Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange – Suzanne Collins

„Snow landet immer oben.“

  • Originaltitel: The Ballad of Songbirds and Snakes
  • Übersetzer: Peter Klöss, Sylke Hachmeister
  • Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
  • Erscheinungsdatum: 19. Mai 2020
  • Seiten: 608 Seiten
  • ISBN:  978-3789120022 (Hardcover)

Die Autorin (Verlag):

Suzanne Collins, 1962 geboren, begann ihre Karriere Anfang der 90er-Jahre als Drehbuchautorin für das amerikanische Kinderfernsehen. 2003 veröffentlichte sie mit dem Roman »Gregor und die graue Prophezeiung« den ersten Band einer fünfteiligen Abenteuer-Reihe, die sich schnell zum internationalen Bestseller entwickelte.

2009 erschien »Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele« und erwies sich als Senkrechtstarter. Die packende Gesellschaftsutopie fesselte Leser in der ganzen Welt, errang die ersten Plätze der Beststellerlisten in den führenden Medien der USA, erntete begeisterte Kommentare von Autoren-Kollegen wie Stephenie Meyer und Stephen King und etablierte Suzanne Collins endgültig als internationale Starautorin. Time Magazine wählte Suzanne Collins auf die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten 2010. In Deutschland wurde »Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele« mit dem Jugendliteraturpreis 2010 ausgezeichnet. Aus der Begründung der Jugendjury: „Brandaktuelle Fragen entflammen im Kopf des Lesers: Wie abhängig bin ich in der Mediengesellschaft von meinem Bild in der Öffentlichkeit? Wie kann ich ich selbst bleiben ohne mich im Surrealen zu verlieren? Wie erschreckend ähnlich ist die fiktive Gesellschaft Panems schon der unseren?“

Der zweite Band »Die Tribute von Panem. Gefährliche Liebe« eroberte sowohl in den USA als in Deutschland die Bestsellerlisten und auch der dritte und damit letzte Teil der Trilogie, im August 2010 in den USA erschienen, sprang sofort von 0 auf Platz 1! Als Blockbuster hat sich die Verfilmung mit Staraufgebot – Jennifer Lawrence, Liam Hemsworth, Elizabeth Banks, Stanley Tucci, Woody Harrelson, Lenny Kravitz, Donald Sutherland u.v.a. – erwiesen: „The Hunger Games. Die Tribute von Panem“ startete im Frühjahr 2012 in den Kinos und schon bald darauf hatte die Besucherzahl die Millionengrenze überschritten. Gleichzeitig rangieren die Buchausgaben unverändert auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten: der beispiellose Erfolg einer Autorin, die den Nerv der Zeit getroffen hat! Möge das Glück stets mit ihr sein!

Klappentext (Verlag):

Rivalität beflügelt ihn.

Aber Macht hat ihren Preis.

Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden.

Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen: Lucy Gray, das Mädchen im Regenbogenkleid, das zwar singen kann, aber für den Kampf ungeeignet zu sein scheint. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg seines zukünftigen Lebens entscheiden und Lucys Leben vorzeitig beenden. Es beginnt ein brutaler Kampf in der Arena, bei dem Coriolanus schnell feststellt, dass sein Schicksal untrennbar mit Lucy Grays verbunden ist.

Meine Meinung:

Als großer Fan der Panem-Trilogie musste ich einfach wissen, warum Coriolanus Snow zu dem Fiesling wurde, den man aus den vorher erschienenen Teilen kannte. Mir war nicht bewusst, dass ich als Leser die meiste Zeit des Geschehens mit ihm sympathisieren würde. Snow und seine Verwandlung wird von Suzanne Collins sehr überzeugend dargestellt. Der Untertitel des Buches „Das Lied von Vogel und Schlange“ macht im Übrigen auch total Sinn, wenn man das Buch kennt.

