Das Ende der Stummfilm Ära

Der zweite Teil der Gereon-Rath-Reihe hat mir sogar noch besser gefallen als der erste Teil. Endlich habe ich eine neue Reihe gefunden, die ich mit Vergnügen höre. Und das Beste daran: Ich habe noch sechs Teile vor mir.

In „Der stumme Tod“ hat es Gereon Rath mit einer ermordeten Stummfilmschauspielerin zu tun. Während der Dreharbeiten wird die Schauspielerin Betty Winter von einem herabfallenden Scheinwerfer getötet. Während Gereon noch weitere Baustellen hat, sterben weitere Schauspielerinnen. Allen werden die Stimmbänder entnommen, was schon relativ früh auf einen Täter hinweist, der den neuartigen Tonfilm nicht gutheißt. Gereons Vater zwingt ihm zeitgleich als Gefälligkeit für den späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer auf, einen Erpressungsfall aufdecken, der dem damaligen Oberbürgermeister von Köln sehr schaden würde, wenn er nicht unterbunden werden würde.

Wie schon im ersten Teil hat mir der Charakter von Gereon Rath richtig gut gefallen. Er ist aufbrausend, direkt und hat das Talent sich immer in scheinbar aussichtslose Situationen zu manövrieren. Manchmal hätte ich ihn schütteln können, weil es absehbar war, dass es einfach nicht gutgehen kann, was er gerade plant. Mir gefällt das gemächliche Tempo, in dem Volker Kutscher erzählt, richtig gut. Ich mag es, wenn nicht immer hin und her gehetzt wird und man viel über die Protagonisten erfährt. Hier erfährt man in kleinen Häppchen immer mehr über die Beziehung zwischen Gereon und seinen Eltern. Außerdem kommen einige historische Personen im Buch vor, unter anderem der weiter oben erwähnte Konrad Adenauer, Ernst Gennat (Beamter der Berliner Kriminalpolizei in Preußen) oder der Berliner Polizeipräsident Karl Friedrich Zörgiebel. Die Spielorte wie die Rote Burg (das Polizeipräsidium am Alexanderplatz) oder das Aschinger (Restaurant) sind ebenfalls reale Orte.

In den späten 1920er Jahren löste der Stummfilm den Tonfilm ab. Stummfilme zeichnen sich dadurch aus, dass einzelne erklärende Sätze zwischen den einzelnen Szenen eingeblendet werden und der gesamte Film mit manchmal eigens dafür komponierter Musik hinterlegt ist. Wenn man sich mal so einen Film ansieht, merkt man schnell, dass diese Filme genauso ausdrucksstark sind wie die heutigen Tonfilme, nur auf eine andere Art und Weise. Habt ihr schon mal einen Stummfilm gesehen? Ich habe mal im Rahmen einer Ausstellung einen Stummfilm gesehen und war beeindruckt, wie man sich damals ohne Sprache ausdrücken konnte.

Über den Sprecher, David Nathan, brauche ich vermutlich nicht mehr viel zu sagen. Ich bin seit dem ersten Hörbuch, das er mir vorgelesen hat, großer David Nathan Fan und finde, dass er hier wieder ausgezeichnete Qualität abgeliefert hat.

Dieser Teil ist ebenfalls als die Serie „Babylon Berlin“ verfilmt worden, allerdings nicht als Staffel 2, sondern als Staffel 3, wobei hier laut Wikipedia nur der Kerninhalt mit dem Buch übereinstimmt. Ich habe nur einen Teil der ersten Staffel gesehen und finde, dass die Bücher um einiges besser sind als die Serienverfilmung.  

Wenn Euch das Hörbuch interessiert, könnt ihr euch beim Argon Verlag die Hörprobe anhören.  Meine Meinung bezieht sich auf die ungekürzte Hörbuchausgabe. Die gekürzte Ausgabe wird von Reiner Schöne gelesen und hat eine Laufzeit von 6 Stunden und 38 Minuten.

