Wenn du mich heute wieder fragen würdest – Mary Beth Keane

  • Originaltitel: Ask Again, Yes
  • Übersetzer: Wibke Kuhn
  • Verlag: Eisele
  • Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2020
  • Seiten: 464
  • ISBN: 9783961610969 (Hardcover mit Schutzumschlag)
  • ASIN: B087D437YY (e-book)

Die Autorin (Verlag):

Mary Beth Keane machte ihren Master of Fine Arts an der University of Virginia. Von der National Book Foundation wurde sie zu den „5 besten Schriftstellerinnen unter 35“ gewählt und erhielt ein Guggenheim Stipendium. Mit ihrem Mann und den gemeinsamen zwei Söhnen lebt sie in Pearl River, New York. Wenn du mich heute wieder fragen würdest ist ihr dritter Roman und hielt sich acht Wochen am Stück auf den vorderen Plätzen der New York Times Bestsellerliste. Die Auslandsrechte zu dem Roman wurden bisher in 16 Länder verkauft, die Produzenten von American Beauty arbeiten derzeit an einer Umsetzung des Stoffs als TV-Serie.

Klappentext (Verlag):

Als die Gleesons und die Stanhopes in dieselbe Nachbarschaft ziehen, scheinen die Weichen für ein freundschaftliches Miteinander gestellt, sind die beiden Familienväter zudem Kollegen bei der New Yorker Polizei. Lena Gleeson fühlt sich in der neuen Gegend ein wenig einsam und versucht mit Anne Stanhope Freundschaft zu schließen. Doch deren kühle, distanzierte Art verhindert jeden Kontakt. Erst ihre Kinder bringen die Gleesons und die Stanhopes wieder miteinander in Verbindung. Lenas jüngste Tochter Kate und Annes einziger Sohn Peter sind von Anfang an unzertrennlich. Aber ihre aufkeimende Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als eine Tragödie beide Familien für lange Zeit auseinanderreißt.

Meine Meinung:

Zugegeben, den Titel fand ich äußerst merkwürdig, aber der Klappentext hat mich angesprochen. Also habe ich es mit „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ versucht. Wenn man den Inhalt des Buches kennt, macht der Titel durchaus Sinn.

Das Cover fand ich vor der Lektüre nicht so wirklich ansprechend und vor allem nicht aussagekräftig. Nach dem Lesen des Buches hat sich der Eindruck aber verflüchtigt. Gerade weil es hier um zwei Familien geht, die zu Beginn der Geschichte in einem kleinen Ort leben, wo jeder jeden kennt, passt es ziemlich gut.  

Der Leser begleitet Kate und Peter durch den größten Teil ihrer Lebensgeschichte. Das Buch beginnt in den 70ern, als Kates und Peters Eltern Nachbarn werden. Die Väter kannten sich zuvor schon, weil beide zeitgleich den Polizeidienst angetreten sind. Der Leser lernt sie ganz kurz schon als frisch gebackene Kollegen kennen. Anne, Peters Mutter, weigert sich aus einem für den Leser zu dem Zeitpunkt nicht zu erahnenden Grund eine Freundschaft mit Lena, Kates Mutter,  einzugehen. Die Tragödie, die im Klappentext angesprochen wird, hat mir den Boden unter den Füssen weg gezogen und ihre Auswirkungen sind das ganze Buch über Thema. Die Geschichte des Buches endet 2017, also im mittleren Alter von Kate und Peter.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, in das Buch hinein zu kommen. Woran das lag, kann ich nicht mal genau sagen. Nach einigen Seiten und nachdem die ersten Personen soweit vorgestellt wurden, fluppte es aber plötzlich. Mir hat besonders gefallen, dass das Buch alle möglichen Emotionen, die auch im wahren Leben vorkommen, enthalten hat. Für mich hat es sich wie ein Tagebuch aus Sicht von verschiedenen Personen gelesen, allerdings ohne die Ich-Erzählung. Die Lebensgeschichten der Gleesons und der Stanhopes sind von Beginn des Buches bis nach Ende der Geschichte so sehr miteinander verwoben, dass sie niemals hätten aufgelöst werden können. Das macht das Buch meiner Meinung nach auch so authentisch. Mary Beth Keane weiß, wovon sie spricht, denn das Buch ist angelehnt an ihre persönliche Familiengeschichte.

