Die Stadt am Ende der Welt – Thomas Mullen

Originaltitel: The Last Town on Earth 

Übersetzerin: Gerlinde Schermer-Rauwolf, Robert A. Weiß 

Verlag: Dumont Buchverlag  

Erscheinungsdatum: 29. September 2020 

Seiten: 480 Seiten 

ISBN:  978-3-8321-8151-2 

Der Autor (Verlag):  

Thomas Mullen wurde 1974 in Rhode Island geboren. 2006 erschien sein Debütroman ›Die Stadt am Ende der Welt‹, der von der Zeitschrift USA Today als »Bester Debütroman des Jahres« und von der Zeitung Chicago Tribune als eines ihrer »Books of the Year« benannt wurde. Bei DuMont erscheint außerdem seine von Publikum und Presse gefeierte ›Darktown‹-Trilogie, die nach ›Darktown‹ (2018) und ›Weißes Feuer‹ (2019) mit ›Lange Nacht‹ (2020) ihren Abschluss findet. Thomas Mullen lebt mit seiner Familie in Atlanta. 

Klappentext (Verlag): 

Wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu schützen? 

Tief in den Wäldern des Staates Washington liegt die Holzfällerstadt Commonwealth. Charles Worthy hat sich mit der Gründung der Stadt und ihren gesellschaftlichen Idealen fernab von Ausbeutung und Unterdrückung einen Lebenstraum erfüllt. Doch sein Traum ist in Gefahr: Gerade als sich der Erste Weltkrieg seinem Ende zuneigt, bricht die todbringende Spanische Grippe aus. Die Bewohner von Commonwealth sind entschlossen, sich mit strenger Quarantäne zu schützen. Zügig werden Grenzposten gesetzt, Warnschilder ausgehängt und an der einzigen Zugangsstraße bewaffnete Wachen aufgestellt. Als Philip Worthy, der Adoptivsohn des Stadtgründers, mitansehen muss, wie ein halb verhungerter Soldat erschossen wird, um ihn am Betreten der Stadt zu hindern, ist er tief erschüttert. Wenig später vor die gleiche Situation gestellt, trifft er eine andere Entscheidung – und neben der Angst vor der Außenwelt wächst bald schon die Furcht vor dem Feind im Innern.  
Thomas Mullen erzählt in seinem hellsichtigen und mitreißenden Roman von Moral in Zeiten der Krise, von einer Gesellschaft, der die Solidarität abhanden zu kommen droht ? aber auch von Hilfsbereitschaft, Hoffnung und Mitgefühl. 

Meine Meinung:  

Ich muss ehrlich zugeben, dass mich das Buch sehr überrascht hat. Nicht nur, weil es unserer aktuellen Situation so ähnlich ist, sondern auch, weil ich nach der Lektüre komische Reaktionen an mir festgestellt habe. Ich zucke beispielsweise zusammen, wenn jemand länger anhaltend hustet und denke sofort an “Die Stadt am Ende der Welt”. Verrückt, ich weiß, aber das legt sich auch wieder.  

Der erste Weltkrieg hat die Menschheit fest im Griff, aber in der Kleinstadt Commonwealh, die Charles Worthy gegründet hat um für die Arbeiter seines Sägewerks bessere Bedingungen zu schaffen, bekommt man von all dem gar nicht so viel mit. Als in der Nachbarstadt Timber Falls und in den umliegenden Städten die spanische Grippe ausbricht, treffen die Bewohner von Commonwealth die Entscheidung den Ort abzuriegeln und mit Wachposten zu sichern. Wir hätten aber keine Geschichte, wenn die Isolation des Ortes gelungen wäre. Man kann sich also denken, dass die spanische Grippe auch in Commonwealth wütet.  

Obwohl das Buch schon 2006 veröffentlicht wurde, ist es nun aktueller denn je. Der Autor hat sehr gut recherchiert und zusätzlich seine Fantasie spielen lassen. Für mich las sich das Buch wie eine Spiegelung unserer aktuellen Situation seit März. Nicht nur, dass man erst glaubte, dass die Grippe schon nicht in die Heimat kommt, sondern auch der Umgang mit dem Virus von Seiten der REgierung und auch der Einwohner. Thomas Mullen hat nicht nur den ortsansässigen Arzt zu Beginn der Pandemie bis zur Erschöpfung durch das Dorf laufen lassen, er hat auch all die Bewohner auf verschiedene, heute auch überall zu findende Art und Weisen,  porträtiert. Das war wirklich spannend zu sehen, wie die einzelnen Phasen der Pandemie im Roman ablaufen und einen Vergleich mit heute zu ziehen.  

Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen, allerdings habe ich auch auf keine Art ein richtiges Problem mit Corona bisher gehabt, weder Krankheitsfälle im direkten Umkreis noch größere finanzielle Probleme, nur das übliche, was einen ab und an mal nervt. Wer auf das Thema nicht gut zu sprechen ist, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen. Allen anderen kann ich es empfehlen, einfach um mal zu sehen, dass das Verhalten einiger Menschen in der heuteigen Zeit wohl doch normal ist.  

Das Buch wurde mir von Netgalley und vom Dumont Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.  

Wenn ihr weitere Infos über das Buch benötigt oder erst die Leseprobe lesen wollt, guckt euch mal auf der Seite Dumont Verlages um.  

Montagsfrage # 96 – Welches (Cover-)Design eines Buches hat euch in letzter Zeit besonders gefallen?

Wie jedes Jahr im Oktober kann ich gar nicht fassen, dass plötzlich überall diese bunt leuchtenden Blätter liegen und es nicht mehr über 20 Grad warm ist. Ich mag den Herbst einfach gern, obwohl ich zur Zeit ziemlich friere. Vielleicht hift dagegen nur Bewegung 😉

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Ich habe einen Tick: Ich muss immer, wenn ich abends ein Buch beendet habe, mindestens die erste Seite des neuen Buches lesen, denn wenn mich mal einer fragt (es gibt generell nur ein bis zwei Leute, die das tun) was ich gerade lese, möchte ich nicht sagen müssen, dass ich gerade kein Buch lese. Also habe ich gestern Abend noch mit „Insel der verlorenen Erinnerung“ von Yoko Ogawa – ein Tipp vom Papierstau-Podcast – begonnen. Nach einer Seite kann ich euch allerdings nicht so wirklich sagen wie es ist. Ich kann euch aber schon sagen, dass das Buch, das ich gestern beendet habe („Die Stadt am Ende der Welt“ von Thomas Mullen) mir richtig gut gefallen hat. Obwohl es bereits 2006 geschrieben wurde und von der spanischen Grippe handelt, habe ich unsere aktuelle Corona-Situation eins zu eins wieder erkannt.

Ich höre gerade „Herzfaden“ von Thomas Hettche. Die beiden Sprecher machen das Buch zu einem besonderen Erlebnis. Es war ein Lesetipp vom Papierstau-Podcast, den ich neuerdings ganz gerne höre. Es wurde so sehr von dem Buch geschwärmt, dass ich es einfach hören musste.

Nun aber zur Montagsfrage, die Antonia auf Lauter & Leise für diese Woche stellt:

Welches (Cover-)Design eines Buches hat euch in letzter Zeit besonders gefallen?

Mir hat das Cover von „Daisy Jones & The Six“ von Taylor Jenkins Reid auf Anhieb gut gefallen, weil es auf eine Art den Inhalt wieder spiegelt. Ich mag es, wenn das Buch zum Inhalt passt. Oft finde ich, ist das nicht so.

Habt ihr auch Cover, die euch gut gefallen haben?