Eine nicht so erstrebenswerte Zukunft

Every von Dave Eggers

Ich merke immer wieder, dass ich Bücher, die in einer nahen Zukunft spielen wirklich gerne lese. Ein wenig holt mich das dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und zeigt mir, dass all der Fortschritt zwar richtig und gut ist, aber dass damit auch viel Missbrauch getrieben werden kann. Wie in dem Fall von Every.

Zitat:

„Vorbemerkung: Diese Geschichte spielt in der nahen Zukunft. Versuchen sie nicht herauszufinden, wann. Eventuelle zeitliche oder physikalische Anachronismen sind gewollt. Alle Fehler in Bezug auf Technologie, Chronologie oder Urteilsvermögen sind Absicht und in Ihrem Interesse.“

Schon die Vorbemerkung hat es in sich und trifft genau das, was das Buch ausmacht. Delaney Wells hat nur ein Lebensziel: Every vernichten. Aber was ist Every? Every ist ein Unternehmen, das aus dem Circle (das ist Teil 1 der Reihe) entstanden ist und das mittlerweile so viel Macht über die Menschheit hat, dass einem als Leser Angst und Bange wird. Es herrscht die totale Überwachung (natürlich nur zum Wohle der Gesellschaft) und es gibt keine Nachrichten mehr, denn alles verbreitet sich über Social Media – um nur mal einen winzigen Teil dieser erdachten und nicht erstrebenswerten Zukunft zu nennen. Every ist aber nicht nur schlecht, gleichzeitig ist es aber ein Sinnbild für Teile der heutigen Menschheit, die alles Gute oder Dinge, die gut gemeint sind, gnadenlos auf die Spitze treibt: Die Mitarbeiter müssen zu bestimmten Zeitpunkten am Schreibtisch Sportübungen machen, auf dem Campus sind nur ethisch vertretbare Waren erlaubt und so weiter. Delaney versucht also sich bei Every einzuschleusen und durch allerlei Tricks das Unternehmen mit den eigenen Mitteln zu zerschlagen.

Besonders schwer im Magen lag mir, dass Every den Menschen absolut gar nichts mehr zutraut. Niemand muss mehr selber denken und diverse Nachrichtenverläufe, die der Autor erdacht hat, erinnerten sehr stark an so manche abstruse Facebook-Diskussion, die es auch jetzt schon gibt. Dadurch, dass allen das Denken abgenommen wird, werden sie träge, haben eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne und können einfache Dinge, wie zum Beispiel ein Buch lesen oder ihre eigenen Befindlichkeiten feststellen, nicht mehr. Dieses Zukunftsszenario hat Dave Eggers zum Teil humorvoll, zum Teil mit sehr harten Aussagen hervorragend umgesetzt. Ab und an habe ich mich auch selber erwischt, dass ich manches mache, was ich im Roman nicht passend fand. Das Buch lebt von den Übertreibungen, die der Autor auf die Spitze getrieben hat und die einem zunächst total absurd vorkamen. Nach einiger Zeit des Nachdenkens ist mir aber klar geworden, dass wir uns bereits auf den Weg dorthin befinden und zudem in einer Zeit der Meckerer und Nörgler, die sich über jeden kleinen Mist beschweren und die zum Teil hinter ihrem Bildschirm pseudobetroffen sind. Im Buch sind diese Leute überall zu finden.

Während des Lesens war mir klar, dass ich niemals in einer Welt wie sie im Buch beschrieben wird, leben möchte. Zum Teil erinnerten mich einige Ideen des Autors an eine Mischung aus der Serie „Black Mirror“ und dem Buch „1984“, die ich beide genauso faszinierend fand wie „Every“. Ich kann ausnahmslos jedem das Buch ans Herz legen, auch wenn du „The Circle“ noch nicht gelesen hast, so wie es bei mir der Fall war. Die Vorgeschichte wird in diesem zweiten Teil ausreichend erklärt, so dass ich keine Verständnisprobleme hatte.

Wenn du mehr über das Buch erfahren möchtest, sieh dich auf der Seite des KiWi-Verlages um. Hier gibt es auch eine Leseprobe.

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Seitenanzahl: 592

Herausgeber: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 7. Okober 2021

ISBN: 978-3462001129

Preis: 25,00 € (gebundenes Buch), 19,99 € (E-Book)

Nationaler Erzähl-eine-Geschichte-Tag

Am 27. Oktober 2021 ist der nationale Erzähl-eine-Geschichte-Tag. An diesem Tag sollen Geschichten erzählt werden, egal ob vorgelesen, selbst erlebt oder spontan erfunden.