Die Gereon Rath Reihe umfasst bisher insgesamt acht Teile:

1. Der nasse Fisch

2. Der stumme Tod

3. Goldstein

4. Die Akte Vaterland

5. Märzgefallene

6. Lunapark

7. Marlow

8. Olympia

Infos zum Hörbuch *Werbung*

Länge: 17 Stunden 30 Minuten

Verlag: Argon Verlag

Preis: 29,95 €

Veröffentlichung: 13. Dezember 2019

ISBN: 978-3-7324-5397-9

Ein meerverliebtes Herz

Ich bin wahrlich kein Fan von Meerestieren, aber als im virtuellen Wohnzimmer für die Querbeet-Leserunden für 2021 „Rendezvous mit einem Oktopus“ vorgeschlagen wurde und ich die Leseprobe in Windeseile inhaliert hatte, war mir klar: Ich muss das Buch dringend lesen. Ich habe es mir dann direkt zu Weihnachten schenken lassen und bin total beeindruckt von diesen unglaublich klugen Meeresbewohnern.

Sy Montgomery macht eigentlich nichts anderes als ihre Erfahrungen mit diversen Oktopoden zu erzählen. Dies tut sie so liebevoll und anschaulich, dass ich schon nach sehr wenigen Seiten total verzaubert war. Gerade wünsche ich mir nichts anderes als einen Oktopus zu erforschen und zwar nicht nur durch die Scheibe eines Aquariums, sondern ohne Scheibe – direkt und ungeschönt. Ich hoffe, das geht wieder vorbei 😉

Im New England Aquarium lernt sie nicht nur die kleine Oktopusdame Kali kennen und lieben, sondern erzählt dem Leser/der Leserin auch von ihren Wegbegleitern im Giant Ocean Tank und den vielen anderen Meerestieren, die sich dort tummeln, so dass man unweigerlich das Gefühl hat, als wäre man bei jeder Begegnung mit einem der Tiere dabei gewesen. Dabei ist besonders auffallend, dass alle Mitarbeiter ihren Job dort leben. Sie sind immer und bedingungslos für die  – für mich -seltsamsten Tiere da und lieben sie wie ein eigenes Haustier. Da Oktopoden nicht allzu lange leben, verbrachte die Autorin nicht nur regelmäßig Zeit mit Kali, sondern auch mit Athena und Octavia, die sie ebenfalls sehr schnell in ihr Herz geschlossen hatte. Alle drei hatten völlig unterschiedliche Charaktere, die durch das Verhalten, das sie den Menschen gegenüber an den Tag gelegt haben, greifbar wurden.

All die Einzelheiten zum Verhalten der Oktopoden kann ich hier leider gar nicht wieder geben. Ich bin einfach nur total positiv überrascht, dass sie komplett auf den Menschen eingehen können und uns nach Meinung der Forscher genauso beobachten und analysieren können wie wir sie. Im ersten Drittel war ich von all den Erzählungen über die Fähigkeiten dieser Tiere total überwältigt und musste jedem um mich herum erzählen wie großartig Oktopoden sind. Ich habe schon angekündigt, dass ich, sobald es wieder möglich ist, den Aquazoo besuchen möchte. Es gibt aber noch einen weiteren seltsamen Nebeneffekt: Ich habe bisher jedem, der es wissen wollte (oder auch nicht wissen wollte), erzählt, dass ich Fische hässlich und eklig finde. Nachdem Sy Montomery aber über so gut wie alle Meeresbewohner total liebevoll und ehrfürchtig geschrieben hat, habe ich all die Tiere gegoogelt (ich habe noch nie so oft Fische gegoogelt) um zu sehen, was an den einzelnen Arten so zauberhaft sein soll. Ich glaube, ich kann behaupten, dass ich Meerestiere jetzt gar nicht mehr so eklig finde wie vor der Lektüre.

Der Originaltitel lautet übrigens „The soul of an octopus“ und passt meiner Meinung nach viel besser zum Inhalt als der deutsche Titel. In meiner Ausgabe ist noch ein kurzes Nachwort von Donna Leon enthalten, das ich nicht zwingend hätte lesen müssen.