Der Schreibstil gefiel mir ebenfalls sehr gut. Einmal eingetaucht in die Geschichte und damit warm geworden, wollte ich eigentlich gar nicht mehr aufhören. Die Liebesgeschichte von Kate und Peter war nicht kitschig, sondern eher tragisch. Der Romeo-und-Julia-Vergleich passt meiner Meinung also perfekt zum Inhalt. Ich habe das Buch gern gelesen und kann es jedem empfehlen, der gerne tragische Geschichten liest, die Menschen durch verschiedene Arten von Liebe miteinander verbindet.

Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Eisele Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Offene See – Benjamin Myers

„Damals wusste ich nicht, was Sprache vermag. Ich verstand die Macht, die Wirkungskraft von Worten noch nicht. Die komplexe Magie von Sprache war mir ebenso fremd wie das veränderte Land, das ich in jenem Sommer um mich herum sah.“

  • Originaltitel: The Offing
  • Übersetzer: Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
  • Verlag: DuMont
  • Erscheinungsdatum: 20. März 2020
  • Seiten: 270 Seiten
  • ISBN:  978-3-8321-8119-2 (Hardcover gebunden)

Der Autor (Verlag):

Benjamin Myers, geboren 1976, ist Journalist und Schriftsteller. Myers hat nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher und Lyrik geschrieben. Für seine Romane hat er mehrere Preise erhalten. Er lebt mit seiner Frau in Nordengland.

Klappentext (Verlag):

»Ein intensiver und bewegender Roman, der an J. L. Carrs ›Ein Monat auf dem Land‹ denken lässt.« The Guardian

Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.

Meine Meinung:

Nach ungefähr fünf Sätzen war ich schon rettungslos in das Buch verliebt. Benjamin Myers hat so einen wunderschönen bildlichen Sprachstil, dass ich die 270 Seiten deutlich langsamer lesen musste als üblicherweise.

Robert ist sechzehn als er beschließt, seiner Heimatstadt erst mal den Rücken zu kehren und auf Wanderschaft zu gehen. Er schlägt sich hier und da durch und landet am Ende bei der verschrobenen Dulcie. Die beiden freunden sich direkt an und helfen sich gegenseitig. Dulcie hilft Robert sich selber zu finden und Robert hilft ihr bei dabei eine schwierige Phase in ihrem Leben zu überwinden.

Das Buch hat mir total Lust gemacht, meine Wanderschuhe zu schnüren und einfach drauflos zu gehen soweit meine Beine mich tragen. Robert erzählt die Geschichte im hohen Alter und man merkt ihm sehr an, dass er wehmütig auf diese Zeit zurück sieht. Nicht nur er hatte Dulcie total gern, auch als Leser bleibt einem nichts anderes übrig als sie zu lieben. Sie ist ehrlich und direkt, denkt völlig anders als die meisten Menschen zu dieser Zeit und ist nicht berechnend. Alles was sie tut, tut sie, weil sie überzeugt ist, dass es genau jetzt und genau so richtig ist. Ihre Zuneigung zu Robert ist echt. So eine Freundin kann man sich eigentlich nur wünschen, denn sie gehört zu den Menschen, die ihr Gegenüber tatsächlich wahrnehmen und richtig zuhören statt sich nur oberflächlich mit demjenigen abzugeben.

Für mich ist der Hauptcharakter des Buches eindeutig Dulcie, weil sie so viel Raum in der Erzählung einnimmt, aber dabei niemals unangenehm wirkt. Robert ist der Erzähler, der allerdings so erzählt als wäre das Buch keine Fiktion, sondern als wäre alles tatsächlich geschehen. Für mich war das Buch zu keiner Zeit langweilig oder unangenehm, es war sogar zeitweise ziemlich spannend, weil der Leser erstnach und nach Dulcies Geschichte erfährt. Natürlich immer nur im gleichen Tempo wie Robert. Und ich kann euch sagen, dass die Erzählung einige Zeit in Anspruch genommen hat.

 Ich habe also zusammen mit Robert in seiner Hütte gesessen und ihm dabei zugehört, wie er in liebevollen Erinnerungen über Dulcie und ihrer gemeinsamen Zeit schwelgte. Außerdem habe ich jedes einzelne Wort eingesogen und genossen und ich bin mir sicher, dass ich mit „Offene See“ mein Monats- und vielleicht auch Jahreshighlight gefunden habe. Der Buchtitel schien mir erst mal ziemlich seltsam zu sein, aber im Laufe des Buches löst sich auf, warum es heißt wie es heißt.

