Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende – Kathrin Tordasi

Warum hat das Buch eigentlich so lange auf meinem virtuellen SuB gelegen? Kaum hatte ich den Prolog gelesen, war ich auch schon mittendrin in der Geschichte,  inklusive wunderbarem Kopfkino.

Die Geschichte beginnt in Wales, wo Portia ihre Ferien bei ihrer Tante und deren Lebensgefährtin verbringt. Eines Tages kommt ein seltsamer Fuchs ins Arbeitszimmer der Tante und scheint etwas zu suchen. Portia folgt ihm und gelangt in das Feenreich. Allerdings hat sie mit der Öffnung der Tür auch den Grauen König geweckt, der im Niemandsland zwischen der Menschenwelt und dem Feenreich sein Unwesen treibt. Als ihre Tante Rose ihr folgt und auch noch Ben, einen Jungen aus dem Ort, im Gepäck hat, verschlägt es sie alle drei in eine zauberhafte und waghalsige Rettungsaktion, denn der Graue König muss aus dem Verkehr gezogen werden, damit er nicht großes Unheil über die Menschenwelt und das Feenreich bringt.

Dieses Buch beinhaltet alles, was man sich von einem Jugendroman, der in einer Fantasiewelt spielt, erhofft. Nicht nur Bösewichte, die kinder- und jugendgerecht böse gestaltet sind, sondern auch total bezaubernde Wesen wie Gestaltwandler, Feen und sonstige Fantasiewesen. Die Figuren, die mit Portia und Ben unterwegs sind, haben sofort mein Herz gewonnen. Die Geschichte spielt in Conwy und die Beschreibung der Umgebung hat in mir sofort Fernweh ausgelöst.

Die Geschichte ist gut durchdacht, aber auch relativ leicht zu durchschauen. Das hat das Buch für mich aber nicht weniger lesenswert gemacht, denn es war ja von Beginn an klar, dass es sich um ein Kinder- bzw. Jugendbuch handelt.

Für alle, die gerne mal in ganz fremde und zauberhafte Welten abtauchen möchten und sich in einer Geschichte wohl fühlen möchten, ist „Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende“ genau das richtige. Es ist im Übrigen der Debütroman der Autorin. Ich hoffe, dass noch mehr schöne Bücher von ihr folgen.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren wollt, guckt euch mal auf der Seite des Verlages um. Dort gibt es auch eine Leseprobe.

Das Buch wurde mir von Netgalley und den Fischer Verlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Sterben im Sommer – Zsuzsa Bánk

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsdatum: 26. August 2020

Seiten: 320

ISBN: 978-3103970395

Die Autorin (Verlag):

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für »Unter Hunden« aus ihrem Erzählungsband »Heißester Sommer« erhielt sie den Bettina-von-Arnim-Preis. Auch ihre Romane »Die hellen Tage« und »Schlafen werden wir später« wurden große Erfolge. Zuletzt erschien »Sterben im Sommer«.

Klappentext (Verlag):

Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In »Sterben im Sommer« erzählt Zsuzsa Bánk davon.

Meine Meinung:

Ich war mir nach den ersten Seiten gar nicht sicher, ob ich das Buch überhaupt weiter lesen möchte, weil es einfach so traurig und vor allem so persönlich ist. Ich habe mich dann dafür entschieden und bin froh darum.

Zsuzsa Bánks erzählt in „Sterben im Sommer“ nicht nur die Geschichte des Todes ihres Vaters, sondern auch ganz viel Familiengeschichte. Von der Flucht der Eltern 1956, von der dementen Tante, von Familienorten und –stücken in Ungarn, die nach dem Tod des Vaters noch wichtiger geworden sind. Viele Erinnerungen an ihren Vater und an verschiedene Situationen gehören ebenso dazu wie all die schrecklichen Momente, in denen sie und ihre Familie Hoffnung hatten, Angst oder Sorgen. Der Leser bzw. die Leserin begleitet die Autorin bis zum ersten Jahr nach dem Tod des Vaters und erlebt auch die große Trauer und Fassungslosigkeit mit.

Das Buch liest sich fast wie ein Tagebuch, allerdings in ausformulierter und romantauglicher Form. Ihre Gedanken springen immer mal wieder zurück in die Vergangenheit und auch dahin, was in der Zukunft sein könnte, wenn der Vater nicht mehr da ist.