Ich bin mir sehr sicher, dass viele von euch ebenfalls fasziniert von dieser Gattung Tiere sein werden. Daher lege ich euch die Leseprobe – zu finden beim Mare Verlag – ans Herz. Und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir zurück melden würdet, was ihr von der Leseprobe oder sogar von dem Buch haltet. Ich werde es jedenfalls bestimmt noch mal lesen, weil ich all die enthaltenen Fakten gar nicht behalten konnte.

Informationen zum Buch *Werbung*

Verlag: mare Verlag

Seiten: 336

ISBN: 978-3866482654

Preis: 28,00 € (gebundenes Buch) und 13,99 € (E-Book)

Vor Rehen wird gewarnt – Vicki Baum (Hörbuch)

»Ich kriege immer, was ich will«

Ich habe selten ein Buch erlebt, dessen Hauptcharakter (zumindest einer davon) mich so auf die Palme gebracht hat und gleichzeitig auf diese Art fasziniert hat wie es hier der Fall war. Das Buch ist auf der einen Seite unglaublich liebevoll geschrieben und auf der anderen Seite hat die Autorin es echt drauf, geringschätzig über die handelnden Personen zu erzählen, vor allem über Ann.

Ann, auch Angelina genannt, Ambros ist eine der zwei Hauptcharaktere des Buches und gleichzeitig der Hauptgrund für den Titel „ Vor Rehen wird gewarnt“. Sie ist in meinen Augen der personifizierte Teufel. Sie ist hinterlistig, berechnend und bekommt nach eigenen Aussagen immer ihren Willen, ganz egal mit welchen Mitteln. Dabei ist sie vordergründig immer sehr freundlich und liebevoll, als Leser/in bekommt man aber sehr viel von ihren niederträchtigen Gedanken mit.  „Vor Rehen wird gewarnt“ erzählt die Lebensgeschichte von Angelina, ihrer Schwester Maud, auf deren Ehemann sie es abgesehen hat und von ihrer Stieftochter Joy. Eigentlich sollte man meinen, dass diese Art Geschichte nicht spannend sein kann, denn wer möchte denn schon etwas über eine Intrigen spinnende ältere Frau lesen? Aber ich muss euch enttäuschen: Das Buch entwickelt in kürzester Zeit einen unglaublichen Sog, so dass ich es kaum geschafft habe, es nicht weiter zu hören.

Die Autorin hat alle Charaktere so dargestellt, wie sie im wahren Leben wohl auch wären, niemand ist dort schwarz oder weiß und man nimmt ihr alle Handlungen – vor allem Anns – ohne zu Zögern ab. Allerdings muss man sich ein wenig zusammenreißen beim Hören, denn während die einzelnen Personen aus verschiedenen Gründen ins Nachdenken vertieft sind, springen die Zeitebenen einfach mal so hin und her. So wie es uns im realen Leben auch geht, wenn wir in Gedanken versunken irgendwo sitzen und über Dinge nachdenken, die uns bewegen.

Die Sprecherin, Elisabeth Wicki-Endriss, liest das gesamte Buch meist ziemlich unaufgeregt, was auch perfekt zum Inhalt passt. Lediglich Anns Befindlichkeiten lässt sie schon mal etwas mehr heraus. Bisher kannte ich die Sprecherin nicht, aber ich werde zukünftig wohl gezielt nach Büchern, die sie liest, suchen.

Ich denke, dass ich unschwer verbergen kann, dass ich total angetan bin von diesem Buch. Jetzt bin ich ein wenig traurig, dass es vorbei ist und habe mir schon überlegt, dass ich irgendwann in der nächsten Zeit „Menschen im Hotel“ von Vicki Baum lesen oder hören möchte.

Mehr über dieses Hörbuch könnt ihr auf der Seite des Audio Verlages erfahren.

Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende – Kathrin Tordasi

Warum hat das Buch eigentlich so lange auf meinem virtuellen SuB gelegen? Kaum hatte ich den Prolog gelesen, war ich auch schon mittendrin in der Geschichte,  inklusive wunderbarem Kopfkino.

