von ganz normalen Menschen erzählen und die mit viel Herz geschrieben sind, ist “FIndelmädchen” genau das richtige für dich.  

Der Beitrag gehört zur Blogtour um das Buch “Findelmädchen” von Lilly Bernstein. Bei Frau Goethe liest findest du die Schauplatzbeschreibungen. Geh gerne mal bei ihr vorbei. Sie verbindet mit Köln eigene Erinnerungen.  


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Seiten: 592 

Herausgeber: Ullstein Taschenbuch 

Erscheinungstermin: 28. Juli 2022 

ISBN: ‎ 978-3548065687 




Über die Autorin (Quelle: Ullstein Verlag): 

Lilly Bernstein ist das Pseudonym der Kölner Journalistin und Autorin Lioba Werrelmann, deren Debütroman Hinterhaus 2020 mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. Ihr letzter Roman, Trümmermädchen, war ein großer Presse- und Publikumserfolg. Mit Findelmädchen erzählt sie die Geschichte der Trümmerkinder weiter. 

Findelmädchen von Lilly Bernstein
© Susanne Esch


Interview mit Lilly Bernstein: 

Dein neuer Roman „Findelmädchen“ ist gut gestartet. Er ist erst vor zwei Wochen erschienen, und der Verlag druckt bereits die zweite Auflage. Wie fühlt sich das an?

Das fühlt sich wunderbar an. Der Vorgänger-Roman „Trümmermädchen“ war ja ein echter Überraschungserfolg, mit dem niemand gerechnet hatte. Während ich nun das „Findelmädchen“ schrieb, habe ich mich die ganze Zeit gefragt, ob ich die Leser:innen, die das „Trümmermädchen“ so mochten, noch einmal begeistern kann. Das ist, ehrlich gesagt, ein ziemlicher Druck, der da auf dir als Autorin lastet. Umso glücklicher bin ich jetzt, und, ja, ich bin auch sehr erleichtert.

Wie hast Du für das Buch recherchiert? Ich stelle es mir schwer vor, von Betroffenen diese Details zu erfahren.  

Ich bin erst einmal tief in die fünfziger Jahre eingetaucht. Das heißt, ich habe ganz viel über diese Zeit gelesen, auch Bücher, die damals geschrieben wurden, habe alte Filme geguckt, alte Bilder, war im Haus der Geschichte in Bonn, im Freilichtmuseum in Kommern – wo übrigens Fannys Milchbar steht -, und dann erst habe ich mit Zeitzeugen gesprochen, auch mit ehemaligen Heimkindern. Sie haben mir ganz viel über den Tagesablauf im Heim erzählt, wie alles organisiert war, wo welches Gebäude stand – das Heim hat es ja tatsächlich gegeben, ich wohne heute ganz in der Nähe. Ich wollte gerne eine Geschichte schreiben, die sich so hätte zutragen können. Die schlimmen Details habe ich nicht einzeln abgefragt, ich wollte keine alten Wunden aufreißen. Ich habe sie aus den Erinnerungen ganz vieler Heimkinder zusammen getragen, wie sie unter anderem im Abschlussbericht des Runden Tisches Heimerziehung stehen, den der Bundestag eingerichtet hatte, um diese Zeit aufzuarbeiten. Tatsächlich hat sich beinahe alles, was ich im „Findelmädchen“ erzähle, so oder ähnlich in deutschen Heimen in den fünfziger Jahren zugetragen. Aber zum Glück geht es im „Findelmädchen“ ja nicht nur um Schlimmes. Ich erzähle ja auch eine Liebesgeschichte …

Genau! Helga bekommt von Konradin, der im Haus ihrer Familie einquartiert ist, Bücher wie “Schloss Gripsholm” von Kurt Tucholski oder “Bonjour Tristesse” von Françoise Sagan geschenkt und ist total begeistert davon. Teilst Du ihre Liebe zu diesen Büchern und wenn ja, warum? 