Das habe ich zum Anlass genommen Dir schon mal Sylke Hörhold, also die Autorin vorzustellen, die ich als Patin bei der #obm2021 begleiten werde. Ich wünsche Dir ganz viel Spass mit ihrer Kurzgeschichte aus Finkendörfel. Das ist der Ort, in dem ihre Oberlausitzkrimis angesiedelt sind.

Passend zur OBM erscheint der vierte Teil der Oberlausitz-Reihe, allerdings vorerst als E-Book. Das Buch erscheint zum Ende des Jahres als Taschenbuch.

Reihenfolge:

Emmelie

Hexen brennen

Recht wie Wasser

Was dir den Atem nimmt

Auf der Homepage des Oberlausitzer Verlages könnt ihr mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren.

Katenbüll für immer

Sörensen am Ende der Welt (Sörensen ermittelt # 3) von Sven Stricker [Hörbuch]

Das war er nun, der vorerst letzte Teil der „Sörensen ermittelt“-Reihe. Ich bin wirklich traurig, dass ich diesen großartigen und sich dauernd widersprechenden Charakter nicht mehr begleiten darf. Es soll einen vierten Teil geben, aber erst irgendwann in 2023. Das dauert mir viel zu lange.

Sörensen hat beschlossen, dass er nun endgültig und komplett nach Katenbüll zieht. Während er seine Wohnung in Hamburg übergibt, geschieht schon wieder ein Mord in Katenbüll.  Ein Mann wird im Koog gefunden, ermordet durch einen Stich mit einem Schraubenzieher mitten ins Herz. Verdächtig ist auf einmal Ole Kellinghusen, den man schon aus den ersten beiden Bänden kennt und der eine wichtige Rolle in der gesamten Geschichte spielt. Doch Ole ist verschwunden. Ihr erratet es schon: Sörensen ermittelt also wieder.

Vor einigen Tagen war ich auf der Lesung von Sven Stricker und Bjarne Mädel zu „Sörensen am Ende der Welt“ im Rahmen der lit.RUHR.  Sven Stricker hat uns dort verraten, dass Sörensens Vorname wohl für immer geheim bleiben wird, ausgehandelt wäre, dass er ihn als letztes Wort im letzten Roman der Reihe verrät. Der Name ist so geheim, dass er sich diesen aufschreiben musste um ihn selber nicht zu vergessen. Eigentlich schade, ich hätte gerne gewusst, wofür sich Sörensen so schämt.

Wie auch in den beiden vorherigen Teilen war der Fall irgendwann vorhersehbar, obwohl der Autor versucht hat einige Verwirrungen einzubauen. Aber das ist für mich nicht das Wichtigste in dieser Buchreihe. Ich könnte auch gut einen Roman lesen, in dem Sörensen einfach ganz entspannt (in seinem Fall ja eher unentspannt) vor sich hin lebt und nicht ermitteln muss. Seine Begegnungen mit anderen Menschen bzw. seine Reaktionen darauf sind einfach so großartig, dass für mich der Mordfall immer zweitranging ist.

Viel mehr als in den vorherigen Teilen über Sörensens Privatleben hat man nicht erfahren, denn der Autor gibt dies immer ein in Bruchstücken preis. Das passt genau so perfekt in die Geschichte. Allerdings sind mir jetzt einige Fragen eingefallen, die hoffentlich im vierten Teil entweder beantwortet werden oder die Antwort in die Wege leiten. Ich bin sehr gespannt drauf.

Nachdem ich Sven Stricker jetzt live erleben durfte, war seine Lesung als Hörbuch noch mal doppelt so schön anzuhören. Wie auch in den ersten zwei Teilen hat er seine Figuren perfekt sprachlich umgesetzt.

Reihenfolge:

Sörensen hat Angst

Sörensen fängt Feuer

Sörensen am Ende der Welt

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren möchtet, seht euch auf der Seite des Audio-To-Go Verlages an. Dort gibt es auch eine Hörprobe.

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Erscheinungsdatum: 17. August 2021

Spieldauer: 13 Stunden 43 Minuten

ASIN: B0995Z41GV

Preis: 22,95 €

Ein Mordfall und ein Familienbesuch

Mord ist aller Laster Anfang (Mitchell & Markby #1) – Ann Granger

Bei der Büchereule startet einmal im Jahr das „Lieblingsbuch-Event“. Hier werden sich gegenseitig User zugelost, die sich drei Lieblingsbücher aus verschiedensten Genres zu vorschlagen. Ich habe diesmal „Mord ist aller Laster Anfang“ von Ann Granger, das ist der erste Teil der „Mitchell & Markby“ Reihe, zugelost bekommen.