Die Geschichte beginnt in Wales, wo Portia ihre Ferien bei ihrer Tante und deren Lebensgefährtin verbringt. Eines Tages kommt ein seltsamer Fuchs ins Arbeitszimmer der Tante und scheint etwas zu suchen. Portia folgt ihm und gelangt in das Feenreich. Allerdings hat sie mit der Öffnung der Tür auch den Grauen König geweckt, der im Niemandsland zwischen der Menschenwelt und dem Feenreich sein Unwesen treibt. Als ihre Tante Rose ihr folgt und auch noch Ben, einen Jungen aus dem Ort, im Gepäck hat, verschlägt es sie alle drei in eine zauberhafte und waghalsige Rettungsaktion, denn der Graue König muss aus dem Verkehr gezogen werden, damit er nicht großes Unheil über die Menschenwelt und das Feenreich bringt.

Dieses Buch beinhaltet alles, was man sich von einem Jugendroman, der in einer Fantasiewelt spielt, erhofft. Nicht nur Bösewichte, die kinder- und jugendgerecht böse gestaltet sind, sondern auch total bezaubernde Wesen wie Gestaltwandler, Feen und sonstige Fantasiewesen. Die Figuren, die mit Portia und Ben unterwegs sind, haben sofort mein Herz gewonnen. Die Geschichte spielt in Conwy und die Beschreibung der Umgebung hat in mir sofort Fernweh ausgelöst.

Die Geschichte ist gut durchdacht, aber auch relativ leicht zu durchschauen. Das hat das Buch für mich aber nicht weniger lesenswert gemacht, denn es war ja von Beginn an klar, dass es sich um ein Kinder- bzw. Jugendbuch handelt.

Für alle, die gerne mal in ganz fremde und zauberhafte Welten abtauchen möchten und sich in einer Geschichte wohl fühlen möchten, ist „Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende“ genau das richtige. Es ist im Übrigen der Debütroman der Autorin. Ich hoffe, dass noch mehr schöne Bücher von ihr folgen.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, guckt euch mal auf der Seite des Verlages um. Dort gibt es auch eine Leseprobe.

Das Buch wurde mir von Netgalley und den Fischer Verlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Motto Challenge 2021

Auf Streifis Bücherkiste habe ich gesehen, dass Steffis Bücherhöhle eine Motto Challenge ausrichtet. Da 2021 irgendwie das Jahr der Bücherchallenges für mich ist, möchte ich gerne mitmachen.

Hier sind die Regeln:

– Steffi gibt für jeden Monat ein Motto vor, zu dem man Bücher lesen soll, vorzugsweise natürlich vom SuB, damit der nicht über den Kopf wächst

– Es zählen keine Mangas und Kochbücher

– Rezensionen zu den gelesenen Büchern sind KEINE Pflicht!

– Ihr könnt die Challenge ganz ungezwungen verfolgen, oder aber auch eine Challengeseite erstellen und dort eure gelesenen Bücher auflisten. In dem Fall würde ich euch um den Link bitten, da man ja doch neugierig ist, was die anderen so lesen 😉

– Ihr könnt euch gerne in die Facebookgruppe einklinken, ich bin vorhin dort beigetreten

– Einsteigen ist jederzeit möglich! Ihr könnt allerdings nicht die Bücher der Vormonate mitzählen. Es gelten die Bücher ab dem Monat, in dem ihr mitmacht. Wenn ihr also z. B. Mitte April einsteigt, gelten die Bücher vom gesamten April (solange sie zum Motto passen)

Gesamt: 0 gelesen / 0 Punkte

Januar Motto:

„Wer Bücher liest, schaut in die Welt und nicht nur bis zum Zaune“ (J.W.v. Goethe)

Lies ein Buch, das du geschenkt bekommen hast.

1. Rendezvous mit einem Oktopus – Sy Montgomery

0 gelesen / 0 Punkte

Februar Motto:

Faschingszeit

Lies ein Buch, das eine schöne Verkleidung (ein schönes Cover) hat.

Das Haus der Verlassenen – Emily Gunnis

„Bitte, mein Liebster. ich flehe dich an, bitte hol mich schnell von hier weg.“

Das Buch hat mich völlig überrascht. Der Inhalt klingt nicht so dramatisch, wie es sich liest. Teilweise habe ich gemerkt, dass ich vor Spannung die Luft angehalten habe.