Ja, diese Bücher liebe ich, „Bonjour Tristesse“ habe ich genau wie Helga gelesen, als ich noch sehr jung war, und konnte gar nicht glauben, dass man so schreiben kann. Und „Schloss Gripsholm“ hat mir mal jemand, den ich sehr geliebt habe, geschenkt. Er hatte eine besonders hübsche Ausgabe auf dem Flohmarkt gefunden. Ich habe sie für meine Recherchen wieder hervorgeholt und entdeckt, dass sie aus dem März 1955 stammt! Also aus genau der Zeit, in der der Roman spielt! Das Büchlein, das ich im „Findelmädchen“ beschreibe, mit dem weißen Schloss auf dem Cover, dem Blütenkranz und der Girlande, das steht also bei mir zu Hause im Bücherregal.

Wie viel von Helga steckt in Dir? Eine Gemeinsamkeit habe ich gefunden: Ihr habt beide beim WDR gearbeitet. Gibt es weitere? 

Es gibt Details, wie die Bücher, die wir beide lieben, dass wir beide von klein auf gerne schreiben, dass wir beide beim WDR arbeiten. Ansonsten ist Helga frei erfunden, ein Mädchen, das ich, als ich jünger war, gern zur Freundin gehabt hätte.

Fannys Milchbar hat es mir angetan, besonders der Rock´n´Roll. Wie bist du darauf gekommen sie so eine Bar zu eröffnen zu lassen und diese “Affenmusik” dort laufen zu lassen? Ist dies nur dieser Zeit geschuldet? 

Ich bin selber Bäckerstochter, und ich liebe Orte, an denen Köstliches hergestellt und gegessen wird, wo es gut duftet, wo die Menschen sich begegnen. Nachdem es im „Trümmermädchen“ eine kleine Bäckerei gab, musste es jetzt passend zu den Fünfzigern eine Milchbar sein. Und natürlich habe ich beim Schreiben sehr viel Musik aus der Zeit gehört und so manchen Ohrwurm behalten 😉

Wird es noch einen weiteren Teil als Nachfolger von „Trümmermädchen“ und „Findelmädchen“ geben?

Ja! Es wird einen dritten Band geben, der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges spielt. Es wird also keine klassische Fortsetzung, aber ich überlege, einzelne Figuren wieder auftauchen zu lassen – dann in einer jüngeren Version.

Warum hast Du Dich entschieden unter Pseudonym zu schreiben? 

Ich hatte schon einen preisgekrönten Krimi, einen Roman und ein Sachbuch geschrieben, das „Trümmermädchen“ war mein erster historischer Roman, und weil es ein ganz anderes Genre war, haben wir uns für ein Pseudonym entschieden. Das machen viele Autor:innen, wenn sie das Genre wechseln. In meinem Fall ist es ja auch ein offenes Pseudonym, das heißt, es ist klar, wer dahinter steckt.

War es schwierig für Dich vom faktenbezogenen Schreiben für die journalistischen Tätigkeiten zum Schreiben von Romanen umzustellen?  

Als ich mich endlich getraut habe, war es ganz leicht. Vorher habe ich mir viele Gedanken gemacht, ob ich das kann. Heute wünschte ich, ich hätte viel früher mit dem literarischen Schreiben angefangen. Zaudern lohnt sich nicht 🙂

Darfst Du schon etwas über Dein aktuelles Projekt erzählen? 

Sehr gerne. Ich schreibe gerade an einem Krimi, der in Siebenbürgen spielt. Er erscheint im Januar, und dann auch unter meinem richtigen Namen.

Welche Genres liest Du privat am liebsten? 

Ganz ehrlich? Ich bin eine Krimi-Leserin. Ich verschlinge sie.


Weitere Beiträge zu Blogtour findest du hier:







Interview mit Jennifer Summer & Rezension

Nachdem ich ”Zwischen Meer und Sternen” gelesen hatte, wollte ich auch das nachfolgende Buch lesen, weil mir die Mischung aus Reiseroman, Liebesgeschichte und Entwicklungsroman so gut gefallen hat.  

Katja ist die beste Freundin von Julie, die in “Zwischen Meer und Sternen” Katjas Job auf dem Kreuzfahrtschiff übernimmt, weil Katja schwanger ist. Aber Katja möchte absolut keine Hilfe von Antonio und verschweigt ihm, dass er der Vater ist. Aber natürlich kommt es anders als sie es sich vorstellt: Sie geht mit Antonio nach Sizilien, weil er trotz ihres Schweigens herausgefunden hat, dass sie von ihm schwanger ist und sie selbstverständlich unterstützen möchte. Leider sind Teile seiner Familie aber gar nicht mit dieser Situation einverstanden.  