Ann Granger wollte ich schon lange lesen, aber irgendwie gerät sowas immer wieder in Vergessenheit bei mir, gerade wenn die Bücher schon etwas älter sind. „Mord ist aller Laster Anfang“ oder auf englisch „Say it with poison“ erschien ursprünglich im Jahr 1991, ist also schon richtig alt.

Meredith Mitchell, auch Merry genannt, ist bei ihrer Cousine Eve in England zu Besuch, da sie zur Hochzeit von Eves Tochter eingeladen wurde. Als sie den Außenseiter des Dorfes tot auffindet, verwickelt sie sich selber in die Ermittlungen und gerät immer wieder mit Inspector Markby aneinander, der allerdings noch ein ganz anderes Interesse an ihr hat.

Ich habe ganz selten ein Buch gelesen, dass so ein extremes „Warme-Decke“-Gefühl in mir auslöst. Das beschauliche Dörfchen hat in mir direkt Fernweh nach Großbritannien ausgelöst. Obwohl es hier um einen (oder mehrere?) Morde geht, ist man als Leser:in nicht eine Sekunde gestresst. Man wandert total entspannt durch das Buch, lernt die Charaktere nach und nach kennen und versucht zusammen mit Merry herauszufinden, was passiert ist.

Der Mordfall an sich ist nicht spektakulär und zeichnet sich zu Beginn des Buches bereits ab. Allerdings ging es mir hier vor allem um den Weg und nicht um das Ziel. Ich wollte einfach so viel wie möglich von dieser britischen Atmosphäre auskosten.

Wer Coszy Crime mag, darf an der Mitchell & Markby Reihe nicht vorbei gehen und sollte alle 17 Teile nacheinander verschlingen. Ich werde sie allerdings nach und nach Lesen. Teil 2 „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ habe ich aber bereits bestellt.

Für die Leseprobe kannst du dich auf der Seite vom Bastei Lübbe Verlag umsehen.

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Seiten: 320

Herausgeber: Bastei Lübbe

Erscheinungsdatum: 29. Juni 1999

ISBN: 978-3404129669

Preis: E-Book 7,99 €

Die gesamte Reihe im Überblick:

  1. Mord ist aller Laster Anfang
  2. Fuchs, du hast die Gans gestohlen
  3. Warte, bald ruhest auch du
  4. Messer, Gabel, Schere, Mord
  5. Wer andern eine Grube gräbt
  6. Ein schöner Ort zum Sterben
  7. Blumen für sein Grab
  8. Kerzenlicht für eine Leiche
  9. Ein Hauch von Sterblichkeit
  10. Ihr Wille geschehe
  11. Tote kehren nicht zurück
  12. In dunkler Tiefe sollst du ruhn
  13. Mord wirft lange Schatten
  14. Der Fluch der bösen Tat
  15. Und sei getreu bis in den Tod
  16. Ein unerledigter Mord
  17. Mord will keine Zeugen

Schon wieder ein Verbrechen in Katenbüll

Sörensen fängt Feuer (Sörensen ermittelt # 2) von Sven Stricker [Hörbuch]

Jetzt hat er mich, der Sven Stricker! Ich bin ja nach dem ersten Teil „Sörensen hat Angst“ schon hochgradig sörensensüchtig geworden, nach Teil 2 ist das aber noch schlimmer geworden.

Anfangs scheint es ein ganz einfacher Fall zu sein. Jette, eine blinde junge Frau, läuft Ole Kellinghusen, den man schon aus dem ersten Teil kennt, vors Auto. Ihr passiert nichts, aber Ole wird nach und nach klar, dass mit Jette irgendwas nicht stimmt, denn sie verhält sich ziemlich seltsam. Schnell wird klar, dass Jette ihr Leben lang im Keller gefangen gehalten wurde. Warum? Das versuchen Sörensen, Jenny und Malte nun herauszufinden.

Wie schon im ersten Teil liebe ich Sörensens Art zu denken. Er denkt nämlich nicht gradlinig, sondern kommt gedanklich von Höckschen auf Stöckschen. Am Ende kommt meistens etwas mürrisches dabei heraus. Aber genau das macht ihn für mich so liebenswert, weil er zwar ein Meckerkopp ist, aber trotz allem die Nöte und Ängste seiner Mitmenschen erkennt und danach handelt. Zumindest meistens.

Bei mir hat ab der ersten Minute wieder das absolute Wohfühlgefühl eingesetzt. Nicht nur, weil ich mich wahrscheinlich im stillen Katenbüll sehr wohl fühlen würde, sondern auch, weil ich die Figuren, die Sven Stricker erfunden hat, wirklich gerne mag.

Mittlerweile habe ich mich auch so sehr an die Stimme des Autors gewöhnt, dass ich mich auch aus diesem Grund im Buch heimisch fühle. Es ist einfach rundum gelungen! Aktuell höre ich Teil 3: „Sörensen am Ende der Welt“ und bin schon sehr traurig, dass es vorerst der letzte Teil ist.

