24 gute Taten – Jenny Fagerlund

Und wieder habe ich mit diesem Buch genau das bekommen, was ich erwartet habe. Es war einfach heimelig, etwas romantisch und sehr weihnachtlich.

Emmas Lebensgefährte ist zum Zeitpunkt dieser Geschichte seit zwei Jahren tot. Seitdem schafft sie es kaum ihr tägliches Leben und vor allem ihren eigenen Laden, in dem sie Einrichtungskrimskrams verkauft,  aufrecht zu erhalten. Irgendwann beschließt sie, dass sie ab sofort an jedem Dezembertag bis zum Heiligen Abend eine gute Tat vollbringt. Wie man es erwartet, ändert sich ihr Leben dadurch grundlegend.

Das Buch ist total vorhersehbar, was es aber nicht unbedingt schlecht macht. Ich fand  die Idee der 24 guten Taten total gut und habe tatsächlich überlegt, ob ich das auch dieses Jahr praktizieren möchte. Ich habe schon öfter gehört, dass sich das Leben und auch die Einstellung zum Leben dadurch ändert, so wie es ja auch bei Emma der Fall war. Einen Versuch wäre es wert. Allerdings denke ich, dass es ähnlich wie bei Emma gar nicht so einfach ist täglich etwas Geeignetes zu finden.

Der Schreibstil war recht einfach gehalten, aber auch das habe ich erwartet. Immerhin wollte ich unterhalten werden und dabei nicht allzu viel denken müssen. Eine Liebesgeschichte kommt natürlich auch vor. Obwohl das Buch mir gut gefallen hat, konnte ich kaum eine Beziehung zu den Charakteren aufbauen.

Wenn ihr einfach mit einer schönen Tasse Tee und leckeren Keksen bei Weihnachtsmusik auf dem Couch ein Buch lesen wollt, seid ihr mit „24 guten Taten“ gut beraten.

Die Stadt am Ende der Welt – Thomas Mullen

Originaltitel: The Last Town on Earth 

Übersetzerin: Gerlinde Schermer-Rauwolf, Robert A. Weiß 

Verlag: Dumont Buchverlag  

Erscheinungsdatum: 29. September 2020 

Seiten: 480 Seiten 

ISBN:  978-3-8321-8151-2 

Der Autor (Verlag):  

Thomas Mullen wurde 1974 in Rhode Island geboren. 2006 erschien sein Debütroman ›Die Stadt am Ende der Welt‹, der von der Zeitschrift USA Today als »Bester Debütroman des Jahres« und von der Zeitung Chicago Tribune als eines ihrer »Books of the Year« benannt wurde. Bei DuMont erscheint außerdem seine von Publikum und Presse gefeierte ›Darktown‹-Trilogie, die nach ›Darktown‹ (2018) und ›Weißes Feuer‹ (2019) mit ›Lange Nacht‹ (2020) ihren Abschluss findet. Thomas Mullen lebt mit seiner Familie in Atlanta. 

Klappentext (Verlag): 

Wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu schützen? 

Tief in den Wäldern des Staates Washington liegt die Holzfällerstadt Commonwealth. Charles Worthy hat sich mit der Gründung der Stadt und ihren gesellschaftlichen Idealen fernab von Ausbeutung und Unterdrückung einen Lebenstraum erfüllt. Doch sein Traum ist in Gefahr: Gerade als sich der Erste Weltkrieg seinem Ende zuneigt, bricht die todbringende Spanische Grippe aus. Die Bewohner von Commonwealth sind entschlossen, sich mit strenger Quarantäne zu schützen. Zügig werden Grenzposten gesetzt, Warnschilder ausgehängt und an der einzigen Zugangsstraße bewaffnete Wachen aufgestellt. Als Philip Worthy, der Adoptivsohn des Stadtgründers, mitansehen muss, wie ein halb verhungerter Soldat erschossen wird, um ihn am Betreten der Stadt zu hindern, ist er tief erschüttert. Wenig später vor die gleiche Situation gestellt, trifft er eine andere Entscheidung – und neben der Angst vor der Außenwelt wächst bald schon die Furcht vor dem Feind im Innern.  
Thomas Mullen erzählt in seinem hellsichtigen und mitreißenden Roman von Moral in Zeiten der Krise, von einer Gesellschaft, der die Solidarität abhanden zu kommen droht ? aber auch von Hilfsbereitschaft, Hoffnung und Mitgefühl. 