„Das Haus der Verlassenen“ spielt in mehreren Zeitebenen: 1956, als Ivy Jenkins schwanger im Mutter-Kind-Heim ist und sich in herzzerreisenden Briefen an den Vater ihres ungeborenen Kindes wendet. Sie bittet um Hilfe, denn im St. Margaret´s Heim werden die Mädchen zur knochenharten Arbeit gezwungen, verprügelt und gequält, egal ob sie kurz vor der Entbindung stehen oder ob sie gerade eben ihr Baby bekommen haben.

Im Jahr 2007 findet die Journalistin Sam zufällig Ivys Briefe und ermittelt, weil sie aufdecken möchte, wie im St. Margaret´s Heim mit den jungen Frauen umgegangen wurde. Sie ahnt nicht, dass diese Briefe mehr mit ihr und ihrer Familie zu tun haben als sie zu Beginn dachte.

Mir war nicht klar, dass das Buch so spannend ist. Ich dachte an eine lauschige Familiengeschichte zum runter kommen und entspannt auf der Couch liegen, aber so ist es nicht.. Fast von Beginn an musste ich wie getrieben lesen, weil das Buch einfach so unglaublich spannend geschrieben ist. Die kurzen Kapitel wechseln sehr oft die Zeitlinie und wenn man nicht ganz genau aufpasst, verpasst man den Punkt, in dem irgendwer in Rückblicken denkt. Ich musste manchmal einige Sätze noch mal lesen, weil ich plötzlich den Faden verloren hatte, weil die Autorin die aktuellen Gedanken mit früheren Erinnerungen verwebt. Das fand ich total gut umgesetzt, denn genauso ist es ja auch, wenn wir über etwas sinnieren. Die Szenen, die in der Vergangenheit und gleichzeitig im Mutter-Kind-Heim gespielt haben, waren für mich sehr oft gruselig, weil die Stimmung einfach so düster und hoffnungslos war. Ein wenig ist das schon zu erahnen, wenn man sich das Cover genau ansieht.

Die Autorin weist im Nachwort darauf hin, dass es tatsächlich Mutter-Kind-Heime gegeben hat, die genau wie in diesem Buch existiert haben. Es gibt auch Quellenangaben zu Reportagen und ähnlichem. Ich hatte erst überlegt, ob ich mir die genannten Reportagen ansehen möchte, aber ich habe mich dagegen entschieden. Gelesen fand ich schon schlimm genug, was den Mädchen bzw. jungen Frauen und auch den Kindern, die „anders“ waren, angetan wurde.

„Das Haus der Verlassenen“ ist der Debütroman von Emily Gunns. Ein weiteres Buch („Die verlorene Frau“ ) ist bereits erschienen und steht schon auf meiner Leseliste. Trotz des schockierenden Themas (bisher habe ich nur am Rande davon gehört) hat mir das Buch außerordentlich gut gefallen, weil es so gut und spannend umgesetzt wurde. Ich habe meine Top 5 für 2020 schon vergeben, daher habe ich jetzt eine Top 6 😉  

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Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, könnt ihr euch auf der Seite des Verlages umsehen. Dort gibt es auch eine Lesprobe.

Tschüss 2020!

Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wenn ich auf den Kalender gucke: Das Jahr 2020 soll schon wieder vorbei sein? Es ist doch erst ein paar wenige Wochen her als ich mit lieben Freunden bei uns zu Hause gesessen habe und auf das neue Jahr angestoßen habe. Es sollte DAS Jahr für mich werden. Das hatte ich mir fest vorgenommen. Ich hatte bereits Ende 2019 ein Event, entweder Urlaub oder eine Veranstaltung, für jeden Monat des Jahres gebucht. Nach Wien wollten wir im Frühjahr fahren und nach Formentera – endlich mal wieder – im Herbst. Stattdessen hat Corona Einzug in unser Leben gehalten und uns damit dazu gebracht zu Hause zu bleiben und umzudenken. Das ging besser als gedacht. Nach kurzem Entsetzen habe ich mich voller Eifer auf all meine Hobbys gestürzt. Allem voran natürlich aufs Lesen. So ist dieser Blog entstanden. Ich habe schon immer sehr gerne über gelesene Bücher geredet und dank Netgalley darf ich einige Bücher als Rezensionsexemplar lesen, die ich sowieso gerne gelesen hätte. Nun ist mein Blog schon über ein halbes Jahr alt und ich habe mittlerweile 58 Bücher rezensiert.

