Lebenstraum Buchhandlung

Ich habe „Die Buchhändlerin“ von Ines Thorn im Rahmen einer Leserunde bei der Büchereule gelesen. Es war mein erstes Buch von Ines Thorn und ich kann es euch guten Gewissens weiter empfehlen. Ich gehe sowieso davon aus, dass die meisten bereits Bücher von ihr kennen.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg möchte Christa nichts anderes als Germanistik zu studieren. Leider ist es aber so, dass Frauen an der Uni nicht anerkannt werden und außerdem ihr Vater aufgrund des Krieges verschwunden ist und ihr Onkel Martin im Gefängnis sitzt, weil er von der Nachbarin denunziert wurde. Ihr Onkel hat lange Zeit eine Buchhandlung geführt, die im Krieg enteignet wurde. Christa baut diese wieder auf und erschafft einen Wohlfühlort für bibliophile Menschen wie mich.

Die Leserin/der Leser wird zu Beginn direkt in die Handlung geworfen und bis zum Ende nicht mehr los gelassen. Ich habe jede einzelne Seite genossen und mit Christa und ihrer Familie mitgelitten und mich mit gefreut. Die Zustände im Krieg und auch in der Nachkriegszeit erschüttern mich immer wieder aufs Neue. Vor allem, dass es einfach so möglich war, dass Waisenkinder einfach so auf der Straße leben, so wie es bei Heinzchen der Fall war. Nicht nur das, auch die Entbehrungen, die die Menschen erleiden mussten und die Ängste, die sie auch nach Kriegsende noch durchleben mussten. Ines Thorn hat all das so lebendig rüber gebracht, dass ich das ein oder andere Tränchen vergossen habe.  

Den Aufbau des Bücherladens und die Ideen, die Christa dort hinein gesteckt hat, haben mir die ganze Zeit Gänsehaut geschaffen.  Nicht nur, dass es ein Wohlfühlort für Buchliebhaber ist, man trifft hier auch noch regelmäßig Gleichgesinnte. Büchereule im Real Life sozusagen. Ein kleines Extra waren hier für mich einige kleine Details über Verlage, die ich bisher noch nicht wusste.

Wenn ihr ein Buch lesen möchtet, das von Anfang bis Ende total realistisch erzählt ist und den Sog entwickelt nicht mehr aufhören zu können, seid ihr mit „ Die Buchhändlerin“ sehr gut beraten. Ihr solltet auch die Nachkriegszeit als Schauplatz mögen. Der zweite Teil „Die Buchhändlerin: Die Macht der Worte“ erscheint am 15. Februar 2022.

Eine Leseprobe findet ihr auf der Seite Rowohlt Verlages.

*Werbung*

Seiten: 336

Herausgeber: Rowohlt Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 23. März 2021

ISBN: 978-3499005152

Kosten: 9,99 Euro (E-Book), 16,00 Euro (Taschenbuch)

Wunder einer Winternacht – Marko Leino

„Je weniger die Menschen wissen, desto mehr können sie glauben. Und je mehr die Menschen glauben, desto weniger zweifeln sie.“

Genau so müssen Weihnachtsgeschichten sein. Noch dazu spielt „Wunder einer Winternacht“ in Finnland, eines der Länder, die ich schon längst einmal besuchen wollte. Und habt ihr das wunderschöne Cover gesehen? Ich bin einfach verliebt in das Buch.

„Wunder einer Winternacht“ erzählt Euch einen Teil einer meiner liebsten Weihnachtsgeschichten. Und zwar die vom Weihnachtsmann, der am Korvantunturi in Lappland lebt und dort jedes Jahr am Weihnachtstag Geschenke an alle Kinder verteilt. Hier erfahrt ihr wie es dazu kam und wer der Weihnachtsmann überhaupt ist.

Die Erzählweise ist märchenhaft, aber stellenweise sehr traurig, trotz allem hoffnungsvoll und manchmal einfach nur total ergreifend. Ich fand es einfach so schön, wie der Autor all die Namen verarbeitet hat, die man kennt, wenn man sich ein wenig für Finnland interessiert. Oulu Pukki nennt sich Nikolas irgendwann, er zieht zum Korvantunturi und später wird noch das Weihnachtsdorf erwähnt, das das ganze Jahr geöffnet hat und eine Attraktion in Lappland ist und jedes Jahr sehr viele Besucher aus der ganzen Welt anzieht.