Ich kann das Buch absolut jedem empfehlen, weil ich möchte, dass so viele Menschen wie möglich es lesen und es dann genauso genießen wie ich. Vor dem Lesen sollte man sich aber im Klaren darüber sein, dass Myers zu den Autoren gehört, der Bandwurmsätze auf die Welt loslässt. Hier ein Beispiel: „In dem Moment entfalteten sich neue Gefühle von Verwirrung und Neugier in mir, vor allem jedoch ein überwältigendes, mächtiges Bewusstsein für den Raum, diesen Raum im Hier und Jetzt, als wären die Wörter über die Seite gekrochen und vom Papier gefallen und hätten mich umschlungen wie Ranken, die mich zurück in das Gedicht zogen, sodass die erdachten Zeilen und die reale Welt irgendwie zu einem tieferen Porträit von Land und Meer verschmolzen.“

Der Autor hat schon einige Bücher geschrieben, allerdings wurden bis auf die „Bad Tuesdays“ Reihe keine weiteren Bücher ins Deutsche übersetzt.

Das Buch wurde mir vom DuMont Verlag und von Netgalley zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Leseprobe auf der Seite des Verlages

Ich bleibe hier – Marco Balzano

„Wir hatten uns daran gewöhnt, nicht wir selbst zu sein. „

  • Originaltitel: Resto qui
  • Übersetzerin: Maja Pflug
  • Verlag: Diogenes Verlag
  • Erscheinungsdatum: 24. Juni 2020
  • Seiten: 288 Seiten
  • ISBN:  978-3-257-07121-4 (Hardcover Leinen)

Der Autor (Verlag):

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. Mit seinem letzten Roman, ›Das Leben wartet nicht‹, gewann er den Premio Campiello, mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Klappentext (Verlag):

Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.

Meine Meinung:

Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, weil ich wissen wollte, wie Italien den zweiten Weltkrieg erlebt hat. Bisher kenne ich eigentlich nur Bücher, die in Deutschland spielen und natürlich das, was jeder hier in der Schule über diese Zeit lernt. Leider hat das Buch meine Erwartungen nicht so ganz erfüllt.

Wenn man die Geschichte kennt, die in dem Buch erzählt wird, kann erkennt man, was das Cover darstellt. Es ist der Kirchturm von Graun in Südtirol. Was daran so besonders ist? Der Kirchturm ist das einzige Überbleibsel des ursprünglichen Dorfes Graun, denn der 1950 eröffnete Reschenstausee überflutete das Dorf komplett.

Das Buch beginnt kurz nach dem ersten Weltkrieg. Die Hauptperson, Trina, unterrichtet heimlich Deutsch in versteckten Klassenzimmern, weil es mittlerweile verboten ist, deutsch zu sprechen. Die Einwohner des Dorfes werden bestochen, damit sie den Ort verlassen und wo anders ihr Glück suchen. Dies geschieht nur, weil der Montecatini-Konzern den Reschensee stauen möchte und Graun für dieses Vorhaben sehr ungünstig liegt. Wenn man schon mal im Vinschgau war und sich mit dem versunkenen Dorf befasst hat, weiss man, dass die Rettung, die Trina im Laufe des Buches anstrebt, umsonst war. Das Buch enthält sehr viele Beschreibungen von Diffamierungen, Hass gegenüber denen, die anders sind oder anders sein wollen, es ist eben ein typisches „Kriegsbuch“.

Das Buch ist in Briefform geschrieben. Trina berichtet ihre Geschichte an ihre für den Leser namenlose Tochter. Überhaupt sind sehr viele Menschen in dem Buch namenlos. Sie heißen beispielsweise „Mann mit Hut“, „die Alte“ oder „der Vater von Maria“. Mir hat sich bis zum Ende nicht erschlossen, wann jemand einen Namen bekommen hat und wann nicht. Ich muss leider sagen, dass ich die Umsetzung des Buches nicht sehr gelungen fand. Ich habe mich die meiste Zeit gelangweilt, obwohl ich das Thema eigentlich total interessant finde. Am Ende habe ich nur noch quer gelesen, weil ich die Geschichte des Dorfes nicht kannte und wissen wollte, wie es dazu kam, dass es so endet wie es eben endet. Der Autor hat für die Recherche mit den letzten Augenzeugen der damaligen Zeit gesprochen und ich vermute, dass er aus diesem Grund Trina als alte Frau ihrer Tochter hat Briefe schreiben lassen.

Eigentlich bin ich ganz froh, dass das Buch nur knapp 230 Seiten hat, denn ansonsten hätte ich es wohl abgebrochen und mich anderweitig über die damaligen Vorfälle informiert, beispielsweise hier.

Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Es gibt übrigens auch eine Mysteryserie mit dem Namen Curon (italienisch für Graun), die in diesem Ort spielt.

Das Buch beim Verlag – incl. Leseprobe.