Meine Meinung:  

Ich muss ehrlich zugeben, dass mich das Buch sehr überrascht hat. Nicht nur, weil es unserer aktuellen Situation so ähnlich ist, sondern auch, weil ich nach der Lektüre komische Reaktionen an mir festgestellt habe. Ich zucke beispielsweise zusammen, wenn jemand länger anhaltend hustet und denke sofort an “Die Stadt am Ende der Welt”. Verrückt, ich weiß, aber das legt sich auch wieder.  

Der erste Weltkrieg hat die Menschheit fest im Griff, aber in der Kleinstadt Commonwealh, die Charles Worthy gegründet hat um für die Arbeiter seines Sägewerks bessere Bedingungen zu schaffen, bekommt man von all dem gar nicht so viel mit. Als in der Nachbarstadt Timber Falls und in den umliegenden Städten die spanische Grippe ausbricht, treffen die Bewohner von Commonwealth die Entscheidung den Ort abzuriegeln und mit Wachposten zu sichern. Wir hätten aber keine Geschichte, wenn die Isolation des Ortes gelungen wäre. Man kann sich also denken, dass die spanische Grippe auch in Commonwealth wütet.  

Obwohl das Buch schon 2006 veröffentlicht wurde, ist es nun aktueller denn je. Der Autor hat sehr gut recherchiert und zusätzlich seine Fantasie spielen lassen. Für mich las sich das Buch wie eine Spiegelung unserer aktuellen Situation seit März. Nicht nur, dass man erst glaubte, dass die Grippe schon nicht in die Heimat kommt, sondern auch der Umgang mit dem Virus von Seiten der REgierung und auch der Einwohner. Thomas Mullen hat nicht nur den ortsansässigen Arzt zu Beginn der Pandemie bis zur Erschöpfung durch das Dorf laufen lassen, er hat auch all die Bewohner auf verschiedene, heute auch überall zu findende Art und Weisen,  porträtiert. Das war wirklich spannend zu sehen, wie die einzelnen Phasen der Pandemie im Roman ablaufen und einen Vergleich mit heute zu ziehen.  

Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen, allerdings habe ich auch auf keine Art ein richtiges Problem mit Corona bisher gehabt, weder Krankheitsfälle im direkten Umkreis noch größere finanzielle Probleme, nur das übliche, was einen ab und an mal nervt. Wer auf das Thema nicht gut zu sprechen ist, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen. Allen anderen kann ich es empfehlen, einfach um mal zu sehen, dass das Verhalten einiger Menschen in der heuteigen Zeit wohl doch normal ist.  

Das Buch wurde mir von Netgalley und vom Dumont Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.  

Wenn ihr weitere Infos über das Buch benötigt oder erst die Leseprobe lesen wollt, guckt euch mal auf der Seite Dumont Verlages um.  

Schatten der Welt – Andreas Izquierdo

Verlag: Dumont Verlag

Erscheinungsdatum: 21. Juli 2020

Seiten: 544

ISBN: 978-3-8321-6498-0

Der Autor (Verlag):

Andreas Izquierdo, geboren 1968, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er veröffentlichte u. a. den Roman ›König von Albanien‹ (2007), der mit dem Sir- Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie den Roman ›Apocalypsia‹ (2010), der den Lovelybooks-Leserpreis in Silber für das beste Buch 2010 erhielt und zum Buch des Jahres bei Vorab-lesen.de gewählt wurde. Bei DuMont erschienen von ihm ›Das Glücksbüro‹ (2013) und der SPIEGEL-Bestseller ›Der Club der Traumtänzer‹ (2014). Zuletzt veröffentlichte er die Romane ›Romeo & Romy‹ (2017) und ›Fräulein Hedy träumt vom Fliegen‹ (2018).