Vom ersten Moment an sprang das Kopfkino bei mir an, so dass ich aufgrund des Wetters, das die ganze Zeit im Buch vorherrscht, dauernd gefroren habe. Das Buch spielt nämlich zum größten Teil im Winter. Wie sollte es auch bei einem Weihnachtsbuch anders sein? Ich habe alle Figuren vor mir gesehen und total mitgelitten, mich mitgefreut und sonst auch alle anderen Emotionen miterlebt. Die Figuren sind auch einfach alle so herzlich, dass man gar nicht anders kann als sie heiß und innig zu lieben, sogar den garstigen Iisakki.

Im Nachwort steht, dass erst das Drehbuch, dann das Buch zum Film entstanden ist. Also werde ich mir den Film entgegen meiner Gewohnheiten ebenfalls ansehen. Und im nächsten Jahr werde ich mir das Hörbuch anhören, das von Heikko Deutschmann gelesen wird. „Wunder einer Winternacht“ ist in zwei Tagen zu einem meiner Lieblingsbücher geworden.

Eine Besonderheit hat das Buch noch: Es eignet sich gut als literarischer Adventskalender, weil jedes Kapitel ein Türchen ist. Ich habe es aber an einem Stück gelesen.

Was erzähle ich euch denn hier eigentlich alles? Kauft es und lest es noch schnell bevor Weihnachten schon wieder vorbei ist 😉

Werbung

Wenn ihr mehr über das Weihnachtsdorf in Rovaniemi erfahren wollt, geht es hier entlang.

Für mehr Informationen über das Buch könnt ihr auf der Seite des Rowohlt Verlages nachsehen.

Ich danke meinen Eltern für das tolle Überraschungsgeschenk kurz vor Weihnachten. Ihr habt genau das richtige Buch für mich ausgesucht <3.

Die Pest – Albert Camus (Hörbuch)

Diesmal war es wohl ein Fehler das Hörbuch zu hören und nicht das Buch zu lesen. Laut meinem Hörbuchanbieter ist das Hörbuch zwar nicht gekürzt, aber es fühlt sich so an. Ich habe das Buch leider nicht im Deutschunterricht gelesen, (wie bestimmt so manch einer von Euch) daher kann ich nicht beurteilen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege.

Das Buch spielt im Jahr 1940 in einer Stadt mit dem Namen Oran in Algerien. Alles fängt an als der Hausmeister des Hauses, in dem der Arzt des Ortes  wohnt, eine verendende Ratte findet. Anfangs wird nicht ernst genommen,  dass immer mehr Ratten sterben und schließlich fällt auf, dass die Krankheit auch auf Menschen überspringt und eine Epidemie auslöst. Immer mehr Menschen sterben und man glaubt, die Pest niemals besiegen zu können.

Wie auch schon bei „Die Stadt am Ende der Welt“ bin ich fasziniert, wie recht die jeweiligen Autoren hatten, was die Verbreitung und auch der Umgang mit der Epidemie angeht. Wenn man sich mal unser aktuelles Geschehen seit Anfang des Jahres vor Augen hält, kann man so viele Parallelen finden. Wer also gerade sehr mit Corona hadert, sollte das Buch nicht lesen. Die Stimmung ist im Buch auch durchgehend düster bis hoffnungslos, also auch nichts für Menschen, die gerade nicht so gut drauf sind.

Ulrich Matthes hat großartig gelesen, so wie immer, aber ich finde, dass der Erzählstil nicht zum Gesamtbild passt. Ich gehe davon aus, dass das Hörbuch gekürzt war, denn gerade das Ende kam für mich sehr überraschend. Ich werde das Buch auf jeden Fall auf meine Leseliste nehmen, weil es mir richtig gut gefallen hat und ich daher gerne den vollständigen Text lesen würde. Der Autor hat einen Schreibstil, der mich sehr gefesselt hat. Einige Sätze hätte ich mir auch gerne angestrichen, denn es steckte so viel Wahres in ihnen.

Mein Fazit ist also: Lieber lesen als hören und sich nicht runter ziehen lassen. Es ist immer ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.  

Mehr Infos über das Hörbuch könnt ihr auf der Seite des Verlages finden und beim Rowohlt Verlag gibt es Infos über das Buch.