Daisy Jones and The Six – Taylor Jenkins Reid

Originaltitel: Daisy Jones and The Six

Übersetzer: Conny Lösch

Verlag: Ullstein Hardcover

Erscheinungsdatum: 2. Juni 2020

Seiten: 368

ISBN: 978-3550200779

Die Autorin (Verlag):

Taylor Jenkins Reid wurde in Massachusetts geboren, studierte am Emerson College in Boston und lebt heute mit ihrem Mann in Los Angeles. Bevor sie ihr erstes Buch „Neun Tage und ein Jahr“ schrieb, war sie für verschiedene Zeitungen tätig. Für „Daisy Jones & The Six“ hat sie sich intensiv mit der Geschichte der Band Fleetwod Mac beschäftigt.

Klappentext (Verlag):

Daisy Jones, jung, schön, von ihren Eltern vernachlässigt, hat eine klare Stimme und einen starken Willen: Sie möchte mit ihren eigenen Songs auf der Bühne stehen. Als sie zum ersten Mal gemeinsam mit THE SIX auftritt, ist das Publikum elektrisiert von ihr und Billy, dem Leadsänger der Band. Die beiden zusammen sind nicht nur auf der Bühne explosiv und führen die Band zu ihrem größten Erfolg, auch Backstage sprühen die Funken … 

Meine Meinung:

Wow! Was für ein grandioses Buch! Ich war erst etwas skeptisch, ob diese Erzählform bei mir überhaupt funktioniert. Es hat ein paar Seiten gedauert, aber dann hat es eingeschlagen wie eine Bombe.

Es geht um Daisy Jones und die fiktive Band „The Six“. Daisy ist ein gesangliches Ausnahmetalent und wächst in einem Elternhaus auf, in dem vor allem die Gleichgültigkeit regiert. Ziemlich früh zieht sie um die Häuser und gelangt so in die Musikerszene. Mehr oder weniger zufällig wird sie Mitglied der Band „The Six“ und schreibt mit ihnen zusammen ein Album. Daisy Jones hat mich die ganze Zeit an Amy Winehouse erinnert.

Der Erzählstil kam mir erst etwas seltsam vor. Die Autorin hat sich für eine Art Dokumentation entschieden, in der jeder der Beteiligten seine Sicht der Dinge erzählt. Dies alles ist so nah am wahren Leben geschrieben, dass man als Leser glaubt, sich tatsächlich eine Doku anzusehen. Hier wird Umgangssprache gesprochen, geflucht etc. Ich hatte die ganze Zeit Lust mir dieses sicherlich grandiose Album anzuhören. Die Songtexte sind am Ende des Buches abgedruckt. Mir haben nur noch die Töne dazu gefehlt.

Die Hauptprotagonisten sind Billy, der Sänger von „The Six“ und Daisy. Von beiden erfährt man sehr viel über ihre private Situation und auch viel von ihren Gedanken, Wünschen und Ängsten, dass es einem gar nicht schwer fällt, ständig mit ihnen mitzufiebern. Von allen anderen erfährt man gerade nur so viel, dass man auch mit ihnen mitfiebert, sie einem aber trotz allem immer etwas fremd bleiben.

Das gesamte Buch besteht nur aus Gefühlen, aus Angst, aus Freude, aus Scham, aus Trauer, aus Liebe, was man sich nur vorstellen kann. Ich fühlte mich wie in einem Orkan, der mich ununterbrochen von der einen auf die andere Seite wirbelt.

Ich bin sehr verliebt in dieses Buch und möchte es am liebsten jedem ans Herz legen. Dabei kann ich nicht mal genau sagen, für wen es genau was ist. Musikbegeisterte? Leute, die gerne gefühlvolle Bücher lesen? Ich glaube, es ist einfach für jeden was, sofern man sich auf die Erzählform einlassen kann. Unbedingte Leseempfehlung!

Das Buch wurde mir von Netgalley und den Ullstein Buchverlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Leseprobe