Euch interessiert es bestimmt, welches meine fünf Jahreshighlights waren. Mir fällt es immer schwer, mich zu entscheiden. Letztendlich sind es aber dann diese geworden:

 Die Muskatprinzessin von Christoph Driessen

 Die Wahrheit über Metting von Tom Liehr

Herzfaden von Thomas Hettche

Der nasse Fisch von Volker Kutscher

Träume aus Samt von Ulrike Renk

Für 2021 habe ich mir vorgenommen wieder ungefähr genauso viel zu lesen bzw. zu hören wie in diesem Jahr. Ob das klappt, weiß ich noch nicht so genau, denn ich habe vor kurzem mit einer beruflichen Weiterbildung (Controlling als Fernstudium) angefangen, so dass ich weniger Zeit haben werde als im ersten dreiviertel Jahr in 2020.

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Auf meiner Leseliste steht „Die Hyperion-Gesänge“ von Dan Simmons, das knapp über 1400 Seiten hat und eventuell auch der Folgeband (Endymion). Interessant klingt auch noch die „Otherland“ Reihe von Tad Williams, die auch nicht gerade dünne Büchlein sind. Ihr werdet also wahrscheinlich nicht mehr jede Woche zwei Rezensionen von mir bekommen, denn so schnell kann ich auch nicht lesen. Außerdem werde ich im Februar an einer Blogtour zu „Nordwesttod“ von Svea Jensen teilnehmen, auf die ich mich schon sehr freue. Mehr dazu erfahrt ihr in ein paar Wochen.

Ich wünsche Euch nun einen guten Rutsch ins neue Jahr und hoffe, dass wir in naher Zukunft wieder ein einigermaßen normales, also wie vorher gewohntes, Leben leben können.

Wir lesen uns in 2021. 🙂

Der Moment zwischen den Zeiten – Marta Oriols

„Der Moment zwischen den Zeiten“ war für mich ein ganz besonderes Buch. Ich wollte eigentlich nichts lesen, was mich traurig macht zwischen den Feiertagen, aber dann hat es mich doch irgendwie angezogen. Ich habe es nicht bereut. Es gehört auf den letzten Drücker noch zu den Jahreshighlights in 2020.

In Paulas und Mauros Beziehung läuft es schon länger nicht mehr so richtig rund. Dann beichtet er ihr, dass er sie für eine Jüngere verlässt, doch am gleichen Tag stirbt er bei einem Verkehrsunfall. Paula muss nun ihr Leben mit dem Wissen, dass sie wohl doch nicht die richtige Frau für ihn war und dem Wissen, dass sie sich nicht liebevoll nach ihrem letzten Treffen verabschiedet haben, weiterleben. Dies wirft natürlich nicht nur Schuldgefühle auf, sondern auch Wut und Verzweiflung.

„Der Moment zwischen den Zeiten“ passt meiner Meinung nach perfekt zum Buch, denn Mauro befand sich zum Zeitpunkt seines Todes zwischen der Beendigung seiner alten Beziehung und dem offiziellen Beginn seiner neuen Beziehung. Für Paula ist es die Zeit zwischen der langjährigen Lebensgefährtin und der verlassenen Frau. Alles in dem Buch dreht sich um „vorher“ und „danach“, was meiner Meinung nach total gelungen umgesetzt wurde, denn Paula erzählt immer von der Gegenwart um dann in die Vergangenheit abzudriften und dem Leser bzw. der Leserin von ihrem Leben zu erzählen. Dadurch kam bei mir total Verständnis dafür auf, dass Paula handelt wie sie handelt, obwohl ich ihr manchmal sehr gerne ins Gewissen geredet hätte.  In manchen Kapiteln redet sie direkt mit Mauro und man spürt, dass sie hin und her gerissen ist zwischen Schuldgefühlen, Verzweiflung, Wut und Trauer. Dabei ist das Buch niemals kitschig, denn die Gedanken Paulas sind nie oberflächlich. Die Autorin wirft den Leser/die Leserin einfach so in das Gefühlschaos, in dem Paula sich befindet und das ist auch genau richtig, denn es macht das Buch sehr authentisch. Das Ende hat mir besonders gut gefallen, weil es Hoffnung gibt.