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren möchtet, guckt euch einfach auf der Seite des Audio-To-Go Verlages um. Hier findet ihr auch die Hörproben zu allen drei Teilen.

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Spieldauer: 13 Stunden 37 Minuten

Erscheinungsdatum: 14. Mai 2021

ASIN: B09417QNGQ

Preis: 22,95 €

Kurze Geschichten in japanischem Stil

Erste Person Singular von Haruki Murakami

Obwohl mich eigentlich die Kultur und Lebensweise Japans gar nicht so recht interessiert, habe ich ein Faible für Haruki Murakami. Ich mag seine Art zu denken und sich auszudrücken. Begonnen hat es mit „Naokos Lächeln“ und „Kafka am Strand“. Daher durfte auch seine Kurzgeschichtensammlung (ich mag eigentlich gar keine Kurzgeschichten!) nicht fehlen.

Haruki Murakami erzählt in „Erste Person Singular“ aus seinem Leben. Aber er erzählt nicht einfach so, wie es bei andern Autoren der Fall ist, nein, Murakami lässt viel von seinen skurrilen Ideen einfließen. Beispielsweise erzählt er von einem schönen Abend mit Bier und Crackern mit einem sprechenden Affen. Manch einer mag seine Geschichten abgehoben und sperrig finden, aber ich liebe sie einfach. Inwieweit die Geschichten Wahres über ihn enthalten, kann man nur raten, aber genau das macht das Buch für mich aus. Murakami erzählt bei jeder einzelnen Kurzgeschichte sehr respektvoll und freundlich über die Personen, die darin vorkommen, auch wenn sie ihm vielleicht nicht gerade wohlgesonnen waren.

Der Sprecher, Frank Arnold, den ich durch die Luc-Verlain-Bücher lieben gelernt habe, bringt die Kurzgeschichten einfach perfekt rüber. Ich liebe seine Stimme und zeitweise hatte ich das Gefühl, Murakami selbst liest mir vor, so viel Gefühl lag darin.

Wer Murakami kennt und mag, weiß worauf er sich da einlässt und denjenigen kann ich das Buch wärmstens empfehlen, sehr gerne als Hörbuch, denn ich glaube, die Vertonung hat dem Buch gut getan. Wer Murakami noch nicht kennt, sollte erst mal in die Leseprobe schauen.

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren wollt, guckt doch mal auf der Seite vom Hörbuchverlag Hamburg vorbei. Dort gibt es auch eine Hörprobe.

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Spieldauer: 4 Stunden 49 Minuten

Erscheinungsdatum: 26. Januar 2021

ASIN: B08R6BR1F8

Kosten: 18,95 €

Mord im idyllischen Katenbüll

Sörensen hat Angst (Sörensen ermittelt # 1) von Sven Stricker (Hörbuch)

Tjaaaaaa, ich bin verliebt. Verliebt in diese Art zu erzählen, in diesen einmaligen Typen Sörensen und in diese Art Humor. Und wer ist schuld? Der Gatte. Er erzählte mir, dass er „Sörensen hat Angst“ mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle angesehen hat und dass es eine Buchverfilmung ist. Ich kann euch nur so viel verraten: Die Rolle des Sörensen wurde Bjarne Mädel auf den Leib geschrieben. Ohne den Film zu kennen hatte ich die ganze Zeit während des Hörens ihn vor Augen.

Sörensen, dessen Vornamen man bis zum Schluss nicht erfährt, zieht nach Katenbüll in Nordfriesland um dort sein Leben nach der Trennung von seiner Frau neu zu sortieren. Er hat sein Leben als Kriminalhauptkommissar in Hamburg zurück gelassen und hofft, in der neuen Heimat besser klar zu kommen, denn seine Angststörung macht es ihm nicht leicht den Alltag zu überstehen.  In Katenbüll passiert eigentlich nichts, zumindest nichts, was aufregend wäre. Aber just als Sörensen dort aufschlägt, wird der Oberbürgermeister Hinrichs erschossen. Sörensen muss also mit seinem Team die Ermittlungen aufnehmen.

Ich könnte euch jetzt seitenweise von dem Buch vorschwärmen, aber das wird wahrscheinlich niemand lesen wollen. Ich bin einfach hin und weg von dieser Art Humor. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man die Figur Sörensen im Film richtig verstehen soll, denn seine Gedanken, die er das ganze Buch über im Kopf hat, machen einen Großteil seines Charakters aus.  Die Aufklärung des Falls war keine große Überraschung und war zudem schon früh im Buch klar, was aber  nicht viel ausgemacht, denn meiner Meinung nach liegt hier der Fokus eher auf der Geschichte und auf den Charakteren statt auf einem spektakulären Fall.  Gut gefallen hat mir außerdem, dass am Ende nicht alles auf die große Auflösung und den Showdown hinausläuft, sondern das Buch ziemlich leise ausklingt. Das passt irgendwie zu Sörensen und auch zu Katenbüll.