Leichtmatrosen – Tom Liehr

Leichtmatrosen – Tom Liehr
352 Seiten
ISBN:  978-3746630731
9,99 Euro

Klappentext:
Sie sind bestenfalls Bekannte: Simon, der unzuverlässige Handwerker mit dem Handy-Tick, Henner, der Pfarrer, der gestärkte Hemden liebt, Mark, der Berufschaot, der noch zu Hause wohnt, und Patrick, der Lektor mit Liebeskummer. Aus einer Laune heraus buchen sie eine Tour auf einem Hausboot – und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Kaum haben sie die erste Schleuse passiert, hat Patrick sein Erlebnis: Er sieht, wie eine wunderschöne Frau in einem Kanu mit ihm flirtet und dann davonfährt. Was die vier dann erwartet: eine wunderschöne Landschaft, ein paar besonders „leichte Mädchen“, eine schnell verliebte Schleusenwärterin, die albanische Mafia – und die Erkenntnis, dass sie ihr Leben ändern sollten…
Vier Männer und ein Boot – das Sommerbuch der Saison. Mit der absoluten Unterhaltungsgarantie!
Meine Meinung:
Ja, es ist ein Sommerbuch, nein, kein locker leichtes mal eben weg zu lesendes Sommerbuch. Normalerweise fällt es mir nicht schwer, in die Romane des Autors zu kommen. Hier schon. Aber nur anfangs. Je länger ich mit den vier Männern unterwegs war, desto mehr habe ich sie in mein Herz geschlossen.
Aus einer Bier- und Ouzolaune heraus beschließen Patrick, Mark, Simon und Henner, dass sie zusammen eine Bootstour unternehmen möchten. Dass das keine so gute Idee ist, merkt der Ich-Erzähler Patrick bereits zu Beginn der Reise, denn es geht alles drunter und drüber. Die Vier kennen sich so gut wie gar nicht, nur vom gelegentlichen Sport. Es ist nicht nur so, dass keiner von ihnen ein Boot bedienen könnte, jeder hat auch seine eigenen Probleme, die jeden der Charaktere ausmacht.
Mich haben die Landschaftsbeschreibungen sehr gefallen und nach kurzen Anfangsschwierigkeiten direkt in das Buch hinein versetzt. Man merkt dem Autor an, dass er diese Art der Fortbewegung und der Entspannung sehr schätzt. Die Charaktere wirken anfangs ziemlich chaotisch und wenig durchschaubar. Jedem der vier Männer ist ein kurzes Kapitel gewidmet, so dass der Leser nach und nach die Handlungen und Eigenheiten verstehen oder zumindest nachvollziehen kann. Die Schreibweise ist locker und fast schon umgangssprachlich.
Ein Sommerbuch ist es, weil es um den Sommer geht, um Ferien, um Freundschaft und um das Loslassen des bisherigen Lebens und das Genießen – in allen Facetten . Kein Sommerbuch ist es, weil es Tiefgang hat. Der Leser denkt über die Personen und deren Schicksal nach und hofft, dass sie ihr Leben nach ihren Wünschen gestalten können. Mich wird der Inhalt so schnell nicht los lassen. Schon allein, weil man wieder einmal merkt, dass nicht jeder der ist, der er zu sein scheint.
Sehr lesenswert!

Vulkantöchter – Steffanie Burow

Vulkantöchter – Steffanie Burow
480 Seiten 
ISBN:  978-3426639061
9,99 Euro

Klappentext:
Eine verwirrende Vielfalt der Kulturen, überwältigende Natur und düstere Riten – die Touristin Alexandra kann der Exotik Indonesiens wenig abgewinnen. Doch als ihr Mann Martin auf mysteriöse Weise verschwindet, führt sie die Suche nach ihm tief in die Geheimnisse der Inselwelt. Und weit über ihre eigenen Grenzen hinaus.
Meine Meinung:
Ich habe schon lange kein Buch mehr von der Autorin gelesen, da mir aber „Das Jadepferd“ und „Im Tal des Schneeleoparden“ so gut gefallen haben, war ich mir sicher, dass mir auch die Vulkantöchter liegen werden. Und genauso war es auch.
Alexandra und ihr Mann Martin fahren nach Indonesien in den Urlaub. In der Ehe kriselt es gewaltig und plötzlich macht sich Martin mit der schönen Kellnerin Sien auf und davon. Als Alexandra bemerkt, dass Martin in größter Gefahr schwebt, macht sie sich zusammen mit der Reiseleiterin Birgit auf die Suche nach ihm.
Das Buch ist in mehrere Handlungsstränge aufgeteilt, die sich erst nach und nach zusammenfügen bzw. Erklärungen zu den Begebenheiten liefern. Besonders gut hat mir der Strang des Klans der Rochenkinder gefallen. Die Autorin hat sich da einen sehr authentische  Mythos ausgedacht, der auch der Beweggrund dafür ist, dass Martin in Gefahr ist. Die Landschaftsbeschreibungen sowie die Beschreibungen der Menschen, der Orte und der Gerüche hat mich sofort nach Indonesien katapultiert. Einige Szenen hat die Autorin aus dem eigenen Leben gegriffen, sie selbst hat nämlich schon einige Monate dort gelebt. Das merkt man auch, denn sie weiß wovon sie spricht.
Der Schreibstil ist angenehm, so dass man einen ganz entspannten Abend auf der Couch mit diesem Buch verbringen kann. Ich war so gefesselt von dem Buch, dass ich teilweise die Stimmen der Personen in meinem Kopf gehört habe. Hätte ich nicht schlafen müssen, hätte ich das Buch bestimmt in einem Rutsch durchgelesen.