Ich würde mir sehr wünschen mehr von Marta Orriols zu lesen. „Der Moment zwischen den Zeiten“ ist ihr erster Roman. Wenn dem noch mehr solcher gefühlvollen Bücher folgen, werde ich mit Sicherheit ein sehr großer Fan von ihr werden.

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Lest unbeding mal in die Leseprobe, die ihr auf der Homepage des dtv Verlages finden könnt.

Ich danke Netgalley und dem Verlag für die zur Verfügungstellung des Leseexemplars. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Träume aus Samt – Ulrike Renk (Die große Seidenstadt-Saga # 4)

„Die Menschen hinter meinen Figuren existierten wirklich. Sie sollen nie vergessen werden!“ Ulrike Renk

Ich hatte eine waschechte Leseflaute! Wie kann das nach diesem grandiosen Lesejahr 2020 sein? Mir helfen dann immer Bücher meiner Lieblingsautoren. Da ich die ersten drei Teile der großen Seidenstadt-Saga bereits verschlungen habe, habe ich es einfach versucht und hatte Erfolg. Ich habe die fast 600 Seiten in zwei Tagen gelesen.

Es ist 1940 und Ruth und ihre Familie sind unterwegs in die USA um dort ein neues Leben anzufangen. In Deutschland wurden sie von den Nazis vertrieben und konnten nur so gerade eben entkommen. In England kam der Krieg ihnen viel zu nahe, so dass sie wieder flüchten mussten, diesmal in die USA. Aber auch hier greift der Krieg um sich. Ihr Leben in Chicago ist zudem völlig anders als sie es ich vorher ausgemalt hatten.

Bei jeder Reihe, die ich von Ulrike Renk beginne, denke ich vorher: „Ja, das ist wieder eine Familiengeschichte, was kann daran so spannend sein?“ Drei Seiten weiter komme ich nicht mehr vom Buch weg bis mir die Augen zufallen oder ich irgendwelchen lästigen Verpflichtungen nachkommen muss. Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber ihr Schreibstil fesselt mich einfach. Die Bücher fühlen sich an, als wäre die Autorin persönlich bei allen Ereignissen dabei gewesen, was wohl daran liegt, dass sie von der Familie Tagebucheinträge, Briefe und andere Dokumente aus dieser Zeit bekommen hat und daraus diese wundervollen und trotz der oft sehr traurigen Themen sehr heimelige Romane strickt. Es sind die Figuren, von der die Bücher ausschließlich leben und die mich emotional total ansprechen. Sie und ihre Geschichten, die nicht immer angenehm zu lesen sind.

Viele Themen haben mich speziell in dieser Reihe sehr berührt. Die Judenverfolgung, die Deportierungen und die Angst, in der diese armen Menschen leben mussten, ließen mich nach der Lektüre auch Tage später nicht mehr los. Genauso wie die Ängste, die durch den Krieg geblieben sind und jeden einzelnen der handelnden Personen auf die ein oder andere Art prägen. Es ist aber nicht alles traurig und hoffnungslos, denn es gibt hier auch eine sehr berührende Liebesgeschichte, die mein Herz hat schmelzen lassen.

Jedem, der noch kein Buch von Ulrike Renk gelesen hat, empfehle ich natürlich „Die große Seidenstadt-Saga“, „Die Ostpreußen-Saga“ und auch „Die Australien-Saga“. Alle drei Reihen beruhen auf wahren Begebenheiten und haben mein Herz gewonnen, so dass ich sie uneingeschränkt empfehlen kann. Ich kaufe mittlerweile alle ihre Romane ohne auf den Klappentext zu achten.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, seht euch auf der Seite des Aufbau Verlages um.