Die Geschehnisse aus beiden Büchern sind miteinander verwoben, da Katjas Geschichte mitten in dem von mir “ersten Teil” genannten Buch beginnen. Julie kommt also sporadisch auch in “Ein Nordlicht auf Sizilien” vor. Mir hat es total gut gefallen auf diese Art über Julie und Katja zu erzählen. 

Auch dieses Mal hat Jennifer Summer wieder einige Ortsbeschreibungen in das Geschehen eingewoben, so dass ich direkt in Urlaubsstimmung war. Besonders hat mir die Beschreibung des Bijagós-Archipels gefallen, das scheinbar auch Katja total beeindruckt hat.  

Ein wenig länger hätte das Buch meiner Meinung schon sein können, ich hätte gerne mehr über Antonios Familie erfahren, die insgesamt etwas blass blieb. Vielleicht liegt das aber auch nur an meiner Vorliebe für dickere Bücher als die knapp 200 Seiten, die einen bei diesem Buch erwarten.  

Um “Ein Nordlicht auf Sizilien” zu lesen, musst du den Vorgänger nicht zwingend kennen, aber ich würde es dir empfehlen.  

Ich kann dir auch einen Blick auf die Homepage der Autorin empfehlen. Sie hat dort einige Reiseziele, die sie schon besucht hat, beschrieben. Wenn du ihren Newsletter abonnierst, bekommst du ein digitales Magazin mit exklusiven Auszügen aus ihrem persönlichen Reisetagebuch und Fotos vom Bijagós-Archipel. Die ersten drei Seiten darf ich dir hier verlinken. Wenn du mehr davon sehen möchtest, abonniere einfach ihre Reisepost, in der es nicht nur um ihr Autorenleben geht, sondern auch um Reiseinspirationen.


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Seiten: 184 

Herausgeber: via tolino media 

Erscheinungstermin: 3. Mai 2022 

ISBN: 978-3754650233 



Über die Autorin (Quelle: Amazon): 

Rio de Janeiro oder Tokio? Longyearbyen oder Auckland? Jennifer Summer folgt dem Fernweh in viele Ecken der Welt. In ihren Romanen kehrt die hauptberufliche Reisejournalistin (u. a. FAZ) an die faszinierendsten Orte zurück. Ihre Protagonistinnen sind starke Frauen mit Gefühl. Und natürlich treffen sie spannende Männer … Da die Autorin alle Schauplätze persönlich kennt, kann man sich mit ihren Storys nicht nur wegträumen, sondern bekommt auch konkrete Tipps für den nächsten Urlaub.  

#writingfriday [5. August 2022]

Schon länger folge ich Elizzy und ihrer „Writing Friday“ Aktion. Bisher habe ich mich allerdings noch nicht getraut mitzumachen. Da ich aber vor einigen Wochen mit einem Fernkurs für kreatives Schreiben begonnen habe, habe ich mir überlegt, dass ich jetzt auch mal öffentlich machen möchte, was in meinem Kopf so los ist.

Jeden Monat gibt Elizzy verschiedene Themen vor, aus denen man sich etwas heraus pickt und dann einfach schreibt, was einem in den Sinn kommt. Alles ist erlaubt. Falls du auch mit machen möchtest, findest du die Themen für August bei Read books and fall in love.

Kritik an meinen Texten ist übrigens ausdrücklich erlaubt und erwünscht, solange sie neutral ausgedrückt ist und berücksichtigt, dass ich gerade erst mit dem Schreiben anfange.


Das Thema lautet:

Eine uralte Weide berichtet über ein Geheimnis. Was hat die Weide gesehen? 

Immer, wenn ich dieses spezielle Geräusch höre, werde ich daran erinnert, was ich vor ungefähr sechzig Jahren beobachten konnte. Du glaubst gar nicht, was für eine Angst es mir bis heute einjagt. Wahrscheinlich spielen mir dann meine Gedanken wieder einen Streich, denn als Weide in einem Park ist man an dem Platz gefesselt, an dem man gepflanzt wurde. Das kann mitunter ziemlich langweilig werden, vor allem, wenn das Wetter die Menschen nicht zu einem Ausflug in den Park einlädt oder in der Nacht.