Die Figuren sind allesamt auf eine Weise skurril ohne ins Lächerliche abzugleiten. Der Autor hat es ganz hervorragend verstanden  trotz diverser Stereotypen, die so in vielen Romanen vorkommen, keinen Allerweltsroman zu schreiben.  Abgerundet wird das Ganze von der Autorenlesung. Zunächst musste ich mich ein wenig einhören, dann hat mir aber Sven Strickers Art zu lesen richtig gut gefallen.

Direkt im Anschluss habe ich Teil 2 „Sörensen fängt Feuer“ begonnen und finde diesen Teil sogar bisher noch besser.  Es gibt sogar noch einen dritten Teil „Sörensen am Ende der Welt“. Ich bin jetzt schon traurig, wenn ich daran denke, dass das erst mal der letzte Teil ist.

Wenn ihr mehr über die Reihe erfahren wollt, seht euch auf der Seite des Audio-To-Go Verlages um. Hier gibt es auch Hörproben aller drei Teile.

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Dauer: 11 Stunden, 37 Minuten

Sprecher: Sven Stricker

Erscheinungsdatum: 9. April 2021

Verlag: Audio-To-Go

ASIN: B08YNWKPQN

Preis: 19,95 €

Ein Leben nach deinen Wünschen

Was für ein großartiges Hörbuch! Ich wusste nicht so recht, was mich erwartet, als ich damit begonnen habe, aber es hat mich ziemlich schnell in seinen Bann gezogen.

Nora möchte nicht mehr leben, weil in ihren Augen alles an ihrem Leben schlecht ist. Sie bereut viele Entscheidungen und glaubt, dass andere Menschen alles besser gemacht haben. Sie ist mit ihrem Bruder verstritten, hat den Kontakt zu ihrer besten und einzigen Freundin verloren und weiß nicht weiter. Nachdem sie ihr Leben beendet hat, landet sie plötzlich in der Mitternachtsbibiliothek, mit der sie erst mal nicht viel anfangen kann. Es handelt sich hier um eine Art Knoten zu den alternativen Leben, die sie in anderen Universen gelebt hat, in denen sie andere Entscheidungen getroffen hat. Nora bekommt die Möglichkeit sich auszusuchen, welche Entscheidung sie anders trifft und sich ihr Leben mit dieser Entscheidung anzusehen. Nach und nach bemerkt sie, dass sie eigentlich gar nicht so viel zu bereuen hat.

Nora springt von Leben zu Leben. Das war schon ganz amüsant, manchmal auch traurig zu hören. Matt Haig hat sich eine Vielzahl von oberflächlich betrachtet tollen Leben überlegt. Als Leser*in bzw. Hörer*in ist das recht kurzweilig. Es sind aber sehr viele wichtige Botschaften in dem Buch enthalten, z. B. dass Geld und Ruhm nicht wichtig sind und Ähnliches. Niemand doziert hier mit erhobenem Zeigefinger, denn Nora findet das alles selber heraus. Es ist auf eine Art ein Buch über Selbstfindung.

Annette Frier hat das Buch sehr angenehm gelesen und mich dazu animiert immer weiter zu hören. Sie hat eine angenehme Stimme und bringt auch die Figuren glaubhaft herüber.

Das Hörbuch wurde mir von Netgalley und dem Argon Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Wenn ihr mehr über das Hörbuch erfahren möchtet oder in die Hörprobe hören wollt, könnt ihr euch auf der Seite Argon Hörbuch umsehen.

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Dauer: 8 Stunden, 21 Minuten

Sprecherin: Annette Frier

Erscheinungsdatum: 1. Februar 2021

Verlag: Argon Verlag

ASIN: B08RYXNK2S

Preis: 14,85 € (oder im Audble-Abo)

Interview mit Markus Ridder und Gewinnspiel

Nachdem ich vor kurzem das Buch „Der Lethe Code“ gelesen habe, wollte ich unbedingt ein Interview mit Markus Ridder führen. Freundlicherweise hat er sich dazu bereit erklärt.

Kunterbunte Bücherreisen (KB): Hallo Markus, vielen Dank, dass Du Dich für ein Interview auf meinem Blog zur Verfügung stellst.

Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie Du auf Deine Plots kommst. Die Sache mit dem Gedächtnisverlust fand ich direkt total spannend. Wie bist Du darauf gekommen bzw. wie kommst Du generell auf Deine Ideen für neue Bücher?