Das Buch beginnt zehn Jahre nach dem Ende des Krieges und dem Einblick in die verarmte Familie Snow, die ihr Penthouse, die schönen Klamotten und die Rosenzucht der Großmadame nur noch für die Aufrechterhaltung des schönen Scheins behalten. Die Familie besteht nur noch aus der Großmadame, Cousine Tigris und aus Coriolanus. Er ist zu dem Zeitpunkt 18 Jahre alt. Die Begleitung der Tribute durch einen Mentor wird nun, zehn Jahre nach den ersten Hungerspielen, als Experiment durchgeführt. Dadurch sollen die Hungerspiele zu einem interessanteren Event hochgepusht werden, so dass sie im Kapitol und auch in den Distrikten von allen Einwohnern verfolgt werden. Immerhin möchte die Regierung, dass den Distriktbewohnern klar wird, dass es sich hier um eine Strafe handelt, die gegen die Rebellen ausgeführt wird, weil sie den Krieg angezettelt haben. Coriolanus bleibt nur eine Möglichkeit: Er muss durch sein Tribut Lucy Gray die Hungerspiele gewinnen um die Familie zu rehabilitieren, denn bei einem Sieg winkt ihm ein großer Gewinn und auch die Aufmerksamkeit, die ihm (wie er glaubt) zusteht. Aber wie soll das gehen mit einem Mädchen, dass schon ihr Leben lang die Bühne gewohnt ist und von Kämpfen keine Ahnung hat?

Von Anfang an tat mir Coriolanus richtig leid. Er versucht mit aller Macht die Familie Snow und das was sie zu sein scheinen aufrecht zu erhalten, aber eigentlich steht die Familie vor dem Ruin. Er hat sein ganzes Leben lang eingebläut bekommen, dass diese Familie etwas Besonderes ist und das Verhalten seiner Großmadame macht es auch nicht besser. Jeden Tag singt sie die Hymne des Kapitols und redet von den großen Tagen der Snows und wie widerwärtig die Menschen aus den Distrikten sind. Coriolanus verabscheut diese Menschen daher auf eine Art, aber irgendwie scheint er sie doch nicht so abstoßend zu finden. Eine besondere Beziehung hat er zu Sejanus Plinth, der eigentlich aus dem Distrikt 2 kommt, aber im Kapitol lebt. Und dann ist da noch Dr. Gaul, die Oberste Spielemacherin, die total sadistisch ist und jede Idee von Coriolanus dankbar aufnimmt. Sie fördert ihn sogar noch und stachelt ihn an.

Der Schreibstil ist genauso, wie man es von der Panem-Trilogie schon gewohnt ist. Ziemlich direkt und es gibt zwar ein paar brutale Szenen, die aber nicht das Geschehen dominieren. Panem, wie es zehn Jahre nach dem Krieg aussieht und wie sich die Bewohner fühlen und wie sie handeln, wurde von der Autorin ziemlich gut durchdacht. Da das Buch aus Coriolanus Perspektive geschrieben ist, erfährt der Leser viel über seine Gedanken und die sind ziemlich widersprüchlich, zumindest am Anfang.

Wer glaubt, dass er jetzt einen Abklatsch von der Panem-Trilogie vor sich hat, weil die Autorin Geld oder Aufmerksamkeit braucht, liegt falsch. Der Focus ist hier nicht auf die Hungerspiele gerichtet, sondern auf den späteren Präsidenten Snow und seinem Werdegang. Ich fand das ganz angenehm so, denn einen vierten Teil der fast ausschließlich das Abschlachten der Tribute in der Arena zum Thema gehabt hätte, wäre für mich absolut nicht erträglich gewesen. Tatsächlich spielt etwa nur ein Drittel des Geschehens in der Arena, die zu dem Zeitpunkt nicht mal annähernd die Arena ist, die man aus der Trilogie kennt.

Für Fans der Trilogie ist die Vorgeschichte auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung und genau diesen Lesern möchte ich das Buch wärmstens empfehlen.

Eine Leseprobe und einen Auszug aus dem Hörbuch findet ihr auf der Seite des Verlages.