Klappentext (Verlag):

Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi pfeifen auf den Ernst des Lebens. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht.
Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten.
1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war, und doch scheint ein Neuanfang möglich …
Mitreißend und mit viel Gefühl für seine Figuren erzählt Andreas Izquierdo die Geschichte dreier Jugendlicher, die in den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts ihren Weg suchen – ›Schatten der Welt‹ ist Abenteuerroman, Coming-of-Age-Geschichte und spannender historischer Roman zugleich.

Meine Meinung:

Ich kann habe mich so sehr darauf gefreut, dass endlich ein neues Buch von Andreas Izquierdo raus kommt und dass ich es auch noch als Rezensionsexemplar lesen darf. Leider haben sich meine Erwartungen gar nicht erfüllt.

Vorab muss ich sagen, dass ich nur ca. ein Viertel des Buches gelesen habe und dann aufgegeben habe, weil ich einfach nicht in die Geschichte rein gefunden habe. Dabei hat eigentlich alles gestimmt. Der Leser lernt erst den Ich-Erzähler Carl kennen, der mit seinem besten (und gewitzten) Freund Artur sowie der Lehrerstochter Isi einen großen Coup landet. Dem Klappentext und auch der Zeit, in der das Buch spielt, kann man entnehmen, dass es auf Krieg hinaus läuft. Diese Ära ist für mich immer wieder interessant zu lesen. Vor allem, wenn es um diese Art Geschichten geht.

Carl berichtet humorvoll und wie liebevoll er über seinen Vater und seine Freunde redet, gefiel mir auch gut. Bücher aus der Ich-Perspektive mag ich sowieso immer gern. Aber es hat mich einfach gar nicht interessiert, wie es weiter geht. Seite um Seite habe ich mich vorgekämpft. Da ich die Bücher des Autors eigentlich sehr schätze, kann ich mir nur vorstellen, dass der Zeitpunkt für mich nicht passt.

Ich hoffe trotz allem, dass ihr dem Buch eine Chance gebt, denn ich glaube, dass es mich zu einem anderen Zeitpunkt bestimmt gepackt hätte. Ich werde es einfach später noch mal versuchen.

Um euch selber zu überzeugen, was ihr von dem Buch haltet, könnt ihr auf der Seite des Verlages die Leseprobe finden.

Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Dumont Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Offene See – Benjamin Myers

„Damals wusste ich nicht, was Sprache vermag. Ich verstand die Macht, die Wirkungskraft von Worten noch nicht. Die komplexe Magie von Sprache war mir ebenso fremd wie das veränderte Land, das ich in jenem Sommer um mich herum sah.“

  • Originaltitel: The Offing
  • Übersetzer: Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
  • Verlag: DuMont
  • Erscheinungsdatum: 20. März 2020
  • Seiten: 270 Seiten
  • ISBN:  978-3-8321-8119-2 (Hardcover gebunden)

Der Autor (Verlag):

Benjamin Myers, geboren 1976, ist Journalist und Schriftsteller. Myers hat nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher und Lyrik geschrieben. Für seine Romane hat er mehrere Preise erhalten. Er lebt mit seiner Frau in Nordengland.

Klappentext (Verlag):

»Ein intensiver und bewegender Roman, der an J. L. Carrs ›Ein Monat auf dem Land‹ denken lässt.« The Guardian

Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.

Meine Meinung:

Nach ungefähr fünf Sätzen war ich schon rettungslos in das Buch verliebt. Benjamin Myers hat so einen wunderschönen bildlichen Sprachstil, dass ich die 270 Seiten deutlich langsamer lesen musste als üblicherweise.