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich gern auf außergewöhnliche Orte einlässt und natürlich jedem, der die anderen Bücher der Autorin mag. Für mich war es mein bisheriges Monathighlight! 

Dreimal im Leben

Dreimal im Leben – Arturo Pérez-Reverte
525 Seiten 
ISBN: 978-3458175803
22,95 Euro
Klappentext:
Auf einem Ozeandampfer begegnen sie sich das erste Mal. Es ist das Jahr 1928, Max – jung und von wildem Charme – arbeitet als Eintänzer in der ersten Klasse. Mecha zieht ihn augenblicklich in den Bann, ihre aparte Schönheit, der weltberühmte Komponist an ihrer Seite, das funkelnde Collier um ihren schlanken Hals. Es folgt ein Tanz, ein nichtssagender Smalltalk, der verheißungsvoller nicht sein könnte. In Buenos Aires angekommen, führt Max das Paar durch die zwielichtigen Tangobars seiner Geburtsstadt. Doch in dieser Nacht geraten die Dinge außer Kontrolle, und für Max und Mecha beginnt das Abenteuer ihres Lebens: die große Liebe. Eine Liebe, die erst viele Jahre später auf der Promenade Nizzas zwischen entrücktem Glamour und den Wirren des Krieges eine zweite Chance erhält … »Dreimal im Leben« erzählt eine Geschichte voller Sehnsucht und Eleganz. Durchweht von der Nostalgie nach einer Welt, deren Glanz verblasst und deren Melodie verklungen ist, beschwört der Roman den bittersüßen Zauber verstrichener Gelegenheiten und die lebenslange Liebe zweier Menschen.
Meine Meinung:
Was für ein schönes Buch! Immer wieder merke ich, dass ein Klappentext niemals das ausdrücken kann, was in einem Buch steckt.
Mecha und Max lernen sich auf einem Ozeandampfer Anfang des 20. Jahrhunderts  kennen und fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Max ist Eintänzer auf dem Dampfer und hat gelernt sich so zu benehmen, dass alle Frauen ihm zu Füßen liegen, er ist charmant, hört zu und weiß wie er sich zu kleiden hat. Nachdem sie zusammen Tango tanzen ist es um beide geschehen. Sie treffen sich zweimal nach ihrer kurzen Liaison wieder, nach fast zehn Jahren und nach fast 30 Jahren und es ist nicht ein Funke der alten Verliebtheit verloschen.
Vorab muss ich erwähnen, dass das Buch nichts für nebenbei ist. Denn der Autor nutzt lange verschachtelte Sätze, die man  – wenn man nicht aufmerksam genug liest – mehrmals lesen muss. Für mich als Thriller, Jugendbuch und Fantasy lesender Mensch ist es ziemlich schwierig gewesen, mich darauf einzustellen. Aber da die Geschichte so zauberhaft und bis in alle Einzelheiten – vor allem was Max Lebenswandel angeht – erzählt ist, konnte ich mich darauf einlassen. Die Übersetzerin hat manche spanischen Worte nicht ins Deutsche übersetzt, so dass das Buch eine ganz bestimmte Stimmung rüber bringt. Erwähnt werden sollte auch, dass viele wörtliche Reden in indirekter Rede erzählt werden, was mir persönlich immer etwas schwer fällt. Die Kapitel sind lang, also kann man nicht mal eben vor dem schlafen gehen ein Kapitelchen lesen.
Die Hauptthemen des Buches sind der Tango und Schach. Eigentlich ist beides gar nicht meins, aber Mecha und auch Max lieben das Tanzen, so dass der Autor davon so überzeugt erzählt, dass man den Ausführungen einfach folgen muss. Mechas Sohn ist professioneller Schachspieler, also erklärt sie Max für Laien, was bei den Spielen hinter den Kulissen passiert. So uninteressant war es gar nicht, wie ich erst dachte.

Ich kann das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen, man sollte sich nur auf die Schreibweise einstellen können und kein Schnellleser sein, denn dann fällt es einem wirklich schwer, alle Einzelheiten mitzubekommen. 