Markus Ridder (MR): Wo die Ideen herkommen, bleibt ein Mysterium. Ich kann nur sagen, welche Ideen ich suche: Das sind immer Situationen oder Ereignisse, die ein Geheimnis umgibt, wo man also erstmal sagen würde: Das kann nicht sein! Das gibt’s nicht! Und meine Leistung als Erzähler sehe ich dann darin, den Leser davon zu überzeugen, dass es eben doch sein kann. Meine Bücher sind also gewissermaßen Plädoyers für die Möglichkeit des Unmöglichen.

Im Fall von „Der Lethe-Code“ stand die Idee am Anfang, dass irgendein Typ ohne Erinnerung erwacht. Man sagt ihm, er habe aus eigenem Antrieb ein Medikament eingenommen, das sein Gedächtnis gelöscht hat. Er sieht sich sogar ein Video an, auf dem er selbst zu sehen ist und in dem er beteuert, dass er dieses Medikament aus freien Stücken einnehmen wird. Und das kann ja wohl nicht sein: Ein solches Medikament gibt es nicht! Und wieso sollte es jemand freiwillig schlucken? Unsinn! Wo kommen wir dahin?! Und mit dem Buch sage ich: Hey, warte einen Moment, könnte es nicht doch sein? Könnte es sich nicht so und so zugetragen haben …

KB: Paula aus „Der Lethe Code“ ist ja eine ziemlich kaputte Person. Wie bist Du darauf gekommen gerade sie zu erschaffen? Sie hätte ihre Rolle sicher auch weniger psychisch geschädigt ausfüllen können.

MR: Man muss Paulas schwierige Familiengeschichte berücksichtigen: Ihr Vater ist gar nicht ihr leiblicher Vater. Ihr echter Vater ist verschollen, als sie ein kleines Mädchen war. Zudem denkt Paula ständig, ihre Eltern verheimlichten ihr etwas. Sie hat das Gefühl, sie passt nicht in diese Familie, deren Werte sie nicht teilt. Das bleibt nicht ohne Folge für ihre Entwicklung und hat im Leben der jetzt jungen Erwachsenen toxische Spuren hinterlassen. Natürlich spiegelt sich all das in der Dramatik der Geschichte: Der Leser bzw. die Leserin kann ja nicht ausschließen, dass es gar kein Komplott rund um Paula gibt. Vielleicht bildet sie sich alles nur ein? Im Grunde sucht Paula zeitlebens nach ihrer Identität, das verbindet sie mit den meisten Figuren der Geschichte. Denn wer sein Gedächtnis verloren hat, stellt sich ja vor allem diese Frage: Wer bin ich?

KB: Als Leser:in hat man ja sehr oft Charaktere, die man besonders gern mag. Zumindest ist es bei mir so. Kannst Du das auch als Autor sagen und wenn ja, welche Figur aus „Der Lethe Code“  ist Dir am meisten ans Herz gewachsen und warum? Gibt es jemanden, den Du nicht so gerne magst?

MR: Paula ist schon eine Person, der ich beim Schreiben gerne gefolgt bin. Sie ist ja eine sehr moderne Frau, folgt ihrem eigenen Kompass. Sie macht, was sie für richtig hält, egal, was andere von ihr halten. Und sie kämpft ja nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch gegen ihre inneren Dämonen. Dass sie das alles letztlich schafft, nötigt mir schon Respekt ab.

KB: Du hast ja nun schon einige Bücher geschrieben. Gibt es eins Deiner Bücher, das für Dich der geheime Favorit ist? Kannst Du uns etwas mehr darüber erzählen, warum das so ist?

MR: Das ist schwer, weil natürlich das letzte Buch immer dasjenige ist, in das man aktuell so viel Herzblut reingesteckt hat. Für „Der Lethe-Code“ habe ich ja auch viel recherchiert: Zu Gedächtnis-Themen, zu verschiedenen Orten und Hintergründen in Thailand, zu Paulas psychischen Problemen. Dann ist Paula ja auch noch Tierpflegerin, kümmert sich um Schimpansen – dazu musste ich mir auch einiges draufschaufeln. Das Schreiben war insgesamt echt eine intensive Reise, deshalb ist es auch so ein wichtiges Buch für mich. Ansonsten hat natürlich mein erstes Buch einen hohen Stellenwert für mich: „Die Krabbe“. Und auch das Buch, mit dem ich bisher am erfolgreichsten war: „Das Messias-Projekt“.

KB: Mich hat schon immer mal interessiert, wie man als Autor die Namen der Figuren festlegt. Meine Vorstellung ist, dass man mit bestimmten Namen bestimmte Charaktereigenschaften verbindet und diese dann den Charakteren gibt. Wie ist das bei Dir?