Ihr Menschen glaubt immer, dass Bäume nicht in der Lage sind zu sehen. Aber das ist ein Trugschluss. Wir sehen mit unseren Blättern, haben also die meiste Zeit des Jahres einen Rundumblick, was eigentlich ganz angenehm ist. Außer, wenn wir gefällt werden sollen und die Arbeiter mit schwerem Gerät auftauchen, denn wir können ja leider nicht fliehen. Sobald die ersten Blätter unsere Äste verlassen, sind die meisten von uns nahezu blind, aber das macht uns nichts aus. Wir kennen es nicht anders und haben uns mit dieser Tatsache gut arrangiert. Wir sind ja dann immer noch in der Lage zu hören und unter der Erde sind wir sowieso mit unseren Nachbarn verbunden und warnen uns gegenseitig bei Gefahren. Nicht, dass wir etwas ausrichten könnten damit, aber wenn man sich dauerhaft so nahe ist, steht man sich gegenseitig bei.  

Aber zurück zu meiner Beobachtung: Eines nachts, ich war kurz zuvor eingeschlafen, hörte ich ein seltsames Geräusch, das ich nicht einordnen konnte. Es war nicht nur gruselig, sondern auch auf eine Art eklig. Erst dachte ich, es wäre ein Kind, das sich unter meinen Ästen versteckt hätte und heimlich ein verbotenes Getränk mit einem Strohhalm aussaugt, aber das passte irgendwie nicht. Wo sollte denn ein Kind um die Uhrzeit herkommen und warum sollte es sich verstecken um etwas Verbotenes zu trinken? Aber es gab auch ein so gerade eben wahrnehmbares Nebengeräusch, das klang wie ein Schmatzen. Ich sah mich um, aber im kaum vorhandenen Licht des Mondes, vor den sich gerade ein paar Wolken schoben, konnte ich nichts erkennen. Unter meinen Ästen war es so dunkel, dass ich nur undurchdringliche Schwärze sah.

Nach einer Weile hörte ich ein dumpfes Stöhnen und jemand flüsterte etwas. Aufgrund meines hohen Alters höre ich nicht mehr so gut, so dass ich nur ein Wispern wahrnahm, aber keine Worte verstand.  

Meine Äste zitterten und ich spürte, dass dieser jemand unter ihnen hervorkam. Es war ein großer und mit einer unglaublichen Ausstrahlung ausgestatteter Mann, der sich seiner düsteren Wirkung durchaus bewusst war. Er trug einen schwarzen Anzug, schwarze Schuhe und ein weißes Hemd. Seine tiefschwarzen Haare, die ihm bis zur Mitte seines Rückens reichten, hatte er zu einem Zopf zusammengebunden. Die Augen schienen schwarz zu sein, aber aufgrund der Dunkelheit war es nicht abwegig, dass sie dunkelbraun waren. Am meisten irritierte mich sein Gebiss. Er hatte oben und unten Fangzähne, die deutlich zu sehen waren, als die Wolken wegzogen und der Mond etwas Helligkeit auf meine heimatliche Wiese fallen ließ. Auf den Armen trug er eine junge Frau, die sich scheinbar mit all ihrer noch verbliebenen Kraft an seinem Nacken festklammerte. Ihr Mund war blutverschmiert und ihre Augen gaben einen seltsamen goldenen Glanz ab.

“Jetzt werden wir für immer zusammen sein, mein Engel!” sagte er mit einem seltsamen Unterton in der Stimme, nicht wissend, dass eine uralte Weide wie ich die Zeugin seines Tuns geworden war. Auch für Vampire, die viel mehr Eigenheiten der Tier- und Pflanzenwelt kennen als ihr Menschen, sind wir Bäume blind und vor allem taub. Nun, in meinem Fall lag er, zumindest was das Zweite anging, nicht so ganz falsch.