Ein ganzes halbes Jahr

Ein ganzes halbes Jahr – Jojo Moyes
 512 Seiten 
ISBN: 978-349926703
14,99 Euro
Klappentext:
Lou & Will. Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt. Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird. Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.
Meine Meinung:
Ich hätte niemals gedacht, dass dieses Buch mich so sehr fesseln würde. Der Klappentext lässt auf ein leichtes, mal eben nebenbei zu lesendes Buch schließen.  Das stimmt aber nicht, denn die Autorin hat die Protagonisten so vielschichtig gezeichnet und sich eine überzeugende Geschichte zurechtgelegt, dass der Inhalt aus dem wahren Leben stammen muss. Das Buch ist mein bisheriges Jahreshighlight, obwohl ich finde, dass der Titel zwar zur Rahmenhandlung passt, aber nicht zum Inhalt.
Lou hat mich von Anfang an beeindruckt. Obwohl sie manchmal nicht genau weiß, wie sie sich verhalten soll, handelt sie nur nach dem, was ihr Herz sagt. Anfangs hasst sie Will, der arrogant und abweisend in seinem Rollstuhl sitzt, dann lernt sie aber den Mann hinter der Fassade kennen. Er ist lustig, sarkastisch, intelligent und gut aussehend. Und er möchte nicht mehr leben, weil er mit dem Leben, das ihm nach dem Unfall geblieben ist, nicht umgehen kann. Wie der – übrigens nichts sagende – Klappentext schon beschreibt, verliebt sich Lou in Will und möchte mit allen Mitteln verhindern, dass er den letzten Schritt geht. Mit Will hat die Autorin einen großartigen Charakter erschaffen. Manchmal habe ich vergessen, dass er bewegungsunfähig ist und rund um die Uhr von anderen Menschen abhängig ist.
Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen. Mir hat es Vergnügen gemacht, die Schlagabtäusche zwischen Lou und Will zu lesen, ich mochte seine sarkastische Art und ihre frechen Antworten und ab und an hat es mich richtig zum Weinen und manchmal auch zum Lachen gebracht. 

Die Landkarte der Liebe

Die Landkarte der Liebe – Lucy Clarke
352 Seiten 
ISBN: 978-3492300858
9,99 Euro
Klappentext:
Ein meerblaues Reisetagebuch. Das ist alles, was Katie von ihrer Schwester bleibt. Denn Mia ist tot. In Bali stürzte sie von einer Klippe. Katie hat nur eine Chance, das Geheimnis um den Tod ihrer unnahbaren Schwester zu lüften: Ihr Tagebuch zu lesen und den Stationen ihrer Reise zu folgen. Und so taucht Katie immer tiefer ein in das Leben ihrer Schwester und entziffert Stück für Stück Mias ganz persönliche Landkarte der Liebe …
Meine Meinung:
Was für ein schönes Buch! Da ich schon seit langem keinen Wert mehr auf Klappentexte lege, habe ich eigentlich nur das Cover beachtet und war der Meinung, dass es sich um einen Liebesroman handelt. Es ist zum Teil schon ein Liebesroman, aber auch noch etwas anderes: Ein Roman über Freundschaft und um Schuldgefühle.
Als Katie die Nachricht bekommt, dass ihre Schwester auf Bali Selbstmord begangen hat, steht ihre Welt erst einmal still. Als sie Mias Reisetagebuch bekommt, packt  sie ihre Sachen und reist die Route nach, die Mia auf ihrer Weltreise hinter sich gelassen hat. Das Reisetagebuch nutzt sie als Wegweiser zur Klärung von Mias Tod.
Ich habe das Buch heute Morgen angefangen und konnte nicht mehr aufhören. Es ist das erste Buch von Lucy Clarke und wird mit Sicherheit nicht das letzte sein, das ich von ihr lese. Sie hat es geschafft, die Charaktere so realitätsnah aufzubauen und den Leser in die Gedanken der jeweiligen Person zu versetzen, dass man jede Minute mit hofft und mit trauert und auch mit liebt. Katie habe ich eigentlich als sehr spießig empfunden und war streckenweise auch genervt von ihr, weil sie sich aufgeführt hat, als wäre sie Mias Mutter. Mia hingegen war so sprunghaft, dass dem Leser klar ist, dass sie sich selbst nicht kennt und nicht weiß, was sie von ihrem Leben erwarten soll.
Obwohl es sich um einen Roman über Liebe, unerfüllte Liebe und Freundschaft handelt, war es unglaublich spannend, weil immer wieder Details aus Mias Leben herauskommen. Es geschehen ständig neue Wendungen, die man allerdings zum Teil schon voraussehen kann. Das hat der Spannung aber keinen Abbruch getan. Das Ende war dann letztendlich doch so, wie ich es die ganze Zeit vermutet habe.
Ich kann das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen und warte jetzt auf weitere Romane der Autorin. 