Robert ist sechzehn als er beschließt, seiner Heimatstadt erst mal den Rücken zu kehren und auf Wanderschaft zu gehen. Er schlägt sich hier und da durch und landet am Ende bei der verschrobenen Dulcie. Die beiden freunden sich direkt an und helfen sich gegenseitig. Dulcie hilft Robert sich selber zu finden und Robert hilft ihr bei dabei eine schwierige Phase in ihrem Leben zu überwinden.

Das Buch hat mir total Lust gemacht, meine Wanderschuhe zu schnüren und einfach drauflos zu gehen soweit meine Beine mich tragen. Robert erzählt die Geschichte im hohen Alter und man merkt ihm sehr an, dass er wehmütig auf diese Zeit zurück sieht. Nicht nur er hatte Dulcie total gern, auch als Leser bleibt einem nichts anderes übrig als sie zu lieben. Sie ist ehrlich und direkt, denkt völlig anders als die meisten Menschen zu dieser Zeit und ist nicht berechnend. Alles was sie tut, tut sie, weil sie überzeugt ist, dass es genau jetzt und genau so richtig ist. Ihre Zuneigung zu Robert ist echt. So eine Freundin kann man sich eigentlich nur wünschen, denn sie gehört zu den Menschen, die ihr Gegenüber tatsächlich wahrnehmen und richtig zuhören statt sich nur oberflächlich mit demjenigen abzugeben.

Für mich ist der Hauptcharakter des Buches eindeutig Dulcie, weil sie so viel Raum in der Erzählung einnimmt, aber dabei niemals unangenehm wirkt. Robert ist der Erzähler, der allerdings so erzählt als wäre das Buch keine Fiktion, sondern als wäre alles tatsächlich geschehen. Für mich war das Buch zu keiner Zeit langweilig oder unangenehm, es war sogar zeitweise ziemlich spannend, weil der Leser erstnach und nach Dulcies Geschichte erfährt. Natürlich immer nur im gleichen Tempo wie Robert. Und ich kann euch sagen, dass die Erzählung einige Zeit in Anspruch genommen hat.

 Ich habe also zusammen mit Robert in seiner Hütte gesessen und ihm dabei zugehört, wie er in liebevollen Erinnerungen über Dulcie und ihrer gemeinsamen Zeit schwelgte. Außerdem habe ich jedes einzelne Wort eingesogen und genossen und ich bin mir sicher, dass ich mit „Offene See“ mein Monats- und vielleicht auch Jahreshighlight gefunden habe. Der Buchtitel schien mir erst mal ziemlich seltsam zu sein, aber im Laufe des Buches löst sich auf, warum es heißt wie es heißt.

Ich kann das Buch absolut jedem empfehlen, weil ich möchte, dass so viele Menschen wie möglich es lesen und es dann genauso genießen wie ich. Vor dem Lesen sollte man sich aber im Klaren darüber sein, dass Myers zu den Autoren gehört, der Bandwurmsätze auf die Welt loslässt. Hier ein Beispiel: „In dem Moment entfalteten sich neue Gefühle von Verwirrung und Neugier in mir, vor allem jedoch ein überwältigendes, mächtiges Bewusstsein für den Raum, diesen Raum im Hier und Jetzt, als wären die Wörter über die Seite gekrochen und vom Papier gefallen und hätten mich umschlungen wie Ranken, die mich zurück in das Gedicht zogen, sodass die erdachten Zeilen und die reale Welt irgendwie zu einem tieferen Porträit von Land und Meer verschmolzen.“

Der Autor hat schon einige Bücher geschrieben, allerdings wurden bis auf die „Bad Tuesdays“ Reihe keine weiteren Bücher ins Deutsche übersetzt.

Das Buch wurde mir vom DuMont Verlag und von Netgalley zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Leseprobe auf der Seite des Verlages