Später fand ich heraus, dass die junge Frau seit mehreren Monaten vermisst wurde. Sie war von einem abendlichen Spaziergang im Park nicht zurückgekehrt. Die Menschen hatten monatelang versucht sie zu finden, hatten aber keinen Erfolg. Nathalie macht nun jede Nacht auf der Suche nach Nahrung die Gegend um den Park, in dem ich schon so lange lebe, unsicher. Ihr Gefährte, Nicolas, lässt sie kaum jemals aus den Augen. Man sieht, dass er immer noch in sie verliebt ist, auch noch nach all den Jahren. Aber sie zeigt ihm die kalte Schulter und ich würde fast wetten, dass sie ihr Leben als Unsterbliche hasst, denn die Menschen, die sie liebte, haben sie niemals wieder gesehen und auch nie mehr etwas von ihr gehört.

Wenn Nathalie Nicolas entwischen kann, schüttet sie mir ihr Herz aus. Sie scheint zu ahnen, dass ich nicht nur ein Stück Holz bin, denn sie spricht mich immer direkt an. Manchmal glaube ich, dass sie mich als ihren Freund ansieht, denn sie setzt sich immer an meinen Stamm, wenn sie mit mir redet. Sie erzählte mir, dass sie niemals eine Vampirin werden wollte und dass sie vor ihrer Verwandlung mit Mark verlobt war. Die Hochzeit stand kurz bevor als Nicolas sie zu seiner Gefährtin machte. Sie hatte den großen Fehler gemacht und Nicolas blind vertraut. Er hatte sich als angeblich bester Freund von Mark in ihr Herz geschlichen, platonisch natürlich nur, und er hat dies schamlos ausgenutzt. Bei Marks Beerdigung vor einigen Wochen konnte sie leider nicht dabei sein, jeder weiß ja, dass Vampire kein Sonnenlicht vertragen. Ihre Fähigkeit, Erinnerungen im Schlaf zu rauben, hat sie nach Marks Tod ausnahmsweise und mit sehr schlechtem Gewissen ausgenutzt. Sie stahl seinen Enkeln einige Erinnerungen an Mark um ihm noch ein letztes Mal nahe zu sein.


Relativ spontan habe ich beschlossen Geschriebenes und Gelesenes zu trennen. Du findest die Beiträge zum Writing Friday ab sofort bei Nadines Schreibwerkstatt.

Buchsnack # 1: „Die Aufrechte“ von Claudius Crönert

Vor zwei Wochen habe ich dir bereits „Die Aufrechte“ von Claudius Crönert vorgestellt.

Ich habe mir jetzt etwas ganz Neues für meinen Podcast ausgedacht: Es wird ab sofort in unregelmäßigen Abständen #buchsnacks geben. Und zwar wird dir der Autor bzw. die Autorin ein paar Minuten aus seinem aktuellen Buch vorlesen um dir einen kurzen Einblick zu geben, wie er bzw. sie schreibt.

Claudius Crönert macht also den Anfang.

Klappentext (Quelle: Gmeiner Verlag):

»Sie hing nun einmal an diesem Mann, sie liebte ihn so sehr. Und dennoch hinterging sie ihn. Halblaut rief sie sich eine bittere Wahrheit in Erinnerung. Dass ihr Geliebter einer der engsten Mitarbeiter des Führers war. Sie versuchte, ihre Gedanken zu Ende zu führen und musste sich der Frage stellen, wie es wirklich zwischen ihnen stand. Es war denkbar, dass er ihr doppeltes Spiel längst durchschaut hatte. Aber solange sie die Nazis bekämpfen wollte, brauchte sie ihn …«

Ein Leben zwischen Liebe und Widerstand. Die Journalistin Felicitas von Reznicek schloss sich dem Widerstand gegen das NS-Regime an – und verliebte sich in Fritz Wiedemann, einen Adjutanten Hitlers. Doch ihre Überzeugungen gab sie für ihn nicht auf.


Der Autor (Quelle: Gmeiner Verlag):

Claudius Crönert, geboren 1961, in Hamburg aufgewachsen, lebt als Autor in Berlin. Er schreibt Krimis und historische Romane. Informationen über sein Werk finden Sie im Internet unter http://www.claudius-croenert.de

Die Aufrechte von Claudius Crönert
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