MR: Ja, wahrscheinlich ist das so. Paula ist für mich beispielsweise ein Name, den eine freche, aufgeweckte, nonkonformistische Person hat. Wieso das so ist, weiß ich nicht. Ich kenne gar keine Paula. Ich grübele aber ganz viel über Namen nach und ich ändere sie im Nachhinein nur sehr ungern. Bei Tarek, einem der Protagonisten aus „Der Lethe-Code“, musste ich das tun, weil es da eine real existierende Person gibt, an den sich der Charakter anlehnt.

© Oliver Jung

KB: Wie bist Du denn eigentlich zum Schreiben gekommen? Bei mir ist es ja immer so, dass ich zwar Geschichten im Kopf habe, aber nicht in der Lage bin, sie aufzuschreiben. Ich bewundere jeden, der dazu in der Lage ist.

MR: Ich habe während des Studiums mal ein Praktikum bei der „Süddeutschen Zeitung“ gemacht und dabei festgestellt, dass mir das Recherchieren und Schreiben einigermaßen leichtfällt. Also habe ich mich nach dem Studium für den Journalismus entschieden. Dann ist Schreiben schon mal der Brotberuf. Aber ich wollte immer auch längere Texte verfassen und mir auch eigene Geschichten ausdenken. Also habe ich es dann einfach mal gemacht. Man muss sich Zeit nehmen für so ein Projekt, sonst klappt es nicht.

KB: Wie sieht Dein Schreiballtag aus? Und gehst Du eher strukturiert vor oder schreibst Du einfach erst mal drauf los?

MR: Ich versuche so eine Mischung aus Struktur und Spontaneität. Allerdings muss ich mich immer wieder dazu ermahnen, mehr an Struktur zu denken. Von meinem Wesen her bin ich nicht so der Typ, bei dem alles an seinem Platz liegt und so. Ich tue mich auch schwer mit festen Abläufen und beherrsche lieber das Chaos. Aber wenn man am Anfang einer Geschichte keine Lust aufs Plotten hat, muss man am Ende immer viel umschreiben – das mache ich auch nicht so gern.

KB: Liest Du privat auch nur Thriller oder auch andere Genres? Hast Du ein (oder mehrere) Lieblingsbücher, die Du uns empfehlen kannst?

MR: Ich lese privat auch Thriller, aber eigentlich so quer durch den Garten. Wenn man selber Thriller schreibt, kann man leider nicht mehr so gut darin versinken. Man fragt sich immer: Wie hat der Autor oder die Autorin das jetzt wieder gemacht? Was kann ich davon lernen? In letzter Zeit habe ich auch viele Sachbücher gelesen, gerade auch für das neue Buch. Gerne empfehle ich einige davon: Wer sich zum Beispiel für Schimpansen interessiert, dem seien die Bücher von Frans de Waal empfohlen, etwa „Der Affe in uns“. Man lernt auch sehr viel über die Menschen, wenn man sich mit Schimpansen oder Bonobos beschäftigt. Wer sich mit Hirnforschung auseinandersetzen will, gerne mit Jonah Lehrers Buch „Prousts Madeleine“ oder mit James Kingslands „Die Hirnforschung auf Buddhas Spuren“. Und wer ein Faible für durchgeknallte Frauen mit psychischen Problemen hat, sollte natürlich „Girl on the Train“ lesen, aber das kennen die meisten sicher.

KB: Wahrscheinlich hast Du auch schon wieder eine verrückte Idee für ein neues Buch. Möchtest Du schon mal irgendwas darüber verraten? Wird es überhaupt ein nächstes Buch geben?

MR: Ja, ich hoffe schon, dass es ein nächstes Buch geben wird. Meine Grundidee dazu ist gerade: Ein Typ verlässt vor zehn Jahren ganz plötzlich seine Wohnung und kommt jetzt ebenso plötzlich wieder in diese zurück. Weil er damals Knall auf Fall weggegangen ist, stehen noch die Teller und die Sachen vom letzten Frühstück auf dem Tisch. Natürlich ist mittlerweile alles verrottet, die Wohnung ist voll mit Käferleichen und ausgetrockneten Schmeißfliegen. Was zum Teufel hat der Typ vor? Warum ist er damals abgehauen? Und von wem fühlt er sich verfolgt?

KB: Hast Du schon mal darüber nachgedacht eine Serie zu schreiben? Ich bin ja bekennender Bücherreihenfreund und finde es immer schade, wenn man die Charaktere nach einem Buch wieder gehen lassen muss.