Mich hat beim Lesen etwas verwirrt, dass es keine Kapitel in dem Sinne gab, die man sich so vorstellt. Allerdings kann es auch an der E-Book-Version liegen. Dies hat mir noch mehr das Gefühl gegeben, dass ich das Buch in einem weg lesen muss und nicht mittendrin stoppen darf.

Alles in allem ist das Buch unglaublich traurig, aber durch die schönen Sätze, die Zsuzsa Bánks verwendet hat, etwas ganz besonderes. Zitat: „Mein Vater war ein Bahnhofskind gewesen, ein Kind der Abfahrten und Ankünfte, der Signale und Trillerpfeifen, die Züge und Waggons waren seine Spielgefährten, sein Kumpane und Wegbegleiter. Seine frühen Jahre rankten sich über Bahnhöfe, waren um Schienen gebaut, um sie herum geflochten, ohne sie undenkbar.“ Die große Liebe zu ihrer Familie, zu Ungarn und auch zu ihren Freunden kann man aus jeder Zeile herauslesen. Trotz des so schrecklichen Themas empfand ich das Buch als wunderschön, aber es macht einem auch bewusst, dass man selber und seine Lieben nicht ewig leben werden.  

Wenn ihr mit dem Thema Tod nicht umgehen könnt, würde ich von dem Buch abraten. Ansonsten bekommt es von mir eine klare Leseempfehlung.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren möchtet, guckt mal auf der Seite des  Verlages vorbei.

Das Buch wurde mir von Netgalley und den S. Fischer Verlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Zugvögel – Charlotte McConaghy

„Meine Seeschwalbe erhebt sich als Erste. Inzwischen nenne ich sie nur noch „meine“, denn sie hat sich in mich hineingebohrt und ihr Nest in meinem Brustkorb gebaut.“

Originaltitel: Migrations

Übersetzerin: Tanja Handels

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsdatum: 26. August 2020

Seiten: 400 Seiten

ISBN:  978-3103974706

Die Autorin (Verlag):

Charlotte McConaghy, Jahrgang 1988, hat irische Wurzeln und wuchs in Australien auf. Ihre Passion für die Natur und Tierwelt und ihre Erschütterung über die Auswirkungen des Klimawandels inspirierten sie zu »Zugvögel«, ihrem literarischen Debütroman, mit dem sie den internationalen Durchbruch erreichte. Sie hat einen Abschluss als Drehbuchautorin der Australian Film Television and Radio School. McConaghy lebt heute in Sydney.

Klappentext (Verlag):

Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel beginnen zu verschwinden, beschließt die junge Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den rauen Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer. 

Meine Meinung:

Wow, dieses Buch ist so vielschichtig, dass ich gar nicht genau weiß, ob ich alles, was den Inhalt ausmacht, überhaupt in einem Leseeindruck erfassen kann. Vorab kann ich schon sagen, dass mich das Buch total gefesselt hat. Der Autorin ist da ein ganz großer Wurf gelungen.

Franny hat Wanderfüße, das heißt sie gehört zu den Leuten, die niemals an einem Ort sein bleiben können. Außerdem liebt sie das Meer, Vögel und ihren Mann Niall. Sie hat eine bewegende Vergangenheit hinter sich und mit der Suche nach den letzten verbliebenden Küstenseeschwalben findet sie sich und ihr Leben wieder. Das alles hört sich nicht wahnsinnig spannend an, finde ich. Aber das ist es, sehr sogar.

Das Buch spielt in verschiedenen Zeitebenen und –orten. Der Leser lernt Franny kennen, ihre Familie und den verrückten Beginn ihrer Ehe mit Niall. Franny ist nicht gerade ein Musterbeispiel an guter Laune und da das Buch aus ihrer Perspektive geschrieben ist, ist die Stimmung sehr oft negativ, was aber trotz allem angenehm zu lesen war und mich nicht in den seelischen Abgrund gestürzt hat. Man merkt deutlich, dass die Autorin sich um die Umwelt sorgt, denn das Buch spielt zum größten Teil in einer nicht näher benannten Zukunft, in der fast alle Tiere ausgestorben sind. Obwohl dies immer mal wieder Thema ist und auch deutliche Worte gesprochen werden, kommt es niemals aufdringlich herüber. Im Laufe des Buches habe ich Franny sehr in mein Herz geschlossen, auch wenn immer mal wieder große und kleine Überraschungen auftauchten, die mich an ihrer Ehrlichkeit und ihrem Charakter haben zweifeln lassen. Nach und nach hat sich Frannys gesamte Lebensgeschichte offenbart. Das und ihre Reise, die nicht so verläuft, wie sie sich das anfangs vorgestellt hat, hat das Buch so spannend gemacht.