Hirngespenster

Hirngespenster – Ivonne Keller
387 Seiten
ASIN: B00A4VEC9U
4,99 Euro
Klappentext:
Drei Frauen. Silvie, ihre Schwester Anna und Sabina.

Ein Unfall, der ihr Leben verändert.

Während Silvie vor der Entscheidung für ihren Liebhaber Jens und gegen ihren Mann Johannes steht, kämpft ihre Schwester Anna um ihren Verstand. Nur mit Pillen schafft sie es, den Alltag mit ihren drei Kindern einigermaßen zu überstehen. Silvie ist hin- und hergerissen: Soll sie Anna beistehen oder sich um ihr eigenes Glück kümmern? Das Schicksal kommt ihr zuvor und reißt sie mitten aus dem Leben. Als sie zu sich kommt, ist nichts mehr, wie es war. Warum kümmert sich Sabina, die Jugendliebe ihres Mannes Johannes, so liebevoll um sie? Warum kommen ihre Schwester Anna oder ihre Eltern niemals zu Besuch? Ist Anna etwa tot? Oder im Gefängnis? Und was ist aus Jens geworden?

»Gefühlvoll und ergreifend mit Augenzwinkern«

Meine Meinung:
Ich hatte das Glück, das Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen. Das Cover hat mir suggeriert, dass es sich um einen leicht zu lesenden typischen Frauenroman handelt. Dass die Autorin ihr Buch als spannenden Frauenroman mit Tiefgang und authentischen Figuren vorstellte, hatte ich wohl kurzzeitig vergessen.
Es geht um Silvie, Anna und Sabina, deren Leben eng aneinander geknüpft sind. Silvie und Anna sind Schwestern, allerdings wurde ihr zuvor gutes Verhältnis durch Annas Leukämieerkrankung in ihrer Jugend zerstört. Denn Anna glaubt, Silvie hätte ihr den Krebs eingepflanzt. Sabinas Rolle ist eine ganz andere, denn als Silvie und Johannes sich kennenlernten, stand Sabina zwischen ihnen, obwohl sie doch auch auf eine Art weit weg war. Das ändert sich im Laufe des Buches, denn schon zu Beginn lebt Silvie bei Johannes und der schwangeren Sabina.
Das Buch wird aus Sicht von Silvie erzählt, die auf eine ihr unbekannte Weise sich im Leben von Sabina und Johannes wiederfindet. Sie ist in ihrem Körper gefangen und kann sich so gut wie gar nicht verständlich machen. Sabina kümmert sich rührend um sie und auch Johannes ist immer für sie da. Silvie erzählt immer wieder Rückblicke aus ihrem Leben. Wie sie Johannes kennengelernt hat, ein Verhältnis mit Jens anfängt und schließlich zu ihm ziehen möchte. Sie erzählt auch von ihrer Schwester Anna, die es einfach nicht schafft, sich in ihrem Leben zurechtzufinden. Anna ist tablettenabhängig und  ihr Leben wird immer mehr zum Desaster. Sie kümmert sich nicht mehr um ihre Kinder und irgendwann auch nicht mehr um sich selbst. Bis sie eine Entscheidung trifft, die ihr letztendlich doch das Leben rettet.
Ich konnte das Buch vom ersten Moment nicht aus der Hand legen. Ich wollte eigentlich nur ein Stündchen lesen, war aber so gefesselt von Silvies Erzählungen, dass ich unbedingt wissen musste, was in dieser Familie bloß passiert ist. Sabina und Johannes reden über Silvie als wäre sie nicht da, sie betonen ständig, dass sie sowieso nichts versteht und der Leser weiß einfach nicht was das soll. Silvie kann normal denken, sie bekommt alles mit und macht sich auch ihre eigenen Gedanken zu allem. Sie kann nur nicht sagen, was sie beschäftigt. Die Figuren sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich das ein oder andere Mal nur fassungslos auf den eben gelesenen Satz starren konnte.
Das Buch ist tatsächlich ein spannender Frauenroman mit Tiefgang und authentischen Figuren.  Leider hat mir die Auflösung nicht hundertprozentig gefallen, aber für das tolle Drumherum und die netten Figuren gibt es von mir die volle Punktzahl. Ich möchte mehr von dieser Autorin lesen!
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