MR: Ja, habe ich. Es gibt sogar zwei Bücher von mir, die quasi eine Serie sind: „Der Blütenstaubmörder“ und „Das Eisenzimmer“. Vielleicht mache ich damit irgendwann nochmal weiter, aber ich habe jetzt halt gerade mal wieder andere Ideen.

Markus hat mir ein Buch zur Verlosung zur Verfügung gestellt. Der/die Gewinner:in darf sich aussuchen, ob es ein Papierbuch (auf Wunsch mit Widmung) sein soll oder ein E-Book.

So nimmst du am Gewinnspiel teil:

Um am Gewinnspiel teilnehmen zu können, musst du eine Frage über das Kontakformular auf dem Blog beantworten. Die dort angegebene Mailadresse nutze ich um dich im Falle des Gewinnes zu benachrichtigen. Die Daten werden nur für das Gewinnspiel genutzt und nicht Dritte weiter gegeben. Es ist nur ein Kommentar pro Person erlaubt.

Die Frage lautet: Welches Land spielt eine große Rolle in „Der Lethe-Code“?

Das Gewinnspiel läuft bis zum 1. August 2021 um 0:00 Uhr. Der/die Gewinner:in wird von mir per Mail benachrichtigt.

Unter allen Einsendungen werde ich anschließend per Random.org den/die Gewinner:in ermitteln. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Leseprobe findet ihr hier und ihr könnt euch natürlch auch gerne auf der Homepage des Autors umsehen.

Gewollter Gedächtnisverlust?

Ich habe bereits mehrere Bücher von Markus Ridder gelesen, unter anderem „Der Blütenstaubmörder“ und „Die Rückkehr des Sandmanns“. Auch dieses Mal hat mich der Klappentext von „Der Lethe-Code“ direkt angesprochen. Und da ich ja schon weiß, dass die Bücher des Autors immer total spannend sind, musste ich es einfach lesen.

Stell  Dir vor, Du wirst in einem fremden Zimmer wach und hast keine Ahnung, wer Du bist. Jemand zeigt Dir ein Video von einem Menschen, der aussieht wie du und dir davon erzählt, dass du aus freien Stücken ein neues Leben beginnen wolltest und deinem alten Leben nicht nachtrauerst, jetzt wäre Party und „es sich gut gehen lassen“ dran, genug Geld hättest du auch um dir dieses Leben oder zumindest den Anfang dieses fremden Lebens finanzieren zu können. Mir wurde bei dem Gedanken daran schon ganz anders. Und ich habe mich gefragt, wer denn bitte sein Leben so satt hat, dass er sich irgendwohin absetzt, sein Gedächtnis löschen lässt und anschließend ein anderes Leben führt, ohne die geliebte Familie, Freunde und und und…

Wie immer bei Markus Ridders Büchern ist auch „Der Lethe-Code“ total spannend. Es gibt verschiedene Handlungsstränge, die ineinander greifen und die einen als Leser:in immer wieder ratlos, zeitweise fassungslos zurück lassen.  Die Charaktere sind glaubwürdig aufgebaut, obwohl ich keiner Person so wirklich nahe kommen konnte. Aber das ist für mich der Preis, wenn ich einen Thriller lese, denn normalerweise mag ich es lieber, wenn Charaktere sehr ausführlich beschrieben werden.

Da es darum geht, dass das Gedächtnis von Personen gelöscht wird, hoffe ich, dass dies nur ein Science Fiction Teil im Thriller ausmacht, denn ich möchte nicht wirklich erleben, dass dies Wirklichkeit wird. Warum, erfahrt ihr im Buch. Denn der Ursprung dieser Idee der Gedächtnislöschung ist genial, aber auch erschreckend. Ich möchte eigentlich auch nicht weiter auf den Inhalt des Buches eingehen, weil ich euch den Spaß des Durchjagens nicht mit eventuellen Spoilern weg nehmen möchte.

Ich kann euch das Buch wirklich sehr ans Herz legen, vor allem, wenn ihr gerne Thriller lest. Ich persönlich mag Markus Ridders Schreibstil sehr gern, ich kann nicht mal genau sagen warum, ich lese ihn einfach sehr gern.

IIch habe „Der Lethe-Code“ als Rezesionsexemplar von Markus Ridder zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank dafür!

Am Wochenende habe ich hier auf dem Blog eine kleine Überraschung für euch. Es lohnt sich auf jeden Fall mich dann hier besuchen zu kommen.

Wenn ihr mehr über Markus Ridder erfahren wollt, besucht einfach seine Homepage.

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Seiten: 456

Erscheinungsdatum: 12. Mai 2021

Herausgeber: Books on Demand

ISBN: 978-3753490021

Preis: 14,99 € (Taschenbuch), 2,99 € (E-Book)