Herzfaden – Thomas Hettche (Hörbuch)

Als Kind haben wir uns doch fast alle von Jim Knopf oder von Urmel aus dem Eis verzaubern lassen. Habt ihr euch jemals überlegt, wie die Augsburger Puppenkiste entstanden ist? Nein? Ich auch nicht. Aber dafür haben wir ja jetzt Herrn Hettche, der uns diese Geschichte so zauberhaft vermittelt.  

„Der Herzfaden ist der wichtigste Faden einer Marionette. Er macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“ 

In “Herzfaden” geht es vor allem um Hatü, wie Hannelore Marschall-Oehmichen, die Mitbegründerin der Augsburger Puppenkiste, genannt wird. Sie und ihre Familie erleben den zweiten Weltkrieg und vor allem seine Auswirkungen mit und der Vater, Walter Oehmichen, hat den großen Traum ein Puppentheater aufzubauen. Anfangs ziehen sie noch mit einer Kiste, dem Puppenschrein durch die Lande, später wird die Puppenkiste nicht nur sesshaft, sondern auch fürs Fernsehen verfilmt. Obwohl es hier um eine der dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte geht und dies auch oft Thema ist, wirkt das Buch nie traurig oder düster. Die Rahmengeschichte über das Mädchen, das sich auf dem Dachboden des Theaters verläuft und sowohl die junge Hatü als auch ihre Marionetten trifft, hätte ich persönlich nicht zwingend gebraucht, aber es hat der ganzen Geschichte etwas Märchenhaftes gegeben. Wahrscheinlich war das auch genau die Intention des Autors.  

Da ich mir bisher weder über die Augsburger Puppenkiste noch über Marionetten Gedanken gemacht habe, war es total interessant die Entstehung mitzuerleben. Thomas Hettches Interpretation von Hatüs Leben besteht aus der großen Liebe zu Marionetten. Diese Begeisterung, die Thomas Hettche ihr angedichtet hat, scheint tatsächlich vorhanden gewesen zu sein. Denn sie hat in ihrem Leben um die 6000 Puppen geschnitzt, die zum Teil heute noch auf der Bühne stehen.  

Valery Tscheplanowa und Christian Brückner haben das Hörbuch zu einem wunderschönen Erlebnis gemacht. Christian Brückner erzählt die Geschichte des Mädchens aus dem Dachboden und Valery Tscheplanowa hat den Hauptteil des Buches übernommen. Beide haben für mich “Märchenstimmen”, die ich immer noch im Ohr habe und eigentlich auch gar nicht gehen lassen wollte. Von mir aus hätte das Buch gerne noch länger sein dürfen.

Sprecher: Valery Tscheplanowa, Christian Brückner 

Verlag: Argon Hörbuch   

Erscheinungsdatum: 10. September 2020 

Dauer: 7 Stunden 55 Minuten 

*Hörprobe*

*Leseprobe*

Montagsfrage # 96 – Welches (Cover-)Design eines Buches hat euch in letzter Zeit besonders gefallen?

Wie jedes Jahr im Oktober kann ich gar nicht fassen, dass plötzlich überall diese bunt leuchtenden Blätter liegen und es nicht mehr über 20 Grad warm ist. Ich mag den Herbst einfach gern, obwohl ich zur Zeit ziemlich friere. Vielleicht hift dagegen nur Bewegung 😉

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Ich habe einen Tick: Ich muss immer, wenn ich abends ein Buch beendet habe, mindestens die erste Seite des neuen Buches lesen, denn wenn mich mal einer fragt (es gibt generell nur ein bis zwei Leute, die das tun) was ich gerade lese, möchte ich nicht sagen müssen, dass ich gerade kein Buch lese. Also habe ich gestern Abend noch mit „Insel der verlorenen Erinnerung“ von Yoko Ogawa – ein Tipp vom Papierstau-Podcast – begonnen. Nach einer Seite kann ich euch allerdings nicht so wirklich sagen wie es ist. Ich kann euch aber schon sagen, dass das Buch, das ich gestern beendet habe („Die Stadt am Ende der Welt“ von Thomas Mullen) mir richtig gut gefallen hat. Obwohl es bereits 2006 geschrieben wurde und von der spanischen Grippe handelt, habe ich unsere aktuelle Corona-Situation eins zu eins wieder erkannt.

Ich höre gerade „Herzfaden“ von Thomas Hettche. Die beiden Sprecher machen das Buch zu einem besonderen Erlebnis. Es war ein Lesetipp vom Papierstau-Podcast, den ich neuerdings ganz gerne höre. Es wurde so sehr von dem Buch geschwärmt, dass ich es einfach hören musste.

Nun aber zur Montagsfrage, die Antonia auf Lauter & Leise für diese Woche stellt:

Welches (Cover-)Design eines Buches hat euch in letzter Zeit besonders gefallen?

Mir hat das Cover von „Daisy Jones & The Six“ von Taylor Jenkins Reid auf Anhieb gut gefallen, weil es auf eine Art den Inhalt wieder spiegelt. Ich mag es, wenn das Buch zum Inhalt passt. Oft finde ich, ist das nicht so.

Habt ihr auch Cover, die euch gut gefallen haben?