Ich bin wirklich froh, „Zugvögel“ gelesen zu haben. Der Klappentext gibt zwar den Inhalt des Buches wieder, aber das Herz des Buches kann der Leser nur selber finden, indem er es liest. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen, obwohl manches ein wenig skurril ist und man sich dafür etwas öffnen muss.

Wenn ihr mehr über das Buch erfahren möchtet, guckt doch mal auf der Seite des Verlages vorbei.

Das Buch wurde mir von Netgalley und dem S. Fischer Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Sieben Richtige – Volker Jarck

„Wer entscheidet über den Moment, in dem wir nicht sagen „ich muss dann mal wieder“ und nicht sagen, „mach´s gut, war echt schön, dich zu sehen“?“

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsdatum: 26. August 2020

Seiten: 320

ISBN: 978-3103970395

Der Autor (Verlag):

Volker Jarck, geboren 1974, mag schöne Sätze in guten Büchern. Er hat im Buchhandel gejobbt, in Bochum Literatur studiert und Theater gespielt. In Frankfurt am Main und Berlin hat er bei großen Buchverlagen als Lektor und Programmleiter gearbeitet. Begeisterungsfähig bei Sport, Serien und Spaghetti-Eis, lebt Volker Jarck mit seiner Frau, einer Drehbuchautorin, in Köln. 

Klappentext (Verlag):

So viel mehr als Zufall: der Roman über das Glück, dass wir alle miteinander verbunden sind.

Ein kleines Mädchen, zur falschen Zeit an der falschen Kreuzung. Ein Umzugswagen, der nicht an sein Ziel kommt. Eine viel zu traurige E-Mail, eine Frau, die auf ihre Möbel wartet, und ein Abend in Rom mit zu viel Gin im Tonic. Nur ein paar Sommer-Sekunden verändern und verbinden die Lebenswege von Greta, Victor, Eva und all den anderen. Irgendwo zwischen Bochum, Boston und Köln glauben sie an ihre Träume, an die Zukunft oder an das Glück, einmal die Hauptrolle im Leben eines anderen zu spielen. Und jeder Sommer-Abend kann das unvergessliche Kapitel eines richtigen Lebens werden.

Berührend, unterhaltend, literarisch erzählt Volker Jarck in »Sieben Richtige« von Augenblicken für immer.

Meine Meinung:

Dieses Buch zeigt wieder, dass der Klappentext niemals die Gefühle, die beim Leser während der Lektüre entstehen, darstellen kann. Ich fand den Inhalt laut dem Klappentext ganz interessant, das Buch aber habe ich ab der ersten Seite geliebt und verschlungen.

Es geht um die Geschichte verschiedener Personen, die sich im Laufe ihres Lebens zufällig oder auch absichtlich getroffen haben, die das eine oder andere Leid erlebt haben oder Freude und Glück miteinander geteilt haben. Für mich war es sehr überraschend, dass eine Geschichte, die eigentlich zum größten Teil durch Zufälle funktioniert so wenig konstruiert daher kommt. Die Geschichten der einzelnen Personen greifen ineinander und bedingen sich zum Teil gegenseitig. Das Buch las sich einfach wie das echte Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Und Volker Jarck hat es geschafft trotz der knapp 300 Seiten die Charaktere für einen Leser wie mich, der es eher ausführlich mag, so liebenswert und mit Tiefe aufzubauen, dass ich mit ihnen mitfühlen konnte. Für mich ist „Sieben Richtige“ ein sehr gelungenes Debut.

Als Extraplus spielt das Buch in meiner Heimat, im Ruhrgebiet. Und auch dies hat er perfekt eingefangen: „Die Autobahnen zwischen Ruhr und Rhein sind Psychotests, und er hat schon reichlich Aggression auf der linken und Depression auf der mittleren Fahrspur gespürt.“

Ich kann euch diese kleine Liebeserklärung an das Leben mit all seinen Irrungen und Wirrungen sehr ans Herz legen.

Wenn ihr mehr über das Buch wissen wollt und auch eine Leseprobe lesen möchtet, seht euch mal auf der Seite des Verlages um.

Das Buch wurde mir von Netgalley und den S. Fischer Verlagen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.